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Interviews

KATHOLISCHE KIRCHE
 

Der Chef der Vatikanbank kennt die Ursache der Finanzkrise

 

Der "wahre Ursprung der Krise": die Menschen im Westen befolgen nicht die Lehren des Papstes und kriegen zu wenige Kinder

Florian Rötzer

Theorien über die Ursachen der Finanzkrise gibt es viele. Jetzt hat sich auch der Präsident der Vatibankbank IOR (Istituto per le Opere di Religione) eingeschaltet. Wie nicht anders zu erwarten, ist seine Erklärung aus der Perspektive der katholischen Religion zumindest als originell zu bewerten.

Das IOR hat sich zumindest vor 30 Jahren selbst in dunkle Geschäfte begeben und hat möglicherweise zusammen mit der Mafia gearbeitet. Danach wurde ein Wächterrat eingeführt. Dennoch bleibt vieles im Dunklen. "Ein ausgewählter Kundenkreis genießt die Vorteile einer steuerfreien Zone", so charakterisierte die Zeit die Papst-Bank, "für die die italienischen Kapitalausfuhr- und Devisenbestimmungen nicht gelten. Eigentümer der Bank ist der Papst, der auch die Gewinne beansprucht. Das IOR veröffentlicht weder Bilanzen noch Rechenschaftsberichte."

Ende des letzten Jahres ist die Vatikanbank, seit dem im letzten Jahr erschienenen Buch Vaticano Spa von Gianluigi Nuzzi, allerdings wieder in Verdacht geraten. Dieses Mal geht es um den Vorwurf der Geldwäsche. Das Handelsblatt bemerkt: "Auch in diesen Zeiten, in denen weltweit Steuerschlupflöcher geschlossen und Bilanzen offengelegt werden, bleibt das Ior eine der geheimnisvollsten Finanz-Institutionen der Erde." Die Bank untersteht keiner staatlichen oder internationalen Kontrolle, wie viel Geld sie verwaltet, ist unbekannt, man geht von mehreren Milliarden Euro aus.

Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS ONLINE vom 08. 02. 2010 zu Ende.

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MARIA WARD
 

Feministin im Habit

 

Schulbildung war vor 400 Jahren für Mädchen nicht vorgesehen. Ausgerechnet eine fromme Katholikin sah das anders – und gründete den Orden der „Englischen Fräulein“.

Von FOCUS-Online-Autorin Kathrin Zeilmann

Erst 2009 hat Papst Benedikt XVI. der 1645 in York gestorbenen Ordensgründerin Mary Ward den Titel „Ehrwürdige Dienerin Gottes“ verliehen und ihre „außergewöhnlichen Tugenden“ hervorgehoben. In der katholischen Kirche gilt das als wichtige Etappe auf dem Weg zur Seligsprechung. Benedikts Vorgänger auf dem Stuhl Petri vor vier Jahrhunderten hielten Mary Ward indes keinesfalls für ehrwürdig und für eine Dienerin Gottes schon gleich gar nicht. Eher für ein aufmüpfiges Frauenzimmer mit kirchenfeindlichen Ideen.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Dass Mädchen die gleichen Bildungschancen haben wie Jungen ist heute längst eine Selbstverständlichkeit. Als aber Mary Ward vor 400 Jahren ihren Orden gründete, war Schulbildung für junge Frauen nicht vorgesehen. Sie sollten heiraten, Kinder gebären, den Hausstand führen.

Mary Ward aber war der Meinung: „Es gibt keinen solchen Unterschied zwischen Männern und Frauen, dass Frauen nicht Großes vollbringen könnten, wie wir am Beispiel vieler heiliger Frauen gesehen haben, die große Dinge getan haben. Und ich hoffe zu Gott, es möge zu sehen sein, dass Frauen in der kommenden Zeit viel tun werden.“

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KATHOLIZISMUS
 

Wie die Kirche ihr Missbrauchsproblem verdrängt

 

Kindesmissbrauch gibt es nicht nur in der Katholischen Kirche. Doch hier sind die Widerstände besonders groß, wenn es um Aufklärung und Opferhilfe geht. Nachdem nun immer neue Fälle bekannt werden, ist das Bestreben groß, das Problem endlich konsequent anzugehen. Doch die Kritiker bleiben skeptisch.

Von Gernot Facius

Der Richter war empört. Vor Karl Iglhaut saß im Regensburger Landgericht als Rückfalltäter der Priester Peter K., 40, der wegen sexuellen Missbrauchs eines Messdieners eine dreijährige Haftstrafe erhielt. Scharf kritisierte der Richter die Leitung der Diözese Regensburg: Sie habe den Pädophilen schon während seiner Bewährungszeit nach dem ersten Missbrauchsfall wieder in einer Gemeinde eingesetzt und ihn so in eine „Versuchungssituation“ gebracht. Der Jurist verglich das mit einer Bank, die jemanden anstelle, der „wegen Untreue oder Unterschlagung vorbestraft ist“.

Der Fall, 2008 verhandelt, steht exemplarisch für lasches kirchliches Handeln, wie es sich nun auch beim Skandal am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten gezeigt hat. Dabei hätte es die Regensburger Affäre gar nicht geben können, wenn damals die bereits 2002 von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedeten Leitlinien zum „Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger in der katholischen Kirche“ konsequent angewandt worden wären. Klipp und klar heißt es darin: „Heute steht fest, dass Pädophilie eine sexuelle Störung ist, die von der Neigung her strukturell nicht abänderbar ist.“

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JESUIT LANGENDÖRFER
 

"Ein dunkles Gesicht der Kirche"

 

Der Skandal um Kindesmissbrauch erschüttert die katholische Kirche in Deutschland, allein seit 1995 hat es über 90 Verdachtsfälle gegeben. Der Jesuit Hans Langendörfer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, spricht im Interview mit SPIEGEL ONLINE über Fehler und Verantwortung der Kleriker.

SPIEGEL ONLINE: Nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle an den Jesuitenschulen in Berlin, Hamburg, St. Blasien und an den katholischen Einrichtungen im Bistum Hildesheim sprach Pater Klaus Mertes, Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, vorige Woche davon, dies sei nur die Spitze des Eisbergs - welche Dimension wird der Skandal erreichen?

Langendörfer: Das kann jetzt natürlich noch niemand sagen. Es wäre wohl wirklichkeitsfremd anzunehmen, dass nach den jetzigen Enthüllungen schon alles offenbar geworden ist. Aber wir wollen ausdrücklich die Aufklärung, damit wir helfen können. Die Enthüllungen zeigen ein dunkles Gesicht der Kirche, das mich erschreckt.

SPIEGEL ONLINE: Die Jesuiten selbst kritisieren das jahrzehntelange Vertuschen der Missbrauchsfälle. Haben sie recht? Hat man - insbesondere vor 2002 - auch in den katholischen Bistümern viel zu lange weggesehen?

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 06. 02. 2010 zu Ende.

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ZWISCHEN GLAUBE UND RATIONALITÄT
 

Rom überprüft Lebenswandel

 

Nicht ganz uneigennützig ist die Zustimmung der christlichen Kirchen zur Islam-Lehre in Deutschland. Denn auch der christliche Unterricht könnte zur Disposition stehen.

Von FOCUS-Online-Autorin Kathrin Zeilmann

Für eine Professur in der Theologie braucht es nicht nur wissenschaftliche Fähigkeiten – denn die jeweilige Kirche hat ein entscheidendes Wörtchen mitzureden, wenn es darum geht, wer einen Lehrstuhl in Theologie an den deutschen Universitäten erhält. Im Vertrag des Landes Berlin mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz aus dem Jahr 2006 etwa heißt es: „Vor der Berufung einer Professorin, eines Professors, einer Hochschuldozentin oder eines Hochschuldozenten für ein evangelisch-theologisches Fach einschließlich der Religionspädagogik an einer Hochschule des Landes wird der Kirche Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Werden Bedenken geäußert, die sich auf Lehre und Bekenntnis beziehen und im Einzelnen begründet werden, wird die zuständige Senatsverwaltung diese Stellungnahme beachten.“

Reinhard Marx, heute Erzbischof in München-Freising, verweigerte 2002 als Bischof von Trier einer habilitierten Theologin das „nihil obstat“, also die kirchliche Lehrerlaubnis. Der Fall sorgte für Schlagzeilen und galt als Beispiel für die starre Haltung der katholischen Kirche.

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 05.02. 2010 zu Ende.

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USA
 

Immer mehr Menschen, die nicht genug zu essen haben

 

Nach dem Bericht von "Feeding in America" haben letztes Jahr 37 Millionen Menschen Hilfe von der Organisation angenommen, 46 Prozent mehr als 2005.

37 Millionen Menschen in den USA, fast jeder Achte, leiden zeitweise an Hunger bzw. an "Lebensmittelunsicherheit", wie es korrekt heißt und sich dann doch ein wenig davon unterscheidet, was man unter hungern spontan verstehen würde. Gemeint ist damit jeder, der "zeitweise nicht genügend Nahrungsmittel hat, um ein aktives, gesundes Leben für alle Mitglieder des Haushalts zu führen, oder dem nur beschränkt oder ungewiss für die Ernährung angemessene Lebensmittel zur Verfügung hat".

Aber auch, wenn es eher um eine minimale Lebensqualität als um verhungern geht, sind die Zahlen nach dem Bericht Hunger in America 2010, der von Feeding America, der größten US-Wohltätigkeitsorganisation für die Verteilung von Essen und Lebensmitteln, herausgegeben wurde, in den letzten Jahren erheblich angestiegen. Feeding America versorgte 2009 37 Millionen Menschen - 14 Millionen Kinder, 3 Millionen Senioren - mit Nahrung in 14 Millionen Haushalten, 46 Prozent mehr als im Jahr 2005, als der letzte Bericht veröffentlicht wurde und es sich noch um 25 Millionen Hilfsbedürftige handelte. Der Teil der Kinder, die Lebensmittelhilfen benötigte, stieg um 50 Prozent, die der Senioren gar um 64 Prozent. Besonders betroffen sind die Alleinerziehenden.

Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS ONLINE vom 04. 02. 2010 zu Ende.

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GROSSBRITANNIEN
 

Papst will "missionarischen Eifer" gegen Schwule

 

Papst Benedikt XVI. empört England: Dem Heiligen Vater passt nicht, dass die Briten ein Gesetz gegen die Diskriminierung Homosexueller auf dem Arbeitsmarkt verabschieden wollen. Mit aller Macht sollten sie sich gegen die Regelung stemmen, forderte der Papst seine Amtsbrüder auf der Insel auf.

Von Thomas Kielinger

Große Ereignisse werfen lange im Voraus ihre Schatten. So der bevorstehende Besuch des römischen Pontifex Benedikt XVI. in England, im September dieses Jahres. Es wird der erste Papst-Besuch sein seit 1982. Dazwischen liegen 28 Jahre einer Metamorphose des Zeitgeistes, die den Vorposten Europas zwischen Nordsee und Atlantik, die britische Insel, tief greifender erfasst hat als andere Gesellschaften. Seit den Thatcher-Jahren ist eine "Anything goes"-Mentalität herangewachsen, die Annahme grenzenloser Verfügbarkeit existenzieller Optionen. Kompass ist das säkular-libertäre Prinzip, welches Gleichheit an die Stelle der Rücksicht setzt und Homogenität an die Stelle unterschiedlicher Lebensinhalte.

Papst Benedikt, der sanft spricht aber entschieden markiert, hat in diesen Tagen den britischen Episkopat auf Besuch im Vatikan, und diese Gelegenheit war ihm gerade recht, sogleich zur Sache zu kommen. Im House of Commons wird zurzeit eine Gesetzgebung behandelt, unter dem Titel "Equality Bill", der zufolge im britischen Arbeitsrecht künftig keine Unterscheidung mehr zulässig sein wird zwischen Lebensgruppen diverser Ausrichtung.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 03.02. 2010 zu Ende.

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HOMOSEXUELLE US-SOLDATEN
 

Pentagon lockert Schwulen-Gesetz

 

Es ist ein erster Erfolg für homosexuelle US-Soldaten: Das Pentagon will auf Betreiben von Präsident Obama die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in der Armee vermindern. Verteidigungsminister Gates kündigte an, bisherige Einschränkungen würden überprüft.

Washington - Das US-Militär will die Entlassung schwuler Soldaten, die sich offen zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen, ab sofort nicht mehr "aggressiv betreiben". Entsprechende Zusicherungen von Verteidigungsminister Robert Gates und Generalstabschef Mike Mullen wurden von einer Anhörung im Washingtoner Senat erwartet. Dabei wollten der Pentagonchef und der Admiral erläutern, wie sie sich eine Umsetzung des jüngsten Versprechens von Präsident Barack Obama vorstellen, dem zufolge künftig geouteten Soldaten kein Ausschluss aus der Armee mehr drohen soll.

Seit 1993 gibt es in den USA ein Gesetz "Don't ask, don't tell". Es besagt, dass homosexuelle und lesbische Soldaten dienen können, so lange sie über ihre Orientierung schweigen. Bereits im Wahlkampf hatte Obama angekündigt, dass er eine Aufhebung dieses Gesetzes erreichen will. Zur großen Enttäuschung der Schwulen-Organisationen setzte er das Versprechen aber in seinem ersten Amtsjahr nicht die Tat um. In der vergangenen Woche stellte er in seinem Bericht zur Lage der Nation schließlich einen Vorstoß im Kongress zur Annullierung des Gesetzes noch in diesem Jahr in Aussicht.

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 02. 02. 2010 zu Ende.

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KATHOLISCHE KIRCHE
 

Benedikt XVI. – radikal, modern und Buddha-gleich

 

Gerne wird dem Papst vorgeworfen, er sei von vorgestern. Dabei ist er von vorvorvorgestern: Benedikt XVI. verkörpert eine 2000 Jahre alte Tradition und steht deshalb im Kreuzfeuer. Doch der Papst ist trotz allem nicht nur radikal und modern, sondern auch ein Fels im Meer der kurzlebigen Trends.

Von Paul Badde

Wir sind nicht Papst und waren es nie, Gott sei Dank, weder der Autor dieser Zeilen noch Klaus Wowereit oder Dieter Bohlen, und das ist gut so. Nicht einmal Angela Merkel oder Margot Käßmann waren je Papst und wir Deutschen alle zusammen erst recht nicht. Der Kalauer, der einmal das Gegenteil behauptete, war eine geniale Titelzeile auf Seite eins, aber eigentlich doch augenzwinkernder Blödsinn aus der Witzfabrik der Frankfurter Schule. Wir sind auch keine Franzosen, seit Joseph Kardinal Ratzinger 1992 in die Académie Française gewählt wurde.

Doch auch Alexander Smoltczyks schöne Beobachtung im "Spiegel", dass die Deutschen im April 2005 "den Glauben an die Gottlosigkeit verloren" hätten, stimmte natürlich nie. Das so zu empfinden war nur der überwältigenden Erfahrung jener Tage auf dem Petersplatz geschuldet, als selbst religiös ganz unmusikalische Menschen im Röcheln von Papst Johannes Paul II. wieder etwas von den Chören der Engel zu vernehmen meinten. Andere wurden damals mit der Wahl Benedikts XVI. von der trügerischen Annahme überwältigt, der große Weltkrieg der Völker sei erst damit endlich an ein Ende gekommen. Diese Euphorien sind heute aufgebraucht. Jetzt melden sich die Gottlosen wieder zurück, verbissener als je zuvor zu meinen Lebzeiten und so aggressiv, als gelte es, verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 01.02. 2010 zu Ende.

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DAVOS-FORUM
 

Ein Erzbischof, der über Geld spricht

 

Auf dem Weltwirtschaftsforum hagelte es heftige Kritik an den Banken. Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, fordert von Bankern und Managern, sie sollten selbst Vorschläge für eine künftige Finanzarchitektur auf den Tisch legen – statt immer nur vor Überregulierung zu warnen.

Von Jörg Eigendorf und Miriam Hollstein

WELT ONLINE: Herr Erzbischof, macht Davos Manager zu besseren Menschen?

Reinhard Marx: Das weiß ich nicht. Aber ich glaube, es ist besser, dass es das Forum gibt, als wenn es es nicht gäbe. Viele lassen sich hier mit Problemen konfrontieren, die ihnen im Alltag nicht begegnen.

WELT ONLINE: Der Soziologe Jean Ziegler hat das Weltwirtschaftsforum und sein Jahrestreffen einmal als „Tanz der Vampire“ bezeichnet und seine Abschaffung gefordert.

Marx: Wenn es nur ein Tanz von Vampiren wäre, die andere aussaugen wollen, dann hätte sich das schnell totgelaufen. Es gibt sicher Leute, die hier vor allem herkommen, um Geschäfte zu machen. Es gibt aber auch viele, die daran interessiert sind, wie es weitergeht und wie man die Zukunft gestalten kann.

WELT ONLINE: Was haben Sie vermisst?

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 31. 01. 2010 zu Ende.

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GROSSBRITANNIEN
 

Innenministerium sponsert christliche Beter-Blocker

 

Es ist eine eher ungewöhnliche Form, das Verbrechen zu bekämpfen: Das britische Innenministerium unterstützt einem Zeitungsbericht zufolge eine Vereinigung christlicher Polizisten mit 10.000 Pfund. Die gläubigen Ordnungshüter wollen die Kriminalität kleinbeten, Aggressoren blockieren.

Hamburg - Sie glauben fest daran, mit ihrer Religion das Verbrechen bekämpfen und Beamte beschützen zu können - und bekommen nun Hilfe von zweithöchster Stelle: Das britische Innenministerium unterstützt die Vereinigung christlicher Polizisten (CPA) mit 10.000 Pfund (etwa 11.500 Euro), wie der "Independent" berichtet. Damit soll die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden ausgebaut werden.

Die landesweite Organisation mit 2000 Mitgliedern geht dem Artikel zufolge davon aus, dass es einen "Indizienbeweis" für ihre Überzeugungen gibt: Regelmäßige Gebetszirkel können die Kriminalitätsrate senken und Straftäter auf den rechten Weg zurückführen. "Wir wollen, dass die Menschen für die Polizei beten", zitierte die Zeitung den CPA-Vorsitzenden Don Axcell, "zum Beispiel für die Aufklärung von Verbrechen und den Schutz der Beamten."

Les Isaacs, der Gründer einer Bewegung von Pastoren, die sich in Problemvierteln engagieren, sagte dem "Independent": "Der Ansatz muss sowohl pragmatisch als auch spirituell sein. Gebete machen einen entscheidenden Unterschied, das sehen wir jeden Tag. Wenn Sie für das Wohl Ihrer Umgebung beten, werden Sie sehen, dass die Menschen weniger aggressiv werden."

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 29. 01. 2010 zu Ende.

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SHERLOCK-HOLMES-AUTOR
 

Sir Arthur Conan Doyles Krieg der Geister

 

Sherlock-Holmes-Autor Doyle kämpfte vehement um die Anerkennung des Spiritismus - gegen einen Zauberer

Markus Kompa

Wenn dieser Tage der aktuelle Sherlock Holmes-Film anläuft, in welchem der legendäre Meisterdetektiv gegen einen Okkultisten kämpft, der den Lauf der Welt verändern möchte, so war es in der historischen Realität genau umgekehrt: Während Dr. Watson "autobiographisch" seinen Freund Holmes als kühlen Logiker beschrieb, der Irrationalem skeptisch gegenüberstand, führte Watsons alter ego Sir Arthur Conan Doyle die damals populäre spiritistische Bewegung an und erwartete in naher Zukunft eine Art Apokalypse. Sein Versuch, den Star-Magier Houdini zum Anhänger zu bekehren, führte im Gegenteil zu einem erbitterten Privatkrieg des Zauberers gegen die Spiritistische Bewegung.

Der Krimi- und Science Fiction-Autor Sir Arthur Conan Doyle (geboren 1858) war einer der erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Schotte war katholisch erzogen worden, hatte jesuitische Schulen besucht, entwickelte zur Kirche jedoch bereits früh eine kritische Einstellung. Während seines Medizinstudiums befasste sich Doyle mit spiritistischen Praktiken, telepathischen Experimenten sowie mit der aufgekommenen Theosophie. 1889 erlebte er seine erste Séance, die ihn völlig von der Realität des Phänomens überzeugte: Die menschliche Seele konnte außerhalb des Körpers existieren, war unsterblich!

Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS ONLINE vom 29. 01. 2010 zu Ende.

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CANISIUS-KOLLEG
 

Berliner Polizei ermittelt nach Missbrauchsfällen

 

An dem von Jesuiten betriebenen katholischen Canisius-Kolleg in Berlin-Tiergarten sind über Jahre hinweg Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden. Rektor Pater Klaus Mertes hatte das in einem Brief an mehr als 600 ehemalige Schüler mitgeteilt. Nun ermittelt die Polizei.

An dem katholischen Elitegymnasium Canisius-Kolleg in Berlin hat es in den 70er- und 80er-Jahren zahlreiche sexuelle Missbrauchsfälle gegeben. Bislang seien ihm sieben Fälle bekannt, sagte der Rektor der renommierten Privatschule, Pater Klaus Mertes, am Donnerstag. Er gehe aber „von einer größeren Dunkelziffer“ aus.

Die Berliner Polizei hat in dem Fall am Mittwoch ein Ermittlungsverfahren von Amts wegen eingeleitet, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Ermittelt werde gegen Unbekannt. Eine Anzeige habe es bislang nicht gegeben. Allerdings müsse man auch in jedem Einzelfall prüfen, ob die Straftat bereits verjährt sei. Laut Strafrecht verjährt ein schweres Sexualdelikt nach zehn Jahren. Wenn die Opfer laut Polizei zum Tatzeitpunkt jedoch minderjährig sind, setzt die Frist erst ein, wenn die Opfer 18 Jahre geworden sind. Damit wären die Taten am Berliner Kolleg verjährt, sobald die Schüler 28 Jahre alt wurden. Nach Angaben des Rektors sind die Opfer heute etwa 40 Jahre alt.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 28. 01. 2010 zu Ende.

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VATIKAN
 

Papst Johannes Paul II. dachte zwei Mal an Rücktritt

 

Papst Johannes Paul II. war offenbar grundsätzlich dazu bereit gewesen, seinen Rücktritt zu erklären. Das geht aus zwei bislang unbekannten Schreiben des Papstes hervor, die jetzt in einem Buch veröffentlicht wurden. Darin legte Johannes Paul II. auch die Bedingungen für einen möglichen Rücktritt fest.

Papst Johannes Paul II. (1978-2005) ist offenbar grundsätzlich zu einem Rücktritt bereit gewesen. Das Kirchenoberhaupt traf einem in Italien erschienenen Buch zufolge seit 1989 Vorkehrungen für einen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen.

Das geht aus zwei bisher unveröffentlichten Schreiben hervor. Autor und Herausgeber der Dokumentensammlung ist Slawomir Oder, zuständig für die Seligsprechungsverfahren von Johannes Paul II. als Postulator. Das Buch mit dem Titel „Warum er heilig ist“ enthält insgesamt 114 Dokumente aus den Akten des Seligsprechungsverfahrens für den Papst aus Polen.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 27. 01. 2010 zu Ende.

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FRANKREICH
 

Kommission will islamische Vollschleier verbannen

 

Zwei Drittel der Franzosen sind für ein Verbot der Ganzkörperverschleierung muslimischer Frauen, allen voran Staatspräsident Sarkozy. Nun soll die Burka vorerst in öffentlichen Einrichtungen verboten werden.

Eine parteiübergreifende Parlamentskommission empfahl am Dienstag nach sechsmonatiger Arbeit ein vollständiges Verschleierungsverbot in öffentlichen Einrichtungen. Auch der Zutritt zu Schulen, Krankenhäusern und Behörden wäre Burka- und Nikab-Trägerinnen damit untersagt. „Wir wollen islamistischen Fundamentalismus bekämpfen. Und die Burka ist eine Erscheinungsform dieses Fundamentalismus“, begründete Berichterstatter Éric Raoult die Vorschläge. Sie sollen so schnell wie möglich umgesetzt werden.

In Frankreich wird seit Monaten über ein mögliches Verbot von Schleiern gestritten, die nur schmale Sehschlitze für die Augen offen lassen (Nikab) oder diese sogar noch mit einem Gitterschleier verdecken (Burka). Frankreich hat mit über fünf Millionen Menschen die größte muslimische Gemeinde Europas. Seit 2004 ist dort schon das Tragen auffälliger religiöser Zeichen in den staatlichen Schulen verboten.

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 26. 01. 2010 zu Ende.

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FURCHT VOR ISLAMISCHEN PROTESTEN
 

US-Militärwaffen tragen geheime Bibelverse

 

Die Verse sind in die Zielfernrohre eingraviert. Im Irak setzt das US-Militär sie auch beim Training für Sicherheitspersonal ein. Aus Sorge, dass der Gebrauch dieser Waffen in islamischen Ländern zu Protesten führen und gar den Eindruck eines Kreuzzuges vermitteln könnte, sollen die Verse nun entfernt werden.

Von Florian Flade

Schusswaffen mit Bibelversen sorgen für Wirbel im US-Militär. Wie jetzt bekannt wurde, sind Tausende von Schusswaffen mit Zielfernrohren ausgestattet worden, in die Kürzel eingraviert wurden, die für Bibelzitate stehen. Zu sehen sind die geheimen Botschaften nur bei genauer Betrachtung, denn sie befinden sich in sehr kleiner Schrift als Fortsetzung der Serienummer auf den hochmodernen Zielvorrichtungen.

Dort steht etwa „JN8:12“, eine Abkürzung für „Johannes, Kapitel 8, Vers 12“, der da lautet: „Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Ein anderes Zielfernrohrmodell trägt die Inschrift „2COR4:6“ stellvertretend für den 2. Korinther-Brief, Kapitel 4, Vers 6: „Denn Gott, der da ließ das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi.“

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 24. 01. 2010 zu Ende.

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KATHOLIKEN IN DEUTSCHLAND
 

"Wir sehen Afghanistan differenzierter"

 

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, über Margot Käßmanns Militär-Kritik, das "C" in der CDU und die Beleidigungen der Piusbruderschaft

Gernot Facius

Welt am Sonntag: Herr Erzbischof, nach den umstrittenen Afghanistan-Äußerungen von Bischöfin Margot Käßmann haben Sie sich aus der Diskussion zunächst heraushalten und anderen katholischen Bischöfen das Feld überlassen. Warum?

Erzbischof Robert Zollitsch: Vor der Neujahrspredigt von Bischöfin Käßmann hatte sich unser Militärbischof Walter Mixa zu Wort gemeldet. Anschließend Bischof Stephan Ackermann, der die Kommission Justitia et Pax leitet. Als Bischofskonferenz sind wir gut beraten, wenn wir die Fachkompetenz unserer Bischöfe bei solchen komplexen Fragen nutzen.

Welt am Sonntag: Gleichwohl haben Sie zögerlich auf Käßmanns Vorstoß reagiert.

Zollitsch: Mit den Äußerungen der EKD-Ratsvorsitzenden setzen wir uns auseinander. Ich war überrascht, dass dies von evangelischer Seite eingefordert wurde, längst als wir uns geäußert hatten. Wir sehen die ganze Sache eben etwas differenzierter.

Welt am Sonntag: Wie viel Gewalt darf die Kirche beim Afghanistan-Einsatz billigen?

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 24. 01. 2010 zu Ende.

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PÄPSTLICHER APPELL
 

Gehet hin und bloggt

 

Oberster Hirte im Web: Papst Benedikt XVI. will, dass seine Brüder künftig bloggen. Das Internet wächst rasend schnell, weiß Papst Benedikt XVI. - und seine katholische Kirche soll den Anschluss nicht verpassen. Darum schwört der Pontifex seine Priester auf multimediale Glaubensverbreitung ein. Sie sollen die Botschaft Christi verstärkt ins Netz tragen.

Rom - Die katholische Kirche soll künftig verstärkt online um neue Schäfchen werben und ihre Anhänger auch direkt über das Internet ansprechen. Papst Benedikt XVI. hat Priester weltweit dazu aufgerufen, moderne Kommunikationsmöglichkeiten wie das Internet stärker zu nutzen. Die Neuen Medien ermöglichten eine "neue Epoche" der Glaubensverkündigung, schrieb der Papst in einer Botschaft zum 44. Katholischen Welttag sozialer Kommunikationsmittel.

Die Priester sollten alle möglichen multimedialen Mittel nutzen, um das Evangelium unter die Menschen zu bringen und mit Angehörigen anderer Religionen und Kulturen ins Gespräch zu kommen.

Die "rasende umfassende Verbreitung" und der Einfluss der neuen Kommunikationswege erlaube es, Christi Wort engagiert zu verkünden. "Durch die modernen Kommunikationsmittel kann der Priester das Leben der Kirche bekanntmachen und den Menschen von heute helfen, das Gesicht Christi zu entdecken", schreibt Benedikt.

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 23. 01. 2010 zu Ende.

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KATHOLKEN IN DER CDU
 

„Kein Mehl statt Vitamin C“

 

Gegen den Willen von Parteichefin Merkel haben engagierte Katholiken einen Arbeitskreis in der CDU ins Leben gerufen. Gründer Martin Lohmann erklärt, warum sie keine Rebellen und Konservative progressiv sind.

Von FOCUS-Online-Redakteur Harry Luck

FOCUS Online: Herr Lohmann, was hat Sie angetrieben, einen katholischen Arbeitskreis in der CDU zu gründen?

Martin Lohmann: Das lag einfach in der Luft. Die Unzufriedenheit an der Basis mit der Union und dem Profil der C-Parteien war ja geradezu mit Händen greifbar. Als engagierter Katholik hatte man in den vergangenen Monaten schon mal den Eindruck, dass das katholische Profil in der CDU nicht mehr richtig erkennbar war. Viele Katholiken haben ihr Vertrauen in die Partei verloren, etwa wenn es um Fragen des Lebensschutzes, der Familienpolitik oder der Stammzellenforschung geht.

FOCUS Online: Warum gab es so etwas nicht schon viel früher? Einen evangelischen Arbeitskreis gibt es doch schon lange.

Lohmann: Der EAK, der Evangelische Arbeitskreis, wurde in den 50er-Jahren gegründet, als der rheinische Katholizismus die Adenauer-CDU zu dominieren schien. Damals wollten sich evangelischen Christen besser sich zu Wort melden. Seit der Wende hat sich nicht nur Deutschland verändert, sondern auch die CDU. Das C im Parteinamen ist nicht mehr so selbstverständlich erkennbar. Und am großen Zuspruch wird deutlich, dass wir die richtige Idee zur richtigen Zeit hatten. Bei der Mitgliederzahl gehen wir seit der Gründung im November auf die 1000 zu. Aber wir zählen jetzt nicht mehr. Wir wachsen halt kräftig. Es ist eine kräftige Basisbewegung.

FOCUS Online: Welche bekannten Mandatsträger sind dabei?

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 22. 01. 2010 zu Ende.

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RELIGIÖSE GEWALT IN NIGERIA
 

Tödlicher Konflikt in einem kopflosen Land

 

Bei den jüngsten Kämpfen zwischen Christen und Muslimen in der Stadt Jos starben 200, möglicherweise bis zu 500 Menschen. Aber nicht nur in Jos schwelt der Konflikt: Nigeria ist führungslos, weil sich der muslimische Präsident und sein christlicher Vize nicht über die Macht einigen können.

Von Jens Wiegmann

Ein Streit bei einem Fußballspiel habe zu den jüngsten tödlichen Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen in Nigeria geführt, sagen die einen. Einige Muslime hätten eine Kirche während eines Gottesdienstes attackiert und damit die mehrtägigen Kämpfe mit 200, möglicherweise sogar 500 Toten Anfang der Woche provoziert, berichten andere aus der Stadt Jos. Nach Angaben des nigerianischen Roten Kreuzes sind 18.000 Menschen auf der Flucht. In Jos sorgt inzwischen ein Großaufgebot an Polizei und Armee für oberflächliche Ruhe.

Ein dritter Grund scheint der wahrscheinlichste zu sein und illustriert damit auf erschreckende Weise den Teufelskreis der Gewalt: Jugendliche Mitglieder einer christlichen Gruppe hinderten offenbar einen Mann daran, sein Haus zu renovieren – es war bei den letzten religiös motivierten Ausschreitungen im November 2008 zerstört worden.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 21. 01. 2010 zu Ende.

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CHRISTEN GEGEN MUSLIME
 

Fast 200 Tote bei religiösen Kämpfen in Nigeria

 

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen sind in Nigeria fast 200 Menschen getötet worden. Weitere 800 Menschen wurden bei den Unruhen in der Stadt Jos im Zentrum des Landes verletzt, wie Religionsvertreter am Dienstag mitteilten. Vizepräsident Goodluck Jonathan schickte Einheiten des nigerianischen Militärs in die Gegend, um die Lage zu beruhigen.

„Heute morgen haben wir 156 Leichen gezählt, am Nachmittag weitere 36, so dass wir insgesamt 192 Leichen haben“, sagte der Vorsteher der zentralen Moschee in Jos, Balarabe Dawud. Von den 800 Verwundeten seien 90 mit schweren Verletzungen in ein Militärkrankenhaus gebracht worden. Die Auseinandersetzungen hatten bereits am Wochenende begonnen. Der Streit entzündete sich am Bau einer Moschee in einem mehrheitlich christlichen Gebiet im Bundesstaat Plateau.

Das Militär bemühe sich zusammen mit der Polizei um eine Normalisierung, sagte der nationale Sicherheitsberater Sarki Mukthar. Johnson habe zudem die Führung der Sicherheitskräfte angewiesen, sich unverzüglich ein Bild von der Lage in Jos zu machen.

Die Behörden hatten am Montag über den Bezirk Nassarawa Gwom eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Offizielle Angaben zur Zahl der Getöteten und Verletzten gab es nicht, auch das Rote Kreuz wollte keine Zahlen nennen. Es gebe nach den Unruhen 3000 Vertriebene, erklärte das Rote Kreuz.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 19. 01. 2010 zu Ende.

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BIBEL-LESER WISSEN MEHR
 

Wird Europa scheitern?

 

Ein ehemaliger deutscher Bundespräsident und Ex-Verfassungsrichter, ein ehemaliger EU-Binnenmarktkommissar sowie der amtierende Leiter des Zentrums für Europäische Politik schlagen Alarm. Roman Herzog, Frits Bolkenstein und Lüder Gerken veröffentlichten am Freitag, 15. Januar in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ einen ganzseitigen Beitrag mit der Überschrift: „Die EU schadet der Europa-Idee“. Fazit: Die EU muss die verlorene Akzeptanz bei Bürgern und Wirtschaft wieder gewinnen. Sonst ist das Scheitern nahezu vorprogrammiert.

Als weite Landstriche des alten Kontinents noch mit den Folgen des 2. Weltkrieg zu kämpfen hatten, war die Idee der „Vereinigten Staaten von Europa“ eine schöne Vision. Römische Verträge, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft hatten noch positiv empfundene Auswirkungen auf die Menschen. Das war auch nicht schwer. Nach den furchtbaren Kriegen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts konnte das Leben nur besser werden.

Heute hat die Bevormundung durch die Bürokratie für Bürger und Staaten einen Ausmaß angenommen, dass es verwundert, wenn überhaupt noch etwas funktioniert und vom Glück spricht man, wenn nicht irgend jemand gegen irgend etwas vor dem Europäischen Gerichtshof klagt. Im 2. Absatz ihres FAZ-Beitrages beklagen die Autoren: „Denn es ist und bleibt ein Faktum: Mehr als achtzig Prozent der in Deutschland geltenden Rechtsakte werden heute in Brüssel beschlossen“.

Lesen Sie hier den Beitrag aus STAONLINE Online vom 19. 01. 2010 zu Ende.

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HINTERGRUND
 

Massen handeln idiotisch und dumm

 

Warum das Vertrauen in die Intelligenz der Vielen ein frommer Wunsch bleiben wird.

Dem 19. Jahrhundert galt die "Masse" als "soziale Verfallsform". Der Philosoph Hegel hielt sie für "formlos", die Junghegelianer verachteten sie. Bruno Bauer erblickte in ihr "den Verfall der Gattung in die Menge einzelner Atome". Nur Karl Marx hielt große Stücke auf sie. Er wollte ihr "Klassenbewusstsein" einimpfen und die Massen zur Revolution animieren.

Diese Hoffnungen hegt in liberalen Gesellschaften niemand mehr. Selbst die extreme Linke hat mittlerweile davon Abstand genommen. Auch für sie ist die Masse kein "Subjekt" mehr, das qua Aktion sich selbst und alle anderen aufheben könnte. Weder hat sie dafür eine eigene Sprache, noch gibt es jemand, der in ihrem Namen sprechen könnte.

Wer aktuell von "Masse" spricht, der hat daher meist etwas "Amorphes" "Diffuses" oder "Schwammiges" vor Augen. Masse ist ohne jede "Qualität" oder gar "Polarität", sie repräsentiert nichts, sie bezieht sich auf nichts, außer auf sich selbst. Auf sie kann sich, wie einst auf die "Nation", das "Volk" oder die "Klasse", niemand mehr berufen. Für den Soziologen oder sozial Bewegten funktioniert sie allenfalls wie eine "verworrene Idee", deren Sinn zwar diffus, aber weiterhin im Gebrauch bleibt.

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BENEDIKT XVI.
 

Der schwere Weg des Papstes in die Synagoge

 

Die jüdische Gemeinde Roms ist nicht nur begeistert vom Besuch Benedikts XVI. "Den ganzen Tag streckte ich meine Hände aus nach einem ungläubigen Volk", heißt es über dem Portal der Gregorius-Kirche neben der großen Synagoge Roms. Vorbei die Zeiten, in denen die Bewohner des jüdischen Gettos von dieser Klage des Propheten Jesaja zur Umkehr "von ihrem Irrweg" aufgerufen wurden.

Von Paul Badde

Die Fassade ist restauriert, das Portal verriegelt. Keiner schaut mehr zu der hebräischen und lateinischen Inschrift hoch, die nur noch wenige lesen können. Ein Streifenwagen der Carabinieri bewacht den Eingang des Gettos an der Piazza Gerusalemme. An der Uferstraße stehen große Übertragungswagen aufgereiht hintereinander. Möwen flattern aufgeregt über dem Tiber. Handys klingeln durcheinander. An der Via Catalana legt ein Mann einen Kiesel auf den Sims eines Gedenksteins, der an das Attentat vom 9. Oktober 1982 erinnert, bei dem Stefano Tache Gay hier mit zwei Jahren sein Leben verlor.

Vor dem Hauptportal der Synagoge der ältesten jüdischen Gemeinde Europas klären Sicherheitsleute des Vatikans letzte Fragen mit Spezialisten der Stadt und der jüdischen Gemeinde. Erstmals nach dem historischen Besuch von Johannes Pauls II. vor 24 Jahren besucht wieder ein Papst "die älteren Brüder" der Christenheit in Rom. Doch diesmal kommt er aus Deutschland. Da ist ihm nicht nur Sympathie gewiss, die dem Vorgänger aus Polen im vergangenen Jahrhundert noch einhellig entgegenschlug.

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DEBATTE ÜBER ISLAMOPHOBIE
 

Peinlicher Aufklärungsunterricht

 

Mehr Selbstverachtung und Realitätsverlust war selten: In deutschen Feuilletons tobt eine neue Debatte über den richtigen Dialog mit dem Islam. Kurioserweise werden dabei ausgerechnet jene Publizisten als "Hassprediger" bezeichnet, die auf westliche Werte wie Aufklärung und Menschenrechte pochen.

Von Reinhard Mohr

Und ewig grüßt das Murmeltier. "Es muss nur irgend etwas geschehen, ein missglücktes Attentat wie zu Anfang des Monats zum Beispiel, und schon geht die Debatte wieder los" - so beklagte der Journalist Thomas Steinfeld am Donnerstag im Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung" die jüngste Auseinandersetzung über Islam, "Islamophobie" und die Werte des Westens. Ja, es muss nur gerade wieder mal ein 400-facher Massenmord durch einen islamistischen Terroristen mit knapper Not verhindert worden sein, schon kommen sie wieder aus ihren Löchern, die Islamkritiker, Kulturkämpfer und "heiligen Krieger" des Westens, wie Claudius Seidl, Feuilletonchef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", formulierte. In Steinfelds Worten: "die Hassprediger" der westlichen Werte.

Der Direktor des "Zentrums für Antisemitismusforschung", Wolfgang Benz, sieht sogar strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Antisemitismus und einer "Islamkritik", der er ebenfalls in einem Artikel für die "Süddeutsche Zeitung" islamophobe, also irgendwie rassistische Motive unterstellt. Die Muslime, so könnte man glauben, seien die verfolgten Juden des 21. Jahrhunderts.

Und schon ist sie fertig, die steile These: Die Kritiker des militanten Islam sind ihrerseits radikal gläubige Fundamentalisten. Steinfelds Logik ist bestechend: "Wenn man aber mit den 'westlichen Werten' ebenso kämpferisch umgeht, wie es der radikale Islam mit seinen heiligen Schriften tut, dann verhält man sich wie der, den man sich zum Feind erkoren hat", schreibt er. Schlimmer noch: "Man zerstört die sozialen und moralischen Einrichtungen, die man zu verteidigen sucht."

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BISCHOFSBESUCH
 

Wie Christen in Israel zurückgedrängt werden

 

Immer weniger Schäfchen im Heiligen Land: Eine internationale Delegation katholischer Bischöfe besuchte ihre Glaubensbrüder in Israel. Deren Lage ist schlechter geworden. Die Gemeinde in Israel schrumpft seit Jahren, und die Weltkirche muss dieser Entwicklung hilflos zuschauen.

Von Michael Borgstede

Bischof Pierre Morissette aus Saint-Jérome ist bereits zum achten Mal mit dabei. Gemeinsam mit gut einem halben Dutzend Kollegen aus aller Welt macht sich der kanadische Bischof einmal im Jahr auf in das Heilige Land, um sich aus erster Hand über die Situation der Christen dort zu informieren. Wenn man ihn aber fragt, ob sich deren Situation mit den Jahren verbessert habe, denkt Bischof Morissette kurz nach und sagt dann vorsichtig: „Ich glaube eher nicht.“

Damit gehört er zu den Optimisten unter den acht katholischen Bischöfen, die nun vier Tage in der Region verbracht haben. Wer weniger sonnigen Gemüts ist als der immer freundliche kanadische Bischof sagt einfach: „Nein, es ist schlechter geworden.“

Die Gemeinde im Heiligen Land schrumpft seit Jahren, und die Weltkirche schaut dieser Entwicklung hilflos zu. Obwohl in jedem Jahr auch Gespräche mit politischen Vertretern auf dem Programm stehen, hat kaum ein Mitglied der Delegation die Hoffnung, die Fürsprache der Bischöfe könne sich auf die Situation der Christen in Jerusalem und in den Palästinensergebieten positiv auswirken.

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HAITI
 

Voodoo-Erklärung für Erdbeben

 

Der republikanische TV-Prediger Pat Robertson spricht von einem Pakt mit dem Teufel

Zehntausende Tote (der haitianische Regierungschef Bellerive befürchtet sogar hunderttausende), Millionen von Obdachlosen und Schlammlawinen, die nach Medienberichten "ganze Armenviertel an Abhängen in die Tiefe gerissen haben" - verheerende Katastrophen wie das Erdbeben von Haiti reizen Prediger des religiösen Heils zu metaphysischen Kommentaren. Das war auch beim Erdbeben in Lissabon im Jahre 1755 der Fall, das zum bedeutsamen Streit zwischen Theologen und Philosophen über die Frage führte, wie Gott der Allmächtige und Gütige ein derartiges Unglück zulassen konnte - zumal zu Allerheiligen und in einem streng gläubigen, katholischen Land. Berühmt wurde die Schrift des Aufklärers Voltaire "Poème sur le désastre de Lisbonne" aus dem Jahre 1756 (zur Katastrophe von Lissabon und ihrer Nachbearbeitung siehe den Telepolis-Artikel Als ob der jüngste Tag kommen sey...).

Diesmal tut sich ein amerikanischer Fernsehprediger hervor. Der bekannte und umstrittene Prediger Pat Robertson, Moderator der US-TV-Sendung "The 700 Club" und Gründer der Christian Coalition of America - schon in der Vergangenheit selten verlegen um bizarre Interpretationen von katastrophalen Ereignissen - lässt aktuell mit einer Bemerkung aufhorchen, die einen Pakt der Haitianer mit dem Teufel ins Spiel der Erklärungen und Kommentare zum verheerenden Unglück bringt:

"(...)etwas passierte vor langer Zeit in Haiti und die Bevölkerung mag vielleicht nicht gerne darüber reden. Sie befanden sich damals unter der Herrschaft der Franzosen, Napoleon, dem Dritten oder so. Und sie kamen zusammen und schwörten zum Teufel, sie schlossen einen Pakt. Sie sagten: 'Wir werden dir dienen, wenn du uns von den Franzosen befreist.' Eine wahre Geschichte - und so gab der Teufel zur Antwort 'OK, der Handel gilt!'.

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UNICEF-STUDIE

 

Die Angst der jungen Deutschen vor ihrer Zukunft

 

In keinem anderen Industrieland sind junge Menschen so pessimistisch wie in Deutschland, heißt es in einer Unicef-Studie. Möglicherweise wird diese Haltung als Teil der gesellschaftlichen Kultur vermittelt. In Deutschland dominiere die Gefahr des Scheiterns das Denken. Dabei ist das Lebensumfeld beispielhaft gut.

Von Simone Meyer

Die Jugend in Deutschland hat offenbar das Vertrauen in ihre Zukunft verloren: Gut jeder vierte junge Mensch erwartet, dass er nach Schule und Ausbildung nicht unbedingt seinen Traumberuf ausüben wird. Zu diesem Schluss kommt eine neue Unicef-Studie, die das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen im internationalen Vergleich untersucht.

In keinem anderen Industrieland seien junge Erwachsene so pessimistisch – obwohl die Arbeitslosigkeit in ihrer Altersgruppe niedriger liege als in den meisten anderen Ländern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), resümieren die Soziologen Hans Bertram und Steffen Kohl von der Humboldt-Universität zu Berlin in ihrer Untersuchung „Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010: Kinder stärken für eine ungewisse Zukunft“.

In den USA, die im Gesamtvergleich von 21 Industrienationen ganz hinten liegen, hätten zum Beispiel nur neun Prozent eine so trübe Erwartung hinsichtlich ihrer Zukunftschancen. „Dieser Optimismus wird ihnen offenbar als Teil der gesellschaftlichen Kultur vermittelt“, schreiben Bertram und Kohl. In Deutschland dagegen stehe die Gefahr des Scheiterns im Vordergrund, und die Frage: „Werden unsere Kinder in der Lage sein, all die Probleme zu lösen, ihnen die Erwachsenen hinterlassen?“

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ZEITZEICHEN

 

Obamas Drachenrede

 

Die Geschichte überraschte immer wieder aufs Neue mit Ereignissen, die sich auch die blühendste Fantasie so nicht vorzustellen vermochte, wie z. B. den Terroranschlag vom 11. September 2001. Ebenso „Undenkbares“ geschah am 10. Dezember 2009 im Rathaus der norwegischen Hauptstadt Oslo. An sich schon ein Novum, dass ein US-Präsident, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Jahr im Amt ist, den Friedensnobelpreis erhält. Aber dann geschah das Unvorstellbare, das Undenkbare.

Von Anton Schosch, Nürnberg

In seiner Festrede sagt der frisch gebackene Preisträger und der Führer der einzig verbliebener militärischer Supermacht der Welt den Satz: „Es wird Zeiten geben, in denen Nationen – die allein oder gemeinsam handeln – den Einsatz von Gewalt nicht nur als notwendig, sondern als moralisch gerechtfertigt betrachten werden.“

Das muss man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Keine 400 Jahre ist es her, dass die von der Gegenreformation verfolgten protestantischen Gläubigen über England in die Neue Welt flüchteten, um dort gottesfürchtig in Frieden leben zu können. Viele Bibelausleger wollen dies in der Bildersymbolik der Offenbarung des Johannes Kapitel 12, Vers 16 im Nachhinein erkannt haben: „Und die Erde half dem Weibe…“.

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IDEOLOGIE

 

Islamkritik ist nicht vergleichbar mit Judenhass

 

In der Sozialpsychologie liegt es im Trend, Parallelen zwischen Antisemiten und Islamkritikern zu ziehen. Doch Angst vor Islamisten hat mit Hass auf Juden wenig gemein, sagt Henryk M. Broder. Während der Antisemitismus auf hysterischen Ängsten und Erfindungen beruht, hat die Islamophobie eine reale Basis.

Von Henryk M. Broder

Wie alles in der Welt geht auch die Sozialwissenschaft mit der Mode. Die Einrichtung von Studienfächern wie „Gender Studies“, „Holocaust Studies“ oder „Medienwissenschaft“ entspringt keiner Notwendigkeit, sie reflektiert nur den Zeitgeist, der seinerseits sowohl Alice Schwarzer wie Charlotte Roche eine Nische bietet.

Auch die Sozialpsychologie, Unterabteilung Vorurteilsforschung, bleibt vom Zeitgeist nicht verschont. Sehr in Mode sind derzeit Arbeiten über „Antisemitismus und Islamophobie“, deren Verfasser aufrichtig versichern, sie würden das eine mit dem anderen nicht gleichsetzen, sondern nur vergleichen. Und Vergleiche anzustellen sei eine wissenschaftlich bewährte und zulässige Methode.

Das stimmt. Grundsätzlich kann man alles mit allem vergleichen. Die Wehrmacht mit der Heilsarmee, einen Bikini mit einer Burka und die GEZ mit der Camorra.

Und deswegen kann man auch – theoretisch – den Antisemitismus mit der Islamophobie vergleichen, auch wenn das eine Phänomen mindestens 2000 Jahre alt ist und das andere ein Kampfbegriff, der von Ayatollah Khomeini vor 30 Jahren kreiert wurde. Praktisch läuft der Vergleich – ausgesprochen oder insinuiert – darauf hinaus, dass die Muslime die Juden von heute sind und die sogenannte Islamophobie „strukturell“ dem Antisemitismus verwandt ist. Was auch nicht ganz falsch ist, wenn man bedenkt, dass ein Nilpferd mit einem Menschen einiges gemeinsam hat: Es isst, schläft, verdaut und pflanzt sich heterosexuell fort.

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HINTERGRUND

 

Der stille Amerikaner

 

Die US-Amerikaner sind Idealisten, wollen allen, von denen sie kaum etwas wissen, die Erlösung bringen und verursachen dadurch schreckliche Katastrophen wie im Irak, in Afghanistan und nun vielleicht auch im Jemen

Uri Avnery

Der stille Amerikaner war der Held in Graham Greenes Novelle über den ersten Vietnamkrieg, der von den Franzosen ausgefochten wurde. Er war ein junger und naiver Amerikaner, Sohn eines Professors, der eine gute Ausbildung an der Harvard-Universität bekommen hatte und ein Idealist mit den besten Absichten war. Als er nach Vietnam gesandt wurde, wollte er den Einheimischen helfen, die beiden Übel zu überwinden, die er sah: den französischen Kolonialismus und den Kommunismus. Während er absolut nichts über das Land wusste, in dem er agierte, verursachte er eine Katastrophe. Das Buch endet mit einem Massaker, das Ergebnis seiner törichten Bemühungen. Er veranschaulicht das alte Sprichwort: "Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert."

Seitdem dieses Buch geschrieben wurde, sind 54 Jahre vergangen, aber es scheint, dass der stille Amerikaner sich kein bisschen verändert hat. Er ist noch immer ein Idealist (wenigstens seiner eigenen Ansicht nach), noch immer möchte er Fremden und weit entfernten Völkern, über die er nichts weiß, die Erlösung bringen; noch immer verursacht er schreckliche Katastrophen: im Irak, in Afghanistan und jetzt anscheinend im Jemen.

Das irakische Beispiel ist das einfachste. Der amerikanische Soldat wurde dorthin geschickt, um das tyrannische Regime Saddam Husseins zu stürzen. Da gab es natürlich auch noch einige weniger altruistische Ziele, wie z.B. die Kontrolle über die irakischen Ölreserven und die Etablierung einer amerikanischen Garnison mitten in die nahöstlichen Ölreichtümer. Aber für die amerikanische Öffentlichkeit wurde das Abenteuer als ein idealistisches Unternehmen dargestellt: den Sturz eines blutigen Diktators, der die Welt mit Atombomben bedroht.

Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS ONLINE vom 11. 01. 2010 zu Ende.

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GEFAHR EINES VERHEERENDEN KRIEGES

 

Wenn der Sudan brennt, brennt bald ganz Afrika

 

Der Sudan droht in Gewalt zu versinken. Präsident Omar al-Baschir ist vor dem Internationalen Strafgerichtshof des Völkermordes angeklagt. Dennoch geht das Töten weiter. Im vergangenen Jahr sind mehr als 2500 Menschen ermordet und 350.000 vertrieben worden. Experten sind sehr besorgt.

Von Jens Wiegmann

Mehrere Hilfsorganisationen haben vor einem neuen Krieg im Sudan gewarnt, falls sich die internationale Gemeinschaft nicht stärker um das Land kümmere. Das vor fünf Jahren zwischen den Bürgerkriegsparteien im Nord- und Südsudan geschlossene Friedensabkommen stehe vor dem Zusammenbruch, heißt es in einem Bericht von zehn Organisationen. Grund seien chronische Armut, steigende Gewalt und politische Spannungen. Das am 9. Januar 2005 geschlossene Abkommen hatte einen 22 Jahre dauernden Krieg beendet, bei dem schätzungsweise zwei Millionen Menschen starben und etwa doppelt so viele vertrieben wurden.

Der Sudan, das flächenmäßig größte Land Afrikas mit einer Ausdehnung wie Westeuropa, wird im Norden und in der Hauptstadt Khartum von Muslimen dominiert, Amtssprache ist arabisch. Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden lebte von 1992 bis 1996 in Khartum. Das Land hatte eine lange Tradition des Sklavenhandels, ihre „Ware“ bezogen die Händler unter anderem aus dem heutigen Süden des Sudans. In diesem Landesteil leben vorwiegend schwarze Sudanesen, zumeist christlichen Glaubens oder Anhänger von Naturreligionen. Der Hauptgrund für den Ausbruch des Bürgerkrieges zwischen Nord und Süd im Jahr 1983 war die geplante landesweite Einführung der islamischen Rechtsprechung, der Scharia. Im Norden gilt sie heute noch.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 10. 01. 2010 zu Ende.

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ATTENTAT AUF KARIKATURISTEN

Mohammeds wahres Gesicht ist schwer zu ertragen

Nach dem Attentat auf den Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard wird wieder über die Grenzen der Satire gestritten. Dabei vergessen viele, um wen es hier eigentlich geht, beklagt der Philosoph Daniele Dell’Agli. Schließlich startete Mohammed seine Karriere als Karawanenräuber und Mörder.

Der schwelende Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen glimmt nach dem Attentat gegen ihren Zeichner Westergaard wieder auf, und alle Beteiligten tun so, als ob sie nicht wüssten, warum.

Die einen, moslemische Verbandssprecher und islamophile Europäer, machen nach wie vor verletzte religiöse Gefühle geltend, die je nachdem mit verbaler Empörung oder mit gewaltsamen Aktionen geschützt bzw. geahndet werden müssen; die anderen machen das Grundrecht auf Meinungsfreiheit geltend, das sie je nachdem für unantastbar oder für begrenzt – in Ausnahmefällen – suspendierbar erklären.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 08. 01. 2010 zu Ende.

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75. GEBURTSTAG

Elvis Presley wird auch den Islamismus zersetzen

 

Er transformierte den Kapitalismus und brachte den Kommunismus zu Fall. Doch damit ist das Lebenswerk des bekanntesten Interpreten des Rock 'n' Roll, Elvis Aaron Presley (1935-1977), noch lange nicht vollendet. Jetzt ist der Islamismus fällig. Ein Lob auf den großen Revolutionär.

Von Alan Posener

Elvis Presley war zweifellos der bedeutendste Musiker des 20. Jahrhunderts. Nicht allein wegen seines Œuvres, obwohl ihm auch seine musikalische Leistung einen Platz unter den Unsterblichen sichern wird; Elvis lebt vor allem wegen seiner Wirkung. Wie Immanuel Kant ist Elvis ein „Alleszertrümmerer“.

Die von ihm ausgelöste Kulturrevolution hat den Kapitalismus transformiert, den Kommunismus zu Fall gebracht – und ist dabei, den Islamismus zu zersetzen. Noch immer wird er zuweilen an den Kassen amerikanischer Supermärkte gesichtet. Aber man sucht ihn vergebens unter den Toten des Konsumismus. Wo immer die Jugend ihr Lebensrecht gegen die Gerontokratie einfordert, dort ist auch er.

Über Amerika kam Elvis 1954 mit der Wucht einer religiösen Erweckungsbewegung. Das war aber nicht Opium fürs Volk, das war Speed für die Jugend. Man zitiert gern seinen Entdecker Sam Phillips mit dem Satz: „Wenn ich einen Weißen finden könnte, der wie ein Schwarzer singt, würde ich eine Million Dollar machen.“

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 08. 01. 2010 zu Ende.

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ARBEITGEBER KIRCHE

Von Nächstenliebe keine Spur

 

1,3 Millionen Menschen in Deutschland verdienen ihr Geld bei der Kirche. Auf besondere Nachsicht ihres Arbeitgebers sollten sie nicht vertrauen. Im Gegenteil. Wer für die Kirche arbeitet, muss einen gottgefälligen Lebenswandel führen.

Von FOCUS-Online-Redakteurin Catrin Gesellensetter

Manchmal finden Sonntagsreden auch am Mittwoch statt. Während am Dreikönigstag landauf landab die Sternsinger von Haus zu Haus pilgerten, lauschten die Gläubigen in den Gotteshäusern den Worten der Geistlichkeit. Erwartungsgemäß warb die Kirche für Toleranz, Vergebung und Nächstenliebe. So mahnte etwa Magdeburgs katholischer Bischof Gerhard Feige: „Die christliche Gottesvorstellung und Weltdeutung als richtig anzusehen muss nicht bedeuten, andere Wege zu verachten.“ Auch die Botschaft des Papstes hätte klarer nicht sein können: „Nur Liebe kann die Welt verbessern.“

Eine schöner Ansatz. Leider währen selbst die höchsten kirchlichen Feiertage nicht ewig. Inzwischen sind Weihnachten, Epiphanias und die heiligen zwölf Nächte verstrichen. Die Zeit ist reif, zum Tagesgeschäft überzugehen. Das allerdings erschöpft sich selbst bei frommen Gottesleuten keineswegs auf das Spenden der Sakramente oder das Wort zum Sonntag. Abseits ihrer klerikalen Kernkompetenzen mischen die großen christlichen Kirchen auch in der Wirtschaft kräftig mit.

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 07. 01. 2010 zu Ende.

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VERFOLGT WEGEN IHRER RELIGION

70.000 Christen in nordkoreanischen Arbeitslagern

 

Weltweit werden Christen wegen ihres Glaubens unterdrückt, eingesperrt, angegriffen und gezielt ermordet. In Nordkorea ist die Verfolgung am schärfsten, gefolgt vom Iran, Saudi-Arabien und Somalia. Aber auch die Regierung des Inselparadieses Malediven geht besonders hart gegen die "Ungläubigen" vor.

In keinem Land der Welt werden Christen nach Angaben des internationalen Missions- und Hilfswerkes Open Doors so unerbittlich unterdrückt und verfolgt wie im kommunistischen Nordkorea. Auch der Iran, Saudi-Arabien, Afghanistan und der Jemen stehen auf dem neuen „Weltverfolgungsindex“ der Kirchenorganisation weit oben. Insgesamt seien rund 100 Millionen Christen in 50 Ländern unterschiedlich schwerer Verfolgung aufgrund ihres Glaubens ausgesetzt.

In acht der zehn Länder mit der schlimmsten Christenverfolgung sei der Islam die vorherrschende Religion, erklärte das 1955 in den Niederlanden gegründete überkonfessionelle Hilfswerk, das auch in Deutschland aktiv ist. Nordkorea führt die Liste der Christenverfolger bereits zum achten Mal an. Das dortige Regime gehe gegen Mitglieder von Untergrundgemeinden, denen nach Schätzungen etwa 200.000 Menschen angehören, „mit Verhaftungen, Arbeitslagerstrafen für die gesamte Familie eines entdeckten Christen oder Hinrichtungen vor“. 70.000 nordkoreanische Christen seien derzeit in Arbeitslagern gefangen.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 06. 01. 2010 zu Ende.

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GESELLSCHAFT

Der Erfolg kommt mit dem Versohlen

 

Und aus den USA eine wissenschaftliche Untersuchung, die behauptet, dass Kinder, die gelegentlich von ihren Eltern geschlagen werden, glücklicher sind als ihre unglücklichen Altersgenossen, die derartige Erziehungsmethoden nie kennenlernen durften

Thomas Pany

D'Anni hat es schon 1979 gewusst: "...dass die Leit (Leute) dene Kinder keine mehr schmieren, ist doch ein Unfug. Manchmal könntst dene Kinder rechts und links eine reinhauen."

Gerhard Polt, Schöpfer der Kunstfigur Anni, ist im bayerischen, erzkatholischen Wallfahrtsort Altötting aufgewachsen. Er kennt, was er karikiert. "Fast wia (wie) im richtigen Leben" hießen die legendären Fernsehausstrahlungen, die vor dreißig Jahren aus dem damals verbreiteten gesunden Menschenverstand schöpften und Alltagssätze in einem satirischen Kontext neu servierten. Eine derzeit laufende wissenschaftliche Studie scheint nun die Anni zu bestärken: "Kinder, die gelegentlich von ihren Eltern geschlagen werden, wachsen möglicherweise 'glücklicher' auf und sind 'erfolgreicher' als solche, die niemals geschlagen wurden." (Ergänzender Hinweis: In den britischen Berichten wird mehrfach das Verb "to smack" verwendet, im amerikanischen Blog und in den Orginalzitaten der Wissenschaftlerin das Verb "to spank". Eine genaue Auflistung der angewandten "Züchtigungsmethoden" ist den Berichten nicht zu entnehmen, ebensowenig die Häufigkeit, mit der sie angewandt wurden. Dass es um "gelegentliche" körperliche Bestrafungen geht, ist den Äußerungen Marjorie Gunnoes zu entnehmen).

"Positive Effekte"

Nachzulesen ist das aktuell in britischen Zeitungen, wörtlich in der Sonntagsausgabe der Times und in einem Bericht des Telegraph. Eine spontane Umfrage der australischen Zeitung AidelaideNow, die diese padägogische Erkenntnis ebenfalls vermittelte, ergab, dass 87 Prozent der Leser, die sich daran beteiligten, der Auffassung sind, dass Schläge "positive Effekte" haben können. Ein Leser der Times kommentiert:

Eigentümlich ist, dass man es wieder sagen darf, jetzt im Jahre 2010, nach einer Pause von 25 Jahren, wo jene, die solche Ideen äußerten, häufig dafür bestraft wurden.

Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS ONLINE vom 05. 01. 2010 zu Ende.

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JEMENS KAMPF GEGEN ISLAMISTEN

"Wir brauchen mehr Hilfe gegen die religiösen Verbrecher"

Der Jemen gilt als neue Brutstätte des islamistischen Terrors. Die USA tragen daran eine Mitschuld, behauptet Generalmajor Jahja Abdullah*. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der 52-Jährige über extremistische Prediger, geschmuggelte Waffen und den Kampf gegen al-Qaida.

SPIEGEL ONLINE: Kämpfe gegen Qaida-Milizionäre im Norden und nun auch im Süden des Landes. Verbindungen des nigerianischen Attentäters, der Northwest-Airlines-Flug 253 auf dem Weg nach Detroit in die Luft jagen wollte. Herr Generalmajor - wird der Jemen zum Sammelplatz islamistischer Terroristen?

Jahja Abdullah: Sicher nicht, dazu werden wir es nicht kommen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Was wissen Sie mittlerweile über die gefährlichen Kontakte des Nigerianers?

Abdullah: Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren. Natürlich gehen wir akribisch allen Spuren nach. Lassen wir es heute dabei bewenden. Aber Amerika hat auch Mitschuld an der Qaida-Gefahr. Washington hat doch die islamischen Kampfverbände aufgebaut, die während des Kalten Krieges die Sowjets in Afghanistan in die Knie zwingen sollten. Dann kamen die Taliban, al-Qaida und ähnliche islamisch verbrämte Gruppen, die heute gegen Amerika und gegen die zivilisierte Welt kämpfen.

SPIEGEL ONLINE: Nun gibt es sie nun einmal, auch in Ihrer Heimat: Der militärische Schlagabtausch im Norden greift bereits auf Saudi-Arabien über, die Grenze ist offenbar kein Hindernis für die Militanten.

*Jahja Abdullah, 52, Generalmajor und Mitglied des Generalstabes im Jemen, gilt als präsidentennah. Er stammt aus Dhali im einst marxistischen Süden des Landes und studierte in der ehemaligen Sowjetunion (Lemberg, heute Ukraine). Im Kampf gegen den Terror bereist er ständig die Krisenzonen und Kampfgebiete im Jemen.

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 04. 01. 2010 zu Ende.

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ANSCHLAG AUF DEN KARIKATURISTEN

"Wo bleibt der Aufschrei der Muslime"

 

Das Attentat auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard hat eine heftige Debatte über den Umgang mit dem fundamentalistischen Islam entfacht. Leser diskutieren im SPIEGEL-ONLINE-Forum über die Folgen des Anschlags - wir dokumentieren die wichtigsten Thesen.

Rund 850 Forenbeiträge in noch nicht einmal 24 Stunden: Ein Ereignis muss schon gehörig polarisieren, um die Gemüter so in Wallung zu bringen. Auf kaum ein Thema trifft das gegenwärtig so sehr zu wie auf den vereitelten Mordanschlag auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard. Die SPIEGEL-ONLINE-Leser diskutieren das Geschehene und seine Folgen - dabei schälen sich vor allem drei Schwerpunkte der Debatte heraus:

Der Wert der Werte: Meinungsfreiheit contra Rücksichtnahme auf religiöse Gefühle - was zählt wie viel?
Rechtsstaat versus Dschihad: Was ist die angemessene Reaktion auf religiösen Radikalismus?
Grenzen der Toleranz: Wie soll die Gesellschaft fanatischer Intoleranz begegnen?

Diskutiert wird in mehreren Foren mit verschiedenen Gewichtungen. Teilweise hitzig verlief die Debatte zur Erstmeldung des versuchten Attentats, in der es vor allem um die angemessene Reaktion des Rechtsstaates auf islamistische Gewalt geht. Im Forum zum Artikel "Das war knapp. Aber wir haben es geschafft" wird es zum Teil grundsätzlicher, dabei wird die Frage nach westlichen Werten und der angemessenen gesellschaftlichen Reaktion gestellt. Als echter Aufreger erwies sich der Kommentar von Henryk M. Broder, der die Frage nach der Verteidigung freiheitlicher Werte und die Grenzen der Toleranz in den Mittelpunkt stellt. Kein Wunder, dass die Diskussion hier auch die grundsätzliche Frage nach Sinn und Unsinn von Religionen aufnimmt.

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 03. 01. 2010 zu Ende.

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FREIMAURER UND ILLUMINATEN

Die bizarren Verschwörungstheorien eines Bauern

 

Unzufriedene Landwirte scharen sich in Bayern um einen Agitator, der bizarre Theorien vertritt. Erwin Schneiderbauer ist davon überzeugt, dass geheime Mächte die Milchpreise manipulieren. Über allem stünden die Illuminaten und Deutschland sei "eine Scheindemokratie", glaubt der Milchbauer aus Niederbayern.

Von Michael Miersch

Unzufrieden waren die Landwirte immer. Doch jetzt richtet sich ihr Zorn nicht mehr nur gegen "die in Berlin" und "die in Brüssel", sondern gegen die eigenen Leute. Der Deutsche Bauernverband (DBV) steht am Pranger einer aus dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und anderen Gruppen.

"Scheindemokratie" Deutschland

Aus Sicht der neuen Bauernbewegung schließt DBV-Präsident Gerd Sonnleitner zu viele Kompromisse mit der EU-Agrarpolitik, die schrittweise in Richtung Marktwirtschaft geht. "Bauernjudas" wurde in Sonnleitners niederbayerischen Wohnort auf die Straße geschmiert, ein "Haberfeldtreiben" in der Nähe seines Wohnortes organisiert - das erste in Bayern seit 1908. Innenminister Joachim Herrmann sprach kürzlich von "einem Jargon, der das politische Klima in Deutschland in der Weimarer Republik vergiftet".

Die zornigen Landwirte scharen sich um Erwin Schneiderbauer, einen 46-jährigen Milchbauer aus Niederbayern. Er versteht es, Gefühle in deftige Worte zu packen und "denen da oben" verbal ordentlich einzuheizen. Wo er spricht, strömen die enttäuschten Milchbauern, die Gentechnik- und die Impfgegner zusammen. Schneiderbauer erklärt ihnen die Welt. Warum die Milchpreise zu niedrig sind. Warum kleine Familienbetriebe ums Überleben kämpfen. Warum die Veterinärämter die unbeliebte Impfung der Rinder gegen die Blauzungenseuche vorschreiben.

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MOHAMMED-KARIKATURIST

Ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit

 

Um ein Haar hätte der Däne Kurt Westergaard den Abdruck seiner umstrittenen Mohammed-Karikatur vor fünf Jahren mit dem Leben bezahlt. Der Mordversuch eines mutmaßlichen Islamisten zeigt: Wer so mit Meinungsfreiheit umgeht, muss weiterhin mit solchen Karikaturen rechnen – auch dann, wenn Gefühle der Moslems verletzt werden.

Von Torsten Krauel

Ob eine versuchte Flugzeugsprengung oder der blindwütige Angriff eines Extremisten auf einen Zeichner – die Frage, wie die Freiheit verteidigt werden könne, wird 2010 wieder aktuell.

Die Vorstellung, mit dem Bau des neuen Liberty Towers auf dem Gelände des zerstörten World Trade Centers, mit dem demokratischen Machtwechsel in den USA und mit dem Dekadenwechsel im christlichen Kalender werde auch die Bedrohung durch extremistische Gruppen an Bedeutung verlieren, hat getrogen.

Stattdessen gewinnt die Frage, ob und wie weit man eine Gefahr für Leib und Leben mit der Einschränkung von Freiheit abwenden dürfe, wieder so aktuell wie 2001.

Der Zeichner Kurt Westergaard und seine fünf Jahre junge Nichte hätten fünf Jahre nach dem Abdruck der umstrittenen Mohammed-Karikatur um ein Haar für die Meinungsfreiheit mit dem Leben bezahlt. Westergaard nimmt zum Islam eine sehr entschiedene, für manche zu entschiedene Position ein – er hält die Religion für die Ursache des Terrorismus. Darüber lässt sich trefflich streiten.

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