Interviews

JUNGE  MENSCHEN  UND  DIE  KIRCHE

"Gott schleppt uns da durch"

 

Die evangelische Kirche sucht nach Wegen, junge Menschen wieder besser zu erreichen. Auf der Würzburger Synode kamen einige von ihnen zu Wort. Dabei offenbarte sich ein ausgeprägter Wunsch nach Spiritualität und Zugehörigkeit.


Von Claudia Becker, Redakteurin

Jana Highholder war sechs, als ihre Diagnose kam: Krebs. „Meine Mutter saß weinend im Zimmer“, erinnert sie sich. „Ich habe zu ihr gesagt: ,Mama weine nicht! Gott schleppt uns da durch!‘“
Starke Worte. Ein Bekenntnis. Highholder sagt sie ohne eine Spur von Verlegenheit. Und auch, dass die Gewissheit, von Gott getragen zu sein, sie nicht verlassen habe. Highholder – 20, blonde lange Locken, rote Nägel und ein strahlendes Lächeln im Gesicht – ist seit April dieses Jahres Influencerin eines modernen Christentums, das nicht auf Kirchenräume beschränkt ist. „Jana“ heißt der evangelische YouTube-Kanal, in dem sie versucht, etwas von dem weiterzugeben, was Glaube für sie bedeutet: Kraft, die sie für den Alltag schöpft.

Die junge Frau, die sich auch als Poetry-Slammerin einen Namen gemacht hat, gerade ihr drittes Buch schreibt und in Münster Humanmedizin studiert, ist die erste christliche YouTube-Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). „Jana“ ist ein erster und wegweisender Ansatz in dem großen Vorhaben, das die Kirche in Angriff genommen hat und auf der noch bis zum 14. November in Würzburg tagenden Synode unter dem Schwerpunktthema „Glaube junger Menschen“ vorantreiben will: neue Konzepte finden, mit denen junge Menschen – speziell die 18- bis 26-Jährigen – für den Glauben gewonnen werden können.

Die Kirche, so die Präses der Synode und ehemalige FDP-Bundesministerin Irmgard Schwaetzer, stehe vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits fühlten sich die jungen Menschen nicht von der Institution wahrgenommen. Andererseits sei „das, was wir tun, so uninteressant oder so fremd, dass auch sie uns nicht mehr sehen“. Schwaetzer fordert mehr Mut zum Experiment.
Der Handlungsbedarf ist offensichtlich. Die Kirche verliert gesellschaftlich zunehmend an Bedeutung. Im Osten Deutschlands sind acht von zehn Menschen konfessionslos. Die ostdeutschen Bundesländer sind die ungläubigste Gegend der Welt. Aber auch im Westen schwindet die Zugehörigkeit zu einer der öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften. 2017, als die Protestanten das 500. Reformationsjubiläum feierten, traten 200.000 Frauen und Männer aus der evangelischen Kirche aus – etwa 10.000 mehr als im Vorjahr.

Umso bedenklicher ist, dass ein Großteil der jungen Erwachsenen, die sich noch engagieren, nur begrenzte Partizipationsmöglichkeiten haben. So hat die EKD-Synode zwar acht Jugenddelegierte. Die sitzen in der hintersten Reihe; sie dürfen mitdiskutieren, aber nicht abstimmen. Schwaetzer fordert mehr Teilhabe junger Christen in Entscheidungsgremien. Unterstützung bekommt sie vom bayerischen Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm, der sich auch eine Quotenregelung für junge Menschen in Gremien vorstellen kann.

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ÄGYPTEN

Antike Rampe könnte Aufschluss über System zum Pyramiden-Bau geben

 

Wie konnten die tonnenschweren Steine zum Bau der Pyramiden bewegt werden? Diese Frage beschäftigt Archäologen seit Jahren. Britische und französische Wissenschaftler könnten nun eine Antwort am Rande einer Rampe eines antiken Steinbruchs gefunden haben.


Um die ägyptischen Pyramiden ranken sich viele Mythen und Legenden. Neben den geheimen Kammern im Inneren der Grabmäler, sorgt auch der Bau der antiken Weltwunder noch immer für Rätselraten.

Wie konnten die bis zu 90 Tonnen schweren Steine ohne moderne Hilfsmittel bewegt und ans Ziel gebracht werden? Ein britisch-französisches Forscherteam der University of Liverpool könnte nun eine Antwort auf diese Frage gefunden haben, das berichtet die „Bild“.

Forscher entdeckten Löcher für Holzpfosten

Bekannt war bereits, dass Höhenunterschiede beim Bau durch Ziehen der Lasten auf schiefen Ebenen überwunden wurden. Am Rande einer Rampe eines Alabastersteinbruchs, der zur Regierungszeit Cheops vor rund 4500 Jahren genutzt wurde, entdeckten die Forscher Löcher für Holzpfosten, die offenbar zur Beförderung der Steinblöcke genutzt wurden.

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HEXENWERK  GEGEN  KÖNIG  DAVID

Warum unterstützen Evangelikale Trump?

 

Moralische Ausfälle und Hass statt Liebe: Warum evangelikale Christen einen Präsidenten wie Trump und dessen Kandidaten unterstützen, ist nur ein vermeintliches Mysterium. Trumps Verhalten spiegelt das seiner Wähler.

 

Ein Gastbeitrag von Jan an Haack

 
(Jan an Haack hat Amerikanistik und Europäische Ethnologie in Berlin, Potsdam und Buenos Aires studiert. Für seine Dissertation erforschte er unter anderem am Center for the Study of Religion in Princeton die politische Rolle von Emotionen und Affekten für den amerikanischen Evangelikalismus.)

Kommen die Vereinigten Staaten am Dienstag endlich zur Vernunft? Werden konservative Wähler die Ausfälle ihres Präsidenten abstrafen und stattdessen massenhaft für Kongresskandidaten der Demokraten abstimmen? Danach sieht es nicht aus, die Umfragewerte für Donald Trump sind erstaunlich konstant. Keiner der Skandale konnte die breite Masse seiner Unterstützer bisher umstimmen.

Eine besonders zufriedene Wählergruppe sind evangelikale Christen. Weiße Evangelikale hievten Trump mit überwältigender Mehrheit ins Amt: 80 Prozent von ihnen stimmten 2016 für ihn. Auch zwei Jahre und unzählige Skandale später sind die Zustimmungsraten für den 45. US-Präsidenten unter Evangelikalen nahezu unverändert. Wie kann das sein? Wie vereinbaren diese christlichen Wähler ihre hohen moralischen Ansprüche mit Trumps Verhalten?

Wenige entscheidende Themen

Das evangelikale Christentum ist keine homogene Gruppe, sondern ein Sammelbegriff für eine Vielzahl verschiedener größerer und kleinerer Freikirchen und Gruppierungen. Zu den größten in diesem Spektrum gehören Pentekostale (Pfingstkirchen), Baptisten und Charismatiker. Zusammengenommen ist der Evangelikalismus die größte christliche Strömung in den USA, der laut einer Studie des Pew Research Center ein Viertel aller Amerikaner angehört. Bei allen Unterschieden zwischen den einzelnen Gruppen gibt es einige gemeinsame Grundmerkmale. Unter anderem sind das eine wörtliche Auslegung der Bibel und ein sich darauf berufender sozialer Konservativismus, der ein streng konservatives Familienbild propagiert und hohe moralische Ansprüche an den Einzelnen stellt. Doch nur auf den ersten Blick ist verwunderlich, dass ein zweimal geschiedener Präsidentschaftskandidat, der Umgang mit Prostituierten hatte, von Evangelikalen gewählt werden konnte.

Warum Evangelikale Trump unterstützen, verdeutlicht der Fall des konservativen Juristen Brett Kavanaugh, den der Präsident zum Richter an den Supreme Court berief. Von der Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford wurde Kavanaugh sexuelle Belästigung vorgeworfen. Als die Vorwürfe laut wurden, erklärten einige Evangelikale, sie würden nun für Blasey Ford beten, damit sie zu Jesus finde - nicht etwa, weil sie das Opfer Kavanaughs gewesen sein könnte, sondern weil sie ihn der sexuellen Belästigung beschuldigt hatte. Nach evangelikaler Lesart hatte Ford mit ihrer Aussage die Integrität von Kavanaughs Familie bedroht. Für viele Evangelikale wog das schwerer als der Vorwurf der Belästigung.

Die Mehrheit der Evangelikalen steht im Zweifelsfall klar zu Trump, egal wie sehr dessen Taten oder die seiner Mitstreiter gegen christliche Werte verstoßen. Dabei ist das evangelikale Lager auch bereit, eigene Überzeugungen zu opfern, wenn es darum geht, bestimmte politische Ziele zu erreichen. Einer Umfrage zufolge würden 75 Prozent der Evangelikalen jeden Präsidenten wählen, der Abtreibung verbieten würde. Dieser Fokus auf einige wenige Themen hat ihnen den Ruf eingebracht, Wähler mit wenigen Anliegen zu sein, denen es an Bereitschaft zum politischen Ausgleich mangelt (sogenannte "single-issue voters").

Dinner im Weißen Haus

Spätestens seit Ende der 1960er Jahre sind Evangelikale ein zentraler Bestandteil des konservativen Lagers. Vor jeder wichtigen Wahl werden sie intensiv von den Republikanern umworben. Richard Nixon war einer der ersten Präsidentschaftskandidaten, der dieses Wählerpotential erkannte. Gemeinsam mit dem prominenten evangelikalen Prediger Billy Graham warb er gezielt um christliche Wähler und betonte dabei gesellschaftspolitische und kulturelle Aspekte, die dem evangelikalen Lager besonders wichtig waren und sind: Abtreibung, gleichgeschlechtliche Ehe oder auch Bibelunterricht in staatlichen Schulen.

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DIE PÄPSTE LIEBTEN SIE

Warum vier Königinnen im Vatikan bestattet sind

 

Im Petersdom fanden 148 Päpste die letzte Ruhestätte – und vier königliche Frauen, eine sogar mit ihrer ganzen Familie. Wie kommen die da hin? Dieses Geheimnis lüftet die Historikerin Martha Schad.

Von Christoph Renzikowski

Ein fast reine Männerdomäne – so stellt man sich den Vatikan vor, das Zentrum des Weltkatholizismus. Frauen gibt es hier nur in dienenden Funktionen, meist als Haushälterinnen der ausnahmslos männlichen Würdenträger. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn im Petersdom, dem Mittelpunkt des extraterritorialen Kirchenstaates am Tiber inmitten von Rom, sind auch vier Frauen bestattet. Neben derzeit 148 Päpsten .

Die Augsburger Historikerin Martha Schad ist eine Spezialistin für vergessene Frauengestalten der Geschichte. Sie porträtierte schon Stalins Tochter, Hitlers Spionin und die mächtige Einflüsterin von Papst Pius XII. – Schwester Pascalina . Ihr neuester Coup: Königinnen ohne Land, fast ständig im Exil, ihre Geschlechter-Linien endeten alle mit ihrem Tod.

„Die Päpste liebten sie“, lautet der vielsagende Titel und verleitet zunächst zu falschen Vermutungen. Denn Geliebte des jeweiligen Heiligen Vaters waren sie nicht und schon gar nicht dessen Kinder, obwohl es von denen vor allem in der Renaissancezeit einige gab. Die Frauen bekleideten auch keine kirchlichen Ämter und hatten kein heiligmäßiges Leben vorzuweisen. Mathilde von Canossa (1046 bis 1115) stand gar im Ruf einer „gefürchteten Kriegerin“, wie Hans Maier bei der Vorstellung des Buches sagte.

Christina von Schweden (1626 bis 1689), zum Katholizismus konvertierte Tochter König Gustav Adolfs, schreckte selbst vor einem Mord nicht zurück. Aber als „lebendige Trophäe der Gegenreformation“ flogen ihr im katholischen Rom die Herzen zu. Ein mit ihr liierter Kardinal setzte sich über ihren letzten Willen hinweg und sorgte für eine prunkvolle Bestattung.

Charlotte von Lusignan-Savoyen (1444 bis 1487), auch bekannt als Carlotta von Zypern, verlor den Kampf um ihr rechtmäßiges Erbe als Königin von Zypern gegen ihren intriganten Halbbruder. Von ihrem Mann verlassen, völlig verarmt und gedemütigt, nahmen sich der Reihe nach drei Päpste ihrer an und würdigten sie mit einem königlichen Begräbnis im Petersdom.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 02. 11. 2018 zu Ende.

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US-WAHLKAMPF

Trumps Trick mit dem Schüren der Angst vor Masseneinwanderung

 

Auf den letzten Metern vor den Zwischenwahlen gibt Donald Trump Gas: 15.000 Soldaten an die Grenze zu Mexiko, in den USA geborene Kinder von Migranten sollen künftig nicht mehr automatisch Staatsbürger sein. Es geht gerade um die Seele Amerikas.

Von Clemens Wergin

Es sind noch fünf Tage bis zu den Zwischenwahlen in den USA und Donald Trump dreht auf. Der Zug aus Tausenden Migranten, die derzeit in Mexiko unterwegs sind in Richtung USA, ist ein Wahlkampfgeschenk für den US-Präsidenten. Er kündigte an, dass zwischen 10.000 und 15.000 Soldaten an der südlichen US-Grenze stationiert werden könnten. „Wir brauchen eine Mauer aus Menschen“, sagte er im Gespräch mit ABC News. Trump will die Migranten an der Einreise in die USA hindern und hat deswegen das Pentagon beauftragt, das Militär an die Grenze zu schicken.

Der Marschbefehl folgt einer Ankündigung vom Dienstag, mit der Donald Trump den ganz großen Wahlkampfhammer ausgepackt hatte. Er wolle per Präsidialverfügung das amerikanische Einbürgerungsrecht ändern. Künftig sollen Kinder von Migranten, die auf amerikanischem Boden geboren werden, nicht mehr automatisch Staatsbürger sein. Dieser Schritt würde das Ende einer 150 Jahre alten Tradition begründen, die viele Amerikaner als Teil ihrer Identität als Bürger eines Einwanderungslandes begreifen.

Die Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts kommt bei weiten Teilen von Trumps Wählerbasis hervorragend an, allein: die US-Verfassung erlaubt dem Präsidenten nach überwiegender Meinung der Juristen gar nicht, in dieser Frage Reformen per Dekret durchzusetzen. Darauf wies auch Paul Ryan, der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, seinen Präsidenten per Radio-Interview hin. Die Reaktion aus dem Weißen Haus folgte prompt, per Twitter natürlich.

Paul Ryan wisse nichts über das Prinzip der Staatsbürgerschaft per Geburt. „Er soll sich besser darauf konzentrieren, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zusammenzuhalten, als seine Meinung zum Besten zu geben“, herrschte Trump Ryan an, der verfassungsrechtlich die Nummer drei im Staate ist.

Die ganze Auseinandersetzung ist Ausdruck einer gewissen Verzweiflung unter den Republikanern, die wegen der niedrigen Zustimmungswerte des Präsidenten fürchten, bei den Zwischenwahlen am 6. November von den Demokraten abgekocht zu werden. Der Versuch, die Angst vor Masseneinwanderung zu schüren, ist damit zum zentralen Wahlkampfthema der Republikaner geworden.

Um Fakten geht es dabei weniger als um Gefühle. Trump behauptete unter anderem, dass die USA praktisch das einzige Land der Welt seien, das eine Staatsbürgerschaft qua Geburt auf heimischem Boden anböte. Beide Äußerungen zeugen von großer Unkenntnis Trumps über den Sachverhalt – weltweit wird das sogenannte Bodenrecht in 30 Ländern angewandt. Entweder, der US-Präsident recherchiert also nicht, bevor er Behauptungen aufstellt, oder aber er kennt keine Scheu, abermals die Fakten zu verdrehen.

Ist die Angelegenheit also schon abgeschlossen, bevor die Aufregung richtig begonnen hat? Trump legte in einem Tweet nach mit einer Begründung, die sich auf einen Nebensatz des Verfassungszusatzes bezieht. Dort steht: „Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert sind und ihrer Gesetzeshoheit unterstehen, sind Bürger der Vereinigten Staaten und des Einzelstaates, in dem sie ihren Wohnsitz haben.“

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 01. 11. 2018 zu Ende.

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MASSENMORD  IN  US-SYNAGOGE

Mutmaßlicher Attentäter kündigte Massaker auf rechtem Portal an

 

Alle Juden müssen sterben“: Während eines Gottesdienstes stürmt ein Mann eine Synagoge in Pittsburgh und erschießt mehrere Menschen. Wer ist der Täter? Mit erschütternden Worten kündigte er seine Tat zuvor im Netz an.

Durch Schüsse in einer Synagoge in der Stadt Pittsburgh in den USA sind mindestens elf Menschen getötet worden. Unter anderem seien auch mehrere Polizisten verletzt worden. Ein Verdächtiger wurde gefasst.

Elf Menschen hat ein 46 Jahre alter Mann bei einem Attentat auf eine Synagoge in Pittsburgh erschossen. Der Angreifer hatte während einer Zeremonie zur Namensgebung für ein Baby am Sabbat-Tag das Feuer eröffnet. Er hatte es gezielt auf Juden abgesehen.

Ein lokaler Fernsehsender meldete, ein weißer bärtiger Mann sei in die Synagoge gestürmt und habe gerufen: „Alle Juden müssen sterben.“ Die Sender CNN und MSNBC identifizierten den mutmaßlichen Attentäter als Robert B..

Zwei Stunden vor der Tat wurde auf „Gab.com“ - einer Online-Plattform, die von vielen Rechtsextremen genutzt wird - unter diesem Namen ein Angriff auf die Organisation HIAS (Hebräische Hilfsgesellschaft für Immigranten) angekündigt.

„HIAS will Invasoren hereinbringen, die unsere Leute umbringen. Ich kann nicht rumsitzen und zusehen, wie mein Volk abgeschlachtet wird. Scheiß drauf, wie das für euch aussieht, ich geh‘ rein.“ („HIAS likes to bring invaders in that kill our people. I can't sit by and watch my people get slaughtered. Screw your optics, I'm going in.“)

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 28. 10. 2018 zu Ende.

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VATIKAN  KLONT  "Pokémon Go"

In „Follow Jesus Christ Go“ musst du beten und Heilige fangen

 

Die Kirche hat jetzt ein eigenes "Pokémon Go" – doch statt Monstern suchen die Spielerinnen und Spieler in "Follow Jesus Christ Go" Heilige und andere biblische Persönlichkeiten. Was sagt der Papst dazu?

Von Matthias Giordano , Ressortleiter kmpkt

„Pokémon Go“ ist die erfolgreichste App aller Zeiten. Und noch immer gibt es Abermillionen an Spielern. Davon will die katholische Kirche offenbar ein Stück abhaben. Der Vatikan hat jetzt einen Klon veröffentlicht, in dem du Heilige fangen musst.
Evolutionsglaube, New-Age-Elemente wie Reinkarnation, Psychokinese oder Okkultismus - auf das Spiel „Pokémon Go“ ist der Vatikan in der Regel nicht gut zu sprechen.

Die weltweit noch immer gut 800 Millionen Spieler möchte man offenbar aber trotzdem gern in den eigenen Reihen sehen. Denn, halte dich fest, die katholische Kirche hat tatsächlich einen Klon von Nintendos Augmented-Reality-Spiel entwickelt: „Follow Jesus Christ Go“ (für iOS , Android ). Nein, das ist kein Scherz.

Statt Monster musst du hier Heilige und andere biblische Charaktere einfangen.

Hast du dann einen Heiligen oder eine andere biblische Figur geschnappt, kriegst du den Charakter groß angezeigt und musst ihm Fragen beantworten, berichtet die italienische „Corriere della Sera “. Erst dann werden sie dem „e-Team“ (Evangelisationsteam) hinzugefügt. Dein „e-Team“ soll dir dabei helfen, die Aufgaben zu meistern.

Wie „Pokémon Go“ nutzt „Follow JC Go“ die GPS-Koordinaten, um den Standpunkt des Spielers und der Figuren zu bestimmen. Die Umgebung wird somit ins Spiel einbezogen, und es kann von jedem überall auf der Welt genutzt werden. Läufst du als Spieler zum Beispiel an einer Kirche vorbei, wirst du aufgefordert, ein Gebet zu sprechen. Erfüllst du die Aufgabe, wirst du mit „Denarios“ belohnt, die du dann für wohltätige Zwecke spenden kannst.

Die Entwicklung der App kostete rund 500.000 Dollar - finanziert wurde das Spiel von Sponsoren und privaten Spendern. Insgesamt 43 Designer, Theologen, Bibelwissenschaftler, Kirchenhistoriker und Ingenieure arbeiteten über zwei Jahre lang in insgesamt 32.000 Stunden an der App, schreibt die katholische Newsseite „CruxNow “.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 25. 10. 2018 zu Ende.

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STREIT  UM  UKRAINE

Die russische Kirche bricht mit Konstantinopel

 

Die russisch-orthodoxe Kirche hat den Bruch mit dem Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel vollzogen. Priester beider Kirchen sollen keine gemeinsamen Gottesdienste mehr feiern.

Die Russisch-Orthodoxe Kirche bricht im Streit um die kirchliche Hoheit über die Ukraine jeden Kontakt mit dem Patriarchen von Konstantinopel ab. Damit vertieft sich die Spaltung zwischen den wichtigsten Machtzentren der orthodoxen Christenheit. Die Führung der Russisch-Orthodoxen Kirche erklärte, eine weitere Gemeinschaft mit Konstantinopel sei nicht möglich. Das meldeten russische Agenturen von einer Sitzung der Synode am Montag in Minsk in Weißrussland.

Der Ökumenische Patriarch Bartolomaios von Konstantinopel, der ranghöchste orthodoxe Kirchenführer, hatte vergangene Woche die Hoheit über die zersplitterte orthodoxe Kirche in der Ukraine übernommen. Dies gilt als Zwischenschritt zu einer kirchlichen Selbstständigkeit (Autokephalie) der Ukraine.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 15. 10. 2018 zu Ende.

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HESSEN  UND  VATIKAN

Prozess um liberalen Rektor an Hochschule läuft

 

Rom (dpa) - Im Verfahren um den Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Ansgar Wucherpfennig, ist nach Angaben des Vatikans das letzte Wort noch nicht gesprochen. Im Fall des Jesuitenpaters laufe der Prüfungsprozess noch, teilte die Pressestelle des Vatikans der Deutschen Presse-Agentur mit. Zuvor war bekannt geworden, dass Rom den Jesuitenpater wegen liberaler Äußerungen über Homosexualität und Frauen in der Kirche aus dem Amt drängen will.

In einem Interview mit der «Frankfurter Neuen Presse» hatte Wucherpfennig 2016 unter anderem gesagt, zum Thema Homosexualität gebe es «missverständlich formulierte Stellen in der Bibel». Der Vatikan fordert nach Angaben der Deutschen Provinz der Jesuiten einen Widerruf der Äußerungen. Ihm sei für den Rektorenposten die notwendige Unbedenklichkeitserklärung aus Rom verweigert worden, hieß es weiter.

Die jetzige Aussage des Vatikans bedeutet, dass Wucherpfennig bisher weder diese Unbedenklichkeitserklärung zugesprochen wurde, noch dass ein Veto gegen ihn eingelegt wurde.

Sollte der Vatikan ein negatives Urteil fällen, müsste Wucherpfennig seinen Posten als Rektor endgültig räumen. Der Pater hat seit 2008 den Lehrstuhl für Exegese des Neuen Testaments in Sankt Georgen inne, 2014 wurde er Rektor der Hochschule. Derzeit leitet Wucherpfennigs Stellvertreter die Hochschule kommissarisch.

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VORZEIGEPROJEKT  IN  HOLLAND  „LATERNA  MAGICA“

Keine Klassen, keine Sitzenbleiber, keine Handys

 

Die Bildungsmisere in Deutschland und die Frage: Warum funktioniert das Schulsystem in den Niederlanden so viel besser als bei uns? Was können wir von den Holländern lernen? FOCUS Online-Reporterin Petra Apfel hat sich in Amsterdam eine Grundschule angesehen, in der es keine Jahrgangsstufen gibt – und in der kein Kind zum Versager abgestempelt wird.

Von FOCUS-Online-Autorin Petra Apfel

„Schauen Sie sich die Laterna Magica an“, hatte Ilona de Ruijter vom Bildungsministerium in Amsterdam geraten. Kann man da sehen, warum Hollands Schüler zu den besten und  glücklichsten Schülern der Welt gehören? 

Amsterdams Vorzeigeschule liegt auf einer Insel. Eine künstliche Aufschüttung für ein Stadtviertel vom Reißbrett zwischen Altstadt und Meer: Ijburg. 20 Minuten braucht die Tram 26 von der Centraal Station zur „Basisschool“, vorbei an streng komponierten Blöcken aus Wohn- und Geschäftshäusern. Vor allem junge Familien sind seit 2002 in diese neue Stadt für bis zu 45.000 Menschen gezogen. Zu sehen ist an diesem regnerischen Morgen kurz vor acht kaum jemand.

FOCUS Online startet eine neue konstruktive Reportage-Serie. Das Ziel: Perspektiven für Deutschlands soziale und gesellschaftliche Zukunft aufzeigen. Was machen andere Länder besser und was kann Deutschland von internationalen Vorbildern lernen? Um Antworten darauf zu finden, reisen 14 FOCUS-Online-Reporter in 14 verschiedene Länder.

Hinter dem dürren Gras des eher tristen Van Gogh-Parks erstreckt sich ein dunkler Riesenquader mit ein paar bunten Paneelen und dem apfelgrünen Plakat „Laterna Magica“. Hier also sollen 750 Grundschüler zwischen vier und zwölf Jahren nach einem innovativen Lehransatz zu selbstbewussten, glücklichen und klugen Schülern werden.

„Klassenziel nicht erreicht“ – das gibt es hier nicht

„Natürliches Lernen“ nennt sich das Konzept der „Laterna Magica“. Es lässt zu, dass sich Schüler in ihrem individuellen Tempo entwickeln und rückt dabei ihre Talente ins Zentrum – vor allem durch eigenständig erarbeitete Projekte. Ein wichtiger Baustein der Methode ist, dass Schüler unterschiedlichen Alters zusammen lernen, und dabei jedes Kind nach einem auf ihn zugeschnittenen Entwicklungsplan betreut wird.  

Es gibt Tests und Zeugnisse an der „Laterna Magica“, aber bei Prüfungen durchfallen und sitzenbleiben, das ist in diesem Schulkonzept nicht vorgesehen. „Manchmal sind Kinder schon mit elf Jahren bereit für die Sekundarstufe, manchmal bleibt eines ein Jahr länger hier. Das handhaben wir flexibel“, erzählt Claudia Prins bei einem Kaffee vor Schulbeginn, der wie überall in den Niederlanden erst um 8.30 Uhr ist.

Units, Stammgruppen und „Projekte“

Claudia Prins ist eine von vier Lehrern der Unit 7, einer Einheit aus Acht- bis Zwölfjährigen. Sie erklärt mir das zunächst etwas verwirrende System: Die „Units“ sind in Stammgruppen eingeteilt. Jeder Lehrer der Unit 7 ist für eine Stammgruppe von rund 25 Mädchen und Jungen verantwortlich. Den Tag verbringen die Schüler in verschiedenen Unterrichtsstunden. Nur morgens, in der Mittagspause und kurz vor Schulende kommt die Stammgruppe zusammen. Und zwar in offenen Räumen mit ziemlich zusammengewürfeltem Mobiliar.  

Erst schmökern, dann ran ans Laptop

Units, Stammgruppen, wechselnde Projektgruppen  - was für Außenstehende nach Chaos klingt, folgt in der „Laterna Magica“ einer eingespielten Choreographie des Schulalltags. Erste Überraschung: Um 8.30 verteilen sich die Kinder der „Stamgroep Claudia“ im Raum und vertiefen sich für eine halbe Stunde schweigend in ein Buch. „Das ist unser Ritual, um morgens im Schulalltag anzukommen“, erklärt mir die Lehrerin. 

Danach bespricht sie mit der Gruppe den Tag, „damit jeder weiß, was heute anliegt“. Und dann schwärmt ihre Stammgruppe aus, um an „Projekten“ zu arbeiten – selbstständig und in Zweier- bis Vierergruppen. Kinder aus anderen Stammgruppen kommen dazu, ein Teil verschwindet in ruhige Ecken oder schließt sich Projekten der anderen Unit-7-Lehrer an. Die meisten haben eines der schuleigenes iPads unter dem Arm.

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KLIMAWANDEL

Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

 

Nur mit großer Anstrengung ist es überhaupt noch möglich, die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Weltklimarates. Es drohen verheerende Konsequenzen.

Von Sarah Maria Brech

Unwetter, Starkregen, Hitzewellen – schon heute sehen wir erste Folgen der Erderwärmung. Der neue Bericht des Weltklimarats fordert: Die Menschheit muss sofort handeln. Das Leben wird sich entscheidend verändern.

Vor drei Jahren verpflichteten sich 196 Staaten im Pariser Klimavertrag zu einem ehrgeizigen Ziel. Sie wollen es schaffen, die Erwärmung der Erde auf deutlich unter zwei, am besten auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Das ist möglich – aber nur dann, wenn sofort umfassende Maßnahmen eingeleitet werden, um den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) drastisch zu reduzieren.

Zu diesem Schluss kommen 91 führende Wissenschaftler aus 40 Nationen. Sie haben auf Bitten der Unterzeichner des Klimaabkommens für den Weltklimarat IPCC einen Sonderbericht erstellt und dafür mehr als 6000 Studien gesichtet und zusammengefasst. Am Montag wird der Bericht veröffentlicht – und er spricht eine deutliche Sprache. Bis 2030 muss demnach der CO2-Ausstoß im Vergleich zu 2010 um 45 Prozent gesenkt werden und bis zur Mitte des Jahrhunderts bei Null liegen.

Den CO2-Ausstoß komplett herunterzufahren würde bedeuten, die Lebensweise der Menschen grundlegend zu verändern. Kohlendioxid kommt von Natur aus in der Erdatmosphäre vor. Es entsteht aber auch bei der Verbrennung von Kohle, Erdgas oder Erdöl und dem daraus hergestellten Benzin. Durch Industrie, Heizen, Stromerzeugung, Bau, Verkehr und Landwirtschaft blasen die Menschen so viel CO2 in die Luft, dass es nicht mehr gebunden werden kann.

Kohlendioxid aber absorbiert langwellige Wärmestrahlung, die sonst wieder an den Weltraum abgegeben würde. Wenn also zu viel von diesem Gas in der Atmosphäre ist, führt das dazu, dass sich die Erde nach und nach erwärmt. Das nennt man den menschengemachten Treibhauseffekt, für den Kohlendioxid zu etwa drei Vierteln verantwortlich ist. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müsste auch der Ausstoß von anderen Treibhausgasen wie Methan zurückgefahren werden, allerdings nicht auf null.

Will man die CO2-Emissionen bis 2050 stoppen, müssen fast alle Bereiche des Lebens umgekrempelt werden, sagt Niklas Höhne, Professor für Klimaschutz an der niederländischen Wageningen-Universität: „Wie wir wohnen, essen, uns fortbewegen, was wir konsumieren. Technische Lösungen alleine werden nicht ausreichen, wir müssen unser Verhalten ändern.“

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 08. 10. 2018 zu Ende.

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UNTERGANGSSZENARIEN

Klima und Pest zerstörten das Römische Weltreich

 

Auf dem Höhepunkt seiner Macht erreichte um 540 ein tödlicher Feind das Oströmische Reich. Die Hälfte der Bevölkerung fiel „Yersinia pestis“ zum Opfer. Wissenschaftler sehen Parallelen zur Gegenwart.

Von Hannes Stein

Kaiser Justinian I. wollte das römische Weltreich wieder groß machen. Kaiser Justinian regierte jenes christliche, Griechisch sprechende Imperium im östlichen Mittelmeerraum, das wir heute das byzantinische nennen. Zu Lebzeiten wurde er sowohl vergöttert als auch gehasst, heute gilt er den orthodoxen Kirchen als ein Heiliger.

Er war mit einer ehemaligen Kurtisane verheiratet, Theodora, einer schönen und klugen Frau, die ihn liebte. Er hatte sich mit Reformen, die den Korruptionssumpf in der Hauptstadt Konstantinopel austrocknen sollten, einen guten Teil des Adels zum Feind gemacht. 532 erhoben sich seine Feinde gegen ihn – Justinian hatte schon das Schiff bestiegen, mit dem er aus der Hauptstadt fliehen wollte, als Theodora ihn beschwor, gegen die Putschisten zu kämpfen. Justinian stieg vom Schiff herunter, kämpfte und gewann.

Im selben Jahr machte er Frieden mit den Erzfeinden des Byzantinischen Reiches: den Persern. Nun hatte er die Hände frei, um sich einen alten Traum zu erfüllen – die Reconquista Westroms, also Italiens und weiter Teile des Westens, die von Barbaren regiert wurde. Der Kaiser schickte seinen General Belisar, der in einer Art antikem Blitzkrieg zunächst Afrika von den Vandalen und dann Italien von den Ostgoten eroberte. Alles schien bestens zu gehen. Dann griffen 540 die Perser das Byzantinische Reich an. Sie eroberten Antiochia und steckten es in Brand.

Aber nicht die Perser waren der Feind, der die Vision von der Wiedererrichtung des Imperiums zunichtemachte. Der Feind, der Kaiser Justinian am Ende besiegte, war winzig – ein Bakterium, das auf Flöhen wohnte, die Murmeltieren im Pelz saßen. Von dort sprangen die Flöhe mitsamt dem Bakterium auf Ratten über; von dort auf Menschen. Das Bakterium reiste als blinder Passagier auf Schiffen aus China ein, mit dem Byzanz durch die Seidenstraße verbunden war und regen Handel trieb. In Pelusium, einer römischen Stadt in Oberägypten, gingen die Ratten an Land. Von dort breitete die Pest sich gleichzeitig nach Westen und Osten aus.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELTOnline vom 01. 10. 2018 zu Ende.

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33-TAGE-PAPST  JOHANNES  PAUL  I.

Ein mörderisches Pontifikat

 

Fiel der Kurzzeit-Papst einem Mordkomplott zum Opfer? Als Johannes Paul I. am 28. September 1978 plötzlich stirbt, kursieren sofort wilde Theorien. Bis heute.

Von

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PLANWIRTSCHAFT

Wie China im Jahr 2049 die Welt beherrscht

 

Mit Informationstechnologien und künstlicher Intelligenz zur Allmacht: Zum hundertsten Geburtstag der Volksrepublik will China endgültig Großreich sein. Unser Autor enthüllt die Betriebsgeheimnisse des erwachenden Giganten.

Von Manfred Osten

„Wenn China erwacht, wird die Welt erzittern.“ (Napoleon)

 

I.

Radio Eriwan hatte sich zur Zeit des Kalten Krieges die Frage erlaubt, ob Schleswig-Holstein China den Krieg erklären könnte. Die entwaffnende Antwort lautete damals: Für so viele Kriegsgefangene sei Schleswig-Holstein zu klein. Inzwischen wissen wir: Die Chinesen denken in langen Fristen und sind martialischen Abenteuern abhold. Stattdessen versprechen sie sich ganz andere Siege.

Hatte doch bereits vor drei Jahren Peking, ohne dass man hierzulande viel davon Notiz nahm, eine wirtschaftliche Kampfansage formuliert. „Made in China 2025“ hieß das Dokument mit ehrgeizigen Eckdaten:

Bis 2025 soll China eine „starke“ bis 2035 eine „Mittelmacht“ und bis 2049 eine „Weltmacht“ sein. Und dies rechtzeitig zum 100. Jahrestag der chinesischen Volksrepublik.

Eine globale Strategie, die getragen ist von der konkreten Zielsetzung, weltweit andere Nationen zu überholen in den Schlüsselindustriebereichen: Informationstechnologie, Automatisierung und Robotik, Luft- und Raumfahrt, Schiffsausrüstung und Navigation, Hochgeschwindigkeitsbahnen, Elektrofahrzeuge, Energietechnik, landwirtschaftliche Geräte, neue Materialien, Pharmaindustrie und Medizingeräte. Eine Blaupause also für den gezielten Umbau der chinesischen Volkswirtschaft. Wobei ausgerechnet Deutschland jene Nation ist, an der China bereits ein besonderes Exempel statuiert hat.

Denn China ist hier das relativ geräuschlose Kunststück gelungen, bereits 213 deutsche Firmen im Hightechbereich zu übernehmen. Und dies ohne chinesische Reziprozitätsbereitschaft. Darunter auch – allerdings etwas weniger geräuschlos – der weltweit führende Roboterhersteller Kuka als Hoffnungsträger der künstlichen Intelligenz (KI) und einer digital vernetzten Wirtschaft im Zeichen von 4.0.

Und nicht zufällig entsteht denn auch der erste große Technologiepark der Welt für KI in Peking. Und zwar mit der Zielsetzung, dass China bis 2030 Weltmarktführer in diesem Bereich werden soll. Ein Ziel, hinter dem allerdings ein viel weiter reichender Ehrgeiz sichtbar wird. Denn China hat längst in einer nationalen Richtlinie mit dem Slogan „Unabhängige Innovation“ bestimmt, dass das Reich der Mitte auch zur führenden Wissenschaftsmacht avancieren soll.

II.

Eine nationale Richtlinie, mit der China wieder anknüpft an eine im Westen in Vergessenheit geratene Tradition. Gemeint ist der vom britischen Wissenschaftshistoriker Joseph Needham erbrachte Nachweis, dass China bis zum 16. Jahrhundert als technologische Führungsmacht der Welt betrachtet werden darf. Und seit Deng Xiaoping – also seit Ende der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts – lässt sich denn auch hier der Quellgrund entdecken für das Betriebsgeheimnis des chinesischen Erfolgs der letzten 40 Jahre.

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BIBELARCHEOLOGIE

Spuren eines Orakels der "weisen Frau von Abel" entdeckt

 

Im Alten Testament wird von einer klugen Frau berichtet, die die Zerstörung der Stadt Abel abwendet. Jetzt haben Forscher einen Kultort aus dem 11. Jahrhundert v. Chr. entdeckt, vielleicht ein Orakel.

Von Florian Stark

Die Nachricht von der Belagerung der Stadt Abel Beth Maacha im Alten Testament hat seit jeher für Spekulationen gesorgt. Im zweiten Buch Samuel (20.13-22) wird von einer „weisen Frau“ berichtet, die Joab, den Feldherrn des Königs David, davon abgebracht haben soll, die Stadt zu erobern und zu zerstören. Im Gegenzug brachte die Frau die Bewohner der Stadt dazu, den von Joab verfolgten Rebellen Scheba zu töten: „Die Frau sprach zu Joab: Siehe, sein Kopf soll zu dir über die Mauer geworfen werden. Und die Frau beredete das ganze Volk mit ihrer Klugheit.“

Jetzt hat ein Team amerikanischer und israelischer Archäologen auf dem Tell Abil el-Qameh bei Metula an der israelisch-libanesischen Grenze, der gemeinhin mit Abel Beth Maacha identifiziert wird, zahlreiche Spuren eines Kultortes entdeckt, der möglicherweise Sitz eines Orakels war. Vor allem einen undekorierten Schrein deuten die Forscher nach einem Bericht der israelischen Zeitung „Ha’aretz“ als Hinweis, dass es sich bei Abel Beth Maacha um einen Ort zur Befragung des göttlichen Willens gehandelt haben könnte.

Die seit 2013 andauernden Grabungen zeigen, dass der Ort im späten 2. Jahrtausend v. Chr. eine blühende Stadt mit mächtiger Befestigungsanlage gewesen sein muss. Funde von Silberschmuck lassen Rückschlüsse auf Wohlstand der Bewohner zu. In der Eisenzeit entwickelte sich Abel Beth Maacha zu einem städtischen Zentrum mit Eisenindustrie und Handel weiter.

Im Zusammenhang mit einem Orakelkult könnte ein Multifunktionsbau gestanden haben, der etwa um 1000 v. Chr. errichtet worden ist, zu der Zeit also, als David in Israel geherrscht haben soll, ob als Herr über ein Großreich oder kleiner Regionalfürst sei dahingestellt. Als regionales Wirtschaftszentrum im Norden Palästinas hätte Abel Beth Maacha eine Brücke nach Süden gebildet.

Die „weise Frau von Abel“ ist nicht die einzige „große Frau“, von der das Alte Testament Heldentaten berichtet. Im zweiten Buch Samuel wird von einer „weisen Frau“ aus Thekoa berichtet, die von Joab gebeten wird, für den Königssohn Abschalom bei David Gnade zu erbitten. Das erste Buch Samuel erzählt die Geschichte der klugen Abigail, die David erkennt, bewirtet und seiner Dynastie eine lange Herrschaft voraussagt.

Die Wissenschaftler halten für möglich, dass es sich bei dem Kult von Abel Beth Maacha um eine lokale Ausformung eines Orakelkults handelt, wie sie in anderen Kulturen des Mittelmeerraums bekannt sind. Allerdings sei der biblische Text zu zweideutig, um die Rolle der „weisen Frau“ näher zu bestimmen. So nimmt die Frau im Buch Samuel für sich in Anspruch, im Namen der Stadt sprechen zu dürfen, was sie durchaus auch als weltliche Führerin charakterisieren würde.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELTOnline vom 19. 09. 2018 zu Ende.

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KRIEG  DER  MÖNCHE  IN  DEUTSCHLAND

Das Ende des letzten deutschen Trappistenklosters

 

Eigentlich müssen Trappisten schweigen und gehorchen. Doch in der Abtei Mariawald tobte zuletzt ein offener Krieg zwischen den Brüdern. Warum der letzte deutsche Sitz des Ordens der Stille schließen musste.

Von Christian Füller

Bum, bum, bum. Mit harten Schlägen klopft ein Greis gegen eine kleine braune, aus Brettern zusammengenagelte Holztür, eher eine Luke von vielleicht 1,60 Meter Höhe. Dahinter liegt die Kammer von Bruder Bernardus (Namen der Brüder geändert). Er hat das Aufstehen für das Morgengebet versäumt. Wieder einmal. Das passiert Bernardus schon mal, er ist 86 Jahre alt und zuckerkrank. 1959 ist er Mönch geworden. Nun gehört er zu den letzten Brüdern, die im einzigen deutschen Männerkloster der Trappisten leben, in der Abtei Mariawald in der Eifel. Der Mann, der den Mitbruder in der Frühe weckt, ist Bruder Paul. Auch er geht auf die 90 zu.

Dass es laut wird, ist einzigartig in Mariawald. Die Trappisten sind der Schweigeorden. Selbst bei der Arbeit verständigen sich die Mönche mit Handzeichen. Allerdings wird in der Abtei fast am Ende des Serpentinenweges, der von Heimbach auf den Mittelgebirgszug Kermeter hinaufführt, schon lange nicht mehr gearbeitet.

Und an diesem Wochenende war auch mit dem Beten Schluss. Die Abtei Mariawald ist aufgelöst worden. Dieser Schlussakt des 1480 von Zisterziensern gegründeten Konvents hat viel mit dem Morgenritual von Bernardus und Paul und einem Mitbruder zu tun. Sie nämlich, die sich jeden Morgen in der Klausur zum Gebet versammelten, sie sind die Dissidenten.

Brüder in der Dissidenz

Kann es im Kloster so etwas wie Abweichler geben? Immerhin verpflichten sie sich in ihrem Ordensgelübde – neben lebenslanger Hingabe zur Gemeinschaft und Ehelosigkeit – zu zwei eisernen Regeln: zu schweigen und zu gehorchen.

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STUDIE  DER  BISCHOFSKONFERENZ

Kindesmissbrauch in katholischer Kirche weit verbreitet

 

Erschütternd und beunruhigend: Eine Studie zeigt, dass es in der katholischen Kirche in Deutschland Tausende Missbrauchsfälle gab. Viele Vorfälle wurden vertuscht, und der Missbrauch dauert offenbar weiter an.

Eine von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie zum innerkirchlichen Missbrauch an Minderjährigen offenbart schwerwiegende Sexualstraftaten. Das berichten der „Spiegel“ und die „Zeit“ . Demnach wurden für den Zeitraum zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3677 überwiegend männliche Minderjährige Opfer sexueller Vergehen. Die Taten wurden von 1670 Klerikern begangen. Mehr als die Hälfte der Opfer seien zum Tatzeitpunkt maximal 13 Jahre alt gewesen, in etwa jedem sechsten Fall sei es zu unterschiedlichen Formen von Vergewaltigung gekommen.

Die vertrauliche Studie mit dem Titel „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ wurde von einem Forschungskonsortium der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen erstellt. Die Deutsche Bischofskonferenz will die Ergebnisse am 25. September auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda vorstellen.

Im Rahmen der Untersuchung werteten die Wissenschaftler 38.000 Personal- und Handakten aus 27 deutschen Diözesen aus. Dabei sei lediglich das sogenannte Hellfeld betrachtet worden. „Damit unterschätzen alle Häufigkeitsangaben die tatsächlichen Verhältnisse“, werden die Verfasser der Studie zitiert. Zudem seien Personalakten möglicher Täter vernichtet oder manipuliert worden. Es bestehe außerdem Grund zu der Annahme, dass der Missbrauch weiter andauere.

Beschuldigte Kleriker seien auffällig häufig an einen anderen Ort versetzt worden, ohne dass die neue Gemeinde über den Missbrauch informiert worden sei, heißt es in dem Bericht. Nur ein Drittel der Täter hätte sich einem kirchenrechtlichen Verfahren stellen müssen. Die Sanktionen seien minimal ausgefallen, teils unterblieben. „Die Bereitschaft der Kirche, Fälle des sexuellen Missbrauchs mit den eigenen dafür vorgesehenen Verfahren zu untersuchen und Beschuldigte gegebenenfalls einer kirchenrechtlichen Bestrafung zuzuführen“, sei in Anbetracht der Befunde „als nicht sehr ausgeprägt anzusehen“, zitiert die „Zeit“ aus dem Missbrauchs-Bericht.

Kein deutsches Problem

Seit Jahren wird weltweit über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche diskutiert. Papst Franziskus hatte zuletzt bei einem Besuch in Irland die tausendfachen sexuellen und anderweitigen Misshandlungen von Kindern und Frauen durch katholische Geistliche in dem Land scharf verurteilt. „Wir bitten um Entschuldigung für die Misshandlungen in Irland, den Missbrauch von Macht und Vertrauen, sexuellen Missbrauch durch offizielle Mitglieder der Kirche“, sagte Franziskus.

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EUGH-URTEIL

Katholische Kirche diskriminierte offenbar Chefarzt – weil er katholisch ist

 

Der EuGH hat entschieden, dass die Entlassung eines wiederverheirateten Chefarztes eine Diskriminierung sein kann.

Von Lucas Wiegelmann, Stellv. Ressortleiter Feuilleton

Es ist schwer zu sagen, wann der Kirche dieser merkwürdige Fall aus dem Ruder gelaufen ist. War es schon gleich zu Beginn, als die katholischen Hierarchien vor Ort auf einmal das Privatleben eines Arztes nicht mehr akzeptieren wollten, an dem sie vorher lange so gar nichts zu beanstanden gehabt hatten?

War es nach den ersten Niederlagen vor Gericht, als man, statt klein bei zu geben, unbedingt immer weiter machen wollte, von Instanz zu Instanz? Oder war es nur der Moment des vermeintlichen Triumphs, beim Teilsieg vor dem ehrwürdigen Bundesverfassungsgericht, als die Kirchenmänner es vor lauter Begeisterung auch noch zum großen Showdown auf Europaebene kommen ließen?

Wenn Norbert H. Müller, Rechtsanwalt aus Bochum, diese Frage beantworten sollte, der Mann, der die Kirche in diesem so langen wie verschlungenen Rechtsstreit nun doch noch geschlagen hat, dann würde er auf Letzteres tippen. „Ich hätte mit dieser Wendung nicht gerechnet“, sagt Müller. „Aber als es nach Luxemburg ging, hatte ich irgendwie das Gefühl: Jetzt schießen sie sich ein Eigentor.“

Klar ist jedenfalls: Die katholische Kirche in Deutschland hat eines ihrer berühmtesten und langwierigsten arbeitsrechtlichen Gerichtsverfahren der letzten Jahre verloren, nach gut neun Jahren Verhandlung auf allen Ebenen, Arbeitsgericht, Landesarbeitsgericht, Bundesarbeitsgericht, Bundesverfassungsgericht und schließlich Europäischer Gerichtshof.

Dieses Ausmaß war nicht abzusehen

Nun, mit dem Urteil aus Luxemburg, wird sich die Kirche wohl nicht nur im konkreten Fall fügen müssen. Sie muss möglicherweise auch ihre Haltung gegenüber den eigenen Angestellten grundsätzlich ändern, und zwar in einem Ausmaß, das zu Beginn des Verfahrens noch gar nicht zur Debatte gestanden hatte.

Die Kündigung eines Chefarztes durch ein katholisches Krankenhaus wegen Wiederheirat nach einer Scheidung könne eine „verbotene Diskriminierung“ darstellen, so die Richter in ihrem Urteil. Die Anforderung, dass ein katholischer Chefarzt den „heiligen und unauflöslichen Charakter“ der Ehe nach dem Verständnis der katholischen Kirche beachte, erscheine nicht als „wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderung“, heißt es im Urteilstext.

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DER  FALL  CHEMNITZ

Katholiken stellen sich entschieden gegen die AfD

 

Mit ihrer menschenverachtenden Propaganda mache die AfD Stimmung, sie sei Mittäter, sagte der Kölner Kardinal Rainer Woelki. Der ZdK-Präsident Sternberg bezeichnet die AfD als offen rechtsradikal.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat die Alternative für Deutschland (AfD) als offen rechtsradikal bezeichnet und riet von ihrer Wahl ab.

„Ich rufe zum übergreifenden Widerstand aller freiheitlich-demokratischen Kräfte auf“, sagte Sternberg der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Bayern und Hessen.

Auch der Kölner Kardinal Rainer Woelki kritisiert die AfD nach den rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz . Wer durch menschenverachtende Propaganda und rechtslastige Sprüche Stimmung mache, der sei Mittäter „und auf gar keinen Fall eine Alternative für Deutschland“, sagte der Kardinal dem Kölner Domradio .

ZdK-Präsident Sternberg zog Parallelen zum Aufstieg der NSDAP. „In der Endphase der Weimarer Republik gab es auch eine Partei, die in den Parlamenten saß und die Ungeheuerlichkeiten in die Parlamente getragen hat“, warnte er. Der Aufstieg der AfD müsse verhindert werden.

Dass AfD-Abgeordnete gewählt wurden, heiße nicht, „dass das, was sie machen, auch demokratischen Prinzipien entspricht“, hob Sternberg hervor, der rund 23 Millionen deutsche Katholiken vertritt. Die AfD weise auch weitere „Parallelen zum Nationalsozialismus“ auf. Ihr Aufstieg müsse verhindert werden. Parteichef Alexander Gauland bediene „eine rechtsradikale Klientel und führt eine rechtsradikale Partei“.

AfD kontert die Kritik

Die AfD kritisierte Sternbergs Äußerungen. „Derartige Zuschreibungen und Vergleiche sind nicht nur hetzerisch, plump und schlicht falsch, sie tragen auch zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft bei und verhindern einen ehrlichen Dialog“, erklärte der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz. In Zeiten, in denen immer mehr Gläubige den Amtskirchen den Rücken kehrten, solle dort lieber versucht werden, „zu einen und nicht zu spalten“.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 09. 09. 2018 zu Ende.

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KATHOLISCHE KIRCHE

Ex-Mönch Bilgri: Zölibat ist "Lüge der Kirche"

 

Der ehemalige Benediktinermönch Anselm Bilgri (64) fordert in seinem neuen Buch die Abschaffung des Zölibats. «Die katholische Kirche lügt sich selbst in die Tasche, indem sie eine Forderung aufstellt, die schon immer schwierig einzuhalten war.

Und heute, in unserer Zeit, in der Sexualität kein Tabu-Thema ist, ist es noch schwieriger», sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Der Zölibat soll ein Zeichen sein, das auf das Jenseits verweist, wo es keine Ehe mehr gibt. Aber dieses Zeichen wird heute auf keinen Fall mehr von den Menschen verstanden - ganz im Gegenteil, weil man viele Priester dazu zwingt, ihre sexuellen Empfindungen heimlich zu leben.» Bilgris Buch «Bei aller Liebe. Warum die katholische Kirche den Zölibat freigeben muss» ist seit Dienstag auf dem Markt.

Bilgri, der einst von Joseph Ratzinger zum Priester geweiht wurde, hatte vor fast 15 Jahren bundesweit Schlagzeilen gemacht, weil er das berühmte Kloster Andechs verließ und aus dem Benediktinerorden austrat. Ein Grund dafür, dass er kein Mönch mehr sein wollte, so sagt er heute, sei auch der Zölibat gewesen. «Es gibt eine Schätzung, die davon ausgeht, ein Drittel der Priester ist heterosexuell aktiv, ein Drittel homosexuell und ein Drittel versucht es redlich, sich daran zu halten», sagte er. «Dabei sind es gerade die Konservativen, die besonders streng mit sich sind, die irgendwann merken, dass es nicht klappt - und das macht dann oft noch verbitterter, weil man unter einem ständigen Gewissensdruck steht.»

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 04. 09. 2018 zu Ende.

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KATHOLISCHE KIRCHE

Die Revolution frisst ihren Papst

 

Die neue Missbrauchsdebatte erschüttert den Vatikan. Hardliner raunen von Schwulen-Lobbys in Rom, während Liberale am wahren Reformwillen des Papstes zweifeln. Die Methode Franziskus stößt an Grenzen.

Von Lucas Wiegelmann , Stellv. Ressortleiter Feuilleton  

Die Jesuiten, so geht ein Spruch in der Kirche, gewinnen jeden Krieg – weil sie immer auf allen Seiten gleichzeitig kämpfen. Der Witz spielt auf die besondere Schläue an, die dem Jesuitenorden nachgesagt wird: Die Societas Jesu gilt als elitärer Klub der Klügsten, und sein ständiges Grübeln und Differenzieren brachte nicht nur viele der größten Theologen aller Zeiten hervor, sondern hat den angenehmen Nebeneffekt, dass man sich dabei mit keiner Sache allzu sehr gemeinmachen muss. Anders gesagt: Wer clever ist, lässt sich immer noch ein Hintertürchen offen.

Papst Franziskus ist Jesuit, und seit seinem Amtsantritt vor gut fünf Jahren ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dass man diesen Mann nicht verstehen kann ohne seine jesuitische Denkart, ohne sein ewiges Abwägen des Für und Wider, die mühsame und langwierige Unterscheidung der Geister. Doch in diesen Tagen wird deutlich, dass diese Methode auch Schwächen hat. Jedenfalls wenn man nicht gerade Universitätstheologe oder Missionspriester ist, sondern Chef der Weltkirche.

Wer sich im Kampf befindet – und dass derzeit ein Kampf in der Kirche tobt, bestreiten auch hochrangige Vertreter nicht mehr – und dabei auf allen Seiten gleichzeitig zu stehen versucht, erhöht damit je nach Perspektive nämlich gar nicht zwangsläufig seine Siegchancen: Gleichzeitig wächst ja das Risiko, alles zu verlieren, egal, wie der Kampf ausgeht.

Die Methode Franziskus, die vorsieht, erst einmal alle anderen zu Wort kommen zu lassen, bevor der Papst selbst eine Entscheidung trifft (die dann oft genug darin besteht, keine Entscheidung treffen zu wollen), stößt in Krisensituationen jedenfalls an Grenzen. So wie jetzt im Umgang mit dem wieder in voller Wucht zurückgekehrten Missbrauchsskandal.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 03. 09. 2018 zu Ende.

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SICHERHEITSPOLITIK

Europas Abdriften von den USA ist gefährlich

 

Der Tod des US-Senators McCain wirkt wie ein düsteres Symbol für das Ende einer Epoche. Auf Donald Trumps nationalistische Politik reagiert Europa mit einer schleichenden Abkehr von den USA. Das aber hat die Annäherung an autoritäre Mächte wie Russland zur Folge.

Von Richard Herzinger

Mit John McCain ist die bedeutendste – womöglich gar die letzte – Stimme des amerikanischen demokratischen Universalismus in der US-Politik verstummt. Ungebrochen kämpferisch hielt der republikanische Senator bis zuletzt an der Überzeugung fest, dass die freiheitliche Ordnung der USA mit der Bereitschaft steht und fällt, Demokratie und Menschenrechte auf der ganzen Welt zu verteidigen und zu verbreiten.

Er verband dies mit der Einsicht, dass nur ein starkes, zur Führung der freien Welt entschlossenes Amerika den Erhalt und Ausbau einer auf dem internationalen Recht basierenden Weltordnung garantieren könne. Die Treue zu diesen Grundprinzipien wie sein leidenschaftliches Eintreten für ein stabiles transatlantisches Bündnis machten ihn zum entschiedensten Gegner Donald Trumps und seiner nationalistischen „America first“-Politik.

Vor dem Hintergrund wachsender Entfremdung zwischen Amerika und Europa wirkt McCains Tod wie ein düsteres Symbol. Erscheint er doch wie die Besiegelung des Endes der Nachkriegsepoche, in der die enge transatlantische Partnerschaft das Rückgrat einer an liberalen Werten orientierten Weltordnung darstellte. Einer Epoche freilich, in der auch die Rollen klar verteilt waren.

Die USA übernahmen die Führungsposition in der westlichen Allianz und trugen die Hauptlast der gemeinsamen Sicherheit. Die Europäer überließen Washington in globalpolitischen Konflikten in der Regel den Vortritt, nahmen sich aber zugleich die Freiheit heraus, den USA regelmäßig geostrategische und moralische Belehrungen zu erteilen.

Dass die USA den Europäern nicht gestatten würden, sich auf ewig in dieser weltpolitischen Nische einzurichten, war längst abzusehen, wurde aber beharrlich verdrängt. Trumps feindseliges Auftreten gegenüber den europäischen Verbündeten hat diese jetzt jäh aufgeschreckt. Denn nicht nur um die Lastenverteilung innerhalb des westlichen Bündnisses geht es jetzt, auf dem Spiel steht sein Fortbestand.

Doch die Reaktion der europäischen Führungsmächte auf Trumps destruktive Verachtung des Zusammenhalts der westlichen Demokratien läuft auf eine schleichende Abkehr von der transatlantischen Allianz hinaus – und verstärkt damit die spalterische Dynamik, die der US-Präsident in Gang gesetzt hat.

In einer Grundsatzrede erklärte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron jüngst, Europa müsse sich in seiner Verteidigungsfähigkeit von den USA unabhängiger machen. Dafür brachte er eine verstärkte Kooperation auch mit Russland ins Spiel. Zwar schränkte er ein, die von ihm langfristig angestrebte „strategische Partnerschaft“ mit Moskau habe nicht näher definierte „diplomatische Fortschritte“ etwa „in der Ukraine-Krise“ zur Voraussetzung.

Mit dieser vagen Aussage erweckte Macron jedoch den Eindruck, er bestehe nicht mehr auf dem vollständigen Abzug aller russischen Truppen und Waffen aus der Ostukraine und auf der Rückgabe der annektierten Krim als Voraussetzung für eine grundlegende Verbesserung der Beziehungen zu Russland.

Welch ein Widersinn: Macron will die eigenständige europäische Verteidigungskraft durch eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit ausgerechnet mit jenem Staat befördern, der das demokratische Europa politisch wie militärisch derzeit am stärksten bedroht. Diese Logik verrät eine bedenkliche Erosion des Bewusstseins für das Wertefundament, auf dem die gemeinsame Sicherheit des Westens beruht.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 02. 09. 2018 zu Ende.

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BUNDESINNENMINISTER

Reden wir über Religion

 

Infolge der Migration stößt Innenminister Seehofer eine Debatte über Religion und Staat an. In WELT schreibt er, warum man das Thema nicht auf Islam und Kirchenaustritte verengen dürfe: „Werden wir uns unserer religiösen Wurzeln bewusst.“.

Von Horst Seehofer

Wie ist es in unserem Land um das Verhältnis zwischen Religion und Staat bestellt? Welche Bedeutung messen wir der Religion in unserem Gemeinwesen zu? Und wie gestalten wir das Zusammenleben in einer religiös und weltanschaulich pluraler gewordenen Gesellschaft? Dies sind ganz grundlegende Fragen, zu denen ich den Dialog mit allen in Deutschland relevanten religiösen Gemeinschaften suchen werde.

Noch vor Jahren schien die Rolle von Religion in unserer Gesellschaft geklärt: Irgendwie am Rande, weitgehend nur noch als Privatsache. Oft genug in Abgrenzung des Einzelnen zur etablierten Organisation der Kirchen. Der mit stetig sinkenden Mitgliederzahlen einhergehende Bedeutungsverlust der organisierten Kirchen und ein zunehmendes Auseinanderfallen von reiner Mitgliedschaft und gelebter Glaubenspraxis auch innerhalb der Kirchen sind jedenfalls für die alte Bundesrepublik ab Anfang der 70er-Jahre signifikant. In der DDR konnten die Kirchen dieser Entwicklung noch etwas entgegensetzen.

Nicht zuletzt die Diskriminierung durch den Staat stärkte eher den Zusammenhalt der konfessionell gebundenen Menschen. Es gehörten ja Standhaftigkeit und Zivilcourage dazu, angefangen bei der Entscheidung zwischen Jugendweihe und Konfirmation oder Kommunion und Firmung bis hin zur Bespitzelung und Diskriminierung im Alltag. Wer gehofft hatte, dass der „demokratische Aufbruch“ mit dem Ende der DDR auch zu einer weiteren Belebung der Kirchengemeinden in Ostdeutschland führen würde, sah sich getäuscht. Im Gegenteil, so mein Eindruck, vollzog sich ebenso wie schon im Westen auch hier ein fortschreitender Rückzug ins Private.

Seit Jahren geht die Zahl der Mitglieder sowohl in der römisch-katholischen als auch der evangelischen Kirche kontinuierlich zurück . Der Anteil der Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung ist nicht nur mit der Wiedervereinigung sprunghaft angestiegen, sondern wächst seither auch stetig weiter. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist nicht – oder nicht mehr – Mitglied einer Kirche oder anderen Religionsgemeinschaft. Ähnliche Befunde gibt es in Österreich und der Schweiz. Hat also Religion keine oder nur noch geringe Bedeutung in der Gesellschaft? Die Antwort ist – trotz der Statistik – ein klares Nein.

Die Leidenschaftlichkeit der jüngsten Diskussion um religiöse Symbole hat mich daher nicht überrascht, allenfalls einzelne Beiträge hierzu. Über Kopftuch , Kippa und Kreuz wurde – und wird immer noch – mal im Kontext von Schule und Gerichtssaal gestritten, mal ganz allgemein ihre Sichtbarkeit im öffentlichen Raum grundsätzlich infrage gestellt oder verteidigt. Diese Diskussion hat erneut den Blick auf das Verhältnis zwischen Staat und Religion sowie die Rolle von Religion in unserer Gesellschaft gelenkt. Ich bin ungeachtet der teils recht befremdlichen Töne froh darüber, dass wir uns öffentlich mit diesem Thema befassen und so dessen gesellschaftliche Bedeutung unterstreichen.

Wenn wir die Rolle von Religion in unserer Gesellschaft betrachten, wäre es aber ein Fehler, dies nur auf die Mitgliedersituation der Kirchen oder den Umgang mit dem Islam zu verengen. Nicht zuletzt durch eine fortschreitende Globalisierung erleben wir in nahezu allen Bereichen unserer Gesellschaft rasante Veränderungen. Diese Veränderungen mag man je nach Standpunkt begrüßen oder bedauern, als Ausdruck von größerer individueller Freiheit ansehen oder als den Verlust an stützender Ordnung beklagen. Diese Veränderungen zu ignorieren oder sich von ihnen nur treiben zu lassen, ist gewiss verlockend, weil es den geringsten Widerstand erzeugt.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT+ Online vom 23. 08. 2018 zu Ende.

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SONDERREGEL

Beim Kirchenasyl missachten viele Gemeinden die Regeln

 

Der Staat duldet die Unterbringung von Asylsuchenden in sakralen Räumen – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Weil in fast jedem zweiten Fall Absprachen nicht eingehalten wurden, verstärkt ein neuer Erlass nun den Druck auf die Gemeinden.

Von Matthias Kamann, Politikredakteur

Das Kirchenasyl ist für Gemeinden hart. Die Schützlinge müssen untergebracht und versorgt werden, für alles werden Spenden und Ehrenamtliche benötigt. Und es müssen Verfahrensregeln eingehalten werden, auf die sich 2015 die Kirchen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einigten.

Gegen diese Regeln, so ergaben WELT-Recherchen, haben viele Gemeinden verstoßen. Deshalb haben Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und seine Kollegen in den Ländern einen Erlass verordnet, der es für Regelbrecher noch härter macht. Sie müssen sich seit August darauf einstellen, ein Kirchenasyl 18 Monate lang zu gewähren. Das ist kaum zu schaffen.

Scharf kritisiert den Erlass die ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Asyl in der Kirche, bei der die zurzeit 552 Fälle mit 868 Personen koordiniert werden. Kirchenasyl werde „erschwert und sanktioniert“, der Erlass sei „rechtswidrig“, klagt die BAG. Allerdings stellt der Erlass das Kirchenasyl nicht infrage.

Zum Hintergrund: Es geht fast durchweg um das Dublin-System. Bei mehr als 90 Prozent der insgesamt knapp 1200 Fälle im Jahr 2017 wurden in kirchlichen Räumen Menschen aufgenommen, die in einem anderen EU-Staat Asyl beantragt hatten. Das BAMF müsste sie den Dublin-Regeln entsprechend in den Staat des Antrags zurückschicken. Weil aber bei manchen EU-Staaten Zweifel an den humanitären Standards bestehen, beherbergen Gemeinden Menschen, bei denen zumindest sie die Überstellung für unvertretbar halten. Der Staat duldet das und verzichtet darauf, diese Menschen von der Polizei aus den Kirchen holen zu lassen.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 21. 08. 2018 zu Ende.

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GLAUBENSGEMEINSCHAFT

Mormonen wollen nicht mehr Mormonen heißen

 

Seit dem 19. Jahrhundert werden Gläubige der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" als Mormonen bezeichnet. Nun untersagt der Kirchenpräsident diesen Namen - und macht Gegenvorschläge.

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL Online vom 20. 08. 2018 zu Ende.

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„UNERTRÄGLICH“

Besonders viele antisemitische Straftaten in Ostdeutschland

 

Die Zahl antisemitischer Straftaten ist gemessen an der Bevölkerungszahl in den ostdeutschen Bundesländern besonders hoch. Berlin ist trauriger Spitzenreiter.

Von Laura Fritsch

Von 2010 bis Ende Juli 2018 ereigneten sich in der Hauptstadt 1.649 Straftaten. Dies entspricht 46,1 Taten je 100.000 Einwohner. Das geht aus einer einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor.

Weiter hieß es darin unter Berufung auf die polizeiliche Kriminalstatistik sowie Angaben des Statistischen Bundesamts, in Thüringen seien 29,8 Fälle je 100.000 Einwohner registriert worden, in Brandenburg 28,7 Fälle, in Sachsen-Anhalt 23,8 Fälle, in Sachsen 18,5 Fälle und in Mecklenburg-Vorpommern 16,3 Fälle.

In Rheinland-Pfalz waren es dagegen 8,3 Fälle je 100.000 Einwohner, in Baden-Württemberg 8,8 Fälle und in Nordrhein-Westfalen 12,7 Fälle. Insgesamt habe die Polizei in Deutschland in dem Zeitraum 11.786 Delikte verzeichnet, die sich gegen Juden oder jüdische Einrichtungen richteten.

Alarmiert über die Zahlen äußerte sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. „Gerade in Ostdeutschland zeigt Judenfeindlichkeit häufig durch Straftaten ihr hässliches Gesicht“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Obwohl in vielen Regionen kaum Juden lebten, sei hier “der Hass gegen jüdisches Leben groß.“

Den Kampf verstärken

Klein kündigte an, den Kampf gegen Antisemitismus zu verstärken. Unter anderem wolle er dafür sorgen, dass die Arbeit der ostdeutschen KZ-Gedenkstätten wie etwa Buchenwald oder Sachsenhausen “stärker in Schulen und Jugendzentren präsent ist“.

Entsetzt äußerte sich auch die FDP-Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg. 11.786 antisemitische Straftaten seien “in Anbetracht von nicht einmal hunderttausend Mitgliedern jüdischer Gemeinden eine erschreckend hohe Zahl“, erklärte sie in Berlin.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 15. 08. 2018 zu Ende.

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CHARLES  DARWIN

Das Haus, in dem Gott getötet wurde

 

Das „Down House“ ist einer der unheimlichsten Orte der Weltgeschichte. Hier machte Charles Darwin aus seiner Angst eine Theorie, die die Welt umstürzte. Eine Pilgerfahrt zum Spukschloss der Evolution.

Von Dirk Schümer

Der folgenreichste Gedanke, den je ein Mensch gedacht hat – wem gelang dies, wann und wo? Es gibt Ranglisten der ganz großen Entdeckungen, und immer ist – vor Aristoteles, Kopernikus, Newton, Einstein, Freud – ein Name ganz vorne: Darwin. Viel weniger bekannt als die nach ihm benannte Theorie ist der Ort des Geschehens. Darwin stammte aus dem westenglischen Städtchen Shrewsbury; seine Ideen über den Ursprung der Arten kultivierte er auf seiner fast fünfjährigen Weltumseglung mit der „Beagle“; in den Londoner Zirkeln der Royal Society wurden seine Ideen publiziert und diskutiert. Doch reifte die Evolutionslehre am denkbar unscheinbarsten Ort: einem Landhaus in der Grafschaft Kent, vor den südlichen Toren Londons.

„Down House“, noch außerhalb des Dörfchens Downe in den Wiesen von Kent ist einer der kuriosesten Wallfahrtsorte der Welt. Von London kommt man noch heute gar nicht so leicht hin: Eine Bahnkarte von Victoria Station nach Hayes, dann am besten eine lange Taxifahrt heraus aus dem Weichbild der Megalopolis. Vorbei an Golfplätzen und einer Weihnachtsbaumzucht kommt irgendwann eine malerische Einfahrt: „Home of Charles Darwin“. Die Isolation, die vor über 150 Jahren noch drastischer gewesen sein muss, war der Grund für die Ortswahl. Darwin fand den industriellen Moloch London „rußig und stinkig“, wollte seine angeschlagene Gesundheit schützen.

1842, im Jahr seines Exodus aufs Land, entstand eine erste Skizze über die Evolutionstheorie. 1859 veröffentlichte er sein umstürzendes Hauptwerk „On the Origin of Species“. Bis auf seltene Kurzbesuche bei Verwandten und Kuraufenthalte für Kaltwasserbäder hat Darwin sein Residuum nie mehr verlassen – und sich auch nicht selbst an den erbitterten Debatten beteiligt.

Heute erstrahlt „Down House“ unter der Fürsorge von English Heritage; freundliche ältere Damen und Herren werben um Mitgliedschaft, verkaufen Eintrittskarten und Souvenirs, servieren selbst gebackene Torten und stehen den Pilgern für Auskünfte bereit. Darwin, der viel auf seine Idylle hielt, hätte das gut gefallen. Die Originalmöbel, die Bibliothek, die Bilder an der Wand – alles echt, weil Darwin schon bei seinem Tod 1882 weltberühmt war, in der Westminster Abbey ein Ehrengrab bekam und sein Schaffensort naturgemäß sogleich zum Museum werden musste.

Doch so naturgemäß funktioniert der Darwinismus eben nicht. Nach dem Tod von Darwins Frau, die „Down House“ nurmehr als Sommerfrische nutzte, wurde das Anwesen im 20. Jahrhundert verkauft, eine Mädchenschule hielt Einzug. Und erst 1927 richteten Wissenschaftler unter Mithilfe des letzten lebenden Sohnes Leonard, nach alten Fotos und mit den Originalmöbeln aus Familienbesitz die Weihestätte wieder ein.

Und doch: Nirgendwo lässt sich die Entstehung einer wissenschaftlich-philosophischen Lehre so mühelos mit einem Ort verknüpfen wie hier. Im Arbeitszimmer steht Darwins Studiensessel, den der schlaksige Mann selbst mit hohen Rädern versehen hatte – Meilenstein in der Evolution des Bürosessels. Ein Spiegel am Fenster ermöglichte ihm bei unerwünschtem Besuch die Flucht durch die Hintertür. Noch im Salon, wo seine Frau am Flügel exzellierte oder der vielköpfigen Kinderschar Romane vorlas, ist für ganz feine Augen der Kerzenständer an Darwins Sessel zu finden – fürs Studium nebenbei.

Darwin selbst hat in seinen bestürzend harmlosen Lebenserinnerungen den Rückzug nach Downe als Schlüssel für seinen Erfolg bezeichnet. Ohne Geselligkeit, ohne Professorenfehden hatte er hier Raum, um Tauben zu sezieren, Käfer zu sammeln, in seinen Gewächshäusern Pflanzen aller Art zu kreuzen und vor allem auf den Feldwegen im Gehen über all das nachzudenken. Den Luxus konnte er sich als Sohn eines Multimillionärs locker leisten.

Muße, Außenseitertum, Isolation – diese Laborbedingungen für den ganz großen Wurf passen wundersam zu anderen Revolutionären wie Kopernikus oder Einstein. Und doch findet sich bei näherer Betrachtung in „Down House“ ein Ingredienz, das der bescheidene Harmoniemensch Darwin der Nachwelt am liebsten verschwiegen hätte: Angst, jahrelange obsessive Angst, welche die dunkle Seite seiner Evolutionslehre offenlegt. Das fängt an mit dem dezent hinter einem Wandschirm verborgenen Kübel in einer Nische neben seinem Schreibtisch. Darwin war, während er seinen „Origin of Species“ ausbrütete nicht nur ein furchtsamer Mann, der auswärtige Übernachtungen vermied. Er litt zeitlebens an monatelangen Brechdurchfällen, Tremor an Armen und Beinen, schmerzhaften Krämpfen und kompletter Schwäche.

Unter welcher Krankheit litt Darwin wirklich?

Studien über seine Krankengeschichte füllen ganze Bibliotheken, und die erwartbaren Thesen über psychosomatische Gründe überzeugen am wenigsten. Doch ob es geheimnisvolle Tropenkrankheiten, eingefangen durch bissige Insekten während der Weltumsegelung, oder Morbus Crohn oder simple Laktoseintoleranz war, oder ob sich Darwin an seinem Gottes- und Vatermord der Abstammungslehre so überhob, dass sein Körper rebellierte – wir werden es nie erfahren.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT+ Online vom 13. 08. 2018 zu Ende.

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NARZISMUS

Wir müssen wieder Demut lernen!

 

Das Laster der Hoffart galt bis in die 1960er-Jahre als schweres Vergehen. Heute sind Eitelkeit und Überheblichkeit gesellschaftsfähig. Doch die Folgen des Narzissmus sind fatal, sagt der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel.

Von Meinhard Miegel

Noch bis in die 60er-Jahre hinein fand es sich nicht nur in den Beichtspiegeln der katholischen Kirche, zugleich galt es als die erste und schlimmste der sieben Hauptsünden : das Laster der Hoffart. Inzwischen ist nicht nur der Begriff aus der Mode gekommen. Auch das, wofür er stand, hat an Verwerflichkeit eingebüßt: Hochmut, Anmaßung, Überheblichkeit, Eitelkeit, Selbstgerechtigkeit, Narzissmus.

Wie selbstverständlich und gesellschaftlich akzeptiert das alles geworden ist, wird deutlich, wenn dem Laster der Hoffart die kontrastierenden Tugenden gegenübergestellt werden: Demut und Bescheidenheit. Wer will in der Welt von heute noch demütig und bescheiden sein? Dann lieber anmaßend, überheblich und eitel.

Ganze Erwerbszweige haben sich aufgemacht, just solche Attribute zu fördern. Ihr Daseinszweck ist es, alles und jedes zum Strahlen zu bringen, und sei es bei Licht besehen auch noch so kümmerlich. Ihr Wirkungsbereich ist beinahe grenzenlos, und ihre Erfolge sind beträchtlich.

Das beginnt mit den zur Manie gesteigerten Selfie- und Facebook-Auftritten und endet bei den vielen Größenwahnsinnigen, die im Lauf der Geschichte geglaubt haben, ihr Volk oder besser noch die ganze Welt beherrschen zu können und zu müssen.

Dazwischen liegt ein weites Feld, auf dem jedweder gesellschaftliche Bereich angesiedelt ist, sei es die Wissenschaft, die Kunst, die Wirtschaft und ganz besonders die Politik. Sie alle sind vollgepfropft mit Hochmut und Anmaßung, Überheblichkeit und Eitelkeit, Selbstgerechtigkeit und Narzissmus .

Welchem Wissenschaftler, welcher Wissenschaftlerin kommt es schon leicht über die Lippen, dass ihr Wissens- und Könnensschatz in Wahrheit äußerst begrenzt ist und große Lücken aufweist?

Helfer im Dunkeln oder Halbdunkeln

Welcher Künstler tritt schon bescheiden hinter sein Werk zurück und räumt ein, dass nicht nur er, sondern eine ganze Epoche es geschaffen hat? Was wären die Berühmtheiten ihrer Zeit, die Musiker, Maler , Bildhauer, Dichter und Architekten, ohne die Heerscharen derer, die im Dunkeln oder Halbdunkeln das Material bereitstellen, das sie verarbeiten?

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MIGRATION

Lieber für einen Hungerlohn nach Deutschland als ein Leben in Rumänien

 

In Rumänien schrumpft vielerorts die Bevölkerung, weil die Jungen auf der Suche nach besserer Arbeit fortziehen. Die schicken zwar Geld nach Hause – das allein hilft den sterbenden Gemeinden auch nicht.

Von Carmen Paun, Întorsura/Rumänien

Als „die Rückkehr“ lässt sich der rumänische Name Întorsura übersetzen. Heute jedoch kommt niemand zurück in das osteuropäische Dorf. Wie so viele Rumänen machten sich nach dem Ende des kommunistischen Regimes auch Einwohner des Dorfes Întorsura auf den Weg ins Ausland. Anfang der 1990er-Jahre suchten die jungen unter ihnen vor allem Arbeit in Italien, wo sich die Sprache und das Klima ähneln.

Die Auswanderung verstärkte sich weiter, seitdem Rumänien vor mehr als zehn Jahren der EU beigetreten ist. Viele der Menschen aus Întorsura leben und arbeiten mittlerweile in Großbritannien und Deutschland .

Das Dorf liegt im Südwesten Rumäniens am Fuße eines Hügels, der von Weingärten und Weiden überzogen ist. „Die meisten der Einwohner sind alt und leben von der Rente, Sozialleistungen oder den Rücküberweisungen ihrer Verwandten im Ausland“, sagt Marian Cioi, der 58-jährige Bürgermeister des Dorfes.

Weil die Alten sterben und die Jugend ins Ausland zieht, ist die Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren um ein Fünftel geschrumpft: dem Bürgermeister Cioi zufolge von 1786 im Jahr 2002 auf aktuell 1470 Einwohner. Jahr für Jahr gingen die Zahlen nach unten, sagt er.

Überweisungen haben etwas verändert

Der Exodus aus dem Dorf spiegelt ein Phänomen wieder, das in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur in Rumänien, sondern auch in anderen Ländern Zentral- und Osteuropas tiefe Spuren hinterlassen hat: Überall verlassen Menschen ihre Länder auf der Suche nach besser bezahlter Arbeit in Westeuropa. Zurück kommen sie – wenn überhaupt – nur für den Urlaub.

Unter den EU-Ländern verzeichnet Rumänen den größten Anstieg der Auswanderung seit 1990. Einem kürzlich veröffentlichten Report der Weltbank zufolge arbeiten und leben bereits zwischen drei und fünf der insgesamt 19,6 Millionen Rumänen außerhalb ihres Heimatlandes. Unter den Auswanderern sind etwa 2,6 Millionen im erwerbsfähigen Alter, was fast einem Fünftel der arbeitenden Bevölkerung des Landes entspricht.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 08. 08. 2018 zu Ende.

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FALL  SKRIPAL

Ein Giftanschlag und sieben russische Legenden

 

Als der russische Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter in England vergiftet werden, fällt der Verdacht auf Moskau – daraufhin zündet der Kreml ein Feuerwerk von Verschwörungstheorien. Wir sind ihnen nachgegangen.

Von Alexej Hock

Haben etwa die Briten selbst den russischen Ex-Spion Sergej Skripal vergiftet? Oder war es die Ukraine? Wem nützt dieser Anschlag tatsächlich – war er am Ende ein Angriff auf die Fußball-WM in Russland? Was vertuscht die britische Regierung? Solche Fragen stellt sich, wer die Berichterstattung kremltreuer Sender zum Fall Skripal verfolgt hat.

Offizielle Darstellungen anzweifeln und alternative Versionen streuen, mögen sie noch so beweisarm und widersprüchlich sein – es ist ein bekannter Drehplan, den russische Medien in den letzten Monaten bei jenen Giftattacken in Salisbury und Amesbury abspulten, die schließlich ein Menschenleben forderten.

Die Berichterstattung nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 im Juli 2014 über der Ostukraine war die Blaupause dafür. Schon damals schossen wilde Theorien ins Kraut. Bei dem Absturz waren alle 298 Insassen ums Leben gekommen. Schnell fiel der Verdacht auf Russland, das seine Soldaten im Donbass kämpfen ließ.

Der Kreml bestritt jedwede Beteiligung und präsentierte alternative Versionen. Inzwischen kam ein internationales Ermittlerteam zu dem Schluss, die Maschine sei mit einer russischen Flugabwehrrakete des Typs Buk 1 abgeschossen worden.

Dieser Drehplan ist ein Teil der hybriden Kriegsführung. Mit gesteuerten Sendern, Online-Zeitungen und Trollarmeen verfügt Moskau über mächtige Waffen, mit denen man sich in den letzten Monaten auch gegen die Anschuldigungen der britischen Regierung wehrte, Russland sei für den Giftanschlag auf Skripal verantwortlich. Diese sieben Legenden sind dabei entstanden:

 

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KRISE  DES  KONSERVATISMUS

"Rechts" ist bei uns verpönt – eine deutsche Schwäche

 

Seit Jahrhunderten wünscht man sich hierzulande eine konservative Partei ähnlich den britischen Tories. Realität wurde sie nie. Kein Kanzler bis zu Merkel hat sich bislang auf ein Bekenntnis zu konservativer Begrifflichkeit eingelassen.

Von Michael Stürmer

Die längste Zeit ihrer neueren Geschichte, das heißt seit der Französischen Revolution und Napoleons Ordnungsdiktatur, wünschte sich das bürgerliche Deutschland eine konservative Partei ähnlich den britischen Tories: wenig Theorie und viel Pragmatismus, antiutopisch und kompromissfähig, Sinn für Proportion und Gleichgewicht, „trial and error“ als Lebensphilosophie.

Doch bis auf den heutigen Tag, ob Bundesländer oder Bundestag, sind die Deutschen nie über einen Tory-Verschnitt hinausgekommen. Nicht alles, was sich als „rechts“ ausgibt, ist im Ernst konservativ, sondern bestenfalls Mischmasch aus Protest gegen den Zeitgeist – die deutschen 68er blieben im politischen Selbstgespräch gefangen, ohne durch eine ernsthafte Gegenbewegung beehrt zu werden –, Widersetzlichkeit, Ressentiment gegen jedes Establishment und Mangel an Umgangsformen .

Die längste Zeit in den neueren Annalen beglückwünschte sich die Republik, dass ihr die innen- und außenpolitische Peinlichkeit einer Neo-Bewegung – anders als beispielsweise den Italienern – erspart blieb: Zu tief war das Trauma des Nationalsozialismus eingegraben in den geistigen Landschaften zwischen Flensburg und Berchtesgaden. Zu tief der Schrecken vor der eigenen Geschichte, das Schaudern vor einer Vergangenheit, die nicht vergehen will.

Zu deutlich auch, dass die Deutschen auf Bewährung zugelassen waren im westlichen Klub: Nicht allein wegen tätiger Reue, sondern auch wegen der geopolitischen Unentbehrlichkeit der Territorien zwischen Elbe und Rhein für den Westen.

Von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl und bis zu Angela Merkel haben deutsche Kanzler, was immer sie sonst trennte, sich nicht auf Sprache und Begrifflichkeit konservativer Herkunft eingelassen. Anders als in Frankreich ist „rechts“ bis heute verpönte Ortsbestimmung, die selbst die braunen Marschierer taktisch umgehen. Das hat Gründe tief in der deutschen Vergangenheit und im kollektiven Gedächtnis.

Seit dem Dreißigjährigen Krieg, dessen Gräuel und Katastrophen sich dem deutschen Denken und Handeln tief eingebrannt hatten – German Angst ist älter als Euro, Waldsterben , sowjetische SS-20-Raketen und Klimawandel –, war der starke Staat den Deutschen die meiste Zeit mehr Beschützer als Unterdrücker. Die „Gute Policey“, die den Staat des 18. Jahrhunderts rechtfertigte, war wörtlich gemeint.

Zwar fand der ehrpusselige deutsche Schreiberstaat in der Epoche der Aufklärung stets etwas zu kontrollieren, zu bessern und zu richten für die „Glückseligekeit“ der Bürger . Aber anders als im viel bewunderten England gab es in Deutschland wenig Grund und noch weniger bürgerliche Kraft, um den Konservatismus parteifähig zu machen.

Goethe brachte das zum Ausdruck mit dem Satz, als die Mainzer Revolution 1792 zu Ende ging und er zusah, wie einer ihrer Protagonisten verprügelt wurde: „Lieber eine Ungerechtigkeit als eine Unordnung.“ Wilhelm von Humboldt , dieselbe Generation und dieselbe Klasse, veröffentlichte noch im selben Jahr einen epochalen Aufsatz, die Zukunft des europäischen Sozialstaats erahnend: „Über die Gränzen der Wirksamkeit des Staates“. Keine Frage, dass Humboldt, auf dem Weg zu hohen Ämtern im preußischen Staat, eher weniger Staat wollte als mehr.

Die Revolution in Frankreich war in ihrer dramatischen Doppeldeutigkeit das Epochenereignis, das die Geister konzentrierte wie zuvor allenfalls Reformation und Gegenreformation. Aus England schickte Sir Edmund Burke, der liberale Parlamentarier für die Hafenstadt Bristol, seine „Reflections on the Revolution in France“, hellsichtig warnend, dass der hochgestimmte Aufbruch enden würde im Staatsstreich eines siegreichen Generals, blutiger Diktatur und gewaltigen Völkerkriegen – wie es dann ja auch kam, mit „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ als tragendem Widerspruch.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 04. 08. 2018 zu Ende.

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KATECHISMUS  GEÄNDERT

Katholische Kirche erklärt Todesstrafe weltweit für "unzulässig"

 

Papst Franziskus hat den Glaubenskodex der Kirche so geändert, dass darin nun so klar wie nie zuvor die Todesstrafe abgelehnt wird. Damit geht er auf Abstand zu den Evangelikalen – die gerade in den USA die Todesstrafe verteidigen.

Von Lucas Wiegelmann, Stellv. Ressortleiter Feuilleton

Papst Franziskus hat den Katechismus, den verbindlichen Glaubenskodex für die rund 1,3 Milliarden Katholiken weltweit, so geändert, dass darin nun so klar wie nie zuvor die Todesstrafe abgelehnt wird. Ab sofort ist die Todesstrafe nach kirchlicher Lehre „unzulässig“, weil sie „gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt“. Die Kirche setze sich „mit Entschiedenheit für deren Abschaffung in der ganzen Welt ein“, heißt es im überarbeiteten Katechismusartikel Nummer 2267.

Franziskus geht damit auf Distanz zu den evangelikalen Kirchen. Gerade in Amerika gehören konservative evangelikale Prediger zu den entschiedensten Verteidigern der Todesstrafe. Ihre Schlüsselbibelstelle ist das 13. Kapitel des Römerbriefs : „Wenn du aber das Böse tust, fürchte dich! Denn nicht ohne Grund trägt sie (die Staatsgewalt) das Schwert“ (Röm 13,4). Es ist unter anderem eine der Lieblingspassagen des Pastors Ralph Drollinger, der im Weißen Haus jede Woche einen Bibelkurs für Donald Trumps Kabinett gibt und ebenfalls die Todesstrafe befürwortet.

Die Bibelstelle wurde früher auch im Vatikan gern zitiert: Jahrhundertelang tolerierte die Kirche Hinrichtungen als legitime staatliche Machtausübung – wenn kirchliche Inquisitoren nicht zur Sicherheit gleich selbst Hand anlegten. In letzter Zeit, vor allem seit dem Zweiten Vatikanum, besann man sich jedoch immer stärker auf eine andere Masterstelle, das Fünfte Gebot: Du sollst nicht töten (Dtn 5,17).

So spürte man schon in den jüngsten Versionen des Katechismus eine tiefe Skepsis gegenüber der Todesstrafe. Der Wortlaut von 2003 etwa ließ sie nur noch dann gelten, „wenn dies der einzig gangbare Weg wäre, um das Leben von Menschen wirksam gegen einen ungerechten Angreifer zu verteidigen“. Allein: So ganz ausschließen mochte die Kurie die Möglichkeit eben doch nicht, selbst wenn schon Franziskus’ Vorgänger öffentlich längst für ihre Abschaffung warben.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 02. 08. 2018 zu Ende.

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LARS  STEINKE

Gauland fordert Ausschluss von AfD-Politiker nach Stauffenberg-Skandal

 

Die AfD-Chefs Gauland und Meuthen haben die abfälligen Äußerungen des AfD-Politikers Lars Steinke scharf kritisiert.

AfD-Parteichef Jörg Meuthen hat die abfälligen Äußerungen des AfD-Politikers Lars Steinke über den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg als „komplett inakzeptabel“ kritisiert. Die Aussagen des Vorsitzenden der niedersächsischen AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) offenbarten „ein absurdes Geschichtsverständnis und haben in der AfD absolut nichts zu suchen“, erklärte Meuthen am Donnerstag. Der Bundesvorstand werde sich zu Beginn der kommenden Woche mit der Angelegenheit befassen.

Ähnlich äußerte sich auch der zweite AfD-Chef Alexander Gauland . Er nannte die Äußerungen „bodenlosen Schwachsinn“. Stauffenberg sei ein Held der deutschen Geschichte. Steinke habe sich für die AfD disqualifiziert, „er sollte ausgeschlossen werden“. Die niedersächsische AfD-Landesvorsitzende Dana Guth betonte, dass das Posting in all seiner „Absurdität“ die Meinung des Landesvorstandes nicht widerspiegele.

Kritik äußerte auch der Bundesverband der Jungen Alternative. Laut JA-Chef Damian Lohr werde der JA-Bundesvorstand über mögliche Konsequenzen in enger Rücksprache mit der Mutterpartei entscheiden. Auch Lohr kritisierte das Posting deutlich: „Der Text Lars Steinkes widerspricht eklatant den Wertvorstellungen der Jungen Alternative für Deutschland.“

Man müsse die Person Stauffenberg nicht auf ein Podest stellen, aber wer die völlig anwidernde Behauptung aufstelle, Stauffenberg sei ein Feind und Verräter des deutschen Volkes, der habe in der „AfD und der Jugendorganisation der Partei definitiv nichts verloren“. Der tatsächliche größte Feind des deutschen Volkes sei Adolf Hitler.

Steinke postete „Stauffenberg war ein Verräter“

Steinke hatte Stauffenberg in einem Facebook-Eintrag als „Verräter“ und „Feigling“ bezeichnet, wie WELT berichtet hatte. Steinke schrieb: „Stauffenberg war ein Verräter“, das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944 sei „der beschämende Versuch eines Feiglings“ gewesen, „die eigene Haut vor dem kommenden Sieger zu retten“.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 02. 08. 2018 zu Ende.

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DÜRRE  IN  EUROPA

"An einem Punkt bricht das System dann zusammen"

 

Hitzewelle und kein Ende: Deutschlands Bauern klagen über Ernteeinbußen und fordern finanzielle Unterstützung. Die Welternährungsorganisation warnt vor einer globalen Eskalation – mit dramatischen Folgen für die Lebensmittelversorgung.

Angesichts der Dürre in weiten Teilen Europas mahnt die Welternährungsorganisation (FAO) zu verstärkten Anstrengungen beim Klimaschutz. „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass so etwas immer öfter vorkommen wird – nicht nur in Europa, sondern weltweit“, sagte der Direktor der FAO-Klimaabteilung, Alexander Jones, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Wenn der Kohlendioxidanstieg nicht gekappt werde, würden die Temperaturen weiter steigen: „An einem Punkt bricht das System dann zusammen.“

Der Klimawandel sei eine Bedrohung für die Welternährung, warnte der Experte der UN-Organisation. 830 Millionen Menschen litten bereits jetzt unter den Folgen mangelnder Ernährungssicherheit. Jeder Temperaturanstieg sei für sie lebensbedrohend: „Eine Missernte in Deutschland bedeutet wirtschaftliche Not und vielleicht Pleiten. In Afrika bedeutet das Tod.“ Die Verbraucher in Europa müssten sich „nur“ auf steigende Preise für Obst und Gemüse einstellen.

Angesichts der anhaltenden Hitze und Trockenheit hat der Deutsche Bauernverband (DBV) seine Ernteprognose noch einmal nach unten korrigiert und seine Forderung nach Soforthilfen bekräftigt. Statt der zuletzt geschätzten 41 Millionen Tonnen Getreide werde nur noch mit einer Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen gerechnet, teilte der DBV mit. 2017 waren es noch 45,3 Millionen Tonnen.

Niedersachsen erwartet schlechteste Ernte seit 1976

Die Ernte des Winterweizens, die wichtigste in Deutschland angebaute Getreideart, ist in vielen Regionen bereits bald abgeschlossen. Der diesjährige Ertrag liegt 20 Prozent unterhalb der Menge des Vorjahres. Nicht genug: Bei Winterroggen werde bundesweit ein Minus von 28 Prozent und bei Winterraps von 21 Prozent erwartet, hieß es vonseiten des DBV weiter.

Bauernpräsident Joachim Rukwied forderte die Länder zum zügigen Handeln auf, der Bund müsse dann folgen: „Viele Bauern brauchen jetzt eine schnelle Unterstützung“, forderte er. Niedersachsen teilte mit, das Land erwarte die schlechteste Getreideernte seit 1976.

Rukwied hatte bereits in einer ersten Zwischenbilanz Mitte Juli vor einem „existenzbedrohenden Ausmaß“ der Ernteausfälle in einigen Regionen gewarnt. Futterreserven drohten knapp zu werden, sodass Tierhalter Futter zukaufen müssen. Auch Mais leidet unter der Trockenheit. Die Befürchtungen bewahrheiteten sich.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte angesichts der Dürre einen Wandel zu einer naturschonenderen Bewirtschaftung. Landwirte seien in weiten Teilen des Landes hart betroffen, „gleichzeitig aber auch Teil des Problems“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Das Prinzip, Lebensmittel zu Dumpingpreisen in Massen zu produzieren, hat ausgedient.“

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 01. 08. 2018 zu Ende.

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ALARMIERENDE  STUDIE

Deutsche werden immer fauler und einsamer

 

Das Ergebnis der jüngsten Studie zum Gesundheitszustand der Deutschen ist alarmierend. Die körperliche Aktivität nimmt immer weiter ab. Dafür steigt die Zahl derer, die sich einsam fühlen.

Sport? Nein, danke: Jeder zehnte Deutsche hat keine Lust auf körperliche Aktivität, ergab eine aktuelle Umfrage. 62 Prozent sind demnach sogenannte Vielsitzer. Parallel nimmt die Einsamkeit der Menschen zu.

Die Deutschen werden immer mehr zu Bewegungsmuffeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage im Auftrag der DKV Deutsche Krankenversicherung, die am Montag veröffentlicht wurde. Nur noch 43 Prozent der Bundesbürger erreichten das empfohlene Mindestmaß an körperlicher Aktivität.

Der Wert sei in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken – 2010 lag er noch bei 60 Prozent. Erwachsene sollten nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation pro Woche mindestens 150 Minuten moderater Aktivität – zum Beispiel zügiges Gehen – oder 75 Minuten intensiver Aktivität nachgehen, etwa Joggen .

Mehr als die Hälfte der Befragten (61 Prozent) stuft ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Das steht in einem krassen Missverhältnis zur Zahl der Menschen, die nach Einschätzung der Experten tatsächlich von sich behaupten können, rundum gesund zu leben. Das seien nämlich nur neun Prozent – sie haben genügend Bewegung, rauchen nicht, ernähren sich passend, trinken wenig Alkohol und haben einen gesunden Umgang mit Stress . Der Wert sei ein neuer Tiefpunkt. 2010 erreichten immerhin noch 14 Prozent die Zielwerte.

Vor allem die Sitzzeiten sind alarmierend: Insgesamt gab fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten an, werktäglich 8 Stunden und mehr zu sitzen. Von diesen „Vielsitzern“ erreichen zudem 62 Prozent (807 Befragte) nicht die Mindestaktivitätsempfehlungen. Somit sind insgesamt betrachtet 28 Prozent der Befragten dieser Erhebung sowohl Vielsitzer als auch Bewegungsmuffel .

Männer sitzen dabei länger als Frauen, Alte insgesamt weniger als Jüngere. Beim Fernsehen ist der Trend allerdings umgekehrt: Je älter die Befragten, desto länger hocken sie vor der Glotze. Jeder Zehnte gab in der Befragung an, überhaupt keiner körperlichen Aktivität nachzugehen, die länger als zehn Minuten am Stück andauert.

Studienleiter Ingo Froböse führt das Bewegungsdefizit auf zwei Entwicklungen zurück: Zum einen werde heute weniger körperliche Arbeit verrichtet, zum anderen habe auch der Sport in der Freizeit nachgelassen. Fast 80 Prozent der Befragten machen außerhalb des Jobs nicht genug, um das Mindestmaß zu schaffen. Sie gehen etwa nicht häufig genug zu Fuß oder fahren Fahrrad, um von A nach B zu kommen.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 30. 07. 2018 zu Ende.

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SEKTEN  IN  DEUTSCHLAND

"Sekte sind immer die anderen."

 

Sekten und sektenähnliche Gruppierungen sind in den vergangenen Jahren aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geraten – zu Unrecht. Denn unter dem Radar der öffentlichen Aufmerksamkeit werben zahlreiche Sekten weiter um Anhänger, die Gefahr laufen, ausgebeutet und physisch oder psychisch missbraucht zu werden.

Von Lisa Mayerhofer

Oft getarnt als scheinbar harmlose Beratungs- und Schulungsangebote geraten ahnungslose Menschen in die Fänge von Gruppierungen, die sie komplett vereinnahmen wollen.

Der Sektenbegriff ist problematisch

Viele erkennen die Gefahr oftmals nicht – auch weil mittlerweile unzählige Gruppierungen verschiedenster weltanschaulicher Strömungen in diesen Bereich fallen.

Mit neu aufkommenden Bewegungen, unter anderem aus der Esoterik, stellt sich die Frage: Was ist überhaupt eine Sekte?

Der Theologe Axel Seegers, verantwortlich für den Fachbereich Weltanschauungsfragen bei der Erzdiözese München, findet den Begriff problematisch. Deshalb nennt er sich auch nicht Sektenberater.

Ganz verabschieden von dem Begriff kann er sich nur nicht, weil er sich im Sprachgebrauch so festgesetzt habe und er für Menschen, die Beratung suchen, als Ansprechpartner gesehen werden möchte.

Er erklärt gegenüber HuffPost: “Das ist ein Containerbegriff. Die Unterschiede sind mittlerweile einfach zu groß, um die Bewegungen und Organisationen mit einem Oberbegriff zu bezeichnen. Wir gehen von bis zu 2000 verschiedene Weltanschauungsgemeinschaften allein in Oberbayern aus, die oft wenig gemeinsam haben und dennoch für Nachfragen und Konflikte sorgen.”

Sein Kollege Matthias Pöhlmann, Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, stimmt zu: “Das Feld ist unglaublich ausdifferenziert. Man kann nicht mit klassischen Etikettierungen wie dem Begriff Sekte arbeiten.”

Und erklärt gegenüber HuffPost: “Man beurteilt eher, inwieweit vereinnahmende und verletzende Religiosität besteht. Zum Beispiel, ob Menschen abhängig gemacht werden und ob ihnen suggeriert wird, dass es nur eine absolute Wahrheit gibt.”

Oft bekomme man von einigen Gruppierungen nur über Angehörige der neu rekrutierten Mitglieder mit, die Beratung suchen.

 

Übersicht über weltanschauliche und religiöse Gruppierungen in Deutschland

Als Grund für die starke Fragmentierung nennt er neben der Pluralisierung der Gesellschaft den schwindenden Einfluss der großen Kirchen. Als Gegenreaktion würden Menschen andere sinngebende Wege suchen, was auch zu einem Aufschwung der Esoterik geführt habe. “Man sucht sich seinen eigenen Weg ins Heil”, erklärt Pöhlmann und spricht von einer “Bastelreligiösität”.

Einerseits lebe man in einer High-Tech-Welt und andererseits in der verzauberten Welt von gestern.

Eine Übersicht über die verschiedenen weltanschaulichen und religiösen Gruppierungen gibt das Handbuch “Weltanschauungen - Religiöse Gemeinschaften”. Dabei üben aber nicht unbedingt alle Beispiele eine verletzende Religiosität aus.

Freikirchen (Baptisten, Mennoniten, Quäker, Heilsarmee, Siebenten-Tags-Adventisten)

Lesen Sie hier den Beitrag aus HUFFINGTONPOST vom 28. 07. 2018 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der HUFFINGTONPOST. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.huffingtonpost.de

DIE  KIRCHEN  SCHRUMPFEN

Christen als Minderheit

 

Jährlich treten Hunderttausende aus der Kirche aus. Bald dürften weniger als 50 Prozent der Deutschen bekennende Christen sein. Die Deutschen lassen sich auf ein ungeheures Experiment ein.

Von Matthias Kamann, Politikredakteur

In sechs Jahren dürfte es so weit sein. Voraussichtlich 2024 werden weniger als 50 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen einer der beiden großen Kirchen angehören. Derzeit haben die katholische und die evangelische Kirche, nach einem Rückgang um 660.000 im Jahr 2017, zusammen 44,8 Millionen Mitglieder. Das ist bei einer Wohnbevölkerung von gut 82 Millionen noch mehr als die Hälfte. Aber wenn der Trend sich fortsetzt – wofür alles spricht –, ist bald nicht nur der christliche Glaube eine Minderheitenveranstaltung, sondern auch das Kirchenvolk eine Minorität.

Dass dieses Kirchenvolk sich nur durch Formalitäten und Kirchensteuerzahlungen definiert, schätze man nicht gering. Zwar sind längst nicht alle Mitglieder religiös. Aber sie bekunden durch die Zugehörigkeit Wohlwollen und den Wunsch nach Ritualen bei großen Geschehnissen, sie vergewissern sich eines moralischen Anspruchs an sich selbst. Doch bald kann nicht einmal mehr diese Karteikirchlichkeit den Institutionen die Mehrheitsposition sichern.

Damit werden die Kirchen ihren Sonderstatus in gesellschaftlichen Debatten verlieren. Zwar werden weiterhin ihre Vertreter bei Anhörungen im Bundestag sprechen und diversen Gremien angehören – aber ohne größeres Gewicht als die Leute vom Paritätischen Wohlfahrtsverband oder von den Arbeitgebern. Gewiss, zu Weihnachten hören weiterhin viele auf das, was die Kirchen sagen. Aber sonst? Die Kirchen werden auch weniger sagen können. Wenn ihnen bei der nächsten Wirtschaftskrise die derzeit hohen Kirchensteuereinnahmen wegbrechen, müssen sie ihre Stabsstellen verkleinern, die derzeit für Sprechfähigkeit sorgen.

Fragt man aber, was aus dem Schwund für die Gesellschaft folgt, so ist vorab zu analysieren, wie es dazu kam. Die Statistiken zeigen dreierlei. Erstens: Mit Zuwanderung hat all das nichts zu tun. Die katholische Kirche profitiert sogar von der Migration aus Ost- und Südeuropa. Zweitens haben die Kirchen ein verschärftes Demografieproblem: Es sterben weit mehr Mitglieder, als neue durch Taufen oder (Wieder-)Eintritte hinzukommen. Drittens treten pro Jahr Hunderttausende aus, 2017 waren es insgesamt rund 360.000.

Letzteres wird neuerdings von Rechtskonservativen so erklärt, dass sich gläubige Christen von den nach links gerückten Kirchen abwenden würden. Dafür aber gibt es keinen Beleg. Plausibel kann es nicht einmal ein Umkehrschluss machen, nämlich die Frage, wo jene angeblich politisch enttäuschten Christen nach dem Austritt bleiben. Sie müssten sich ja, wäre ihnen der Glaube so wichtig, massenhaft bei konservativen Alternativen anmelden, bei Freikirchen. Aber auch die schrumpfen oder stagnieren auf niedrigem Niveau. Sie wachsen nur, wenn sie wie die Pfingstgemeinden Zulauf von Zuwanderern haben.

Kein Zweifel also: Alljährlich treten Hunderttausende aus, weil ihnen das Christentum so wenig bedeutet, dass sie die Institution für entbehrlich halten und ihr kein Geld geben wollen. Es gibt besondere Auslöser für Austritte, etwa Skandale um Missbrauch oder Finanzen, wohl auch Predigten zur Flüchtlingspolitik . Solche Anlässe werden begierig aufgegriffen, man kann damit den Austritt vorzeigbar plausibilisieren.

Aber wegen des Mangels an massenhaften Übertritten zu Freikirchen muss religiöses Desinteresse als eigentlicher Grund gelten. Ein „Rechtsruck“ würde die Kirchen nicht wachsen lassen. Zumal sie dann diejenigen verlören, die jetzt wegen der „linken“ Positionierung mitmachen. Ob also „rechts“ oder „links“, ausgetreten wird immer. Kumuliert sich das über die Jahre, so zerschlägt der Glaubensschwund auch das Mitgliedschaftssystem, durch das sich derzeit das Kirchenvolk definiert.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT+ Online vom 28. 07. 2018 zu Ende.

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ABENDLAND  FÜR  ANGEBER

Was Sie über die Inquisition wissen müssen

 

Die Inquisition der Kirche ist der Inbegriff von Glaubenswahn und Brutalität. Dabei war ihr Grundgedanke, der im Mittelalter entstand, erstaunlich visionär: Heute ist er in Strafprozessen ganz normal.

Von Lucas Wiegelmann , Stellv. Ressortleiter Feuilleton

Das kirchliche Prozessrecht verdankte einen seiner wichtigsten Wendepunkte einem Papst, der leicht reden hatte, denn sein Name war Innozenz – der Unschuldige. Innozenz III. herrschte von 1168 bis 1216. Sein langes Pontifikat, das als eines der machtvollsten überhaupt gilt, war geprägt von vielen Taten, die aus heutiger Sicht wenig vorbildlich erscheinen.

Innozenz setzte Kreuzzüge in Marsch, begeisterte sich für die Ausdehnung des Kirchenstaats und exkommunizierte notfalls sogar den Kaiser. Innozenz‘ folgenreichste Entscheidung, die Einführung der Inquisition, gehört allerdings nicht in diese Reihe. Dieses Verfahren hat zwar mittlerweile einen ähnlichen Ruf wie die Kreuzzüge, war aber in Wahrheit ein kühner Aufbruch Richtung Moderne. Anfangs zumindest.

Vor Innozenz kannte das Mittelalter für undurchsichtige Rechtsstreitigkeiten oder Strafsachen vor allem eine Lösung: das Gottesurteil. Entweder schlugen zwei streitende Parteien so lange aufeinander ein, bis der eine nicht mehr aufstand, oder ein Delinquent musste irgendetwas Glühendes anfassen oder in irgendetwas Siedendes eintauchen, und je nach Schwere der Verbrühungen und Verbrennungen, die er sich dabei zuzog, galt er von Gott als überführt oder entlastet.

Obwohl sie also sehr praktisch waren, kamen Gottesurteile allerdings mit der Zeit ins Gerede. Nicht, dass man Mitleid mit verbrühten Angeklagten gehabt hätte. Aber gerade unter Theologen wuchsen irgendwann die Bedenken, ob man Gott ständig mit jedem Pferdediebstahl und jedem Nachbarschaftsstreit behelligen dürfe. Stand nicht geschrieben: „Ihr sollt den Herrn, euren Gott, nicht auf die Probe stellen“? (Dtn 6,16)

Keine weiteren Fragen

Innozenz’ Lösung war das Inquisitionsverfahren, das er 1215 auf dem IV. Laterankonzil verbindlich vorschrieb. Eine Verurteilung (wobei Innozenz zunächst nur an interne Untersuchungen gegen renitente kirchliche Amtsträger dachte) sollte künftig nur in zwei Fällen möglich sein: Entweder der Beschuldigte zeigte sich geständig (was unter renitenten kirchlichen Amtsträgern schon damals die Ausnahme war), oder aber mindestens zwei Zeugen bestätigten sein Vergehen. Das Wort Inquisition kommt vom lateinischen inquirere – befragen. Heute heißt das Inquisitionsverfahren Vernehmung und ist unverzichtbarer Bestandteil vieler Gerichtsprozesse und aller Anwaltsserien („Ihr Zeuge!“ – „Euer Ehren, keine weiteren Fragen“).

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KURZ  ERKLÄRT

5 Dinge, die du über Milch wissen solltest

 

Konventionelle Kuhmilch gerät immer wieder in die Kritik. Ob Biomilch wirklich gesünder ist, was noch mal genau laktosefrei bedeutet und wann es sich lohnt, auf pflanzlichen Ersatz umzusteigen: Hier erfährst du es.

Von Britta Sieling

Kuhmilch ist für die meisten Menschen ein fester Bestandteil in der Ernährung. Ein kleiner Schluck, damit der Kaffee besser schmeckt, oder eine ordentliche Ladung für das morgendliche Müsli. Ganz zu schweigen von Produkten wie Käse und Joghurt, die fast täglich konsumiert werden.

Seit einiger Zeit wird immer stärker kritisiert, dass es eigentlich gar nicht natürlich ist, als erwachsene Person Milch zu trinken. Denn unser Körper ist nicht darauf ausgerichtet, Milchzucker zu verdauen. Für Säuglinge ist die Muttermilch zwar essenziell und kann durch das Enzym Laktase problemlos verdaut werden. Dass wir diese Fähigkeit auch noch im Erwachsenenalter besitzen, verdanken wir allerdings nur einem Gendefekt, der sich im Laufe der Evolution eingeschlichen hat.

 

I. Laktosefreie Milch

Da dieser Gendefekt nicht alle Menschen betrifft, sind bis zu 75% der Weltbevölkerung laktoseintolerant. Dem Körper fehlt das Enzym Laktase, um den Milchzucker in verdauliche Bestandteile zu zerlegen. In laktosefreien Produkten ist deswegen der Milchzucker bereits aufgespalten.

Wer keine nachgewiesene Intoleranz hat, muss allerdings nicht auf die meist teureren laktosefreien Produkte zurückgreifen. Unser Körper kann nämlich, wenn der Gendefekt vorhanden ist, sehr gut selbst den Milchzucker spalten.

In vielen Produkten, wie lange gereifter Hartkäse oder Butter, ist sowieso fast gar keine Laktose mehr enthalten .

 

II. Biomilch

Laut einer Studie der Washington State University enthält Biomilch weniger Schadstoffe als konventionelle Milch. Zusätzlich weist sie dreimal mehr Omega-3-Fettsäuren und Vitamine auf. Es lohnt sich also, dafür ein kleines bisschen mehr zu bezahlen.

Nichtsdestotrotz bleibt weiterhin die ethische Frage bestehen. Denn auch Milchkühe, die Biomilch produzieren, müssen jährlich kalben und werden meistens direkt nach der Geburt von dem Kalb getrennt.

 

III. H-Milch

Wenn es irgendwie möglich ist, solltest du auf haltbare Milch verzichten. Die Kuhmilch durchläuft für die Herstellung zahlreiche Produktionsschritte und verliert dabei einen Großteil an Vitaminen und das Enzym Laktase. Darüber hinaus führt H-Milch zu erhöhten Entzündungswerten im Blut.

 

IV. Pflanzlicher Milchersatz

Seit einiger Zeit liegen pflanzliche Milchersatzprodukte voll im Trend. Tatsache ist: Kuhmilch enthält so viel Kalzium wie kein anderes Nahrungsmittel. Die Harvard School of Public Health fand in einer Studie allerdings heraus, dass die tierischen Proteine in der Milch zu einer Übersäuerung im Körper und Blut führen können. Für die Neutralisation benötigt der Körper wiederum Kalzium, das aus den Knochen entnommen wird. Förderlich für stabile Knochen ist das natürlich nicht. Darüber hinaus gilt der in der Milch enthaltende Einfachzucker Galactose als entzündungsfördernd.

Es lohnt sich also, bezogen auf die Gesundheit, einen genaueren Blick auf pflanzlichen Milchersatz zu werfen. Genau genommen dürfen diese Getränke nur als „Drink“ bezeichnet werden, da der Begriff Milch geschützt ist.

Pflanzliche Milchalternativen haben oft den Nachteil, arm an Nährstoffen zu sein und in der Produktion viel Wasser zu verbrauchen. Viele stören sich außerdem daran, dass sie im Kaffee flocken oder eine sehr wässrige Konsistenz aufweisen.

Ernährungswissenschaftler der Canada’s McGill University untersuchten in einer Studie den Nährstoffgehalt verschiedener Pflanzendrinks. Dabei stellten sie fest, dass Sojamilch das beste Verhältnis von Nährstoffen, Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten aufweist. Einziger Haken: Neben dem gewöhnungsbedürftigen Geschmack enthält Soja Isoflavone. Das sind pflanzliche Hormone, die dem weiblichen Hormon Östrogen ähneln und deren Wirkung im Körper bis jetzt nicht ganz erforscht sind.

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MITGLIEDERSCHWUND

Kirchen in Deutschland verlieren 660.000 Mitglieder in nur einem Jahr

 

Deutschlandweit haben die beiden großen christlichen Kirchen im vergangenen Jahr zusammen etwa 660.000 Mitglieder verloren. Die Kirchen erklären das mit demografischem Wandel.

Von den rund 82,7 Millionen in Deutschland lebenden Menschen gehören circa 57,6 Prozent einer christlichen Kirche an.

Die großen christlichen Kirchen in Deutschland verlieren weiter Mitglieder. 2017 sank die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirche auf 21,5 Millionen. 23,3 Millionen Menschen gehörten der katholischen Kirche an, wie aus den von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Statistiken hervorgeht. Die 20 protestantischen Landeskirchen haben dabei mehr Mitglieder (390.000) verloren als die 27 katholischen Bistümer (270.000). Gut 54 Prozent der deutschen Bevölkerung gehörten damit im vergangenen Jahr noch einer der beiden großen Kirchen an. Der Mitgliederschwund summierte sich damit bei beiden Kirchen auf 660.000. 2016 waren es insgesamt rund 530.000 verlorene Mitglieder.

Schuld am Mitgliederschwund ist in erster Linie der demografische Wandel. 350.000 Mitglieder allein der evangelischen Kirche starben 2017. Gleichzeitig stieg im vergangenen Jahr, in dem die Protestanten das 500. Reformationsjubiläum feierten, die Zahl der Kirchenaustritte. Rund 200.000 Menschen kehrten der evangelischen Kirche den Rücken, 2016 waren es etwa 10.000 weniger. Auch die katholische Kirche verzeichnete 2017 mehr Austritte – rund 168.000 (2016: 162.000).

Die Kirchen sehen aber auch positive Entwicklungen: So blieben Taufen und Eintritte 2017 weitgehend stabil. Rund 205.000 Menschen wurden den Angaben zufolge 2017 in der evangelischen Kirche getauft oder aufgenommen, etwa so viele wie im Vorjahr. In der katholischen Kirche sank die Zahl der Taufen leicht auf 170.000, die der Eintritte und Wiederaufnahmen stieg leicht auf insgesamt rund 9000.

Der Mitgliederschwund wirkte sich 2017 allerdings nicht auf die Einnahmen durch Kirchensteuern aus. Das Aufkommen wuchs in der evangelischen Kirche nach deren Angaben auf 5,67 Milliarden Euro. Die katholische Kirche machte in ihrer Mitteilung dazu keine Angaben. Mittelfristig rechnen die Kirchen aber mit Einbußen durch den demografischen Wandel und das Ausscheiden der sogenannten Babyboomer-Jahrgänge von 1955 bis 1969 aus dem Berufsleben. Ein großer Teil der Kirchensteuern wird den Angaben zufolge von ihnen aufgebracht.

„Die Zahlen zeigen insgesamt, dass wir als Kirche in einer Welt der Individualisierung, der pluralen Religiosität – in einer Welt des Umbruchs – leben“, erklärte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer. „Wir müssen neue Wege finden, wie wir Menschen erreichen, sie begleiten und ihnen nah sein können.“ Die Zahl der Kirchenaustritte nannte Langendörfer schmerzlich. Trotzdem gebe es „ein großes Potenzial der Gemeinschaft“. Das habe nicht zuletzt der Katholikentag in Münster im Mai diesen Jahres gezeigt.

Ein In-die-Knie-Gehen vor dem Zeitgeist?

Einen gänzlich anderen Zungenschlag wählte der emeritierte Fuldaer Bischofs Heinz Josef Algermissen in einer Predigt zur Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ in Fulda. Ihm zufolge gingen immer mehr Christen „vor dem Zeitgeist in die Knie“. Die Christen seien zu einer Glaubensgemeinschaft geworden, die „viel Verunsicherung ausstrahlt sowie Ansprüche und Maßstäbe abgebaut hat“, sagte er in dem Gottesdienst vom Freitag. Das Kreuz als „Bekenntnis- und Erkennungszeichen“ sowie das Sichbekreuzigen verlören an Bedeutung in der Gesellschaft.

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ABSCHIEBUNG  VON  SAMI  A.

Gerechtigkeit ist nur ein Gefühl, es gilt das Recht

 

Nur wenige Stunden nach der Abschiebung nach Tunesien steht fest: Der mutmaßliche frühere Leibwächter von Osama Bin Laden muss nach Deutschland zurückgeholt werden. Sami A. wird als islamistischer Gefährder eingestuft.

Von Peter Huth

Der islamistische Gefährder Sami A. muss wieder nach Deutschland geholt werden, urteilt ein Gericht. Das mag zwar als nicht gerecht empfunden werden, aber es ist ein Zeichen dafür, dass unser Rechtsstaat funktioniert.

Michael Kohlhaas ’ Motto lautete „Fiat iustitia et pereat mundus“. Es soll Gerechtigkeit herrschen, und gehe auch die Welt daran zugrunde. Am Ende wurde er aufs Rad geflochten. Auf seiner manischen Jagd nach Gerechtigkeit – es ging um die unpflegliche Behandlung einiger Pferde – war Kohlhaas zum Mörder und Brandschatzer geworden.

Weil der Herzog von Sachsen voreingenommen geurteilt hatte, wurde dem Unbescholtenen sein Recht versagt. Kohlhaas ertrug diese Ungerechtigkeit nicht, er haderte aber nicht mit dem schlechten Richter, sondern gleich mit dem gesamten Rechtsstaat. Und nahm das, was er für Recht hielt, selbst in die Hand.

Viele sahen und sehen in ihm einen Helden der Gerechtigkeit. Aber auch des Rechts? Nein!

Kohlhaas übersetzte im Satz von Papst Hadrian das Wort „iustitia“ mit „Gerechtigkeit“. Kaiser Ferdinand I., der ihn als Wahlspruch führte, dagegen mit „Recht“. Das ist nicht dasselbe. In Ferdinands Welt war „Recht“ unumstößlicher Gotteswille. Heute ist es eine kühle Vereinbarung. Gerechtigkeit aber ist immer nur ein Gefühl.

Da ist ein Mann, Sami A. , der gehörte zum engsten Zirkel um Osama bin Laden, des grausamsten Terroristen aller Zeiten. Dieser Mann, A., lebt seit elf Jahren in Deutschland, kassiert 1100 Euro von einem Staat, dessen Wertesystem er bekämpft.

Er hält salafistische Hass-Predigten, er gilt als so gefährlich, dass er sich täglich bei der Polizei melden muss. Kurz: Der Mann hat bei uns nichts verloren. Also wird er abgeschoben. Es herrscht Gerechtigkeit, keine Frage. Aber herrscht auch Recht? Nein!

Die juristische, also rechtsstaatliche, Bewertung des Falles Samir A. war nicht abgeschlossen. Er hätte (noch) nicht abgeschoben werden dürfen. Dass ein Gericht nun urteilte , er müsse wieder nach Deutschland zurückgeführt werden, mag zwar als nicht gerecht empfunden werden, aber es ist ein Zeichen dafür, dass unser Rechtsstaat funktioniert.

Die Hysteriker in einer zunehmend an vielerlei zivilisatorischen Grundsätzen zweifelnden Gesellschaft wird das kaum überzeugen.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 14. 07. 2018 zu Ende.

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INTELLIGENZQUOTIENT  SINKT

Werden wir dümmer – oder wirkt das nur so?

 

Über Jahrzehnte sind die IQ-Werte in Industriestaaten immer weiter noch oben geklettert. Nun aber stagnieren sie oder sind sogar rückläufig – und Forscher rätseln, warum das so ist.

Von Christian Wolf

Um die Intelligenz von Kindern wird seit einigen Jahrzehnten deutlich mehr Aufhebens gemacht. Ob es die Eltern sind, die Lehrer, die Schüler selbst:Hochbegabung scheint zu einem Allerweltsphänomen geworden zu sein.Ob das tatsächlich so ist, kann man mit Intelligenztests herausfinden. Sie messen, wie schnell ein Mensch im Kopf ist, wie leistungsfähig und wendig. Heraus kommt der Intelligenzquotient, kurz IQ.

Und der bringt dann häufig auch die Erwartungen wieder auf den Boden. Wenn ein Kind nämlich nicht bei einem IQ von 130 oder mehr landet, sondern nur einen Wert von 100 erreicht, liegt es nur im Durchschnitt.

Manch einer kann sich dann noch mit dem Fakt trösten, dass Anfang des 20. Jahrhunderts ein solches Kind wohl als hochbegabt gegolten hätte. Denn die Menschen sind mit der Zeit immer intelligenter geworden: Um 30 Punkte höher lag 2013 der Gesamt-IQ der Bevölkerung als dies noch im Jahr 1909 der Fall war.

Dass der IQ in der Bevölkerung steigt, war 1984 dem Politologen James Flynn von der University of Otago in Neuseeland aufgefallen. Er fand eine Untersuchung, in der amerikanische Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg miteinander verglichen wurden – und die später Geborenen im Schnitt einen höheren IQ hatten.

Flynn fragte sich, ob er womöglich einem universellen Phänomen auf der Spur war: Vielleicht gab es solche Zuwächse weltweit? Er trug alle Daten zusammen, die er bekommen konnte. An einem Samstag im November hatte er dann eine „Bombe im Briefkasten“, wie er sich in einem seiner Bücher erinnert. Es waren die Daten einer dänischen Studie, die deutlich frappierende Intelligenz-Zuwächse in der Bevölkerung über die Zeit dokumentierten.

Jede Generation überflügelte die vorherige

Seitdem ist klar: Jede Generation überflügelt die vorherige in Sachen IQ. Das gilt weltweit, in allen Industrienationen, mit zeitlichem Abstand auch in Schwellenländern, und ging als sogenannter Flynn-Effekt in die Wissenschaft ein. Jahrzehntelang ging es mit den Intelligenzwerten nach oben.

Doch seit einiger Zeit scheint die Entwicklung zu stagnieren oder sich gar umzukehren, beobachten Intelligenzforscher wie Heinrich Rindermann von der TU Chemnitz. „Zumindest in den westlichen Ländern ist das Plateau erreicht“, sagt er. „Und in einigen findet sich gar ein leichter Rückgang des Effekts.“ Werden die Menschen also langsam wieder dümmer?

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT+ Online vom 06. 07. 2018 zu Ende.

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HÖHLENRETTUNG  IN  THAILAND

Mit der Kraft der Liebe

 

Nach der Rettung von zwölf Jungen aus einer überfluteten Höhle in Thailand ist der Jubel groß. Den Kindern geht es gut, auch die letzten Helfer sind wieder im Freien. Nur eine Nachricht stimmt traurig.

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL Online vom 11. 07. 2018 zu Ende.

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VOR  NATO-GIPFEL

„Und wir sind die Deppen“ schleudert Trump der „Angela“ entgegen

 

Der Etat für das Bundesverteidigungsministerium wird im kommenden Jahr deutlich aufgestockt. Innerhalb der Nato und insbesondere mit den USA dürfte es dennoch weiter Ärger geben.

Eine Woche vor dem Nato-Gipfel schlägt US-Präsident Trump neue Töne in einer alten Debatte an. Es geht ihm um den Beitrag Deutschlands zur Nato, der ihm zu gering ist. Und sieht sich offenbar in Konkurrenz zu Russland.

Vor dem Nato-Gipfel kommende Woche in Brüssel hat US-Präsident Donald Trump die Bündnispartner und besonders Deutschland angegriffen. „Ich werde der Nato sagen, ihr müsst eure Rechnungen bezahlen, die Vereinigten Staaten werden sich nicht um alles kümmern“, sagte Trump am Donnerstagabend vor Anhängern in Great Falls im Bundesstaat Montana. Der US-Präsident kritisierte, Deutschland als größter EU-Staat wende nur etwa ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auf, während dieser Wert für sein Land bei vier Prozent liege.

Trump sagte mit Blick auf Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Weißt du, Angela, … ich weiß nicht, wie viel Schutz wir bekommen, indem wir euch beschützen. Und dann gehen sie raus und machen einen Gasdeal, Öl und Gas von Russland, wo sie Milliarden über Milliarden Dollar an Russland zahlen. Sie wollen vor Russland beschützt werden – und trotzdem zahlen sie Russland Milliarden Dollar. Und wir sind die Deppen, die für die ganze Sache bezahlen.“ Deutschland ist der größte ausländische Käufer für russisches Erdgas.

Die Regierungen in Washington und Berlin streiten seit Monaten über die Höhe der Verteidigungsausgaben innerhalb der Nato und die Lastenteilung im Bündnis. Die USA bestehen darauf, dass die Nato-Partner – wie 2014 vereinbart – spätestens 2024 jeweils zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ausgeben. Aus deutscher Sicht ist allenfalls eine Annäherung an dieses Ziel gemeint. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gab unlängst als neue Zielmarke 1,5 Prozent aus.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 06. 07. 2018 zu Ende.

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BISTUM  HAMBURG  SCHLIEßT  SCHULEN

Katholiken wagen Pilotprojekt zur Schulrettung - und scheitern

 

Es schien ein guter Plan zu sein: Prominente Katholiken wollten mit Gründung einer Genossenschaft die Schließung von acht katholischen Schulen verhindern. Nun steht das Projekt vor dem Aus. Was ist passiert?

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL Online vom 04. 07. 2018 zu Ende.

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ABSCHIED  AUF  RATEN

Das ist nicht mehr Merkels Land

 

Somoza may be a son of a bitch, but he's our son of a bitch, soll Franklin D. Roosevelt einmal über den nicaraguanischen Diktator Anastasio Somoza gesagt haben. Roosevelt ist als Schöpfer des New Deal und Befreier Europas weithin geachtet, Somoza dagegen wurde bei einem Attentat erschossen, und trotzdem scheint es so gewesen zu sein, dass sich die Amerikaner in den 40er-Jahren recht bedenkenlos auf sehr fragwürdiges Personal in Mittelamerika stützten.

Von Don Alphonso

Hauptsache, die Diktatoren, die teilweise einen durchaus neofaschistischen Herrschaftskult einführten, waren treu und paktierten nicht mit Russen. So wie Castro in Kuba, oder wie es möglicherweise Allende in Chile versucht hätte. 

Wenn es während des Kalten Krieges in Bayerns Schulen um solche Fragen ging, brachten aufmüpfige Jugendliche die Hegemonialpolitik der USA vor, und den Anhängern der CSU war es egal. Reagan drohte mit Atomkrieg: Our son of a bitch, vielleicht ist so ein Atomkrieg ja nicht schmerzlos, aber er tut es für uns. Golfkrieg zwischen Iran und Saddam Hussein und dem Westen: Our son of a bitch, hässliche Bilder, aber er tut es für uns. Johannes Paul II. und seine erzreaktionäre Haltung: Our son of a bitch, wenn die eigene Tochter schwanger würde, kümmerte man sich schon um eine Abtreibung und Verschwiegenheit, aber er tut es für uns und unsere Kultur. Rhein-Main-Donau-Kanal: Wir wissen, welche Interessen da die Landschaft zerstören, aber sie tun es für uns und die Arbeitsplätze. Jeder Skandal der CSU: Our sons of bitches, aber sie tun es für uns und damit es für alle aufwärts geht. Südafrika: Our sons of bitches, aber sie sperren den Mandela für unsere Exportwirtschaft ein und wenn du dazu eine Tafel in der Schule gestalten willst, entfernen wir die wegen, äh, Brandschutz, genau, es muss leider sein. Der Pfarrer verwendet die Schulkollekte für die hungernden Kinder in Afrika lieber für den Blumenschmuck der Kirche, und zwar aus der Gärtnerei seiner Cousine: Our son of a bitch, aber er tut es für unser Gotteshaus.

Man lernt dabei auf die harte Tour, dass es in konservativen Kreisen nicht im Mindesten an Bildung oder Aufklärung mangelt: Diese Kreise sind bestens informiert, diese Kreise kommen viel rum und hören mehr, als man sich vorstellen kann, die wissen auch die ganz üblen Geschichten – und sie können rechnen und überlegen, was bei ihnen und dem in ihren Augen richtigen Teil der Gesellschaft dabei hängen bleibt. Der Staat wird da nur als Beute gesehen, mag man sich beklagen, und nicht selten wird man dann auch aufgefordert, doch auch seinen Teil zu nehmen: Solange die Beute alle sättigt, wird nicht groß nach den Rechten und dem Wohlbefinden der Beute gefragt, sondern nach den Alphatieren, die sons of bitches sein mögen, aber eben auch wissen, wie man die Beute einbringt. In Bayern wird das gerne mit Heimatgefühlen und Werten und Bankerlrutschen an Feiertagen und Trachten überdeckt, man zieht sich vorher sauber an und wischt nachher das Blut von den Straßen: Im Kern jedoch regiert der blanke Opportunismus, dem Feinde genauso geopfert werden wie Landschaften, Alpenschutzkonventionen und, wenn sie nicht mehr ordentlich Beute für die Mehrheit reißen, andere Alphatiere. Das ist der Preis, den man zahlt, und alle kennen ihn, und bestätigen ihn immer wieder demokratisch.

Wer von hier kommt, hat die epochale Niederlage der CSU nach Stoibers Rücktritt kommen sehen. Viele Außenstehende dachten, das sei ein Zeitenwechsel. Aber wer hier gelebt hat, der wusste halt auch, dass sehr viele Eltern extrem wütend über die G8-Reform waren, die ihnen zugunsten globalisierter Konzerne das ganze Elend des Leistungsdrucks aufbürdeten. Das G8 war eine Sünde, ein Verbrechen am Volk, die Kinder wurden mehr oder weniger schulisch kaserniert, traditionelles Familienleben wurde vor allem Lernen, und niemand schaut gern zu, wie eine schlecht gemachte und arrogant eingeführte Reform den eigenen Kindern die Zukunft zerstört. Da war Stoiber, da waren seine Nachfolger aus der gleichen Blase eben nicht mehr our sons bitches, sondern die der großen Konzerne und ihrer Nachwuchsanforderungen. Bayern hat mit einer enormen Zähigkeit und Leistungsbereitschaft den Wandel von der agrarischen Gesellschaft an die globale Spitze geschafft: Das nahm man gerne mit, und da war man auch dabei. Aber Stoiber hat es mehrfach überzogen, bei der überflüssigen Infrastruktur, bei der New Economy und der dazu gehörenden Geldverschwendung, beim G8 und ganz allgemein beim Gefühl, dass man in Stoibers nach vorne gepeitschten Bayern nicht mehr hinten auf der Bierkutsche sitzt und Freibier bekommt, sondern vorne als Ochs zu ziehen hat. Da hat sich dann die Zahl derer, die glaubten, Stoiber täte das für das Volk, deutlich verkleinert.

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SATELLITENBILDER-QUIZ

Wo verschwinden Gletscher und Wälder?

 

Rund um die Uhr fotografieren Satelliten die Erde. Die Bilder zeigen, wie sich unser Planet verändert - durch natürliche Vorgänge oder Eingriffe des Menschen. Wo passiert was? Testen Sie Ihr Wissen!

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL Online vom 15. 06. 2018 zu Ende.

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BÜRGERRECHT  FÜR  ALLE

So scheiterte das große Integrationsprojekt Roms

 

Kaiser Caracalla verlieh 212 n. Chr. allen freien Bewohnern des Imperiums das römische Bürgerrecht. Lange Zeit gerühmt, gilt das Gesetz inzwischen als Beispiel für eine verfehlte Integrationspolitik.

Von Florian Stark

Der römische Kaiser Marcus Aurelius Severus Antoninus (reg. 211–217), genannt Caracalla , gehört zu den übelst beleumundeten Herrschern Roms. Neben seinem Bruder soll er Tausende Würdenträger und andere Angehörige des Hofes und der besseren Gesellschaft hingerichtet haben, von einfachen Untertanen ganz zu schweigen. Er hielt sich für einen neuen Alexander den Großen und folgte dem Wahlspruch: „Kein Mensch außer mir darf Geld haben, auf dass ich es den Soldaten schenke.“

So entsprang denn auch ein Gesetz, das seine Kanzlei im Jahr 212 verkündete, vor allem finanziellen Motiven. In der „Constitutio Antoniniana“ verlieh Caracalla allen freien Untertanen des Imperiums das römische Bürgerrecht. Das tat er, wie der Historiker und Zeitgenosse Cassius Dio berichtet, „in der Tat aber in der Absicht, um auch dadurch seine Einkünfte zu vermehren, weil die Nichtbürger viele dieser Abgaben nicht entrichtet hatten“. Allein die Erbschaftssteuer soll sich durch diese Maßnahme verdoppelt haben.

Es folgt wohl dem aktuellen Zeitgeist, dass diese Maßnahme, die aus 30 Millionen Nichtrömern mit einem Schlag römische Bürger machte, im Oktober 2017 in die Unesco-Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen wurde – in Form eines Papyrus, der in der Universitätsbibliothek Gießen aufbewahrt wird. Im Gegensatz zu eher beiläufigen Nachrichten bei Historikern wie Cassius Dio wird in dem 1901 in Ägypten erworbenen Schriftstück mit der wissenschaftlichen Bezeichnung „P. Giss. 40, col. I“ recht detailliert wiedergegeben, was vermutlich in der „Constitutio Antoniniana“ stand.

Die feierliche Übergabe der Unesco-Urkunde am Mittwoch in Gießen ist denn der Bibliothek Anlass genug , das herausragende Zeugnis für wenige Tage öffentlich auszustellen. Am Donnerstag und Freitag kann der berühmte und sonst unter Verschluss gehaltene Papyrus in einer klimatisierten Spezialvitrine jeweils von 10.00 bis 20.00 Uhr besichtigt werden.

Wie alle Gesetze hat die „Constitutio Antoniniana“ ihre Haken. Das beginnt schon mit der Deutung des Gießener Papyrus, von dem gar nicht so sicher ist, ob er wirklich den Wortlaut von Caracallas Anordnung enthält. In dem Text heißt es: „Ich gebe daher allen Fremden, die im Reich sind, das Recht des römischen Bürgers, eingeschlossen diejenigen, die sich in Städten jeglicher Art aufhalten, ausgenommen diejenigen, die ,dediticii‘ sind ... Dieses Edikt wird die Würde des römischen Volkes vergrößern.“

Unter „dediticii“ verstand man im römischen Staatsrecht Angehörige eines besiegten Gemeinweisens, das sich bedingungslos in die Verfügungsgewalt des römisches Volkes ergeben hatte. Ob damit 212 n. Chr. noch wirklich weite Teile von Roms Untertanen beschrieben wurden, ist eine unter Wissenschaftlern kontrovers diskutierte Frage. Das sollte die Feierlaune in Gießen allerdings kaum trüben. Dass unter der Herrschaft Caracallas, in die der Papyrus datiert wird, weitreichende Maßnahmen zur Angleichung des römischen Bürgerrechts durchgeführt wurden, wird auch durch seinen Inhalt dokumentiert, selbst wenn es sich nicht um ein Zitat aus der „Constitutio Antoniniana“ handelt.

Der Teufel steckt in einem anderen Detail. Für die ältere Forschung galt Caracallas Befehl noch als „eine Maßnahme, die von der Nachwelt als die Vollendung der großzügigen römischen Tradition beurteilt wurde – wurde doch dadurch der römisch beherrschte Erdkreis zu einem gemeinsamen Vaterland“, wie es noch der britische Historiker Anthony R. Birley formulierte.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 10. 06. 2018 zu Ende.

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JARON  LANIER

Facebook, Twitter und Instragram machen böse, neidisch und paranoid

 

Jaron Lanier hat das Internet miterfunden. Jetzt kritisiert er es: Facebook, Twitter und Instagram machten uns böse, neidisch und paranoid. Sein Buch verrät, wie man kreativen Widerstand leistet.

Von Mara Delius, Leitung „Literarische Welt“

Das Lieblingstier des Internets ist die Katze. Insofern ist es konsequent, dass einer, der das Internet vor Jahrzehnten miterfunden hat und es ebenso lange kritisiert, sein neues Pamphlet mit Katzen beginnt. Katzen übertreffen sogar Faultiere, Loriaffen und Baby-Pandas, sie liefern die beliebtesten Videos und viralsten Memes; sie haben das scheinbar Unmögliche geschafft: in unserer Hightech-Welt zu sein, ohne ihren Eigensinn aufzugeben oder ihr Wesen zu verändern. „Wir müssen wieder zu Katzen werden“, schreibt Jaron Lanier, und das ist der philosophische Höhepunkt seines Rundumschlags gegen soziale Netzwerke.

Macher und Widersacher

Jaron Lanier zählt zu der interessanten Spezies derjenigen im Silicon Valley, die Macher des Systems und zugleich dessen intellektuelle Widersacher sind: In den Achtzigerjahren hat er beim Computerspielehersteller Atari einen Datenhandschuh entwickelt, mit dem man sich im virtuellen Raum bewegen konnte und damit den Begriff „virtual reality“ geprägt. Er hat Musik komponiert, Instrumente gebaut und mit Philip Glass und Yoko Ono gespielt.

Er hat an Ivy-League-Universitäten Informatik unterrichtet und Sachbuchbestseller über die Gefahren von Künstlicher Intelligenz geschrieben. Er arbeitet für die Forschungsabteilung von Microsoft und hat 2014 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegengenommen, wobei er seine Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche, die Dreadlocks über dem beuteligen schwarzen Jackett wiegend, mit dem Spiel auf einer 16-rohrigen Khaen-Flöte beschloss.

Soziale Netzwerke machen uns unfrei

Wir befinden uns in einem Zustand der Massenabhängigkeit, argumentiert Lanier in seinem neuen Buch : Durch Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Twitter vergrößere sich nicht die Freiheit des Einzelnen, sie verringere sich, weil der jeweilige Nutzer durch unterschiedliche technologische, gruppendynamische, psychologische und neurologische Faktoren immer stärker in die Netzwerkstrukturen eingebunden werde.

Die Linie der Kritik, entlang derer sich Lanier mit seinen anekdotischen Argumenten bewegt, ist im wesentlichen bekannt – was sie aber nicht weniger eindrücklich macht. „Algorithmen saugen Daten über dich aus, jede Sekunde, ununterbrochen. (...) Die Algorithmen verstehen dich nicht wirklich, aber die Daten, die sie liefern, bringen ihren Besitzern Macht“. Während Werbung früher Kollektivverhalten gemessen und angesprochen habe, werde heute das persönliche Verhalten zur Ware; man selbst sei nicht mehr Kunde, sondern Produkt.

Ein Like führt sofort zum Dopamin-Kick

Lanier zitiert einige ehemalige Zuständige für das Nutzer-Wachstum bei Facebook, die sich „schuldig“ fühlen, weil sie „Feedbackschleifen für soziale Anerkennung“ generiert haben: der Dopamin-Kick, der eintritt, wenn jemand ein Foto oder Posting geliked oder kommentiert hat, also versuchen wird, genau das zu wiederholen. Facebook, Instagram und Twitter seien also keine „Social-Media-Imperien“, sondern eigentlich „Verhaltensmodifikations-Imperien“.

Tatsächlich zeigt Lanier hier die inhärenten Widersprüche der Silicon-Valley-Welt auf: Hoch bezahlte Konzernchefs und Entwickler, die Methoden zur Erhöhung der Seitenverweildauer und Engagementrate erschaffen, schicken ihre Kinder auf Waldorfschulen, in denen elektronische Geräte verboten sind, oder machen Digital-Detox in der wififreien Wüste wie andere früher Fastenkuren.

Weitreichender als diese Verweise auf eine andere, in vielem vielleicht paradoxe Lebensweise ist der Hinweis, dass die positive Rede vom „sozialen“ Netzwerk verdeckt, dass es Abhängigkeiten erzeugt. Lanier zufolge verbreiten sich in solchen Systemen negative Gefühle – vor allem Angst, Hass und Neid – schneller und nachhaltiger als positive; Negativität sei effizienter, wenn man Nutzer durch Algorithmen in ihrem Verhalten lenken will. Mit dieser Form von Verhaltensmodifikation liesse sich das Internet finanzieren, das Geschäftsmodell von Facebook baue darauf auf.

Das Internet ist nicht das Problem, wir sind es

Das Buch wurde kurz vor dem Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytics geschrieben, worauf Lanier nur noch kurz in seiner Einleitung verweisen kann. Was also unerwähnt bleibt, sind nicht nur Details zur Frage, wie ein zukunftsfähiges soziales Netzwerk aussehen könnte, sondern vor allem die weiterführende philosophische Frage nach einer sinnvollen digitalen Ethik.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 10. 06. 2018 zu Ende.

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ALTBUNDESPRÄSIDENT

Gauck warnt vor „falscher Rücksichtnahme“ gegenüber Migranten

 

Nach einem Gesetzentwurf sollen ab August 1000 Flüchtlinge pro Monat zu Familienangehörigen nachziehen dürfen. Darüber debattiert nun der Bundestag. Auch die geplanten Ankerzentren sind weiterhin umstritten.

Von Matthias Heinrich

Altbundespräsident Joachim Gauck erwartet von hier lebenden Migranten, Deutschland und seine Werte zu akzeptieren.

Altbundespräsident Joachim Gauck hat Migranten in Deutschland zur Akzeptanz Deutschlands und seiner Werte aufgefordert. „Ich finde es nicht hinnehmbar, wenn Menschen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, sich nicht auf Deutsch unterhalten können, keine Elternabende ihrer Kinder besuchen oder diese sogar vom Unterricht oder vom Sport fernhalten“, sagte Gauck einer Sonderausgabe der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag.

„Wir erwarten von denen, die zu uns kommen, dass sie bereit sind, das Land, wie es gewachsen ist, und seine Werte zu akzeptieren “, sagte Gauck. Da dürfe es „keine falsche Rücksichtnahme geben, weil man fürchtet, als Fremdenfeind zu gelten“. Es müsse „so etwas wie verbindliche Regeln für das Zusammenleben geben und nicht mehrere Gesellschaften nebeneinander“.

Heimat-Begriff vom „früheren Missbrauch befreien“

Gauck begrüßte zudem die Wiederentdeckung des Begriffs „Heimat“ in die öffentliche Diskussion: „Es war und ist überfällig, den Begriff vom früheren politischen Missbrauch zu befreien“, sagte Gauck mit Blick auf die Nationalsozialisten und die DDR-Führung. „Deutschland brauchte also durchaus eine Erholung von diesen missbrauchten Begriffen. Die ist inzwischen gut und weit gediehen.“

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 07. 06. 2018 zu Ende.

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