ZUWANDERUNG
Das alte Europa wird zum Morgenland
Europa verändert sich – und nicht zum Guten. Historiker Walter Laqueur analysiert, wie real der Begriff "Eurabien" inzwischen geworden ist.
Das Wort „Eurabien“ ist in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil der politischen Diskussion geworden. Viele tatsächliche oder vermeintliche Experten haben viele Bücher und Artikel – pro und contra – über die Tatsache verfasst, dass Europa in wenigen Jahrzehnten ein Teil der arabischen und nordafrikanischen Welt sein wird.
Ein Teil der Autoren hält diese Entwicklung für unvermeidlich, ein anderer sieht in ihr eine groteske Verzerrung der Wirklichkeit. Manche betrachten sie sogar als eine Erfindung in Panik geratener Neo-Konservativer. Wer so argumentiert, vergisst freilich, dass die These von einem muslimischen Europa älter ist und nicht aus Amerika stammt, sondern aus der arabischen Welt selbst.
Einer der ersten Vertreter dieser Idee war Houari Boumedien. In einer Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen prophezeite der algerische Staatspräsident 1976, Europa werde in Zukunft den Muslimen gehören. Libyens Präsident Muammar al-Ghadafi tat es ihm in den Folgejahren gleich. Und auch heute erfreut sich die Vision eines muslimischen Europas im arabischen Raum großer Beliebtheit.
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PLANKTON-STERBEN
Grüne Futterquelle der Meere schrumpft
Der Phytoplankton-Gehalt der Meere hat im vergangenen Jahrhundert in fast allen Regionen der Erde abgenommen. Die Hauptursache ist die Erwärmung der Ozeane.
Die nachlassende Phytoplankton-Produktion – jährlich im Durchschnitt etwa ein Prozent der weltweiten Masse – verändere nicht nur die marinen Ökosysteme, sondern auch die Erträge der Fischereiwirtschaft, berichten Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Nature“.
Bei Phytoplankton handelt es sich um winzige Lebewesen in den Meeren, die Fotosynthese betreiben. Dazu gehören etwa Kiesel- und Grünalgen, Dinoflagellaten und Cyanobakterien. „Das Phytoplankton ist der Treibstoff der Meere. Ein Rückgang des Phytoplanktons beeinflusst alles, was in der Nahrungskette höher steht, den Menschen eingeschlossen“, schreiben die Forscher. Das Phytoplankton macht etwa die Hälfte der gesamten auf der Erde produzierten organischen Materie aus. Zudem bildet es mehr als die Hälfte des Sauerstoffs in der Atmosphäre.
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PSYCHE UND GESUNDHEIT
Einsamkeit schadet genauso wie Rauchen
Wofür sind Freunde gut? Ganz einfach: Sie bereichern nicht nur das Leben - sie verlängern es auch. In einer Studie mit Daten von über 300.000 Menschen haben Forscher herausgefunden, dass Einsamkeit für die Gesundheit genauso schädlich ist wie Rauchen.
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Freundschaft, Gespräche, Liebe, Geborgenheit - all das funktioniert nur im Austausch mit anderen. Nur zu zweit kann sich der Mensch fortpflanzen, nur als Gemeinschaft kann er Zivilisationen hervorbringen. Doch das moderne Leben der industrialisierten Länder hat die Beziehungsgeflechte der Menschen nachhaltig verändert - und bringt immer mehr Einzelgänger hervor.
Die Vereinsamung ist ein wachsendes Problem westlicher Zivilisationen - hat sie aber auch Auswirkungen auf die Gesundheit? Ja, antworten Julianne Holt-Lunstad und Timothy Smith von der Brigham Young University im US-Bundesstaat Utah jetzt im Fachmagazin "PLoS Medicine". Sozial aktive Menschen, so das Fazit der Forscher, können sich im Schnitt über ein längeres Leben freuen als Einzelgänger.
Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 28. 07. 2010 zu Ende.
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FINANZEN
Vier Bundesländer wollen Zahlungen an Kirchen verringern
Als Druckmittel für Vertragsänderungen könnten die umfassenden Steuerbefreiungen für Religionsgemeinschaften dienen
Peter Mühlbauer
Vor den im Juni beschlossenen Sparplänen der Bundesregierung war kaum jemandem bekannt, dass jenseits der Kirchensteuer Milliardenbeträge aus der Staatskasse in die Taschen der staatlich privilegierten Religionsgemeinschaften fließen. Unter anderem bezahlen die Bundesländer fast 500 Millionen für Gehälter und Pensionen von Kardinälen, Bischöfen, Pfarrern, Küstern und anderen Kirchenangestellten.
Alleine der nach etlichen Skandalen aus dem Amt gedrängte ehemalige Augsburger Bischof Mixa kassiert monatlich eine Staatsapanage in Höhe von über 5.400 Euro. Berücksichtigt man die bundesweite Verteilung, kommen etwa zwei Drittel dieser Summe aus den Einkommen protestantischer und konfessionsloser Steuerzahler.
Nun hat der schleswig-holsteinische FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki angekündigt, solche Zahlungen in seinem Bundesland um 10 bis 15 Prozent verringern zu wollen. Die niedersächsische FDP hat laut Fraktionschef Christian Dürr Ähnliches vor. Im Saarland und in Brandenburg äußerten Grünen- beziehungsweise Linken-Vertreter entsprechende Absichten. Dazu will man die gut 200 Jahre alten Verträge mit den Kirchen neu aushandeln. Ein insofern problematischer Weg, als für eine Vertragsänderung die Zustimmung von mindestens zwei Parteien vonnöten ist.
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WAGNER & JUDENTUM
Der Gesang ist „unausstehlich“
Für Richard Wagner hatte das Judentum keinen Platz in der Kultur, seine Haltung war hasserfüllt und feindselig. Strittig ist, wie sehr Hitler davon beeinflusst wurde.
Von FOCUS-Online-Autorin Kathrin Zeilmann
„Der Jude“, so heißt es immer wieder. Richard Wagner schreibt von „dem Juden“, als handle es sich um ein Tier, um ein Exemplar, das es zu betrachten gilt. Die Sprache ist voller Distanz und Abscheu. Die Lektüre seines Aufsatzes „Das Judentum und die Musik“ ist fast unerträglich. „Hören wir einen Juden sprechen, so verletzt uns unbewusst aller Mangel rein menschlichen Ausdrucks in seiner Rede“, schrieb der Komponist beispielsweise in dem 1850 erstmals veröffentlichten und 1869 in noch einmal verschärfter Form wieder aufgelegten Schriftstück.
Der Gesang eines Juden sei „unausstehlich“, heißt es weiter. Er spricht den Juden die Befähigung zur Kunst, im speziellen natürlich zur Musik, komplett ab. Dennoch hätten es Juden geschafft, „in der verbreitetsten der modernen Kunstarten, der Musik, zur Beherrschung des öffentlichen Geschmackes zu gelangen“. Worte, die nach Eifersucht klingen, wendet sich Wagner doch etwa gegen Giacomo Meyerbeer und Felix Mendelssohn-Bartholdy.
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DEUTSCHLAND
Landespolitiker wollen Kirchen Millionenzuschüsse kürzen
Knapp 460 Millionen Euro an Zuschüssen erhalten die katholische und die evangelische Kirche aus den Ländern - zu viel, sagen führende Landespolitiker und fordern im SPIEGEL eine Kürzung. Unterstützung bekommen sie vom Chef-Haushälter der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider.
Hamburg/Berlin - Der Spardruck bringt auch alte Traditionen auf den Prüfstand: In mehreren Bundesländern gibt es Überlegungen, Verhandlungen mit der evangelischen und der katholischen Kirche über eine Kürzung der millionenschweren Zuschüsse aufzunehmen. "Wir müssen überall sparen, auch bei den Kirchen", fordert der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki im SPIEGEL.
Schleswig-Holstein muss wie fast alle Bundesländer jährliche "Dotationen" an die Kirche zahlen. Daraus werden dann beispielsweise die Gehälter von Bischöfen, Priestern und Vikaren bezahlt. Völlig unabhängig von der Kirchensteuer - und aus Steuergeldern. In Bayern flossen dafür allein im vergangenen Jahr 65 Millionen Euro vom Freistaat an die katholische Kirche, hinzu kamen 21 Millionen für die evangelischen Kollegen. Auch Baden-Württemberg zeigte sich gegenüber den Geistlichen großzügig: Je 49 Millionen zahlte das Land 2009 an die katholische und die evangelische Kirche. Im protestantischen Norden fielen die Zahlungen etwas geringer aus, sind aber trotzdem beeindruckend: Die evangelische Kirche erhielt vom Land Niedersachsen 2009 30 Millionen Euro, die Katholiken 7,6 Millionen Euro.
Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 25. 07. 2010 zu Ende.
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BISCHOF MIXA
Zu zweit unter Frauen
Der geschasste Bischof Walter Mixa wird in seinem Altersruhesitz nicht mit offenen Armen empfangen. Im Gegenteil: Die Nonnen in Fünfstetten sind nicht begeistert über Neuzugang. Der einzige Mann im Frauenkloster ist Mixa übrigens nicht.
Walter Mixa wird Anfang August im Kloster „Maria Stern“ in Fünfstetten im Landkreis Donau-Ries zwei möblierte Zimmer beziehen. Dort stehen ihm etwa 50 Quadratmeter zu Verfügung. Provinzvikarin Schwester Beda sagte der „Hamburger Morgenpost“: „Unter den Nonnen gab es Diskussionen. Wir haben ihn ja nicht eingeladen, sondern sind gebeten worden, ihn bei uns aufzunehmen.“
Auf die Frage, ob Mixa im Kloster mithelfe oder die gemeinsame Küche benutzen dürfe, betonte die Schwester, dass es nicht geplant sei, seine Seelsorge in Anspruch zu nehmen. „Das Versorgungsproblem ist noch ungelöst. Er fährt im August erst mal in Urlaub, danach wissen wir mehr.“
Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS ONLINE vom 22. 07. 2010 zu Ende.
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RIESENSTERN ENTDECKT
Zehn Mio Mal so hell wie die Sonne
Theoretisch dürfte es ihn gar nicht geben: Astronomen haben einen Stern entdeckt, der 265 Mal so schwer ist wie unsere Sonne. 150 Sonnenmassen galten bisher als Obergrenze für stabile Sterne. "R136a1" leuchtet zudem auch noch zehn Millionen Mal so hell wie die Sonne.
Astronomen haben einen Riesenstern entdeckt, der zehn Millionen Mal so hell leuchtet wie unsere Sonne. Der Rekordstern ist nicht nur der hellste, den Forscher bislang aufgespürt haben, sondern auch der massereichste: Der Feuerball mit der nüchternen Katalognummer R136a1 besitzt 265 Mal mehr Masse als unser Tagesgestirn. Da er jedoch rund zehn Milliarden Mal weiter entfernt ist als unsere Sonne, fällt der Stern am Nachthimmel nicht weiter auf.
Die Astronomen um Paul Crowther von der Universität Sheffield haben ihre Entdeckung mit dem "Very Large Telescope" der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile gemacht. Sie präsentieren den Stern im britischen Fachjournal "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" (MNRAS).
Schwerer als die Theorie erlaubt
Nach der gängigen Theorie dürfte es den Monsterstern gar nicht geben: 150 Sonnenmassen galten bislang als Obergrenze für stabile Sterne. Im Sternhaufen R136 in der Großen Magellanschen Wolke, einer Satellitengalaxie unserer Milchstraße, stießen die Astronomen jedoch gleich auf vier Sterne, die mehr als 150 Sonnenmassen haben, wie die ESO berichtete.
Lesen Sie hier den Beitrag aus N-TV ONLINE vom 21. 07. 2010 zu Ende.
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PATENTE AUF LEBEN
Wenn der Mensch Gott spielt
Neben technischen Neuheiten patentieren die Ämter zunehmend Pflanzen, Tiere und sogar Teile des menschlichen Körpers. Nach Meinung von Bioethikern übersehen sie dabei etwas Wichtiges: Das Leben kann nicht neu erfunden werden.
Von FOCUS-Redakteur Michael Odenwald
Wieder muss das europäische Patentame eine Grundsatzentscheidung treffen: Anhand eines Patentes auf Brokkoli, Tomaten und daraus hergestellte Lebensmittel will das Amt am Dienstag entscheiden, ob natürliche Ressourcen weiterhin als „Erfindung“ beansprucht werden können. Über 1000 Patentanträge auf weitere Lebensmittel liegen dem Amt vor.
Gegen eine Patentierung von Saatgut, Pflanzen, Tieren und Lebensmitteln lehnt sich dagegen ein internationales Bündnis aus 300 Verbänden und Organisationen auf, das vor dem Europäischen Patentamt (EPA) in München protestiert. Greenpeace etwa zeigt an einem Marktstand am EPA bereits patentiertes Obst und Gemüse wie Mais, Salat, Karotten und Melonen. „Wenige Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne können zukünftig die ganze Lebensmittelproduktion kontrollieren mit steigenden Abhängigkeiten und Preisen für Landwirte und Verbraucher. Der Ausverkauf von Lebensgrundlagen kann nur durch neue Patentgesetze beendet werden“ warnt Christoph Then, Patent-Berater für Greenpeace. 100 000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern für gesetzliche Verbote von Patenten auf Saatgut, Pflanzen und Tiere hat das Bündnis bereits gesammelt.
Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS ONLINE vom 20. 07. 2010 zu Ende.
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INDONESIEN
Muslime beten in falsche Richtung
Millionen indonesischer Muslime haben monatelang Richtung Afrika statt gen Mekka gebetet. Der Grund: Der Rat der Religionsgelehrten hatte die falsche Richtung vorgegeben. Nun korrigierte sich die Instanz und beruhigte die Gläubigen: "Allah hört die Gebete immer."
Jakarta - Offenbar ist der indonesische Rat der Religionsgelehrten (MUI) nicht besonders firm in Geografie: In einem Edikt, das er im März herausgab, behauptete er fälschlicherweise, Mekka befinde sich westlich von Indonesien. Mit folgenschweren Auswirkungen: Statt gen Mekka haben die indonesischen Moslems monatelang gen Afrika gebetet. Mekka liegt nämlich nordwestlich von Indonesien.
Mittlerweile wies die höchste religiöse Autorität des bevölkerungsreichsten muslimischen Landes der Welt die Gläubigen an, ihre Gebete etwas weiter nach Norden zu richten. "Nach einer sorgfältigen Untersuchung durch einige Kosmologen und Astronomen kamen wir zu dem Schluss, dass sie Richtung Südsomalia und Kenia gebetet haben", sagte Ma'ruf Amin, ein prominentes Mitglied des Religionsgelehrtenrats.
Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 19. 07. 2010 zu Ende.
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MAGISCHES DENKEN
Warum Menschen an Übernatürliches glauben
Hellseherische Tintenfische, bunte Maskottchen, Gottheiten, medizinische Wundermittel: Der Glaube an Übernatürliches hat in jeder Kultur andere Formen, ist aber weltweit verbreitet. Forscher spüren im menschlichen Hirn den Grundlagen des magischen Denkens nach.
Von Thomas Grüter
Was hat Paul, der angeblich hellseherische Oktopus, mit der Homöopathie zu tun? Getrocknete Tintenfischtinte gehört zu den Grundstoffen der Homöopathie - das ist eine richtige Antwort. Die zweite: Sowohl der Glaube an Pauls Fähigkeit, Fußballergebnisse richtig vorherzusagen als auch der an die Wirksamkeit der Homöopathie dürften die gleiche Grundlage haben: Die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, Zusammenhänge zu sehen, wo keine sind.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Paul achtmal in Folge das richtige Fußballergebnis vorhersagt, lag bei eins zu 256 - was Mathematiker nicht weiter beeindrucken dürfte. Die "New York Times" etwa hat für das "Oracle of Oberhausen" nur milden Spott übrig. Derartige "Unsinnszusammenhänge" seinen geradezu allgegenwärtig, sagte der Statistiker David Brillinger. So habe bei den US-Präsidentschaftswahlen zwischen 1932 und 1960 achtmal in Folge der Kandidat mit dem längeren Namen gewonnen.
Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 18. 07. 2010 zu Ende.
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BURKA-VERBOTE IN DER EU
"Es geht nicht um eine religiöse oder kulturelle Differenz"
Kommen Burka-Verbote in den EU-Ländern, entspreche das einem "postliberalen Rassismus", der migrantische Staatsbürgerrechte antastbar mache. Ein Gespräch mit dem Soziologen Vassillis Tsianos
Birgit v. Criegern
Nachdem Belgien das Tragen der muslimischen Burka in der Öffentlichkeit per Parlamentsbeschluss verboten hat, zog Frankreich nach. Am vergangenen Dienstag wurde der Gesetzesentwurf gegen die Vollverschleierung vom Parlament, der Assemblée Nationale, verabschiedet – mit einer Gegenstimme, die Opposition übte größtenteils Stimmenthaltung.
Vorausgesetzt, der Gesetzentwurf passiert auch den Senat im September und vor allem die sehr viel größere Hürde, den Verfassungsrat, der nach Vorstellungen des Fraktionschefs der Regierungspartei, Jean-François Copé, danach angerufen werden soll, dann müssen Frauen, die künftig gesichtsverschleiert in der französischen Öffentlichkeit auf vorschriftsmäßig handelnde [extern] Polizisten treffen, mit einer Geldbuße von etwa 150 Euro rechnen. Doch auch der Ehemann kann – wenn ihm Entsprechendes nachgewiesen wird – bestraft werden: Wer eine Frau zur Gesichtsverhüllung zwingt, sei es durch "Gewalt, Drohung, Macht- oder Autoritätsmissbrauch", wird mit 15.000 Euro oder bis zu einem Jahr Haft. Schon im Januar äußerte Parlamentspräsident Bernard Accoyer:
Der Ganzkörperschleier widerspricht den Werten der französischen Republik. Er ist ein Zeichen für die Unterwerfung der Frau und für radikalen Fundamentalismus.
Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS Online vom 17. 07. 2010 zu Ende.
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VERDACHT
Gefährliche Botschaften aus dem Vatikan?
Nach einem Gerichtsgutachten soll Radio Vatikan Jahre lang Grenzwerte seiner Sendemasten überschritten und bei den Anrainern einen Anstieg der Krebserkrankungen verursacht haben
Die katholische Kirche hat viele Probleme. Jetzt wird dem Vatikan auch noch vorgeworfen, dass dessen Radiosender -"Die Stimme des Papstes" - nicht nur die kirchlichen Botschaften verbreitet, sondern womöglich Gläubige sowie Un- und Andersgläubige in der näheren Umgebung mit dem dadurch entstehenden Elektrosmog "belästigt", also gesundheitlich schädigt.
Grund des Vorwurfs ist, dass ein Anstieg von Krebserkrankungen bei Kindern nördlich von Rom von 1990 bis 2003 in zwei Studien festgestellt und vermutet wurde, dass Radio Vatikan mit seinen 60 Sendeantennen in Cesano, 20 km nördlich von Rom, Jahre lang die Grenzwerte für elektromagnetische Emissionen überschritten hat. Der Papstsender, der weltweit in 37 Sprachen sendet, wollte die Menschen offenbar möglichst nachhaltig beeindrucken. Eine Untersuchung des Umweltministeriums hatte 2001 festgestellt, dass die Emissionen den Grenzwert um das Sechsfache überschritten haben. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, war für Kinder drei Mal so hoch als normal.
Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS Online vom 15. 07. 2010 zu Ende.
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GESELLSCHAFT
Die Alten werden vom Fernsehen betäubt
Das Problem ist wohl nicht nur, dass die Menschen zu früh zu Fernsehsüchtigen erzogen werden, sondern dass die Sucht mit dem Alter steigt
Florian Rötzer
Gewarnt wird gerne davor, dass Kinder und Jugendliche zu lange vor der Glotze sitzen und dabei lethargisch und aufmerksamkeitsgestört werden. Gerade erst wurde wieder bestätigt, dass exzessives Computerspielen ebenso wie häufiger Fernsehkonsum bei Kindern die Konzentrationsfähigkeit zu mindern und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen scheint, allgemein an Aufmerksamkeitsstörungen zu leiden. Computerspiele und Fernsehkonsum könnten so eine der Ursache für die Ausbildung der Aufmerksamkeitsstörung ADHD bei Kindern sein (s.a. Fernsehkonsum von Kleinkindern soll anhaltend das Verhalten prägen).
Dabei wird aber symptomatisch die allseits bekante Tatsache übersehen, dass die Jungen nicht diejenigen sind, die am meisten fernsehen, sondern dass die älteren und alten Menschen zunehmend mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Probleme scheint man damit wenig zu haben, da es sich ja um alte Menschen handelt, von denen nichts mehr erwartet wird und die mit Fernsehen auch still gestellt werden können.
Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS Online vom 14. 07. 2010 zu Ende.
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STATISTIK 2009
33.700 Kinder brauchten Schutz vor ihrer Familie
Immer häufiger nehmen deutsche Jugendämter Kinder kurzfristig in Obhut, um sie vor Gefahren in ihren Familien zu schützen.
Verwahrlosung, Missbrauch oder einfach nur Ärger mit den Eltern: Die Zahl der in Obhut genommenen Kinder steigt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, kamen im Vorjahr 33.700 Mädchen und Jungen unter die Aufsicht der Behörden.
Das sind 1500 Minderjährige mehr als 2008. Gegenüber dem Jahr 2004 beträgt die Steigerung den Angaben zufolge 30 Prozent.
Unter Inobhutnahme versteht man in der Jugendhilfe das kurzfristiges Eingreifen der Ämter, um die Kinder bei akuter Gefahr etwa gegen Gewalt oder Missbrauch zu schützen. Die Behörden nehmen Minderjährige auf deren eigenen Wunsch oder auf Initiative etwa der Polizei oder der Erzieher in Obhut und bringen sie meist für Stunden oder einige Tage anderweitig unter, etwa in einem Heim.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 13. 07. 2010 zu Ende.
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NEUROLOGIE
Gott ist ein Hormon
Warum sind Menschen religiös? Weil Glaube glücklich macht, behauptet die Neurologie. Und vergleicht Kirchen mit Serotonin-Fabriken
von Markus Somm
Warum glauben Menschen an Gott? Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis für seine Existenz. Trotzdem betrachten sich gut achtzig Prozent der Weltbevölkerung, so geben neueste Statistiken an, als religiös. Sie glauben an ein höheres Wesen, an eine Art Jenseits, sie beten, und sie begeben sich mit anderen Menschen an einen Ort, um Gottesdienst zu feiern. Vier Fünftel der Menschheit: Es sind bemerkenswert hohe Zahlen - und sie sind stabil. Noch im 19. Jahrhundert gingen die meisten Wissenschaftler davon aus, Religion sei ein Phänomen einer absterbenden Kultur, ein Aberglaube der Bildungsfernen in Europa, ein Trost für die Unzivilisierten im Rest der Welt. Es schien bloß eine Frage der Zeit zu sein, bis die meisten Menschen sich einem wissenschaftlichen Weltbild anschließen würden.
Diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Selbst das modernste Land der Welt, die USA, blieb eines der religiösesten Gebiete überhaupt. Das säkulare Europa ist die Ausnahme, die die Regel einer gläubigen Welt bestätigt. Die Menschen hängen an der Religion.
Wenn sie diese Tatsache zu ergründen versuchen, neigen manche Atheisten zur Polemik, vielleicht weil sie ratlos macht, was sie nicht verstehen. Richard Dawkins, ein britischer Biologe und Kämpfer gegen die Religion, hat seinem einflussreichen Buch zum Thema den Titel "Der Gotteswahn" gegeben und spricht von einem "gedanklichen Virus", das in den Köpfen der Menschen Unheil anrichtet. Auch Christopher Hitchens, ein bekannter amerikanischer Publizist, schrieb einen Bestseller, der keine Zweifel offen lässt: "Gott ist nicht groß. Wie Religion alles vergiftet". Doch führt dieser Ansatz weiter?
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 11. 07. 2010 zu Ende.
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KARDINAL MEISNER
"Der Zölibat ist der schlagendste Gottesbeweis"
Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, plädiert für eine Reform der Kirche – und ist froh über die Missbrauchs-Enthüllungen.
von Paul Badde
Welt am Sonntag: Wie sehr sind Sie entsetzt über all das, was in Ihrer Kirche jüngst geschehen ist?
Joachim Kardinal Meisner: Noch im Januar hätte ich mich eher einsperren lassen, als anzunehmen, dass das alles wahr ist. Dass es das auch bei unseren Priestern in Deutschland gibt, das war für mich eine bittere Wahrheit. Das war ein furchtbarer Schock. Doch eigentlich bin ich auch bestätigt worden, dass dort, wo es um die Heiligung der Priester geht, sofort auch der Diabolos, der Durcheinanderbringer, die Gegenposition einnimmt – der dem Reich Gottes am Ende aber auch nur dienen kann. So ist es nun auch nur gut, dass diese Untaten endlich ans Licht gekommen sind.
Welt am Sonntag: Enttäuscht heißt, dass man eine Täuschung verloren hat. Hatten Sie sich zuvor über den Zustand der Kirche getäuscht?
Meisner: Ja, im ursprünglichen Sinn des Wortes bin ich hier täuschungslos geworden. Darüber bin ich ganz froh. Denn das hat mich ja auch noch einmal neu auf das Wesen des Priestertums hingewiesen. Das Wunder des Priestertums ist, dass es Gott gibt, dass er lebendig ist und dass er Menschen in seinen Dienst zieht, die mit ihrer Person, mit ihrem Leben, mit Haut und Haar Zeugnis geben dürfen. Priester dürfen keine Funktionäre sein, die eine Sache verwalten. Wenn ihre Zeugniskraft verloren geht, dann haben Priester keine Begründung mehr. Wo Priester zu Genossen des Antichristen werden, ist das eine schwere Sünde.
Welt am Sonntag: Was wird noch alles herauskommen?
Meisner: Ich hoffe zu Gott, dass die Talsohle erreicht ist. Schlimmer kann es nach meiner Vorstellung nicht mehr werden.
Welt am Sonntag: Was sagen Sie verzweifelten Priestern?
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 11. 07. 2010 zu Ende.
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KLOSTER ETTAL
Vatikan bringt Erzbischof Marx in Erklärungsnot
Das Kloster Ettal stand im Mittelpunkt des Missbrauchsskandals. Der Bericht des Vatikans kommt einer Rüge für Erzbischof Marx gleich.
von D. Banse, U. Müller, L. Wiegelmann
Es läuft in diesen Tagen nicht gut für Münchens Erzbischof Reinhard Marx. Erst vor einer Woche hatte Papst Benedikt den harschen Umgang der deutschen Bischöfe mit ihrem früheren Amtsbruder Walter Mixa getadelt. „Nach einer Zeit oft maßloser Polemik“, so hatte der Pontifex erklären lassen, bitte er die deutschen Bischöfe, „Bischof Mixa mehr als bisher ihre freundschaftliche Nähe, ihr Verstehen und ihre Hilfe zur Findung der rechten Wege spüren zu lassen“.
Ungewöhnlich deutliche Worte, von denen sich neben Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch vor allem Marx angesprochen fühlen durfte. Er war maßgeblich an der Entmachtung des Augsburger Oberhirten und der öffentlichen Schlammschlacht um Alkoholprobleme und psychiatrische Behandlung beteiligt.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 08. 07. 2010 zu Ende.
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DEUTSCHE WELLE
Zeugen Jehovas klagen auf eigenen Sendeplatz
Der Rundfunksender Deutsche Welle ist per Gesetz verpflichtet, kirchliches Programm zu senden. Das wollen sich die Zeugen Jehovas zu Nutzen machen.
Die Zeugen Jehovas haben Sendezeiten bei der Deutschen Welle gefordert. Die Religionsgemeinschaft wolle unter Berufung auf das Deutsche Welle Gesetz Sendezeiten für sich in Anspruch nehmen, sagte ein Sprecher des Senders. Die Juristen des Senders prüften derzeit, ob tatsächlich ein Anspruch bestehe. Da es sich um einen Präzedenzfall handele, werde der Fall anschließend auch der Aufsicht der Deutschen Welle, dem Beauftragten für Kultur und Medien, zur Prüfung übergeben werden.
Das "Deutsche Welle-Gesetz" schreibt in Paragraf 17 vor, dass „den Evangelischen Kirchen, der Katholischen Kirche und der Jüdischen Gemeinde auf Wunsch angemessene Sendezeiten zur Übertragung gottesdienstlicher Handlungen und Feierlichkeiten oder sonstiger religiöser Sendungen“ einzuräumen sei. Andere Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts müssten „angemessen berücksichtigt werden“.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 06. 07. 2010 zu Ende.
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US-TREND
Bei Lebensmitteln ist koscher das neue Bio
Bio ist out, koscher ist in. Speisen aus jüdischer Tradition bilden das am stärksten wachsende Segment in der US-Nahrungsindustrie.
Von Alexandra Kilian
20 Milliarden Hot Dogs verschlingen die Amerikaner jedes Jahr – mehr als jede andere Nation auf der Welt. Knackige Schweinswurst zwischen trockenen Brötchen-Hälften, eingematscht mit Ketchup, Senf und Röstzwiebeln – ein Leibgericht auf Amerikanisch.
Nun auch auf Hebräisch? Denn der neue Trend heißt: Bio ist out, koscher ist in. Nach jüdischen Speisegesetzen kann damit die Art der Produkte und ebenso deren Zubereitung gemeint sein. Ungeschächtetes, nicht vollständig ausgeblutetes Fleisch sowie Schwein ist zum Beispiel nicht zum Verzehr geeignet, also „nicht koscher“. Ebenso dürfen milchige und fleischige Speisen nicht gleichzeitig angerichtet werden. In der Lebensmittelproduktion achtet ein Rabbiner auf die koschere Herstellung.
Ein teures Verfahren, für das viele Amerikaner dennoch bereit sind zu zahlen. Koschere Lebensmittel bilden das am stärksten wachsende Segment der amerikanischen Nahrungsindustrie, wie Sue Fishkoff in ihrem Buch „Kosher Nation“ schreibt. Teilweise ist schon die Hälfte aller Lebensmittel in amerikanischen Supermärkten koscher-zertifiziert.
500 Milliarden Dollar erlöst die US-Nahrungsmittelindustrie, schon 200 Milliarden kommen von koscheren Produkten, mehr als aus dem Bio-Segment. Und vor allem mehr, als die in Amerika lebenden Juden konsumieren könnten, mit einem Bevölkerungsanteil von weniger als zwei Prozent.
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KNOCHENFUNDE
Stammbaum des Menschen muss verändert werden
Obwohl Paläontologen mit allen Tricks die Rätsel uralter Knochenreste lösen wollen, bleibt der Weg zum modernen Menschen unklar.
von Pia Heinemann
Gewonnen hat, wer die beste Geschichte erzählt. Spannend, schlüssig und mit genügend Raum für Fantasie. Die allerbeste Geschichte ist natürlich die der Menschheit. Eine Geschichte, für die Paläobiologen aus ein paar Tausend Knochenstücken die knapp sieben Millionen Jahre dauernde Evolution unserer Art herauslesen.
Eine Geschichte, in der es darum geht, wer wann wo und wie gelebt hat, wer mit wem Sex hatte und wer letztlich im Kampf ums Überleben warum gewonnen hat. Es ist eine Geschichte, die alle paar Jahre neu und anders erzählt werden muss, weil wieder irgendwo Knöchelchen, Schädel oder Zähne gefunden wurden.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 05. 07. 2010 zu Ende.
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FRÜHES CHRISTENTUM
Zwischen Ekstase und Askese
Zungenreden und Orakel, Frauen als Bischöfe: Die christliche Sekte der Montanisten war im gesamten Römischen Reich berüchtigt. Im Magazin Epoc beschreibt der Archäologe Peter Lampe, wie christliche Kaiser und die orthodoxe Kirche die Bewegung im 6. Jahrhundert mit Macht zerschlugen.
Um das Jahr 175 n. Chr.: Die beiden Wanderer Zotikos und Julian schauen müde drein. An ihren Füßen haftet der Staub kleinasiatischer Landstraßen. Die Männer haben einen langen Fußmarsch hinter sich, als sie am Abend in Pepouza ankommen. Sie fragen nach dem Haus ihres Gastgebers, eines Glaubensgenossen, der sie in der phrygischen Stadt für die nächsten Tage beherbergen soll.
Einen Moment lang genießen sie die kühle Luft am dahinrauschenden Sindros, der über die Jahrtausende einen Canyon mit steil aufragenden Felswänden in die phrygische Hochebene geschnitten hat - südlich des römischen Themenothyrai (heute Usak, Türkei). Bei Pepouza weitet sich der Canyon zu einem Talkessel. Auf beiden Seiten des Flusses drängen sich Häuser; am nördlichen Ufer auf einer Terrasse die Bauten des Stadtzentrums mit einer Agora, dem Marktplatz.
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DEUTSCHLAND
Wo Gott geplant hat, darf nicht getrickst werden
Der Tempel Salomons: Dresden holt ein vergessenes jüdisches Museum wieder ans Licht
von Eckhard Fuhr
Als der zwölfjährige Arthur Schopenhauer Anfang September 1800 mit seinen Eltern Dresden besuchte, schrieb er in sein Tagebuch: "Indessen giengen wir diesen Nachmittag nach dem Zwinger: eine schöne Orangerie die von schönen Gebäuden umgeben ist, in denen allerhand Seltenheiten zu sehen sind, von denen wir einige besahen. Im ersten Gebäude sind lauter Sachen die die jüdische Religion betreffen. Ein Tempel Salomonis von Holz, vollkommen richtig nachgeahmt u. ausgemessen. Auch sind da viele jüdische Bücher, sehr schön mit hebreischen Buchstaben auf Pergament geschrieben u. aufgerollt, auch viele Instrumente zur Verheyrathung, Beschneidung, Scheidung eines Ehepaares u. andern jüdischen Ceremonien."
Was der aufgeweckte Knabe hier beschreibt, ist das "Juden-Cabinet", das Kurfürst August der Starke um 1730 seinen Sammlungen hinzufügte. Vor fast 300 Jahren entstand so das erste jüdische Museum der Welt. Hundert Jahre lang gehörte es mit seinem zentralen Schaustück, einem 3,45 mal 3,45 Meter großen Holzmodell des Jerusalemer Tempels, zu den am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten Dresdens. Der russische Offizier Fedor Glinka notierte 1813: "Falls irgendwann einmal ein Sturm widrigster Zufälle dieses ganze Volk ausrotten würde, so könnte man hier alle seine Bräuche und Gesetze finden".
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 02. 07. 2010 zu Ende.
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SCHULBUCHZENSUR
Gottes Werk und Bayerns Beitrag
"Ehrfurcht vor Gott" gilt in Bayern als hehres Bildungsziel. Das nehmen evangelikale Christen wörtlich: Sie beschwerten sich über einen religionskritischen Text in einem neuen Schulbuch - mit Erfolg. Knickte das Kultusministerium vor den Fundis ein?
Von Christoph Titz
In Deutschland haben die bayerischen Schulen einen besonders hohen Anspruch an die eigene Leistung. Wie im Rest der Republik sollen Schüler dort alles über Mathe, Deutsch und all die anderen Fächer lernen. Selbstredend wird auch Verantwortungsgefühl und selbständiges Denken vermittelt. Was Bayern aber so besonders macht, ist ein weiteres Lernziel: die "Ehrfurcht vor Gott".
Außerhalb des Bundeslandes mögen viele Lehrer und Schüler das verblüffend finden. Aber so steht es in Artikel 131 der Freistaats-Verfassung, Absatz 2:
"Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt."
Ausgerechnet im gottesfürchtigen Bayern gibt es jetzt einen hässlichen Streit um Inhalte mit Religionsbezug in den Lehrmaterialien. Die Folgen sind pikant. Plötzlich verschwanden aus einem Schulbuch Seiten mit einem religionskritischen Text. Nun stellt sich die Frage: Knickte das Kultusministerium ein, weil frömmelnde Hardliner auf eine Korrektur drängten?
Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 01. 07. 2010 zu Ende.
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BUNDESPRÄSIDENT-KANDIDAT
Wulff: Ein Missionar auf dem Weg nach Bellevue?
Christian Wulff pflegt Kontakte zu religiösen Eiferern vom rechten Rand - und befindet sich damit in bester Gesellschaft
Silvio Duwe
Mit der Nominierung Christian Wulffs als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten haben sich die Spitzen von Union und FDP auf einen farblosen Parteisoldaten und Karrieristen geeinigt, so schreiben selten einmütig die Kommentatoren. Eine glatte Fehleinschätzung, denn Christian Wulff ist offenbar ein Politiker mit einer Mission: Er ist Mitglied im Kuratorium von ProChrist, einem evangelikalen Verein, der mit Massenevangelisationen "Jesus bekannt" machen will. Zudem fiel Wulff kurz vor seiner Nominierung zum Bundespräsidentenkandidaten mit einer Rede vor dem Arbeitskreis Christlicher Publizisten (ACP) auf. Für den Sektenbeauftragten der evangelisch-württembergischen Landeskirche Hansjörg Hemminger ist die Zeitschrift des ACP "ein Vermittlungsorgan für Extremismus und Fanatismus aus der rechten Ecke, aber auch aus dem Kreis der Sektierer". Der ACP stelle die Verfassung praktisch ständig in Frage. War Wulffs Abstecher zum ACP ein Fehltritt? Wohl kaum, wie Recherchen von Telepolis zeigen. Doch mit seiner Nähe zu christlichen Fundamentalisten ist Wulff nicht allein.
Wer die Zeitschrift des ACP, die ACP-Informationen, aufschlägt, findet sich in einer anderen Welt wieder, an der die Säkularisierung vorbeigegangen scheint. Hier zählt vor allem das Wort Gottes. So verkündet der ACP beispielsweise, dass es "nur eine Orientierung" für "alle wesentlichen Handlungs- und Verhaltensweisen für unser Leben" gebe: das Neue Testament.
Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS Online vom 29. 06. 2010 zu Ende.
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HINTERGRUND
Schlammschlacht in der katholischen Kirche
Neue Details über die Umstände des Rücktritts von Bischof Walter Mixa - Vatikan soll Gräben überwinden
von Gernot Facius
Bonn - Die Debatte über die Umstände des spektakulären Amtsverzichts des Augsburger Bischofs Walter Mixa (69) ist vorerst nicht zu stoppen. Ins Zentrum der Diskussion rückt jetzt die Frage nach dem Verhalten hochrangiger Vertreter der Kirche. Darüber wird nach wie vor in vielen der 27 deutschen Diözesen und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) diskutiert.
Symptomatisch für die Irritationen in großen Teilen des Katholizismus ist der Kommentar der in Würzburg erscheinenden "Tagespost". Die katholische Tageszeitung spricht offen von einer "Schlammschlacht" in der Causa Mixa. Die Kommentatoren zeigen sich empört über die "zunehmende Politisierung kirchlichen Handelns, die hier zutage trat". Über Wochen hätten kirchliche Kreise Medien "bedient". Am Ende sei ein vertrauliches Dossier Medienvertretern gezielt zugespielt worden, dessen Inhalt (angebliche Alkoholsucht und ebenfalls nicht belegte sexuelle Übergriffe Mixas) am Tag nach der Veröffentlichung seitens der Bischofskonferenz offiziell bestätigt worden sei. Von solch "klassisch-politischen" Vorgehensweisen könne man sich nur mit Grauen abwenden, resümiert das dem konservativen Spektrum der Kirche eng verbundene Blatt.
Seine Darstellungen decken sich - eine seltene Übereinstimmung zweier äußerst unterschiedlicher Medien - in der Tendenz weitgehend mit denen des "Spiegels". Das Hamburger Magazin schreibt: "Fein dosiert hatte da die hochwürdige Augsburger Truppe mit Schmutz geworfen, unter den Augen des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Mal aus der sicheren Deckung heraus, gern aber auch im Blitzlicht der Medien."
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 28. 06. 2010 zu Ende.
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JOURNALISMUS UND KIRCHE
Die Sünden der Medien im Fall Walter Mixa
Objektivität und Fairness – viele Medientugenden blieben im Fall Mixa auf der Strecke. Weil Gut und Böse klar verteilt schienen.
von Jan-Eric Peters
Welchen Grundsatz müssen Reporter beherzigen? Eine kluge Antwort hat der verstorbene „Tagesthemen“-Moderator Hanns Joachim Friedrichs gegeben. Er riet, immer kritische Distanz zum Gegenstand der Berichterstattung zu wahren. Seine Empfehlung packte er in den Satz: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemeinmacht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“
Im Fall des Augsburger Bischofs Walter Mixa schienen die Rollen Gut und Böse klar verteilt. Da eine Amtskirche, die um schonungslose Aufklärung bemüht war. Dort der Oberhirte, der ständig mit seinen Äußerungen nervte, sich als Hüter christlicher Werte aufführte und schließlich körperliche Gewalt zugeben musste, die er erst geleugnet hatte. Dass so einem auch übel mitgespielt werden könnte, lag außerhalb der Vorstellungskraft – jedenfalls einiger Journalisten.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 26. 06. 2010 zu Ende.
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HANNOVER
Steinwürfe auf Juden – weitere Verdächtige gefasst
Wegen der Steinwürfe auf eine jüdische Tanzgruppe wurden vier weitere Jugendliche festgenommen. Einer von ihnen ist nicht einmal zehn Jahre alt.
Nach Steinwürfen auf eine jüdische Tanzgruppe in Hannover hat die Polizei vier weitere mutmaßliche Täter gefasst. Es handele sich um einen Neunjährigen, zwei Elfjährige und einen 16-Jährigen. Alle hätten einen arabischen Migrationshintergrund, sagte ein Polizeisprecher. Bereits am Mittwoch wurden zwei Steinewerfer ermittelt. Gegen die Täter wird ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.
Bei dem Angriff während eines Festes am Samstag war eine Tänzerin leicht verletzt worden. Die nach ersten Erkenntnissen zumeist aus islamischen Ländern stammenden Angreifer hatten auch judenfeindliche Parolen gerufen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte, man werde keine antisemitischen, rassistischen oder fremdenfeindlichen Übergriffe dulden. Antisemitische Tendenzen unter muslimischen Jugendlichen seien in Niedersachsen als Problem erkannt worden. Allerdings dürften Muslime auch nicht unter Generalverdacht gestellt werden, sagte der Minister.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 24. 06. 2010 zu Ende.
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AFFÄREN
Katholische Kirche sucht nach neuer Glaubwürdigkeit
Um das Vertrauen zurück zu gewinnen, muss die katholische Kirche bei Skandalen auf Offenheit setzen.
von Gernot Facius
Erst die Affäre um die Pius-Brüder, dann die Welle der Missbrauchsvorwürfe und nun die unselige Causa Mixa: In nur anderthalben Jahren schlitterte die katholische Kirche von Skandal zu Skandal. Zwar haben die Fälle unterschiedliche Ursachen, aber gemeinsam ist ihnen das klägliche Krisenmanagement. Peu a peu, meist unter medialem Druck, kamen die Fakten ans Licht.
Der Vertrauensverlust ist enorm. Beim Streit um Mixa kommt hinzu: Es ist den beteiligten Bischöfen nicht gelungen, der Öffentlichkeit glaubwürdig zu vermitteln, dass es um einen, wie Alois Glück vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken sich ausdrückte, personenbezogenen Sachverhalt, eine menschliche Tragödie, geht und nicht um einen Richtungskampf.
Verwirrende Berichte über eine „Geheimakte Mixa“, gespickt mit unappetitlichen, bis jetzt nicht hinreichend belegten Details, haben die Spekulationen angeheizt. So konnte auf katholisch-fundamentalistischen Internetportalen fleißig an der Märtyrer-Legende gestrickt werden: Ein glaubenstreuer Oberhirte sei von modernistischen Amtsbrüdern unter Assistenz nachrichtenhungriger Medien zu Fall gebracht worden.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 23. 06. 2010 zu Ende.
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KRITIK AM PAPST
Der Fall Mixa wird zu einer Causa Benedikt
Die Wellen im Fall Mixa schlagen jetzt bis nach Rom. Denn Papst Benedikt XVI. selbst hatte Mixa zum Augsburger Bischof ernannt. Die Causa Mixa ist deshalb auch eine Causa Benedikt, kritisiert die Reformbewegung „Wir sind Kirche".
Jürgen Balthasar
Die Debatte um den Fall des zurückgetretenen Augsburger Bischofs Walter Mixa zeigt nach Ansicht der Reformbewegung „Wir sind Kirche“ massive Strukturprobleme der katholischen Kirche und einen riesigen Reformbedarf. Der Fall Mixa sei ein Lehrbeispiel für die Defizite und die mangelnde Transparenz bei Bischofsernennungen, sagte „Wir-sind-Kirche“-Sprecher Christian Weisner der Nachrichtenagentur dpa. Mixa, damals noch Bischof von Eichstätt, war im Juli 2005 von Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Augsburg berufen worden. Dies sei eine der ersten Bischofsernennungen des jetzigen Papstes und damit auch „eine seiner ersten Fehlentscheidungen“ gewesen: „Die Causa Mixa ist auch eine Causa Benedikt.“
Es könne nicht angehen, dass jetzt nach diversen Vorwürfen der Zeigefinger nur auf Mixa gerichtet werde. Die entscheidende Frage sei: „Wer kann in der katholischen Kirche Bischof werden?“ Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hält hierbei mehr Mitsprache der Ortskirchen für überfällig. „Ein Bischof muss von der ganzen Diözese akzeptiert werden und nicht nur von einzelnen Interessengruppen“, sagte Weisner. Der Papst aber habe Mixa nach Augsburg geholt, obwohl es massive Vorbehalte der Deutschen Bischofskonferenz gegeben haben solle. Der Fall Mixa offenbart nach Ansicht von Weisner zugleich das Fehlen eines geeigneten Krisenmanagements in der katholischen Kirche.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 22. 06. 2010 zu Ende.
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UNWILLIGE MIGRANTEN
Falsche Toleranz löst Probleme der Integration nicht
Sema Meray ist hier aufgewachsen und angekommen. Viele andere nicht. Warum lässt man hierzulande demonstrative Integrationsunwilligkeit zu?
Solange wir an unserem unzeitgemäßen „Gutmenschentum“ festhalten und damit die Konfrontation scheuen, unsere Gesellschaftsprobleme anzugehen, so lange wird es kein Miteinander, vor allem nicht ein Miteinander der Kulturen geben. Falsche Toleranz ist hier nicht angebracht. Wir beheben damit nicht die Probleme der Integration, sondern gehen ihnen schlicht aus dem Weg.
Das ist für viele Deutsche, die sich ratlos fühlen, anscheinend die einfachere Lösung, denn so kann man, falls die Integrationskarre an die Wand fährt, hinterher sein Gewissen beruhigen und sagen: „Ich war’s nicht.“ Genau die gegenteilige Reaktion aber ist gefordert.
Die Einzigen, die systematisch und konsequent agieren, sind in diesem Fall die Minderheiten selbst. Unter dem Deckmantel der Integration wagen die Vertreter der größten Minderheit der deutschen Gesellschaft, die türkischstämmigen Muslime, den Angriff. Natürlich wird kein Politiker, der darauf bedacht ist, weiter in seinem Amt zu bleiben, öffentlich etwas gegen das Vorpreschen der Verbände und Wortführer der muslimischen Mitbürger sagen.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 21. 06. 2010 zu Ende.
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MIXA-AFFÄRE
Geheime Akte soll Bischof schwer belasten
Spektakuläre Entwicklung im Fall Mixa: Zwei Zeitungen berichten von einer bislang geheimen Akte, die den umstrittenen Ex-Bischof Walter Mixa schwer belasten soll. Zeugen sprechen darin offenbar von einem schweren Alkoholproblem des Klerikers - und von sexuellen Übergriffen.
Hamburg - Hat der umstrittene Ex-Bischof Walter Mixa ein schweres Alkoholproblem? Leidet er unter Wahrnehmungsstörungen? Ist er mehrfach jungen Priestern und Priesteramtskandidaten gegenüber sexuell übergriffig geworden? Das zumindest legt eine bisher geheime Akte über Mixa nahe, die dem Papst zugegangen sein soll - und aus der jetzt übereinstimmend die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitieren.
Das besagte Dokument sei laut "SZ" am 27. April dem Nuntius in Berlin, dem päpstlichen Botschafter, zugegangen. Es umfasse mehrere Dutzend Seiten und enthalte brisante Aussagen von engen Mitarbeitern Mixas und anderen Zeugen. So erinnere sich etwa ein Mitarbeiter des ehemaligen Augsburger Bischofs daran, dass Mixa über den Tag verteilt Wein und andere Alkoholika getrunken habe; der Zeuge mutmaße, Mixa sei ein "Spiegeltrinker", versuche also, einen mehr oder minder gleichbleibenden Alkoholpegel zu halten. In verschiedenen Aussagen sei auch von einem "Wirklichkeitsverlust" des Bischofs die Rede. Diesen Begriff hatte bereits der frühere Redaktionsleiter von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, vorige Woche im ZDF-"Morgenmagazin" benutzt.
Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 20. 06. 2010 zu Ende.
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„GOTTESTEILCHEN“
Physiker stehen vor neuen Rätseln
Im weltgrößten Teilchenbeschleuniger LHC suchen Forscher nach der Existenz von Higgs. Doch das "Gottesteilchen" soll ein Fünfling sein.
Religiöse Menschen würden nicht erwarten, dass Sterbliche jemals Gottes Pläne verstehen. Elementarteilchenphysiker scheinen anderer Meinung zu sein. Zumindest suggeriert ihre Bezeichnung „Gottesteilchen“ für das lange postulierte, aber noch nicht gefundene Higgs-Boson, dass man Gottes Pläne verstehen könne, wenn man dieses winzige Stück Materie nur gefunden und charakterisiert hat.
Nun scheint es, dass Gottes Pläne doch schwerer zu durchschauen sind, als gedacht. Denn amerikanische Physiker sagen, das Higgs-Boson sei gar kein einzelnes Partikel, sondern ein Fünfling – und das macht alles viel komplizierter. Die Messungen eines Teams um Bogdan Dobrescu vom Fermi National Accelerator Laboratory (FNAL) in Batavia bei Chicago (Illinois) legen zumindest nahe, dass das Gottesteilchen fünffach existiert.
Allgemein bekannt geworden ist Higgs durch die Inbetriebnahme der Teilchenschleuder am europäischen Forschungszentrum Cern bei Genf. Der dortige Milliarden Euro teure Beschleuniger, der im März mit Experimenten begonnen hatte, soll Higgs finden. Als „Gottesteilchen“ wird es apostrophiert, weil nur mit seiner Existenz das Standardmodell der Physiker rund ist. Mit ihm wird erklärt, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Denn Higgs ist das subatomare Partikel, das allen anderen Elementarteilchen ihre Masse verleiht. Findet man es nicht, stimmt das Weltmodell der Physiker und Kosmologen nicht. Gibt es aber fünf davon, stimmt es auch nicht so richtig.
Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 17. 06. 2010 zu Ende.
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KATHOLISCHE KIRCHE
Geheime Parallelwelt
Prunksucht, Diebstahl, undurchsichtige Kassen: Die katholische Kirche wird von Finanzaffären erschüttert. Während an der Basis gespart werden muss, bleibt manchen Bischöfen kaum ein Wunsch unerfüllt.
Kurz vor Pfingsten kam nicht der Heilige Geist, sondern die Polizei frühmorgens in die Wohnung von Pfarrer S.
Von Anna Catherin Loll und Peter Wensierski
Wer da suchet, der findet: Über 131.000 Euro waren in den Räumen des katholischen Seelsorgers versteckt, mal waren die Scheine zwischen der Wäsche, mal unter Schubladen befestigt. Auf der Stelle wurde Hochwürden verhaftet. Nach mehreren Wochen Untersuchungshaft wartet Hans S., 76, jetzt im Kloster auf seinen Prozess.
Und siehe da, die Geldvermehrung war womöglich sogar noch wundersamer als angenommen. Die Staatsanwaltschaft Würzburg spricht inzwischen von bis zu 1,5 Millionen Euro, die S. aus Kollekten und anderen Kirchengeldern unterschlagen haben könnte. Seine Schäflein in einem fränkischen Weinort sind fassungslos. Sie hatten ihrem Hirten, der demütig und bescheiden auftrat, blind vertraut.
Gleich mehrere Finanzaffären erschüttern zurzeit die katholische Kirche, nicht nur im Fränkischen oder in Augsburg, wo der Griff von Bischof Walter Mixa in die Kasse einer Kinderheimstiftung kürzlich Wirbel machte.
Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL ONLINE vom 16. 06. 2010 zu Ende.
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