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Interviews

„BRÜSSEL  HAT  DEN  WECKRUF  WOHL  NICHT  GEHÖRT“

 

EU und Türkei treiben Beitrittsverhandlungen voran - Politiker reagieren entsetzt

 

Es kommt wieder Schwung in die Gespräche über einen möglichen Beitritt der Türkei in die EU - trotz massiver Kritik an der türkischen Regierung. CSU-Politiker protestieren.

Ungeachtet anhaltender Spannungen setzt die Europäische Union ein Zeichen der Annäherung an die Türkei. Am Donnerstag eröffneten beide Seiten einen neuen Verhandlungsbereich in den EU-Beitrittsgesprächen. Dabei geht es um Finanz- und Haushaltsbestimmungen. Damit werde der Erweiterungsprozess vorangebracht, sagte der zuständige EU-Kommissar Johannes Hahn in Brüssel.

Mehrere CSU-Politiker forderten, die Beitrittsverhandlungen sofort einzustellen. "Brüssel hat den Weckruf wohl nicht gehört", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer der Deutschen Presse-Agentur auch mit Blick auf das Brexit-Votum über einen EU-Austritt Großbritanniens. "London drohen und Ankara hofieren - das kann nicht die Zukunft Europas sein."

"Falsches Signal"

Die Eröffnung des neuen Kapitels ist von den EU-Staats- und Regierungschefs gefordert worden. Auch Scheuers Parteikollege und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, sieht in dem neuen Beitrittskapitel ein "falsches Signal", wie er bei Twitter schrieb. Er forderte einen Neustart der Beziehungen.

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TOP-ÖKONOM  HANS-WERNER  SINN

 

Philosoph sieht eine Zeitenwende anbrechen

 

Der Rückblick für das Jahr 2016 ist eigentlich schon im Juni voll. Die verheerende Silvesternacht von Köln, David Bowie stirbt, der Terror in Brüssel, die Böhmermann-Affäre, der Horror von Orlando.

Die AfD und andere Rechtspopulisten sind auf dem Vormarsch. Donald Trump will ins Weiße Haus einziehen. Die Flüchtlingskrise ist noch lange nicht vorbei. Jetzt wollen auch noch die Briten die EU verlassen. Wie werden die Geschichtsbücher wohl einmal auf diese Zeit zurückblicken?

Was die Dramatik in der Entwicklung der deutschen Politik angeht, fühlt sich der Historiker Paul Nolte an die Weimarer Republik der 20er und frühen 30er Jahre erinnert. "Völlig unabhängig vom Programm, das eine Partei vertritt, irritiert es einen Historiker, wenn eine neue Formation aus dem Stand 24 Prozent der Stimmen erobert, wie die AfD in Sachsen-Anhalt im März", sagte Nolte in einem Zeitungsinterview. "Darin drückt sich eine quasi-revolutionäre Unruhe aus."

Kulturelle Identität steht über wirtschaftlichen Argumenten

Der Philosoph Wolfram Eilenberger spricht von einer Zeitenwende und ähnlichen Schlüsseljahren wie 1967/68 und 1989/1990. Damals ging es um Freiheit und Mobilität. "Wir leben jetzt in einer Zeit der Verengung", sagte Eilenberger. "Ich denke schon, dass die politischen Konstellationen in Europa extrem gefährdet sind."

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TOP-ÖKONOM  HANS-WERNER  SINN

 

Die Politik verschweigt den wahren Grund für das Brexit-Votum

 

 Von Benjamin Prüfer  , The Huffington Post

Angesichts der bald beginnenden Verhandlungen über einen EU-Austritt Großbritanniens hat der frühere Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, hat vor einer harten Haltung der EU gegenüber Großbritannien gewarnt.

Beim gestrigen EU-Gipfel zeichnete sich bereits ein Streit um die Freizügigkeit von EU-Arbeitnehmern ab. Die Migration von EU-Ausländer nach Großbritannien - insbesondere aus Osteuropa - war eines der wichtigsten Themen des Wahlkampfes um das Austritts-Referendum.

Sinn warnt vor der europäischen "Haftungsunion"

"Diejenigen, die den Briten die kalte Schulter zeigen und weitermachen wollen wie bisher, sind schlechte Politiker", sagte der streitlustige Ökonom der "Passauer Neuen Presse".

"Wir sollten versuchen, Großbritannien so wie Norwegen sehr eng an die EU anzubinden." Diejenigen, die auf einen schnellen Austritt drängten, wollten Europa im Eiltempo weiter "in die falsche Richtung entwickeln, nämlich zu einer Haftungsunion im Inneren und einer Festung nach außen, die sich gegenüber der Welt abschottet", warnte Sinn.

"Beides käme uns Deutsche teuer zu stehen", sagte Sinn.

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SO  WILL  DIE  NPD  DER  AfD  HELFEN

 

Hier entsteht ein Bündnis, das Angst macht

 

Die NPD will bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern in zwei Monaten auf Direktkandidaten verzichten, um so der AfD zu mehr Abgeordneten zu verhelfen. Damit könnte die AfD stärkste Partei werden, verstärkt von der NPD. Welche Folgen hätte das für die Landes- und Bundespolitik? FOCUS Online sprach mit dem Politik-Wissenschaftler Hendrik Träger.

Von FOCUS-Online-Redakteur Ulf Lüdeke

Hendrik Träger forscht als Politik-Wissenschaftler an der Universität Leipzig und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

FOCUS Online: Herr Träger, die NPD hat in Mecklenburg-Vorpommern angekündigt, bei der Landtagswahl zugunsten der AfD auf Direktkandidaten zu verzichten. Die NPD liegt in Umfragen derzeit rund vier Prozent. Die „Wahlbörse PESM“ sieht die AfD aktuell bei 24,4 Prozent ­- als stärkste Partei. Droht da ein Rechtsbündnis völlig neuer Natur?

Träger: Es ist durchaus möglich, dass zum ersten Mal in der Nachkriegszeit eine rechtspopulistische und eine rechtsextreme Partei in einen Landtag einziehen. Infratest dimap sah die AfD Ende April zuletzt bei 18 Prozent. Die Wahlprognosen bei AfD und NPD fallen nicht selten deutlich niedriger aus als bei anderen Parteien. Das hat etwas mit dem Effekt der „sozialen Erwünschtheit“ zu tun; einige sagen bei einer Umfrage nicht, dass sie die AfD oder die NPD wählen wollen.
Der Verzicht der NPD auf Direktkandidaten könnte der AfD tatsächlich helfen, in einigen zusätzlichen Wahlkreisen Direktmandate zu gewinnen. Bei der letzten Landtagswahl 2011 hat die NPD in den Wahlkreisen an der polnischen Grenze bis zu 14 Prozent erreicht. Dieses Potenzial des Protestwählens könnte diesmal die AfD für sich nutzen und in Direktmandate ummünzen. Es ist nicht gänzlich auszuschließen, dass die AfD stärkste Partei wird. Und auch den erneuten Einzug der NPD halte ich durchaus für möglich.

"Historische Zäsur, die mulmige Gefühle auslösen könnte"

FOCUS Online: Was würde ein solches Bündnis denn für die Landespolitik in Mecklenburg-Vorpommern bedeuten?

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ZUWANDERUNG  NACH  DEUTSCHLAND

 

Zentralrat der Juden warnt vor Antisemitismus durch Flüchtlinge

 

"Flüchtlinge kommen ganz überwiegend aus Staaten, die mit Israel verfeindet sind": Der Präsident des Zentralrats der Juden sieht die Gefahr eines neuen Antisemitismus in Deutschland.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat vor einem neuen Antisemitismus durch die Zuwanderung von Flüchtlingen gewarnt. "Die Flüchtlinge, die in so großer Zahl seit dem vergangenen Jahr bei uns Zuflucht suchen, kommen ganz überwiegend aus Staaten, die mit Israel tief verfeindet sind", sagte Schuster am Abend in München laut vorab verbreitetem Redemanuskript, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. "Wer mit einem solchen Feindbild groß geworden ist, legt es nicht einfach beim Grenzübertritt ab."

Im vergangenen Jahr hatte sich der Zentralrat der Juden auf die Seite des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gestellt und sich für eine Obergrenze für Flüchtlinge in Deutschland ausgesprochen. Auch damals nannte Schuster als Begründung die Bedenken, dass viele Geflüchtete aus Kulturen kämen, in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil seien.

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BREXIT

 

Putins stille Hoffnung auf den Zerfall Europas

 

Russlands Präsident äußert sich zurückhaltend zum Brexit. Aber die Kreml-Propaganda klingt anders. Von einer "Heldentat" ist die Rede. Kein Wunder: Der EU-Austritt stärkt die Position Russlands enorm.

Von , Moskau Korrespondentin

"Zerfall der Europäischen Union" – diese Worte wurden groß hinter dem Rücken des russischen Fernsehmoderators und Chefpropagandisten Dmitri Kisseljow eingeblendet, als er über den Brexit sprach.

"Die Briten sind ein mutiges Volk, sie treten als Erste aus. Aber hinter ihnen stehen andere bereits Schlange", erklärte Kisseljow. Das klang fast wie beim Zerfall der Sowjetunion.

In den vergangenen Jahren zeichnete er Woche für Woche ein Bild der Endzeitstimmung in Europa: Schwulen-Ehen, angebliche Abwendung von christlichen Werten, Horden von Migranten, eine vom Staat vorgeschriebene Toleranz.

"Die EU wurde zu einem politischen Monster mit totalitären Allüren", sagte Kisseljow. Nun sah er endlich seine Prognosen bestätigt: Das verhasste Europa geht zugrunde.

Putin betont: "Wir haben uns nie eingemischt"

Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin gibt es kaum ein besseres Geschenk als die Ergebnisse des Referendums in Großbritannien. In der öffentlichen Reaktion bemühte er sich um eine zurückhaltende Tonlage. "Die Konsequenzen werden global sein. Sie sind unausweichlich. Sie werden sowohl positiv als auch negativ ausfallen", kommentierte Putin den Brexit am Freitag. Und er betonte: "Wir haben uns nie eingemischt."

Tatsächlich waren seine Aussagen schon vor der Abstimmung eher vorsichtig – wohl auch weil jedes Lob aus seinem Munde für das Brexit-Lager kontraproduktiv gewesen wäre.

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ERST  ISRAEL,  DANN  RUSSLAND

 

Das steckt hinter Erdogans plötzlichem Kuschelkurs

 

Israel habe "Hitler übertroffen", wetterte Erdogan im Gaza-Krieg. Bei Russland werde er sich "nicht entschuldigen", kündigte Erdogan nach dem Abschuss eines Kampfjets an. Nun sucht der türkische Präsident mit beiden Ländern die Aussöhnung.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist nicht als großer Versöhner bekannt, auch öffentliche Entschuldigungen gehören nicht zu seinem Standard-Repertoire. Er wettert gegen die EU und gegen Deutschland, Konflikte gibt es mit den USA und mit Russland. Stress hat Ankara auch mit Israel und Ägypten - um nur ein paar Beispiele zu nennen. Erdogans Türkei hat deutlich weniger Freunde als noch vor wenigen Jahren. Umso bemerkenswerter die Entwicklung vom Montag, als die türkischen Nachrichten plötzlich nicht mehr von Spannungen, sondern von Aussöhnung dominiert wurden.

Der von Erdogan installierte Ministerpräsident Binali Yildirim verkündete erst vor wenigen Tagen, außenpolitisches Ziel Ankaras sei es, "die Zahl der Freunde zu mehren, die der Feinde zu verringern". Dass sich der Mangel an Freunden inzwischen auch wirtschaftlich niederschlägt, zeigt ein Blick auf die leeren Urlaubsstrände. Gleich mit zwei wichtigen Ländern, mit denen sich die Türkei scheinbar hoffnungslos überworfen hatte, soll nun ein neues Kapitel aufgeschlagen werden: Mit Israel und Russland.

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PAPST  FRANZISKUS

 

"Die Kirche muss sich nicht nur bei Homosexuellen entschuldigen"

 

Papst Franziskus erklärt, Homosexuelle hätten eine Entschuldigung für ihre Behandlung durch die Kirche verdient. Auch Frauen, Geschiedene und ausgebeutete Kinder müsse man um Verzeihung bitten.

Selbst wenn Papst Franziskus über den Wolken spricht, hallen seine Worte bisweilen am Boden nach: Auf dem Rückflug von seiner Reise nach Armenien hat sich das Kirchenoberhaupt den Fragen von Journalisten gestellt. Dabei sagte Franziskus, dass Schwule und Lesben eine Entschuldigung für ihre Behandlung durch die katholische Kirche verdient hätten.

Franziskus schloss sich damit den Worten des deutschen Kardinals Reinhard Marx an. Der Erzbischof von München hatte nach dem Attentat auf den LGBT-Nachtklub "Pulse" in Orlando im US-Bundesstaat Florida in einem Interview mit der "Irish Times" gesagt: "Die Geschichte der Homosexuellen in unserer Gesellschaft ist schlimm, denn wir haben viel dazu beigetragen, sie ins Abseits zu schieben." Dafür müssten sich Kirche und Gesellschaft entschuldigen.

Franziskus bestätigte diese Haltung von Marx mit einer Abwandlung seines berühmten Zitats von 2013. Damals hatte der Papst auf die Frage nach seiner Haltung zu Schwulen und Lesben gesagt: "Wer bin ich, über sie zu urteilen?" Auch dieses mal bestärkte Franziskus, die Kirche solle Homosexuelle nicht diskriminieren, sondern mit Respekt behandeln.

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL Online vom 27. 06. 2016 zu Ende.

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GENOZID-DEBATTE  UM  ARMENIEN

 

Türkei empört sich über "Kreuzzugsmentalität" des Papstes

 

Der Papst spricht in Armenien von Völkermord - und die Türkei reagiert reflexhaft: Im Vatikan herrsche eine "Kreuzzugsmentalität", so der Vorwurf. Der Papst habe die historischen Fakten nicht verstanden.

Am ersten Tag seiner Reise nach Armenien verurteilte Papst Franziskus den Völkermord an geschätzt 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich. Am zweiten Tag gedachte er der Opfer des Massakers in der Gedenkstätte der Hauptstadt Jerewan. Am Ende des zweiten Tages schaltete sich die türkische Regierung ein.

Vizepremier Nurettin Canikli nannte die Kommentare des Pontifex "überaus unglücklich" und sah darin Züge einer "Kreuzzugsmentalität". Die Bemerkungen des Papstes seien parteiisch und hätten "keinerlei Bezug zur Realität", sagte Canikli am Samstagabend auf einer Pressekonferenz.

Aus Sicht der Türkei, dem Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs, handelte es sich bei den Ereignissen in den Jahren 1915 bis 1917 um einen Bürgerkrieg zwischen Türken und Armeniern, bei denen beide Seiten zahlreiche Opfer zu beklagen hatten. Die Armenier sprechen dagegen von einem systematischen Völkermord der osmanischen Führung der Jungtürken, dem geschätzt 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fielen.

Franziskus hatte bereits im vergangenen Jahr im Petersdom während des Gedenkens zum 100. Jahrestag der Massaker unmissverständlich von einem Genozid gesprochen. Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu sprach damals empört von einer Diskriminierung aller Muslime und Türken. Der türkische Botschafter beim Vatikan wurde abgezogen. Vor einigen Monaten kehrte er allerdings wieder an seinen Posten in Rom zurück.

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL Online vom 26. 06. 2016 zu Ende.

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DAS  ENDE  VON  EUROPA, WIE  WIR  ES  KENNEN

 

"Eine Phase nie da gewesener Unsicherheit beginnt"

 

Als Premier hat Tony Blair Großbritannien einen Boom beschert – und es für Einwanderer geöffnet. Im Gespräch mit der "Welt" sucht er Erklärungen für den Brexit und Strategien zu seiner Bewältigung.

Von , London Korrespondentin

Tony Blair betritt den Besprechungsraum in seinem Büro in Mayfair, sieben Minuten nachdem David Cameron seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Blairs Gesicht wirkt wie eingefroren. Er galt einst als EU-freundlichster Premier, den das Königreich je hatte. In seiner Amtszeit von 1997 bis 2007 erlebte Großbritannien einen wirtschaftlichen Boom und öffnete den Arbeitsmarkt unbeschränkt für Jobsuchende aus den neuen EU-Ländern in Osteuropa. Weit mehr als zwei Millionen kamen. Diese Entwicklung sehen jetzt viele als wichtige Ursache für den Brexit an.

Blair wirkt erschüttert. Seine Augen sind feucht. Er kann ein leichtes Zittern nicht unterdrücken und beginnt zu sprechen, noch ehe die erste Frage gestellt wird.

Tony Blair: Das ist ein trauriger Tag für Großbritannien. Das ist ein trauriger Tag für Europa. Und für die Politik. In Großbritannien wird es in den nächsten Monaten ein unmittelbares Bedürfnis nach Stabilität geben. Viel wird davon abhängen, was in den nächsten Tagen passiert, insbesondere im Hinblick auf die Finanzen des Landes. Es wird ein tiefgreifende Neubesinnung geben über das, was ich die politische Mitte nennen würde. Mir war nicht klar, dass diese Art von politischen Widerstandsbewegungen in der Lage ist, Parteien zu übernehmen. Dass sie ein ganzes Land übernehmen können. Aber dieses Referendum zeigt, dass sie dazu fähig sind.
Speziell Labour-Anhänger haben aus einer Reihe von Gründen für den Austritt gestimmt – Protest gegen die Regierung war sicherlich einer davon. Unsere Partei wird sehr gründlich über unsere eigene verheerende Kampagne nachdenken müssen. Uns steht eine Phase noch nie da gewesener Ungewissheit und Unruhe bevor. Ich glaube, dass sich die führenden Politiker zusammenraufen und alles tun werden, um das Land zu stabilisieren.

Die Welt: Wie sollte die EU mit dieser Entscheidung umgehen?

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 25. 06. 2016 zu Ende.

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INDIZIENPROZESS

 

Warum Johann Sebastian Bach Antisemit war

 

Wenn das Reformationsjubiläum beginnt, sollen die braunen Ecken ausgefegt sein. Bach ist nun auch bearbeitet. Die Eisenacher Ausstellung "Bach, Luther – und die Juden" überführt ihn als Antijudaisten.

Von Barbara Möller

Alles so lieblich hier im Sommersonnenschein. Der dunkelgrün leuchtende Thüringer Wald, unten das liebevoll restaurierte Fachwerk, oben die Wartburg. Ein deutsches Idyll. Die Sonne bescheint auch die große Villa in der Eisenacher Bornstraße, wo Jesus zum Arier gemacht wurde.

Ein imposantes Haus, in dem von 1939 bis 1945 das "Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben" residierte – volkstümlich-völkisch kurz: "das Entjudungsinstitut " –, an dessen Existenz sich die Eisenacher bis vor Kurzem partout nicht mehr erinnern konnten.

Bloß keine unliebsamen Überraschungen

Diese Erinnerung wurde erst im Zuge der Prä-Reformationsjubiläumsaufräumarbeiten aufgefrischt. In der Festsaison will die evangelische Kirche ja keine unliebsamen Überraschungen mehr erleben. Besenrein sollen die braunen Ecken dann sein.

Vor allem in Eisenach, dem Fluchtpunkt des großen Reformationsjubiläums. Wo nicht nur Luther wirkte, sondern zudem Johann Sebastian Bach geboren wurde, der fünfte Evangelist. Der unbestritten größte aller Komponisten, dem, wie der Philosoph Emil Cioran zu sagen pflegte, Gott alles verdankt: "Wenn wir Bach hören, sehen wir Gott aufkeimen, sein Werk ist gottheitsgebärend."

Leider verdankt der Protestantismus Bach auch ein paar höchst unangenehme Stellen in der Johannes- und in der Matthäuspassion. Das hat bislang allerdings nur Insider interessiert. Vornehmlich Musiker, die die Werke interpretierten. Die Musikwissenschaft schaute nahezu geschlossen und entschlossen darüber hinweg.

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BRITEN  WOLLEN  BREXIT

 

Die unterschätzte Wut auf den elitären Politikbetrieb

 

Die Briten votieren gegen die EU - und der entscheidende Brexit-Schub kam wohl aus den Universitätsstädten. Man fragt sich, wie Demoskopen und Buchmacher sich so verschätzen konnten.

Von Korrespondentin

Mit dem Morgengrauen wurde der Ausgang immer klarer. Um 4.40 Uhr Ortszeit verkündete der Moderator der BBC-Wahlsendung: "Es gibt rechnerisch keine Möglichkeit mehr, dass ,Remain' noch gewinnen kann. Wir sind raus."

Jedes Ergebnis, das zuvor aus den 382 britischen Wahlbezirken eingetroffen war, brachte das Brexit-Lager einem Sieg näher. Und immer mehr Resultate belegten keinen knappen, sondern deutlichen Vorsprung gegenüber der Pro-EU-Seite.

Die erste Analyse zeigt eine klare Spaltung des Landes zwischen dem Norden Englands und dem Süden. Die Weltstadt London und selbstredend Schottland hatten klar für den Verbleib in der Europäischen Union gestimmt. Aber diese Stimmen reichten nicht.

Denn die ländlichen Gebiete im ganzen Norden Englands haben überwältigend für den Brexit gestimmt. Genau wie Wales. Regionen, die einst industrielles Herz ihres Landes waren, aber seit Jahrzehnten dem wirtschaftlichen Verfall überlassen wurden. Yorkshire beispielsweise, traditionell Hochburg der europafreundlichen Labour-Partei, stimmte fast durchgängig für "Leave". Jener Landstrich aus dem die vergangene Woche ermordete Abgeordnete Jo Cox stammte.

Dass aber auch Universitätsstädte wie Newcastle, Sheffield oder Nottingham für den Austritt stimmten, das kam völlig unerwartet und brachte den mit entscheidenden Ausschlag für den Brexit.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 24. 06. 2016 zu Ende.

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RAMADAN  IN  FLÜCHTLINGSHEIMEN

 

Unter den Christen geht die Angst um

 

Viele Muslime verzichten im Ramadan tagsüber auf Essen und Trinken. Einige fordern das auch von christlichen Migranten. Nicht der einzige Konflikt zwischen den Religionen im Flüchtlingsheim.

Von Politik-Redakteurin

Datteln und Wasser stehen ab neun Uhr auf den Tischen. Dann füllt sich der Hangar eins des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin. Nach und nach holen sich die Menschen ihre Teller mit Abendessen. Doch gegessen wird erst, wenn der Gebetsruf ertönt: pünktlich zum Sonnenuntergang.

Es sind lange Tage, die gläubige Muslime im Ramadan fastend durchstehen. Ungewöhnlich lang gerade für die Flüchtlinge aus dem orientalischen Raum, die einen früheren Sonnenuntergang gewohnt sind.

Eine Herausforderung, körperlich wie psychisch. Und logistisch: Denn für die Heime bedeutet der Ramadan zusätzlichen Aufwand. Gleich zwei zusätzliche Essenstermine mussten in Tempelhof für den Fastenmonat eingerichtet werden, einer am späten Abend und einer zur Frühstücksausgabe in der Nacht – zusätzlich zu den drei regulären Essensausgaben für die Bewohner, die nicht fasten.

Mehr Sozialarbeiter während des Ramadan

Etwa 600 der 1300 Bewohner hätten sich für das Fasten angemeldet, sagt Maria Kipp, Sprecherin des Betreibers Tamaja. Vorsorglich wurden die Sozialarbeiterstunden während des Ramadan aufgestockt, um mögliche Spannungen schnell zu beheben. Insgesamt sei die Stimmung aber eher ruhiger als sonst. "Uns sind keine Probleme bekannt."

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 23. 06. 2016 zu Ende.

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