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Interviews

FAKE-NEWS

"Der Einzelne hat keine Zeit mehr, die Wahrheit zu prüfen"

 

Mit falschen Nachrichten, sogenannten Fake-News, kann Politik gemacht werden. Mit unsauberen Statistiken erst recht, denn sie geben der gewünschten Botschaft scheinbar eine wissenschaftliche Autorität.

Von Norbert Lossau

Seit Jahren wählen drei deutsche Professoren, unter ihnen Walter Krämer von der TU Dortmund, Monat für Monat eine „Unstatistik“ aus und stellen sie online an den Pranger.

Einen Lerneffekt scheint es aber nicht zu geben. Nach wie vor fallen Politiker, Journalisten und selbst Wissenschaftler auf unsinnige Statistiken herein . Im Interview erklärt Krämer, warum wir auf Statistiken ohne Aussagekraft hereinfallen und wie man sich davor schützen kann.

Die Welt: Wir leben, so sagt man, in einer postfaktischen Zeit. Es komme immer weniger auf Fakten an. Verlieren dann nicht auch statistische Daten an Bedeutung?

Walter Krämer: So ist es leider. Behauptungen, die heute nicht innerhalb von Minuten überprüfbar sind, werden eben nicht mehr überprüft. Das ist eine Folge des Smartphone-Zeitalters.

Die Welt: Und den Menschen ist es dabei egal, ob die Informationen wahr oder falsch sind?

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RECHTSPOPULISMUS

Papst zieht Parallelen zur Lage Europas beim Aufstieg Adolf Hitlers

 

Der Papst hat die Welt gewarnt, in Krisenzeiten den simplen Lösungen charismatischer Anführer zu vertrauen. Er zog Parallelen zum Jahr 1933 in Deutschland. Zu Donald Trump äußert er sich vorsichtig.

Von Antonio Caño, Pablo Ordaz

Mit Blick auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump hat Papst Franziskus die Welt zu Besonnenheit aufgerufen. Niemand sollte “sich erschrecken oder sich freuen über etwas, was passieren könnte”, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche der spanischen Tageszeitung “El Pais , die wie die “Welt am Sonntag” zur “Leading European Newspaper Alliance” (Lena) gehört, in der sieben führende Zeitungen zusammenarbeiten. “Man wird sehen, was er tut, dann werde ich mir meine Meinung bilden”, sagte Franziskus. Der Papst gab das Interview in den Minuten, in denen Trump seinen Amtseid ablegte .

Mit Blick auf Europas populistische Bewegungen zog er Parallelen zum Jahr 1933 in Deutschland. In der Weltwirtschaftskrise sei Deutschland ruiniert gewesen und habe Hitler gewählt. „Hitler hat die Macht nicht an sich gerissen, er wurde von seinem Volk gewählt und hat sein Volk zerstört. In Zeiten der Krise versagt das Urteilsvermögen.“

Das Jahr 1933 in Deutschland nennt er „typisch“

In Krisenzeiten suchten die Menschen „einen Heilsbringer, der uns unsere Identität wiedergibt“, sagte Franziskus. „Wir schützen uns mit Mauern und Stacheldraht vor den anderen Völkern, die uns unsere Identität nehmen könnten.“ Das sei „sehr schlimm“.

Das Jahr 1933 in Deutschland sei „typisch“. Deutschland habe sich in einer Krise befunden und seine Identität gesucht. „Dann kam dieser charismatische Anführer und versprach, ihnen eine Identität zu geben. Aber er gab ihnen eine verquere Identität und wir wissen, was dann passiert ist.“

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NEUER  US-PRÄSIDENT

Was die Zeichen der Macht über Trumps Präsidentschaft verraten

 

Donald Trump ist keine 24 Stunden im Amt. Seine Amtseinführung lieferte zahlreiche Hinweise, was die Amerikaner in den nächsten Jahren erwartet. Wir zeigen die acht stärksten Momente.

Von Clemens Wergin, Adriano Sack, Inga Griese, Lucas Wiegelmann, Uwe Schmitt

Die Faust

Der entscheidende Moment in Donald Trumps Antrittsrede kam ganz am Schluss. „Zusammen werden wir Amerika wieder stark machen. Wir werden Amerika wieder wohlhabend machen. Wir werden Amerika wieder stolz machen. Wir werden Amerika wieder sicher machen. Und ja, zusammen werden wir Amerika wieder groß machen“, sagte er. Es war ein Crescendo, das mit seinem Wahlkampfslogan endete. Und nachdem Trump das übliche „God bless you, America!“ gerufen hatte, reckte er seine rechte Faust gen Himmel. Eine rabiate Geste, die nicht zum üblichen Arsenal von Inaugurationsreden gehört. Aber zugleich eine perfekte Zusammenfassung der Worte des neuen Präsidenten.

Trump hat der politischen Klasse, die vor dem Kapitol versammelt war, ins Gesicht geschlagen und sie als Ausbeuter des Volkes abserviert – um sich selbst zu feiern. Er hat Amerika in den düstersten Farben gemalt und allerlei Sündenböcke dafür verantwortlich gemacht. Seine Faust wird so zu einem Symbol des Widerstandes gegen das Establishment. Diese Geste rückt ihn in die Nähe südamerikanischer Caudillos vom Schlage eine Hugo Chávez’. Auch wenn diese Volkstribune eher die linke Faust recken, wenn es darum geht, die herrschende Ordnung zu demontieren. Trumps Faust ist auch ein Hinweis darauf, wie er regieren wird: mit voller Wucht gegen jeden, der sich ihm in den Weg zu stellen wagt – so wie schon im Wahlkampf.

Die Trumps sind nun schon die zweite Präsidentenfamilie in Folge, die mit minderjährigen Kindern ins Weiße Haus einzieht. Zumindest mit einem, Donald Trumps Nachzügler Barron. Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass der zehnjährige „First Boy“ ein Sympathieträger wird. Zwar wirkte er bei der Einschwörung noch etwas desinteressiert, einmal wurde er sogar, wie einst Barack Obamas Tochter Sascha, beim Gähnen erwischt, was Erinnerungen weckte an sein schlaftrunkenes Auftreten in der Wahlnacht, als sein Vater die Siegesrede hielt. Später jedoch flogen ihm die Herzen zu, als er an Tag der Amtseinführung im Oval Office gefilmt wurde. Sein Vater war gerade dabei, mit ernster Mine die ersten Dekrete zu unterschreiben, da machte Barron im Hintergrund Faxen. Er spielte „Kuckuck“ mit seinem Neffen Theodore und versuchte ihn zu einem High Five zu animieren. Eine willkommene Auflockerung.

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AHMADI-MUSLIME  KRITISIEREN  ANDERE  ISLAMVERBÄNDE

"Unsere Mitarbeiter werden in Flüchtlingsunterkünften angegriffen"

 

Nach ein paar einleitenden Worten kommt der Malik Usman Naveed gleich auf den Punkt. „Das Attentat von Berlin hat uns schwer getroffen“, sagt der Imam der Münchner Al-Mahdi-Moschee. „Wenn solche Gräueltaten im Namen unserer Religion begangenen werden, dann ist der Schmerz immens.“

Von FOCUS-Online-Redakteur Ulf Lüdeke

Vor dem 29-Jährigen stehen Brezn, Pfefferkäse, Vollkornbrötchen und Nutella auf dem Tisch - die Al-Mahdi-Moschee hat zum Journalistenfrühstück geladen. Noch bevor überhaupt Fragen gestellt werden können, greift der Imam vor: „Unser Glaube hat nichts mit Gewalt zu tun. Dazu ruft der Koran auch nicht auf. Und die Passagen, wo etwas von Töten steht, beziehen sich auf einen alten, historischen Krieg, der 1400 Jahre her ist.“

Die Al-Mahdi-Moschee liegt unweit des S-Bahnhofs Neufahrn inmitten einer ruhigen Familienhaus-Siedlung. Und stünde vor der Moschee nicht seit zwei Jahren ein Minarett, das sich wie ein externer Kaminschlot an die Hauswand drückt und den Giebel des Zweigeschossers nicht überragt, führe man ohne Notiz davon zu nehmen an ihr vorbei.

"Für uns hat der Islam nichts mit Gewalttätigkeiten oder mit Zwang zu tun“, sagt Naveed, in Pakistan geboren und ab dem zweiten Lebensjahr in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. „Das versuchen wir, den Menschen seit Jahren immer wieder zu erklären – natürlich ganz besonders seit der Flüchtlingskrise und den Terroranschlägen in Europa.“

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NATO-GENERALSEKRETÄR

"Cyberangriffe können Bündnisfall nach Artikel 5 auslösen"

 

Nach Angaben von Nato-Generalsekretär Stoltenberg hat die Zahl der Cyberangriffe auf die Nato deutlich zugenommen.

Von Christoph Schiltz

Stoltenberg sagte der "Welt": "Nach unseren neuesten Erhebungen gab es im vergangenen Jahr pro Monat durchschnittlich 500 bedrohliche Cyberangriffe auf Einrichtungen der Nato, die ein intensives Eingreifen von Seiten unserer Experten erforderlich machten. Das ist ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem Jahr 2015.  Die meisten dieser Angriffe gehen nicht von Privatpersonen sondern werden von staatlichen Institutionen anderer Länder gesponsort." Dies sei  aus dem großen Ressourcenaufwand klar ersichtlich.

"Ich bin äußerst besorgt über diese Entwicklung. Cyberabwehr wird beim nächsten Nato-Gipfel eine wichtige Rolle spielen. Wir müssen unsere Anstrengungen auf diesem Gebiet weiter verstärken", sagte der Nato-Chef.

Nato bietet allen Bündnismitgliedern Krisenteams an

Cyberangriffe seien potenziell sehr gefährlich, weil sie beispielsweise der Energie- und Gesundheitsversorgung und anderen kritischen Infrastrukturen schaden können. "Zudem können sie der Verteidigungsbereitschaft der Nato schaden und unsere bewaffneten Truppen bei ihrer Arbeit beeinträchtigen können. Alle militärischen Aktivitäten basieren ja heute auf der Übertragung von Daten. Wenn das nicht funktioniert, kann großer Schaden entstehen", erläuterte Stoltenberg.

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NAZI-VERGANGENHEIT

Höcke ist Gefangener seiner Dämonen

 

Die merkwürdige Fixierung des Thüringer AfD-Politikers auf die Nazi-Zeit ist evident. Seine Instinkt- und Geschmacklosigkeiten sollen NPD-Wähler anlocken. Hat er keine Antworten auf die heutige Zeit?

Von Jacques Schuster

Es ist seltsam, dass gerade diejenigen, welche mit der Nazi-Vergangenheit brechen wollen, nicht von ihr loskommen. Björn Höcke ist so ein Beispiel. Öffentlich ruft der Thüringer AfD-Politiker die Deutschen dazu auf, sich von den Schatten des „Dritten Reiches“ zu befreien, und nimmt selbst nicht wahr, dass er ein Gefangener eben dieser Schatten ist.

Schlimmer noch: Im verbissenen Ringen um ein gesäubertes Geschichtsbild steckt er allein schon in der Ausdrucksweise tief im Sumpf des frühen 20. Jahrhunderts.

Höcke redet von „Schande“ und dem „brutal besiegten Volk“ – so, als ob sich die Deutschen im Jahr 1935 befänden und bis heute an irgendwelchen „Schanddiktaten“ litten.

Sie tun es nicht. Schon längst nicht mehr. Bereits vor Jahrzehnten hat ihnen eine Einsicht der Psychoanalyse geholfen: Man kann Dämonen nur bannen, indem man sie anspricht. Die Deutschen haben sie immer wieder angesprochen. Heute sind sie gebannt, gerade weil sich die Mehrheit der Landsleute ihrer Geschichte gestellt hat.

Den Verdränger Höcke quälen sie hingegen bis zu dieser Stunde. Traurig daran ist: Durch eine fast krankhaft zu nennende Fixierung auf die Nazizeit beschädigen er und seinesgleichen die an sich nicht anstößige Idee des Nationalkonservatismus , den sie eigentlich befördern wollen.

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TRUMP  AN  DER  MACHT

Große Männer führen irgendwann große Kriege

 

Die Pax Americana erodiert. Europa wird nicht die Kraft haben, sich militärisch aufzurüsten. So wie Japan auch. Über Trump freuen sich China und Russland. Sie werden die Grenzen ihrer Macht austesten.

Von Ian Buruma

Besteht für Liberale nach einem Jahr der politischen Katastrophen irgendein Grund für Optimismus? Gibt es inmitten politischer Debakel wie dem Brexit, der Wahl Donald Trumps und der europäischen Uneinigkeit einen Anlass zur Zuversicht?

Die Christen glauben, Verzweiflung sei eine Todsünde, und so könnte man doch versuchen, einen Hoffnungsschimmer ausfindig zu machen.

In den Vereinigten Staaten trösten sich viele Liberale mit einem Gedanken: Sie glauben, dass die offensichtlichen Gefahren aufgrund der Herrschaft eines ignoranten, narzisstischen, autoritären Maulhelden, der von Milliardären, Ex-Generälen, Verhökerern bösartiger Falschmeldungen und Politneulingen mit extremen Ansichten unterstützt wird, der Bildung einer starken politischen Opposition Vorschub leisten wird.

Trump, so die Hoffnung, wird alle, die immer noch an die liberale Demokratie glauben – ob links oder rechts der Mitte angesiedelt –, aktiv werden lassen.

In dieser Situation werden Gruppen der Zivilgesellschaft, NGOs, Studenten, Menschenrechtsaktivisten, demokratische Kongressabgeordnete und sogar einige Republikaner alles in ihrer Macht Stehende tun, um gegen Trumps schlimmste Anwandlungen vorzugehen.

Ein seit Langem schlummernder politischer Aktivismus wird sich in Massenprotesten entladen und ein wieder auflebender liberaler Idealismus die Welle des rechten Populismus brechen. Nun ja, vielleicht.

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VEGANER-SUPERMÄRKTE

Veganz muss Läden wegen Insolvenz schließen

 

Mit seinem Wachstumsehrgeiz hat sich das Berliner Start-up übernommen. Vier vegane Supermärkte müssen wohl schließen. Selbst ein Deal mit dem Supermarkt-Giganten Edeka ging teilweise schief.

Von Michael Gassmann

Der Spruch der veganen Supermarktkette Veganz lautet „Wir lieben Leben“. Doch die eigene Existenz konnte die Handelsfirma nicht sichern. Bereits seit Anfang Dezember ist sie pleite, berichtete die „Lebensmittelzeitung“ (LZ). Nach außen ist der am 1. Dezember gestellte Insolvenzantrag nicht sofort aufgefallen, weil eine Planinsolvenz in Eigenregie beantragt wurde. Das Verfahren soll dazu dienen, unter dem Schutzschirm des Insolvenzrechts wieder geordnete Finanzen herzustellen. Mindestens vier der acht Filialen werden wohl aber geschlossen, der Rest neu ausgerichtet.

Die Großhandelsaktivitäten und andere Töchter seien von dem Schritt nicht betroffen, sagte Firmengründer Jan Bredack. Veganz beliefert zahlreiche große Ketten des Lebensmittelhandels, darunter Edeka, Metro, Handelshof sowie die Drogerieketten dm und Rossmann mit veganen Lebensmitteln.

Das Scheitern ist der erste große Rückschlag für die Branche in einem bisher unaufhaltsam scheinenden Boom. Die Veganz-Pleite zeigt jedoch, dass die Firma und ihre Partner die Nachfrage nach Erzeugnissen wie grüne Hanfprotein-Pancakes, Seitan-Braten mit Goji-Rotkohl oder Bio-Ingwer in Zartbitterschokolade in eigens auf die vegane Welt ausgerichteten Läden überschätzt haben. „Verbraucher wollen vegetarische und vegane Produkte tendenziell in den Geschäften kaufen, die sie auch für ihre übrigen Einkäufe aufsuchen“, erkannte das Kölner Handelsforschungsinstitut IFH schon vor Monaten.

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MERKEL  ZU  TRUMPS  KRITIK

"Ich würde das von der Frage der Flüchtlinge deutlich trennen"

 

Nachdem sie vom künftigen US-Präsidenten Trump hart angegangen worden ist, schickt Merkel nun eine Botschaft zurück. Dabei wählt die Kanzlerin klare Worte. Auch für die Europäer hat sie eine Nachricht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die EU-Staaten aufgefordert, sich von der harschen Kritik des designierten US-Präsidenten Donald Trump nicht beirren zu lassen. Auf Äußerungen aus Trumps jüngstem Interview angesprochen, sagte sie: „Also, ich denke, wir Europäer haben unser Schicksal selbst in der Hand.“ Mit wirtschaftlicher Stärke und effizienten Entscheidungsstrukturen könne die EU den Kampf gegen den Terrorismus, die Digitalisierung und andere Probleme bewältigen.

Zu Trumps Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik sagte sie, der Kampf gegen den Terrorismus sei eine große Herausforderung für alle. „Ich würde das von der Frage der Flüchtlinge noch einmal deutlich trennen“, erklärte sie. Viele Syrer seien nicht nur vor dem Bürgerkrieg geflohen, sondern auch vor Terrorismus in ihrem Land.

Auf eine Frage zum künftigen deutsch-amerikanischen Verhältnis sagte Merkel, Trumps Positionen seien inzwischen bekannt. „Meine Positionen sind auch bekannt“, sagte sie. „Ich persönlich warte jetzt erst einmal auf die Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten. Das gehört sich so.“

Trump hatte in einem Interview mit „Bild“ und der „London Times“ gesagt: „Im Grunde genommen ist die Europäische Union ein Mittel zum Zweck für Deutschland.“ Merkels Entscheidung, Flüchtlinge aufzunehmen, bezeichnete er als „katastrophalen Fehler“ – auch mit Blick auf das Terrorrisiko.

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USA,  CHINA,  RUSSLAND

Wer kann die instabil gewordene Welt ordnen?

 

Stabilität in der Weltpolitik gab es immer, wenn entweder Gleichgewicht herrschte oder Hegemonie. Beides fehlt heute. Nicht nur Putin nutzt das aus. Auch China verlangt Tribut von seinen Nachbarn.

Von Michael Stürmer

Stabilität ist, so wie es aussieht zum Jahresbeginn, ein knappes Gut geworden und wird Deutschland nicht bald wieder zuteilwerden. Erfahrungen der Vergangenheit veralten über Nacht und verweigern Richtung und Bestimmung, während die Zukunft sich in Nebel hüllt.

Damit schwinden Planung und Berechenbarkeit, ob zwischen den Staaten oder in ihnen. Der Boden versinkt den Menschen unter den Füßen, jeden Tag ein Stück mehr. Stabilität sei verloren, so beklagt die Kanzlerin die bösen Zeiten: „Plötzlich stellt sich heraus, dass das, was wir für selbstverständlich gehalten haben, so selbstverständlich nicht ist.“

Richtig so – aber was ist beizeiten dagegen getan worden? Gab es denn in fünf Jahren Krieg und Bürgerkrieg im Mittleren Osten nicht mehr als genug Warnungen der Dienste, der Thinktanks, der Behörden, der Auslandskorrespondenten, der Diplomaten und Militärattachés? Keine Unheilsnachrichten vom anderen Ufer des Mittelmeers? Vom muslimischen Flächenbrand, Massenflucht und Völkerwanderungen?

Und wenn der Blutsumpf Syriens und des Iraks vielleicht noch Überraschendes enthielt – wie stand es denn mit Russland und dem Phantomschmerz des verlorenen Imperiums? Gab es keine Erinnerungen an den Kalten Krieg? Keine Revisionswünsche aus dem Kreml in Sachen Krim und Ostukraine? Stattdessen reichlich Unbekümmertheit des Westens im Umgang mit dem taumelnden Riesenreich.

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SCHWERREICHE  PRÄSIDENTEN

Die US-Politik, eine ewige Milliardokratie

 

Donald Trump ist nicht der erste Millionär im Weißen Haus. Schon häufig regierten geschäftssinnige Clans im Weißen Haus. Ein Spaziergang durch die schwerreiche Ahnengalerie der American Royalty.

Von Torsten Krauel

Die amerikanische Revolution von 1776 wurde nicht von verarmten Proletariern organisiert, sondern von Millionären. Zuvor hatten zwar arme Siedler ebenso wie kleine Händler gegen hohe britische Steuern aufbegehrt und die Käufer britischer Waren brutal an den Pranger gestellt. Die treibende Kraft der Revolte aber waren Männer wie George Washington und Thomas Jefferson. Der Plantagenbesitzer Jefferson besaß nach heutiger Kaufkraft 200 Millionen Dollar. Der Befreiungsheld und erste US-Präsident Washington war womöglich sogar der wohlhabendste Amerikaner seiner Generation.

In seinem Testament gab er 1799 ein Vermögen von damals 530.000 Dollar an – hauptsächlich in weit verstreutem Grundbesitz. Ein Team der Universität Chicago hat ihn nach heutigen Maßstäben bewertet. Die reine Kaufkraft seiner Hinterlassenschaft entspräche gegenwärtig einer halben Milliarde Dollar. Gemessen am damaligen Durchschnittseinkommen und am Bruttosozialprodukt der jungen Republik aber hätte der erste Präsident heute sogar 25 Milliarden Dollar besessen – das Fünffache dessen, was Donald Trump sein Eigen nennt.

Wie kam Washington zu solchem Reichtum? Die Revolutionsführer waren demokratische Idealisten, hatten mit den Briten aber auch ein privates Hühnchen zu rupfen. Denn sie hatten viel Geld in Fonds investiert, mit denen sie die indianischen Territorien des heutigen Kentucky und Ohio erschließen wollten. London hatte die Landnahme verboten, weil dort frankreichfreundliche Indianer lebten, also Verbündete des Feindes im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763, dem ersten echten Weltkrieg von Schlesien bis zum Mississippi.

Washington und seine Mitspekulanten hatten auf britischer Seite gegen die Ureinwohner gefochten und sollten die Ländereien als Offizierslohn erhalten. Der britische König fürchtete aber, das Land Grabbing vermögender Amerikaner werde einen neuen Waffengang Frankreichs provozieren und so Großbritannien in die Pleite treiben. Mit der Unabhängigkeitserklärung 1776 bekamen Washington und seine Mitkämpfer die Ländereien. Wie geplant. Die Demokratie gab es dazu.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 15. 01. 2017 zu Ende.

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DRAMATISCHER  APPELL  AUS  BETHLEHEM

"Gibt in 30 Jahren hier keine Christen mehr"

 

Ein düsteres Bild der gegenwärtigen Lage der palästinensischen Christen haben die Bürgermeister des "christlichen Dreiecks" Bethlehem, Beit Dschala und Beit Sahour gezeichnet. Die Auswirkungen des ungelösten israelisch-palästinensischen Konflikts verstärkten die Abwanderung der Christen, warnten sie am Samstagabend in Bethlehem vor einer Internationalen Bischofsgruppe.

Gleichzeitig verzeichne der Bethlehemdistrikt eine starke und überwiegend muslimische Zuwanderung aus Jerusalem und Hebron. Die Begegnung war der Auftakt des 17. Internationalen Bischofstreffens im Heiligen Land.

Angesichts der christlichen Abwanderung und der muslimischen Zuwanderung stelle sich die Frage, wie sich der christliche Charakter Bethlehems erhalten lasse, sagte Bethlehems Bürgermeisterin Vera Baboun. 2017 bezeichnete sie dabei als kritisches Jahr. Insbesondere sei gegenwärtig nicht klar, was vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu erwarten sei. Sollte Trump die Pläne verwirklichen, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, sei dies das Ende des Friedensprozesses, zitierte Baboun Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Pilger und Touristen als Schlüssel für die Zukunft

Als dramatisch beschrieb auch der Bürgermeister von Beit Dschala, Nicola Khames, die Lage. Seit der israelischen Staatsgründung 1948 seien rund zwei Drittel des Landes von Beit Dschala konfisziert worden und zahlreiche Christen abgewandert. Wenn die seit 69 Jahren andauernde Besatzung weiter anhalte, so Khames, "gibt es in 30 Jahren hier keine Christen mehr".

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 14. 01. 2017 zu Ende.

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RISIKO-REPORT

Die Welt steht vor einer Dekade der Extreme

 

Der Risiko-Report des Weltwirtschaftsforums erwartet ein turbulentes Jahrzehnt. Die Regierungen seien dafür schlechter gerüstet denn je. Auch das Mittel, das ihnen bislang half, wirkt inzwischen nicht mehr.

Von Anja Ettel, Holger Zschäpitz

Die Welt ist ein gefährlicher Ort. Und sie wird immer gefährlicher. Dass das nicht allein eine verzerrte subjektive Wahrnehmung der Menschen ist, die durch soziale Medien und die Digitalisierung in Sekundenschnelle über alle Krisen und Konflikte der Welt informiert werden, zeigt der aktuelle Risikoreport des Weltwirtschaftsforums (WEF). Einmal im Jahr listet der Schweizer Thinktank die größten Risiken auf und geht der Frage nach, wie wahrscheinlich diese sind und welche Ereignisse besonders schwere Folgen haben könnten.

Das Ergebnis für dieses Jahr lässt nur einen Schluss zu: Die Welt steht vor einer Dekade der Extreme. Selten zuvor war die Auswahl der Risiken derart vielfältig, komplex und polarisierend wie diesmal. Anders als etwa vor zehn Jahren, als drei der fünf größten globalen Risiken der Wirtschaft zuzurechnen waren – Ölpreisschock, harte Landung Chinas und Börsencrash –, sind diesmal ausnahmslos Ereignisse aufgeführt, die sich der Kontrolle von Regierungen, Notenbanken und Bürgern vollständig entziehen.

Gegen die neuen Gefahren ist die Politik machtlos

Die größte Unsicherheit erwächst aus den Wetterphänomenen der jüngsten Zeit. Hitzewellen, Überflutungen, Schneechaos – es scheint, als wäre auch das Wetter an vielen Orten in der Welt aus den Fugen geraten. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Terrorattacken und Cyberangriffe auf die Gesellschaft zu. Drohende Flüchtlingswellen aus den Armenhäusern der Welt gen Europa und Amerika sorgen für zusätzlichen Stress.

Der Politik sind bei der Abwehr solcher Risiken weitgehend die Hände gebunden. Schwaches Wachstum und soziale Ungleichheit schränken die Handlungsmöglichkeiten der nationalen Entscheidungsträger ein, eine umfassende Lösung zu finden. Denn die von den WEF-Experten genannten Probleme reichen über Ländergrenzen hinweg.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 13. 01. 2017 zu Ende.

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ERNÄHRUNG

Die Lactose-Paranoia der Generation Y

 

Die Deutschen wollen gesünder essen. Deshalb verzichten sie immer öfter auf Lebensmittel, die Lactose, Fructose oder Gluten enthalten. Doch diese Entscheidung fußt nur selten auf Fakten.

Von Max Zimmermann

Bio, Paleo, vegan. Ein Ernährungstrend folgt in Deutschland auf den nächsten. Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, übt sich inzwischen vor allem im Verzicht und kauft Lebensmittel ohne Lactose, Fruchtzucker (Fructose) oder Gluten. Denn für die Verbraucher wird immer wichtiger, was sie eigentlich essen. 45 Prozent sagen mittlerweile, dass ihr Essen vor allem gesund sein muss, für 41 Prozent muss es vor allem schmecken.

Das geht aus der neuen Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, die die Versicherung zusammen mit der Verbraucherorganisation Foodwatch vorgestellt hat. Bei einer ähnlichen Untersuchung vor drei Jahren waren die Genussmenschen noch in der Überzahl. „Als Krankenkasse freut es uns natürlich, dass sich immer mehr Menschen gesund ernähren möchten“, sagte TK-Chef Jens Baas bei der Vorstellung des Berichts.

Vorbildlich sind dabei die über 60-Jährigen. 55 Prozent von ihnen legen besonderen Wert auf eine gesunde Ernährung. Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es nur 37 Prozent. Die Gruppe der jungen Erwachsenen fällt in der Studie aber durch eine andere Eigenheit auf: Zwölf Prozent der 18- bis 25-Jährigen haben alle Milchprodukte aus dem Kühlschrank verbannt. Sie sind nach eigener Aussage lactoseintolerant. Im Jahr 2013 sagte das nur ein Prozent der Befragten aus der Generation Y – ein immenser Anstieg innerhalb kürzester Zeit.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 11. 01. 2017 zu Ende.

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WAS  WEISS  RUSSLAND  ÜBER  TRUMP ?

"Wenn das wahr ist, sollte er nicht Präsident werden"

 

Russland soll seit Monaten Brisantes aus Donald Trumps Finanz- und Sexleben wissen. Anders als bei seiner Rivalin Clinton drang darüber bislang nichts an die Öffentlichkeit. Dafür könnte es einen Grund geben.

Von Sonja Stössel

US-Medien wittern einen Skandal – genau genommen gleich mehrere. Der künftige US-Präsident Donald Trump soll in den letzten Tagen über ein Papier unterrichtet worden sein, das höchst sensible Informationen aus Russland zu seiner Person enthält. Sowohl Trump als auch der Kreml sprechen von einer Falschmeldung.

Zum einen soll Moskau laut CNN und „New York Times “ über Informationen aus dem Privatleben und den Finanzen des Immobilienmilliardärs verfügen , die Trump als Präsident erpressbar machen könnten. Darüber hinaus soll es im US-Wahlkampf einen fortlaufenden Informationsaustausch zwischen Trumps Team und russischen Vertretern gegeben haben – und womöglich sogar Absprachen zur Wahlkampfstrategie.

Die US-Medien beziehen sich auf einen vertraulichen Bericht, der vor allem auf den Recherchen eines ehemaligen Mitarbeiters des britischen Geheimdienstes MI6 basiert. Der Mann, der heute als privater Ermittler arbeitet und von den Behörden als glaubwürdig eingeschätzt wird, soll bestens in Europa vernetzt sein und in den 90ern mehrere Jahre in Russland im Einsatz gewesen sein. Seine Recherchen seien zunächst von republikanischen Trump-Gegnern und später von den Demokraten beauftragt worden.

US-Informationsdienste hätten die Angaben bislang nicht bestätigen können. Die Erkenntnisse seien aber derart sensibel, dass trotzdem höchste Kreise darüber unterrichtet wurden. Neben Präsident Barack Obama und seinem Nachfolger gehörten dazu die acht Kongressspitzen. Die US-Bundespolizei FBI untersuche nun, ob die von dem Ex-Agenten gelieferten Informationen über Trump zuverlässig und korrekt sind.

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RELIGIÖSE  VERFOLGUNG

Auch Buddhisten und Hindus bedrohen Christen

 

Christen sind laut dem evangelikalen Hilfswerk Open Doors weltweit bedroht wie nie. Der Islamismus bleibt die größte Gefahr. Doch vor allem in Asien nehmen Repressionen durch religiöse Nationalisten zu.

Von Matthias Kamann

Über diese Zahl dürfte wieder gestritten werden: die der weltweit verfolgten Christen. Die hatte das evangelikale Hilfswerk Open Doors in früheren Ausgaben seines jährlich erscheinenden Weltverfolgsindexes mit 100 Millionen angegeben, und das wurde oft kritisiert. Nicht selten mit stichhaltigen Gründen, weil es sich nur um eine Schätzung handelt, die auf zum Teil unscharfen Kriterien beruht und deren Berechnung nicht immer nachvollziehbar ist.

Jetzt ist neuer Streit programmiert. Denn das internationale Hilfswerk hat jene Zahl in der am Mittwoch veröffentlichen Index-Ausgabe für 2016 noch verdoppelt: „Die Zahl der Christen , die einem hohen Maß an Verfolgung ausgesetzt sind, liegt bei über 200 Millionen“, heißt es nun. Detaillierte Daten für die Herleitung dieser Verdoppelung innerhalb nur eines Jahres bei unveränderter Methodik sind dem von Open Doors veröffentlichten Material nicht zu entnehmen.

Indes weisen auch viele Zahlenangaben etwa der Vereinten Nationen (UN) zu beispielsweise Flüchtlingsbewegungen oder Frauendiskriminierung große Unschärfen auf. Und was bedrohte Christen betrifft, so gibt es neben dem Open-Doors-Index keine präzisere Studie dieses Umfangs. Liest man den Index ohne Fixierung auf die Zahl, lassen sich darin immerhin Hinweise auf eine Ausweitung der Christenverfolgung erkennen.

Dies betrifft zumal Asien. Während dort die kommunistische Diktatur in Nordkorea nach wie vor so brutal wie kein anderes Regime der Welt gegen Christen vorgeht und daher abermals auf dem ersten Platz des Indexes steht, verschärft sich auch in anderen asiatischen Ländern die Lage. Ein „religiös motivierter Nationalismus“ nehme dort zu, heißt es in dem Bericht, etwa in Indien.

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IMAM  TAREQ  OUBROU

"Ignoranz der Muslime trägt zum Bruch mit der Gesellschaft bei"

 

Manchen Muslimen dient der Islam als Alibi, um sich zu rächen, glaubt Imam Oubrou. In Frankreich prangert er eine die westliche Welt ignorierende religiöse Elite an. Und dient als Gegenentwurf.

Von Naemi Goldapp

Der Imam Tareq Oubrou gilt in Frankreich als gemäßigte Stimme des Islam. Er versucht aufzuklären, Verständigung voranzutreiben. Der 58-Jährige scheut sich nicht, sich für seine Freitagsgebete Inspiration beim Christentum zu holen. Themen wie Selbstkritik und Reue in die Moschee zu bringen. Gleichzeitig benennt er klar die Probleme mit dem Islam.

Oubrou weiß, wovon er spricht. Er kennt aus eigener Erfahrung viele Auslegungen des Islam. 1959 in Marokko geboren kam er 1979 nach Bordeaux, wurde radikaler Imam, forderte ein Kalifat und beschäftigte sich intensiv mit den Ideen von Hassan el-Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft. Kurz darauf trat er der gemäßigten „Union islamischer Organisationen“ in Frankreich bei. Von außen betrachtet war das der Wendepunkt, weg vom radikalen, hin zum liberalen Islam.

Als liberalere Imam von Bordeaux fand er nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 Gehör. Oubrou forderte Massenproteste. Muslime sollten „in Scharen auf die Straßen gehen und ihre Empörung zeigen.“ Auch auf politischer Ebene erhielt er eine Stimme. Das Innenministerium ließ sich von ihm beraten, in Bordeaux setzt er sich seit Anfang 2016 gemeinsam mit den Behörden für die Deradikalisierung junger Islamisten ein.

„Die Attentäter sind hier aufgewachsen“

Heute tritt Oubrou für einen modernen Islam ein, will ihn an die Laizität des französischen Staates anpassen. Frankreichs Probleme mit Attentätern sind für ihn nicht einfach „auf das islamische Element reduzierbar“. Sie greifen viel weiter. Bis hinein in die Gesellschaft und zu religiösen Eliten ohne Bezug zur westlichen Gesellschaft. „Die Attentäter sind ja nicht vom Mars gekommen. Sie sind hier aufgewachsen“, stellt er in einem Interview mit der „Neuen Züricher Zeitung“ fest.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 10. 01. 2017 zu Ende.

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PI-NEWS

Undercover-Reporter reist mit Rechtspopulisten – und ist schockiert

 

Der Journalist Marco Maurer hat an einer Leserreise des rechtspopulistischen Portals PI-News teilgenommen. Im Glauben, unter sich zu sein, lassen Pegida- und AfD-Anhänger ihre Masken fallen.

Ein Reporter des Magazins „Neon“ erhebt schwere Vorwürfe gegen den AfD-Abgeordneten Jörg Henke, der im Thüringer Landesparlament und im NSU-Untersuchungsausschuss sitzt. Der Journalist Marco Maurer hatte getarnt als nationalgesinnter Germanistik-Student an einer sechstägigen Leserreise des Rechts-Blogs PI-News nach Israel teilgenommen. Dabei soll es zu entlarvenden Aussagen des Politikers gekommen sein.

Maurer konnte sich nach einer Überprüfung seiner angeblichen politischen Gesinnung durch die Organisatoren der Reisegruppe anschließen. Neben dem AfD-Politiker Henke gehörten auch Mitglieder der islamfeindlichen Partei „Die Freiheit“ und weitere AfD-Mitglieder zu der Gruppe. Im persönlichen Gespräch soll Henke dem Autoren offenbart haben, dass er genauso denke wie Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke und sich nur offiziell von dessen Aussagen („völkisch“, „1000 Jahre Deutschland “) distanziere.

Während der Reise besuchten die PI-Leser unter anderem die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, wo einer der Mitreisenden die Zahl der ermordeten Juden infrage gestellt habe . Maurers Identität ist einen Tag vor dem geplanten Reiseende aufgeflogen, weshalb der Journalist die Gruppe vorzeitig verließ.

Maurer beschrieb seine Erfahrungen mit den Lesern in Israel so: „Das ist wirklich das Unglaublichste, was ich bisher erlebt habe. Mindestens ein, zwei würde ich auch gewaltbereit einschätzen.“ Journalisten wurden als Medienhuren bezeichnet, Zuwanderer permanent Invasoren genannt. Es seien Sätze gefallen wie: „Die SS war quasi eine Antiterrororganisation gegen Sozialisten“, die Al-Aksa-Moschee wollte einer der Teilnehmer „wegbomben“.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 10. 01. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

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