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Interviews

VATIKAN

 

Was Papst Franziskus anders machen will als Benedikt

 

Am Sonntag zeichnete Franziskus im Vatikan die Hollywood-Stars Salma Hayek, George Clooney und Richard Gere für ihr soziales Engagement aus. Ganz nebenbei gab er den Gläubigen ein großes Versprechen.

Salma Hayek, George Clooney, Richard Gere – drei Schauspielgrößen verliehen am Sonntag dem Vatikan den Glanz von Hollywood. Papst Franziskus hatte sie geladen, um sie für ihr Engagement für das vom Papst ins Leben gerufene Schulprojekt Scholas Occurrentes auszuzeichnen. George Clooney war mit seiner Frau Amal gekommen.

Scholas Occurrentes arbeitet weltweit an 400.000 Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Ziel ist es, mit besonderen Projekten aus Technik und Kultur Kinder mit unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen zusammenzubringen. Hayek, Clooney und Gere sind Botschafter einer Kunstinitiative des Projekts. Franziskus hatte bereits als Kardinal Jorge Bergoglio in Buenos Aires eine ähnliche Organisation gegründet, die dem multikulturellen Austausch zwischen internationalen Schülern dienen sollte.

Prominente als Botschafter

"Wichtige Werte können durch Berühmtheiten verbreitet werden", sagte die italienische Schauspielerin, Moderatorin und Mitorganisatorin von Scholas Occurrentes, Lorena Bianchetti, bei der Veranstaltung in dem Saal, in dem eigentlich die Synode des Vatikans tagt.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 30. 05. 2016 zu Ende.

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ÖKO-TEST

 

Was wirklich in fleischlosen Produkten enthalten ist

 

Immer mehr Menschen stellen ihre Ernährung um und suchen nach fleischlosen Alternativen. Das Magazin Öko-Test hat 22 Ersatzprodukte getestet und stellt den Herstellern ein beschämendes Zeugnis aus.

Von Mario Lips

Es gibt etliche Gründe, auf Fleisch zu verzichten: Tiere fristen in der Massentierhaltung ein erbärmliches Leben, die Produktion von Fleisch ist wesentlich umweltschädlicher als der Anbau von Getreide und Gemüse. Nicht zuletzt belegen auch zahlreiche Studien, dass ein hoher Fleischkonsum die Entstehung von Krebs- sowie Herz-Kreislauferkrankungen begünstigt. Wer jedoch aus rein gesundheitlichen Gründen auf industriell gefertigte Fleischersatzprodukte umsteigt, könnte sich damit einen Bärendienst erweisen.

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat in seiner Juni-Ausgabe von Sojaschnitzel bis Seitan-Wurst mehrere Produkte untersucht und dabei wenig Gesundes gefunden. 22 Produkte für Vegetarier und Veganer wurden auf ihre Inhaltsstoffe im Labor analysiert. Das niederschmetternde Ergebnis: Von gesunden Nahrungsmitteln kann bei den Produkten nicht die Rede sein.

Nur ein Produkt bekommt ein "Gut"

Lediglich ein Produkt stuften die Tester nach Auswertung aller Kriterien als "gut" ein. Überraschenderweise zeigte sich hier das Discounterangebot "Aldi Nord Gut Bio Soja-Schnitzel" als vorbildliches Produkt. Fast die Hälfte der getesteten Fleischalternativen bekam kein gutes Zeugnis: Zwei Produkte erhielten ein "Mangelhaft", acht sogar ein "Ungenügend".

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 29. 05. 2016 zu Ende.

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„2084.  DAS ENDE DER WELT“  -  NUR  EIN  ROMAN?

 

"Der Islam wird unsere Gesellschaft aufsprengen"

 

Droht Europa die Islamisierung? In seinem Roman "2084. Das Ende der Welt" erzählt der Algerier Boualem Sansal von einer muslimischen Glaubensdiktatur. Eine spezielle Warnung hat er für Deutschland.

Von Martina Meister

Sonntagfrüh, neun Uhr. Es regnet in Strömen in Paris. Boualem Sansal, 66, hat trotzdem die Metro genommen. Wir treffen uns in meinem stillen Büro in einem Hinterhof im Marais. "Schön haben Sie's hier", sagt er, dann setzt er sich an den runden Tisch, um eine Welt zu beschreiben, in der es keine Schönheit mehr gibt, nur noch Fanatismus. Seinen Pferdeschwanz, mit dem er wie ein Indianer aussah, hat er abgeschnitten. Gestern war er in Warschau, morgen zieht er schon wieder weiter. Noch nie, erzählt er, sei er wegen eines Buches so lange unterwegs gewesen. Er schaffe es kaum noch nach Hause in Algerien. "2084. Das Ende der Welt" ist der Titel seines jüngsten Romans. Nach dem Vorbild von Orwells "1984" beschreibt Boualem eine Glaubensdiktatur. Es ist der radikale Islam, der die Macht übernommen und alle Erinnerungen an die Zeit davor ausgelöscht hat.

Welt am Sonntag: Monsieur Sansal, Ihr Buch ist sehr düster. Bei Orwell gibt es wenigstens eine Liebesgeschichte.

Boualem Sansal:Ich wollte auch etwas Aufmunterndes. Aber in dieser Welt des Islamismus wäre die Liebe unglaubwürdig gewesen. Orwell mag ein atheistischer Kommunist gewesen sein, sein Vorstellungsvermögen war christlich geprägt. Im Christentum strukturiert die Liebe das Leben.

Welt am Sonntag: Sie strukturiert nicht nur das Leben, sondern auch die Religion selbst.

Sansal: Die Idee der Erlösung durch Liebe ist allgegenwärtig im christlichen Universum. Im islamischen gibt es nur die Mutterliebe, die Liebe zu Gott. In der Liebe verstecken sich die Frauen. Die Frau selbst spielt keine Rolle. Die Liebe ist ja gerade das, was der Islam bekämpft.

Welt am Sonntag: Obwohl Ihr Buch keine vergnügliche Lektüre ist, hat es sich allein in Frankreich über 300.000-mal verkauft. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

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FUSSBALL

 

AfD-Vize Gauland beleidigt Jérôme Boateng

 

Als Fußballspieler würden die Leute Jérôme Boateng gut finden, meint AfD-Vize Alexander Gauland. Als Nachbarn wollten sie den Nationalspieler jedoch nicht haben. DFB-Präsident Grindel ist empört.

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat den deutschen Fußballnationalspieler Jérôme Boateng beleidigt. So werde der in Berlin geborene und aufgewachsene Fußballspieler, der einen ghanaischen Vater und eine deutsche Mutter hat, zwar als Spieler in der deutschen Nationalmannschaft geschätzt, doch das bedeute nicht, dass er nicht als fremd empfunden werde. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.) sagte Gauland: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben".

DFB-Präsident Reinhard Grindel reagierte scharf auf die Äußerung Gaulands. Es sei " einfach geschmacklos", die Popularität Boatengs und der Nationalmannschaft "für politische Parolen zu missbrauchen." Millionen Menschen liebten die Nationalmannschaft, "weil sie so ist, wie sie ist", sagte Grindel der "F.A.S." Boateng sei "ein herausragender Spieler und ein wunderbarer Mensch, der sich übrigens auch gesellschaftlich stark engagiert und für viele Jugendliche ein Vorbild ist".

Pegida hetzte gegen Kinderschokolade

Auch der Manager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff , wandte sich gegen Gaulands Äußerung. "Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir mit solchen Aussagen konfrontiert werden. Sie bedürfen keiner weiteren Kommentierung, die Personen diskreditieren sich von alleine", sagte Bierhoff der "F.A.S.".

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 29. 05. 2016 zu Ende.

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RELIGION

 

Evangelische Kirche für flächendeckenden Islamunterricht

 

Die Evangelische Kirche in Deutschland plädiert für einen Islamunterricht an allen deutschen Schulen. Die Islamverbände sollen den Unterricht in den Schulen dabei selbst verantworten.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, fordert einen "flächendeckenden Islamunterricht" an deutschen Schulen. Das sei die beste Möglichkeit, junge Muslime immun zu machen gegen die Versuchungen von Fundamentalisten, sagte der Münchner Landesbischof der "Heilbronner Stimme".

Junge muslimische Schüler müssten die Möglichkeit erhalten, sich kritisch mit der Tradition ihrer Religion auseinanderzusetzen. "Sie können zugleich Neues über den Islam lernen – und das auf dem Boden des Grundgesetzes", sagte Bedford-Strohm.

Er plädierte dafür, dass die islamischen Verbände wie die christlichen Kirchen den Religionsunterricht an den Schulen selbst verantworten. Dafür wünsche er sich, "dass die Muslime in Deutschland sich so aufstellen, dass es klare Ansprechpartner für den Staat gibt".

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 27. 05. 2016 zu Ende.

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SAUDI-ARABIEN

 

Vater schießt auf Arzt, weil er seine Frau bei der Geburt nackt gesehen hat

 

Er konnte es nicht ertragen, dass ein anderer Mann sei Frau nackt gesehen hat. Obwohl es sich dabei um den Arzt handelte, der seine Frau bei der Geburt betreute, griff ein Vater aus Saudi-Arabien zu drastischen Maßnahmen.

Bei der Geburt seiner Frau soll abgemacht gewesen, dass eine Ärztin diese begleiten würde. Doch dann war doch ein Arzt daran beteiligt, wie die "DailyMail" berichtet. Das passte dem Mann aus Saudi-Arabien so gar nicht. Denn er wollte nicht, dass jemals ein anderer Mann sei Frau nackt sieht.

Unter dem Vorwand sich noch einmal bei dem Arzt für die reibungslose Geburt bedanken zu wollen, traf er sich mit ihm. Doch statt mit netten Worten, kam der Mann bewaffnet und schoss auf den Mediziner.

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 26. 05. 2016 zu Ende.

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FLÜCHTLINGSKRISE

 

Christenhass in Asylheimen - und das Wachpersonal sieht weg

 

Christliche Flüchtlinge erleiden in den Heimen Beschimpfungen und Gewalt durch Islamisten und arabische Sicherheitsdienste. Wie oft, ist aber kaum festzustellen: Berichte sind selten verifizierbar.

Von Politikredakteur

Das Heim sei unter der Kontrolle arabischer Sicherheitsdienste. Muslimische Flüchtlinge seien fein raus und bekämen von den Sicherheitsleuten, die meist Großfamilien angehörten, Wohnungen vermittelt. Alle anderen, besonders Christen, hätten die "Arschkarte gezogen" – so erzählt ein Deutschlehrer von seinen Erfahrungen in zwei Berliner Flüchtlingsheimen.

Als er sich mit einem iranischen Christen unterhalten habe und dessen Hemd so weit geöffnet gewesen sei, dass seine Kreuzkette herausblitzte, "warf ein Mann von der Security einen dermaßen vernichtenden Blick herüber, dass der Christ sofort seine Hemdknöpfe schloss", berichtet der Lehrer.

In einem der Heime hätten die Vorgesetzten versucht, den Islamisten etwas entgegenzusetzen. So seien auf seine Initiative hin durch Vergewaltigung traumatisierte Jesidinnen , die sich vor Sicherheitsmännern mit Salafistenbart und islamistischen Flüchtlingen fürchteten, in psychologische Behandlung und andere Heime übergeben worden.

Christen versteckten ihren Glauben

An seinem anderen Einsatzort geschehe hingegen nichts. "Der Heimleiter hat keinerlei Autorität, die muslimischen Sicherheitsleute beherrschen das Heim." Christen versteckten meist ihren Glauben. Und wenn dieser doch herauskomme und sie diskriminiert würden, meldeten sie dies aus Angst vor weiterer Repression nicht der Heimleitung.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 25. 05. 2016 zu Ende.

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AUFRÜSTUNG

 

Vor dem Atomkrieg bewahrt uns kein Protokoll mehr

 

Ein neuer globaler Rüstungswettlauf ist in Gang gekommen. Dadurch rückt ein nuklearer Schlagabtausch wieder näher. Die Lehren aus dem Kalten Krieg wurden leider vergessen. Das wird lebensgefährlich.

Von

Die schlechte Nachricht – auf den ersten Blick klingt sie wie eine gute. Die Atommächte USA, Russland und China sind dabei, ihr nukleares Arsenal mit Gefechtsköpfen geringeren Formats zu bestücken. Darin allerdings eine Wendung in Richtung "Global Zero" zu sehen – Traumziel nuklearer Abrüstung seit einem guten Jahrzehnt und offen vertreten von den besten strategischen Köpfen – ist nicht nur verfrüht, sondern heißt auch zu verkennen, dass kleinere Formate praktischer, kontrollierbarer und bedrohlicher sind.

Aus der nahezu abstrakten Hypothese des nuklearen Schlagabtauschs im Kalten Krieg und der düsteren Logik der beiderseitigen Eskalation wird Schritt für Schritt in einer teuflischen Logik das Szenario der Selbstvernichtung der irdischen Zivilisation. William J. Perry, US-Verteidigungsminister unter Clinton und einer der Protagonisten für "Global Zero", warnt, die neuen, kleineren und hochpräzisen Waffen, die die Obama-Administration plant, würden das Undenkbare nur denkbarer machen.

Perry: "Man macht sie leichter einsetzbar, auch wenn es keinerlei glaubwürdiges Konzept gibt, die Eskalation zu beherrschen." Was für den amerikanischen militärisch-industriellen Komplex gilt, gilt mit Abstufungen auch für Russland und die Volksrepublik China.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 24. 05. 2016 zu Ende.

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TAUFE  VON  FLÜCHTLINGEN

 

"Alles in unserer alten Religion ist wie eine Lüge"

 

"Luthers Theologie ist besser für mich": Mit ihrer Heimat wollen einige Flüchtlinge aus muslimischen Ländern auch ihre Religion hinter sich lassen. Doch dafür brauchen sie viel Geduld..

"No", sagt Amir auf Englisch mit fester Stimme. Nein, meint der 30 Jahre alte Flüchtling , er habe sich nicht taufen lassen, um dann wegen möglicher Gefahren zu Hause im Iran bessere Chancen zu haben, in Deutschland bleiben zu können. Ganz neu sei ihm der christliche Glaube nicht gewesen. "Ich wollte etwas zu Ende bringen", erzählt er in Darmstadt. Also ließ sich Amir wie einige andere Flüchtlinge in der evangelischen Matthäusgemeinde taufen.

Im Iran habe er nicht als Muslim gelebt, berichtet Amir. "Ich habe Alkohol getrunken." Und auch eine Bibel besessen. Seine Entscheidung für die evangelische Kirche sei klar: "Die Theologie von Martin Luther, die ist besser für mich."

Von den drei Flüchtlingen, die in der Kirchengemeinde von ihrer Zeit im Iran und der Taufe berichten, nennt nur Amir seinen Namen – und auch nur den Vornamen. Die beiden anderen, 25 und 28 Jahre alt, wollen über ihre Identität so gut wie nichts preisgeben. "Sie haben Sorgen um ihre Familien zu Hause", erklärt Pfarrer Sven Engel (41). Deshalb sei auch bei der Taufe darauf verzichtet worden, auf dem Gottesdienstblatt die Namen zu nennen.

"Im Iran gibt es Zwänge, hier nicht"

Die Geschichten, die die Flüchtlinge erzählen, sind ähnlich. An die Regeln des Koran habe sich keiner von ihnen gehalten, erzählen sie. "Alles in unserer alten Religion ist wie eine Lüge", meint der 28-Jährige. Eines habe er gewusst, sagt Amir: "Mein Verhalten hätte mich ins Gefängnis bringen können". In Darmstadt angekommen, hätten sie nach einem kirchlichen Anschluss gefragt und seien in der Matthäusgemeinde gelandet. "In der Religion im Iran gibt es Zwänge, hier nicht", sagt der 25-Jährige.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 24. 05. 2016 zu Ende.

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ERZIEHUNG

 

Wie Eltern ihre Kinder zu Tyrannen machen

 

Eltern versagen in der Erziehung, drücken sich vor Führung und Verantwortung. Das Ergebnis sind "Tyrannenkinder". Denn die Kleinen brauchen keine Kumpel als Eltern, sondern eher das Gegenteil.

Von Redakteurin

Und dann hat es geknallt. Nie wird Susanne Matthis* den Blick ihres Sohnes vergessen, ihre Scham, als er mit roter Wange zur Tür rannte. "Ich komm' nie mehr zurück!", brüllte er, während sie versuchte, ihn einzuholen. Wenn die 49-jährige Zahntechnikerin aus einer norddeutschen Kleinstadt von dem Familienfest vor einem Jahr erzählt, bekommt sie noch immer feuchte Augen.

Oskar, damals elf, hatte sich schon den ganzen Tag danebenbenommen. Erst gab er der Gastgeberin nur widerwillig die Hand, dann spielte er während einer Rede demonstrativ mit dem Smartphone. Immer wieder bat die Mutter ihn freundlich flüsternd, doch wenigstens den Ton abzustellen. Oskar rief stattdessen "ihhh Rosenkohl!", als das Hauptgericht serviert wurde. Da machte sie ihrem Ärger Luft, ihrer Wut auf den Sohn, dessen Launen sie schon lange nicht mehr ertragen konnte. Sie weiß, dass es nicht richtig war, zuzuschlagen. "Ich hätte schon viel früher die Bremse ziehen müssen", sagt sie heute.

Hin- und hergerissen zwischen Betreuen und Überbehüten

Matthis ging es wie vielen anderen Müttern und Vätern, die am Ende ihrer Kräfte sind, die die Nerven verlieren, unverhältnismäßig reagieren. Ihre Kinder kennen keine Grenzen mehr, und sie als Eltern wissen nicht, wie sie den tobenden Nachwuchs wieder einfangen sollen. Familienberatungsstellen können sich vor Anfragen kaum retten. Wer bei Amazon unter dem Stichwort "Erziehung" sucht, bekommt knapp 82.000 Buchvorschläge. Eltern sind hin- und hergerissen zwischen den zahllosen Vorstellungen, wie sie erziehen sollen, unsicher, wie sie die Balance halten zwischen Fördern und Überfordern, zwischen Betreuen und Überbehüten.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 23. 05. 2016 zu Ende.

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ÖSTERREICH

 

Die Wahl könnte Beginn eines politischen Erdrutsches sein

 

Im November wählt Amerika, 2017 Frankreich und Deutschland. Überall steht das Establishment unter Druck. Das Votum im Nachbarland könnte den Anfang eines Durchmarschs von "Populisten" markieren.

Von Sascha Lehnartz

Das österreichische Präsidentenwahldrama belegt: Die Alpenrepublik ist so unversöhnlich gespalten, wie sich die Kandidaten im Wahlkampf präsentierten. Grob die Hälfte der Wähler hat sich für Norbert Hofer entschieden, den Kandidaten der Freiheitlichen Partei.

Die wird landläufig als "rechtspopulistisch" bezeichnet. Ob diese Zuschreibung erhellend ist, darf man in Zweifel ziehen. Denn dann wären jetzt ungefähr 50 Prozent aller Österreicher "Rechtspopulisten" – und die FPÖ eine Volkspartei .

Möglicherweise haben die Hofer-Wähler aber einfach nur den Kandidaten gewählt, den sie überzeugender fanden als Alexander Van der Bellen. Denn dieser vertritt – obwohl ein Grüner – eben jenes politische Establishment, das vielen Österreichern unerträglich fad geworden ist.

Am frühen Sonntagabend gab es Anzeichen, dass erst nach Auszählung der Briefwahlstimmen feststehen könnte, wer als Präsident in die Hofburg einziehen darf. Selbst wenn Van der Bellen am Ende knapp gesiegt haben sollte – Österreich wird nicht einfach mit einem kornblumenblauen Auge davonkommen.

Die Zahlen sind ein Fanal

Denn mindestens die Hälfte der Wähler hat offenkundig das Vertrauen in das seit Jahrzehnten von den Großparteien SPÖ und ÖVP dominierte politische System verloren. Dieses Vertrauen schrittweise zurück zu gewinnen, wird die schwere Aufgabe für den neuen österreichischen Bundeskanzler Christian Kern sein.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 23. 05. 2016 zu Ende.

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RECHTSRUCK  DER  REICHEN

 

Zerreißprobe im Herzen Europas: Diese Gefahr bedroht den Euro

 

Unter der scheinbar ruhigen Oberfläche der Eurozone brodelt es: Ökonomen warnen vor dem Rechtsruck in den reichen Ländern im Herzen der EU. Dort könnten schon bald Regierungen das Sagen haben, die sich nicht länger an die Regeln des Euros halten wollen.

Wem nutzt der Euro eigentlich noch? Die armen Länder der Eurozone ächzen seit Jahren unter der starken Währung. Doch auch in den reichen Ländern wächst inzwischen die Euro-Müdigkeit.

Ökonomen warnen vor dem Rechtsruck der durch Länder wie Frankreich, Österreich und die Niederlande geht: "Vom Kern der Währungsunion gehen mittlerweile größere Gefahren aus als von den Peripherieländern, welche die Währungsunion gar nicht verlassen wollen", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank in der "Welt am Sonntag".  Der Grund: Reiche Länder können ihre Anti-Euro-Drohung deutlich leichter wahr machen, als Krisenstaaten mit hohen Schulden.

Das erste Euro-Land, dass einen Euro-Kritiker an seine Spitze wählen könnte, ist am 22. Mai Österreich. Einer der aussichtsreichsten Kandidaten zur Wahl des Bundespräsidenten ist Norbert Hofer, Mitglied der sehr weit rechts anzuordnenden FPÖ.

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 22. 05. 2016 zu Ende.

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BURKAFRAU  IN  ILMMÜNSTER

 

Wie Salafisten sich gegen den Rechtsstaat solidarisieren

 

Ein Dorf in Angst: Bürger in Ilmmünster im bayerischen Landkreis Pfaffenhofen beobachteten, wie sich über mehrere Tage hinweg "Männer mit Salafistenbärten" deutlich sichtbar vor einem Haus mitten in der Gemeinde aufhielten.

Dort wohnt eine Tschetschenin, die im Ort als "Burkafrau" bekannt ist. Die Frau habe ihre sechs Kinder vernachlässigt, weshalb diese dem Jugendamt in einem nicht öffentlichen Prozess am Amtsgericht Pfaffenhofen übergeben wurden.

Über den Fall, der sich im März zutrug, berichtet nun der "BR" online. Der Bayerische Verfassungsschutz hat demnach bestätigt, dass sich "mehrere Tage lang Salafisten aus Bayern und anderen Bundesländern", von denen manche aus dem dschihadistischen Milieu stammten, in Ilmmünster aufgehalten hatten. Offenbar, um sich mit der Frau zu solidarisieren.

"Schwule Christen, das maximale Feindbild der Salafisten"

Die Nachbarn sprechen von Angstzuständen, fühlten sich von den angereisten Männern überwacht. Die Straße habe sich regelrecht in einem Belagerungszustand befunden. Die Experten vom Verfassungsschutz bewerten die Aktion als Zeichen der Männer, die zeigen wollen, "dass die deutschen Behörden vermeintlich so ungerecht und diskriminierend sind gegenüber Muslimen". Deswegen setze man sich für die Frau ein, "die zwar nicht inhaftiert ist, aber über deren Fall vor einem deutschen Gericht verhandelt wurde", so ein Sprecher gegenüber dem Portal.

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 21. 05. 2016 zu Ende.

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ISLAMISTISCHER  TERROR

 

Wer nutzt wen aus? Attentäter die Religion – oder umgekehrt?

 

Das Dogma, der Islam hätte nichts mit dem islamistischen Terror zu tun, wird künftig kaum noch aufrecht zu erhalten sein, sagt Kriminologe Daniel Zerbin. Ein Anschlag bei uns sei eine Frage der Zeit.

Als am 11. September 2001 islamistische Attentäter die USA mittels gekaperter Passagierflugzeuge angriffen, gelangten die Bilder über die Medien zeitgleich in die ganze Welt. Die Brutalität des Anschlages, aber auch die Bereitschaft der Täter, für ihre Sache in den Tod zu gehen, hinterließen Empörung und Entsetzen.

Als nach wenigen Tagen klar wurde, dass die Spur der Attentäter vom 11. September nach Hamburg führt, war die Fassungslosigkeit in der Hansestadt komplett. Junge Studierende aus Hamburg um den Ägypter Mohamed Atta, der einen deutschen Abschluss als Diplom-Ingenieur an der Technischen Universität in unserer Stadt gemacht hatte, stellten drei der vier Terrorpiloten. Sie lebten mitten unter uns.

Nach mehr als 14 Jahren hat sich die Situation in Bezug auf den islamistischen Terrorismus nicht verbessert: Im Gegenteil! Mit den Selbstmordanschlägen in Brüssel und Paris ist der Terrorismus in das Zentrum von Europa zurückgekehrt. Radikale Kräfte nutzen Sicherheitslücken im System der Europäischen Union aus, um spektakuläre Attentate durchzuführen.

Frage der Zeit, bis auch Deutschland Opfer eines Anschlages wird

Nach Spanien, Großbritannien, Frankreich und Belgien, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch Deutschland Opfer eines breit angelegten Anschlages des so genannten Islamischen Staates oder von al-Qaida sein könnte.

Terroristen wollen mit ihren Aktionen ein Kommunikationssignal senden. Dazu brauchen sie Symbole, die sie angreifen können. Hamburg bietet neben Großstädten wie Berlin, Frankfurt oder München eine solche Symbolik. Hafen, Handel, Kaufmannsgeist, Weltoffenheit, Toleranz: Mit seiner hanseatischen Tradition und Kultur ist unsere Stadt das gelebte Gegenmodell zu einer verschlossenen, monokulturellen Gesellschaft.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 20. 05. 2016 zu Ende.

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SACHSEN

 

Richter und AfD-Mann verbietet NPD-Gegner den Mund

 

Ein Richter am Landgericht Dresden hat einem Wissenschaftler NPD-kritische Äußerungen untersagt. Der Jurist ist Mitglied der AfD – und entschied ohne mündliche Verhandlung. Die Empörung ist groß.

Von Sven Eichstädt, Leipzig

Ein Dresdner Politikwissenschaftler schreibt kritische Worte über die rechtsextreme NPD – und ein Richter, der Mitglied der AfD ist, verbietet ihm die Äußerungen. Ein Fall, der in Sachsen heftige Reaktionen auslöst.

Die Linke-Fraktion im Landtag etwa sieht "alle berechtigten und unberechtigten Vorurteile gegen Teile der Justiz in Sachsen und seiner Landeshauptstadt, die derzeit im Umlauf sind, bestärkt". Auch die Regierungsfraktionen von CDU und SPD kritisieren die Entscheidung scharf; die Sozialdemokraten halten das Urteil des Richters für "absurd und gefährlich" – für einen "Eingriff in die Meinungs-, Presse- und Wissenschaftsfreiheit".

Was genau ist passiert? Steffen Kailitz, habilitierter Politikwissenschaftler am Dresdner Hannah-Arendt-Institut und Sachverständiger im NPD -Verbotsverfahren am Bundesverfassungsgericht , hatte am 21. April in der "Zeit" einen Gastbeitrag veröffentlicht. Darin schrieb er unter anderem: Die NPD lasse "in ihren Programmen keinen Zweifel daran, dass sie die demokratische Grundordnung Deutschlands durch eine völkische Diktatur ersetzen würde. Unmissverständlich plant sie rassistisch motivierte Staatsverbrechen."

Die Partei wolle "acht bis elf Millionen Menschen aus Deutschland vertreiben, darunter mehrere Millionen deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund ", schrieb Kailitz. Erst durch diese Vertreibung aller ethnischen Nichtdeutschen entstehe aus Sicht der NPD die herbeigesehnte "nationale und soziale Volksgemeinschaft".

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 19. 05. 2016 zu Ende.

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DU  BIST,  WAS  DU  ISST

 

Der neue Ernährungswahn der deutschen Oberschicht

 

Fleischreiche Ernährung war früher ein Zeichen von Wohlstand. Heute ist es schick, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Essen ist zu einem wichtigen Teil der eigenen Identität geworden.

Von Ulrike von Leszczynski

Ein Samstagabend im April, Berlin-Neukölln, Karl-Marx-Straße Ecke Hermannplatz: Hunderte Menschen drängen sich auf dem Bürgersteig. Sie wollen essen, in einer der restaurantreichsten Gegenden der Stadt. Sie wollen aber nicht irgendetwas essen. Sie sind gekommen, um veganes Fast Food zu kaufen, im soeben eröffneten "Dandy Diner". Der Laden ist hoffnungslos überfüllt. Die Polizei schreitet ein, sie räumt den Imbiss.

Was Menschen essen, ist längst mehr als eine Frage der Ernährung. Es ist Teil der Persönlichkeitsbildung. Veganer, Vegetarier und Flexitarier haben nicht allein das Wohl der Tiere oder ihren ökologischen Fußabdruck im Blick, sagen Wissenschaftler. In einer Überflussgesellschaft scheint es vielmehr für viele hip zu sein, sich mit wohldosiertem Verzicht abzugrenzen – für die schicke Ich-Performance auf dem Teller.

Wenn es in Deutschland ums Essen ging, kreisten die Diskussionen – bis hin zur Schulspeise – lange wenig genussvoll meist um den Preis. "Bei uns sind Ernährung und Essen eher naturwissenschaftliche Phänomene", erläutert Jana Rückert-John, die an der Hochschule Fulda "Soziologie des Essens" lehrt. "Die Gesellschaft kommt zu kurz."

Der Hype ums tierfreie Essen

Doch 2015 erschienen 119 neue Kochbücher für Veganer. 7,8 Millionen Menschen ernähren sich nach Angaben des Vegetarierbundes heute ohne Fleisch, 900.000 Menschen vegan – also komplett ohne tierische Lebensmittel wie Eier oder Milch. Am 45-Milliarden-Euro-Umsatz der Fleischindustrie habe das allerdings bisher kaum etwas geändert, sagt Forscherin Rückert-John.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 19. 05. 2016 zu Ende.

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SOCIAL  MEDIA  IM  WAHLKAMPF

 

"Es gibt riesige ethische Fragen"

 

Kann Facebook verhindern, dass Donald Trump US-Präsident wird? Internetforscherin Kate Crawford warnt vor der Macht der Netzwerke und Suchmaschinen im Wahlkampf - und vor Manipulationen der Nutzer.

Ein Interview von Fabian Reinbold

Die Wahlkampfberichterstattung ist um ein Thema reicher geworden: die Macht von Facebook. Immer wieder gab es zuletzt Berichte, die mit der Rolle des Konzerns in der politischen Debatte zu tun haben. Die Frage lautet: Könnte das größte und mächtigste Netzwerk beeinflussen, wer US-Präsident wird?

Vergangene Woche wurden Vorwürfe geäußert, wonach Facebook-Mitarbeiter konservative Artikel und Meinungen unterdrückt haben sollen. Nun ist es wie so oft mit Facebook: Es gibt Kritik, der Konzern dementiert und man weiß nicht genau, woran man ist. Zuletzt sollen Mitarbeiter - laut Berichten, die Facebook nicht bestätigt hat - Firmenchef Mark Zuckerberg gar gefragt haben, welche Verantwortung das Netzwerk habe, einen US-Präsidenten namens Trump zu verhindern.

Kate Crawford forscht seit Jahren zu Manipulationen bei Suchmaschinen und Netzwerken. Im Interview warnt sie vor der Macht, die Facebook und andere im Wahlkampf haben. Crawford spricht über die Horrorszenarien bei "House of Cards" und fordert engere Regeln für Internetgiganten - sie selbst forscht derzeit beim Thinktank von Microsoft.

SPIEGEL ONLINE: Frau Crawford, wie oft setzt uns Facebook etwas Manipuliertes vor?

Crawford: Jedes Mal, wenn wir uns bei einem sozialen Netzwerk oder bei einer Suchmaschine einloggen, kann es passieren, dass wir ohne unser Wissen Teilnehmer von bis zu hundert Experimenten sind. Viele davon sind kleine A/B-Tests, bei denen einer Gruppe etwa unterschiedliche Logos gezeigt werden. Aber es gibt auch größere, problematische Manipulationen.

SPIEGEL ONLINE: Besonders berüchtigt war Facebooks großes Psychoexperiment, in dem die Newsfeeds Hunderttausender Nutzer ohne deren Wissen manipuliert wurden.

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL Online vom 19. 05. 2016 zu Ende.

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AfD-PROGRAMM

 

Ein Verbot des Schächtens wäre antisemitisch

 

Die AfD spricht sich in ihrem Programm gegen das Schächten aus. Aber der Brauch der Muslime und Juden gehört zum Recht auf Religionsfreiheit. Was will die Rechtspartei wirklich? Eine Geschichtsstunde.

Von Erik Lindner

Die AfD will das Schächten und den Bau von Minaretten verbieten! Allein diese beiden Punkte des am 1. Mai in Stuttgart verabschiedeten Grundsatzprogramms sorgen für Aufsehen. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, kritisiert: Die "gegen den Islam gerichteten Passagen" zeugten von "Intoleranz und Respektlosigkeit der Partei vor religiösen Minderheiten in Deutschland". In der Ablehnung des Schächtens sieht er einen nicht hinnehmbaren Angriff auf das Judentum in Deutschland.

Schächten ist eine blutige Angelegenheit . Dabei werden die Gefäße im Hals des Rindes, Schafs oder Geflügels mit einem Messer durchtrennt. Das Tier verliert sein Bewusstsein und blutet aus. Diese archaische Praxis besitzt für Juden und Moslems in rituell-religiöser Hinsicht eine hohe Bedeutung: Nur das Fleisch ausgebluteter Tiere ist für den Verzehr geeignet. Das betäubungslose Schlachten war früher weitverbreitet. Noch im 19. Jahrhundert war es wegen fehlender Betäubungsmethoden in Deutschland gängig, wurde also nicht nur von Juden oder Moslems ausgeübt.

Heute ist betäubungsloses Schlachten warmblütiger Tiere aufgrund des Tierschutzes in ganz Europa verboten. Allerdings gelten für Juden und Moslems mit Rücksicht auf religiöse Bestimmungen begründete Ausnahmen: Schächten ist erlaubt, wenn es ausgebildete Kräfte in Schlachthöfen, mitunter bei tierärztlicher Aufsicht, durchführen. Auch das bundesdeutsche Tierschutzgesetz benennt die Betäubungspflicht bei der Schlachtung, befreit aber Juden und Moslems von diesem Zwang.

Die ewigen Fremdlinge aus dem Osten

Der Entwurf des Grundsatzprogramms der AfD enthielt die Forderung, Schächten nur mit vorheriger Elektrokurzzeitbetäubung zu praktizieren. Auf dem Parteitag fand das keine Mehrheit. Stattdessen wurde das völlige Schächtverbot ins Programm geschrieben . Es wäre in der EU einmalig. Die AfD strebt Verbesserungen im Tierschutz an und möchte gegen Auswüchse der Massentierhaltung vorgehen. Das bleibt abstrakt. Konkret wird allein Schächten ohne Betäubung als "qualvoll" thematisiert, das Juden und Moslems ausüben. Im Parteiprogramm ist es zwar der Landwirtschaft zugeordnet, aber unschwer erkennbar passt das Schächten zur islamkritischen Polemik der AfD. Ihr gelten die Moslems als nicht integrierbar; ihre Religion wird als fremd und nicht aufklärbar betrachtet. Hier fällt bezüglich des Schächtens eine erschreckende Analogie zum Antisemitismus des 19. Jahrhunderts auf.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 18. 05. 2016 zu Ende.

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BUCHTIPP

 

Gott ohne Volk?

 

Der Exodus der Gläubigen erreicht von Jahr zu Jahr neue Rekordmarken. Nach Umfragen von Forschungsinstituten tragen sich mindestens zwanzig Prozent der Gläubigen mit dem Gedanken an einen Austritt. Andere sprechen gar von fünfzig Prozent – zwanzig Millionen Menschen.

Für Peter Seewald und dem jüngsten Bischof Deutschlands, Stefan Oster ist klar: „Zweifellos geht eine Welt ohne Gott schneller auf die Katastrophe zu, die in den Evangelien geschildert ist.  Und in dem Maß umgekehrt, in dem sie anfängt, den Gott des Evangeliums hineinzulassen, in dem Maß erneuert sich Zivilisation.“  

Der Passauer Bischof Stefan Oster und Peter Seewald gehen in ihren Gesprächen den Gründen dieser Entwicklung nach. Sie fragen nach dem Zusammenhang zwischen der Krise der Kirche und der Krise der Gesellschaft, sie fragen, wie und wann es angefangen hat, dass sich der Glaube in Luft aufzulöste. Ist da eine Kirche der Langeweile entstanden, die niemanden mehr anspricht? Manifestiert sich in dieser Entwicklung die Macht und Ohnmacht eines Riesen, dessen Kassen sich füllen, aber dessen Häuser sich leeren?

Bischof Stefan Oster benennt die Ursachen dieser Entwicklung und fordert eine Erneuerung der Kirche – unbequem, provozierend und hartnäckig. Kapitulieren ist für ihn keine Option. Denn ohne die Wiederentdeckung christlicher Spiritualität, so Bischof Stefan Oster, verlieren wir nicht nur den Zugang zu den Grunderfahrungen der Menschheit. Eine Gesellschaft ohne Glauben verliert auch den Zugang zu verantwortlichem Handeln.

9783426301036

Bischof Stefan Oster, Peter Seewald : Gott ohne Volk? - Die Kirche und die Krise des Glaubens, Droemer TB, 240 S., 14,99 Euro,ISBN: 978-3-426-30103-6

IDENTITÄRE  BEWEGUNG

 

Das lächelnde Gesicht der Neuen Rechten

 

Wer Martin Sellner an einem sonnigen Tag in Wien begegnet, könnte meinen, der Mann modele für den H&M-Werbekatalog. An den Seiten trägt er die dunklen Haare kurz rasiert, oben länger. Lässige Sonnenbrille. Breites Lächeln, sportliche Statur.

Von Benjamin Reuter , The Huffington Post

Sellner ist 27 und Student. Und er ist das Gesicht und der Anführer der Identitären Bewegung in Österreich. Die IB, wie Sellner die Organisation kurz nennt, ist die wohl derzeit erfolgreichste rechte Jugendbewegung Europas. Und manche Experten meinen, dass es auch die gefährlichste ist.

Sellner nennt die Identitären ein “patriotisches Greenpeace”

Das verwundert auf den ersten Blick. Denn Sellner ist eloquent, er grenzt sich in Interviews deutlich von Rechtsextremisten ab und nennt die Identitären ein "patriotisches Greenpeace". Auch die Widerstandskämpfer der Weißen Rose sieht er als Vorbild. Da passt es durchaus, dass die Identitären Protestformen von Umweltschützern und der Linken der 1960er-Jahre übernommen haben.

Die Ziele der Identitären könnten aber von denen ihrer Vorbilder nicht weiter entfernt sein. Sie wollen eine Gesellschaft ohne Einwanderer, vor allem ohne Muslime. Niemand soll mehr nach Europa kommen - die meisten Einwanderer und Flüchtlinge, die schon da sind, sollen wieder gehen.

Sellner sieht die IB als Avantgarde. “In unserer Haltung kommt das Grundgefühl einer ganzen Generation zum Ausdruck, ja einer ganzen Zeit”, glaubt er.

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REKORD-TEMPERATUREN  IM  APRIL

 

Die Welt ist so warm wie nie

 

Die Nasa meldet einen neuen, weltweiten Temperaturrekord: Der April 2016 war der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Eine alarmierende Entwicklung - die manche Regionen besonders hart trifft.


Von Christoph Seidler

Es hat sich eine bedrückende Regelmäßigkeit entwickelt: In der Mitte jedes Monats gibt das Goddard Institute for Space Studies der US-Weltraumbehörde Nasa in New York die neuen Daten zur Entwicklung der weltweiten Temperatur heraus. Es ist einer von mehreren globalen Datensätzen, die aber alle - grob gesprochen - ungefähr dasselbe besagen. Jeweils für den Vormonat weiß man dann, wie dieser im Vergleich zu den Wetterdaten früherer Jahre dasteht. Und zuletzt waren immer Negativrekorde zu verzeichnen. Die Welt war, nein ist, so warm wie nie.

Das Wort "nie" muss man in diesem Zusammenhang natürlich präzisieren: Die globalen Datensätze gehen bis ins Jahr 1880 zurück. Dafür werden aktuell die gesammelten Messwerte von 6300 Wetterstationen, Wissenschaftsschiffen, Ozeanbojen und antarktischen Forschungsstationen zusammengefasst und statistisch bearbeitet. Die Analyse belegt: Der April 2016 war so heiß wie kein April zuvor seit Beginn dieser Statistik. Genau so war es schon im März, im Februar, im Januar, im Dezember 2015 - und so weiter.

Global gesehen lag der April 1,11 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1951 bis 1980. Zum Vergleich: Der bisherige Rekord-April, er war im Jahr 2010, hatte das langjährige Mittel um gerade einmal 0,24 Grad übertroffen. Doch zuletzt lagen die Temperaturen jeweils massiv über den Mittelwerten. Jeder Monat seit Oktober vergangenen Jahres hatte mit mindestens einem Grad über dem bisherigen Rekord zu Buche geschlagen.

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OSTBLOCK

 

Die wahren Ursachen für den Untergang der Sowjetunion

 

War die Perestroika Gorbatschows der eigentliche Sargnagel der Sowjetunion? Was waren die wirklichen Gründe für den Zerfall des kommunistischen Ostblocks? Historiker Stefan Karner macht es deutlich.


Von Leitender Redakteur Zeit- und Kulturgeschichte

Schlechte wirtschaftliche Kenndaten kann man sich schönreden. Oder ideologisch umdeuten. Oder gleich ganz ignorieren. Ändern kann keine dieser Strategien etwas: Am Ende bricht eine Wirtschaft zusammen, deren Produktivität sinkt, deren Ausgaben stark wachsen, während ihre Einnahmen sinken. Es gibt nur eine Methode, diesen vorgezeichneten Weg aufzuhalten: Krieg. Doch dessen Folgen sind immer noch viel schlimmer.

Genau das war das Dilemma der sowjetischen Staatswirtschaft in den 1980er-Jahren, wie der Historiker und Osteuropaspezialist Stefan Karner in einem erhellenden Aufsatz in dem Sammelband "Der Zerfall des Sowjetimperiums und Deutschlands Wiedervereinigung" ausführt. Karner, im Hauptberuf Direktor des rührigen Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung in Graz, geht einer im heutigen Russland wie auch in der deutschen Linkspartei gern diskutierten Frage nach: Hätte die Sowjetunion ohne die Reformen von Michail Gorbatschow überleben können? War die Perestroika der eigentliche Sargnagel des kommunistischen Ostblocks?

Diese Frage ist nicht so abseitig, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn für die heutige Politik von Wladimir Putin, die nahtlos an den sowjetischen Imperialismus unter Stalin, Chruschtschow und Breschnew anschließt, hat die Bewertung der Reformen Gorbatschows höchste Relevanz.

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KATHOLISCHE  KIRCHE

 

Kardinal Lehmann lehnt Dialog mit AfD wegen "Gerüchlein" ab

 

"Nationalistisches Gerüchlein": Kardinal Lehmann sieht keine Basis für Gespräche mit der AfD. Eine Zurückweisung sei aber kein Heilmittel. Im Interview nennt er Versäumnisse, von denen die AfD profitiere.


Der scheidende Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, sieht derzeit keine Grundlage für einen Dialog zwischen der katholischen Kirche und der AfD. Das "nationalistische Gerüchlein" der rechtspopulistischen Partei sei ihm zu groß, sagte der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem Interview mit dem Deutschlandfunk .

"Da würde ich also im jetzigen Stadium nicht mitmachen, obwohl es mich beunruhigt, dass zwölf Prozent der Wähler da sind, natürlich." Auf Dauer sei die Zurückweisung der AfD aber womöglich "kein Heilmittel" , fügte Lehmann hinzu. "Es gibt gewisse Versäumnisse, wovon die profitieren."

So sei die "Verwurzelung der Leute in ihrer heimatlichen Kultur" aus dem Blick geraten. Den Begriff des "christlichen Abendlandes", dessen Verteidigung sich die AfD auf die Fahnen geschrieben hat, versucht der Bischof zu vermeiden. "Ich rede da lieber von Europa zum Beispiel."

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DEUTSCHES  REICH : GESCHICHTE

 

Wie Kaiser Karl IV. bei der Pest die Juden verriet

 

Ein Frömmler, zugleich aber auch ein kluger Pragmatiker: Karl IV. wies im 14. Jahrhundert dem römisch-deutschen Kaisertum neue Wege. Als größter Feind erwies sich eine mörderische Seuche.


Von Florian Stark

So etwas hatten die Großen des Reiches noch nie in der Weihnachtsmesse gesehen. Karl IV., König von Böhmen und seit 1346 auch gewählter römischer König, zog zum Fest von Christi Geburt anno 1347 das Schwert, hielt es hoch über sich und las laut die biblische Geschichte von der Geburt Jesu: "Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging ..." Deutlicher hatte kein mittelalterlicher Herrscher vor ihm "das römische Kaisertum als Voraussetzung für die Fleischwerdung des Herrn und für die Entstehung der Kirche" herausgestellt, deutet der Heidelberger Mediävist Bernd Schneidmüller die Szene.

Karl IV. (1316-1378), der 1355 auch die Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erwarb, steht an einer Zeitenwende. Obwohl seine lange Regierungszeit von 31 Jahren noch ganz dem Mittelalter zugerechnet wird, hatte sich bei seinem Tod vieles grundlegend verändert. Der Kaiser hatte sich von einer Universalmacht, die über Jahrhunderte mit dem Papst um den Primat im Okzident gerungen hatte, zu einem Titel gewandelt, der eine eigene regional umgrenzte Herrschaft umfasste. Das Heilige Römische Reich hatte mit der Goldenen Bulle ein Grundgesetz erhalten, das bis zu seinem Ende 1806 Geltung besaß. Und mit der Pest war ein Unglück über Europa gekommen, das seine sozialen, politischen und intellektuellen Bahnen völlig neu ausrichtete.

Wenn anlässlich des 700. Jubiläums von Karls Geburtstag am 14. Mai 1316 zahlreiche Ausstellungen und andere Veranstaltungen den Kaiser feiern, geht es nicht nur um einen erfolgreichen Politiker, sondern auch um diesen weltgeschichtlichen Umbruch, der auch in Mitteleuropa tiefe Spuren hinterlassen hat. In seiner Geburtsstadt Prag wird die erste tschechisch-bayerische Landesausstellung "Karl IV. 1316-1378" eröffnet, ab Oktober ist sie im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen. Auf der kaiserlichen Burg Karlstein bei Prag werden die Reliquien des "Karlstein-Schatzes" gezeigt. Und mit einem großen Fest feiert ganz Tschechien den Mann, der als größter Sohn des Landes überhaupt gilt.

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DIE  SEHNSUCHT  NACH  DER  POSTMODERNEN  ORDNUNG

 

Deutschlands religiöse Obsession

 

Angst vor dem Islam? Sehnsucht nach alten Werten? Die gesellschaftliche Debatte ist neuerdings geprägt von religiösen Motiven. Damit hat sich in Deutschland etwas Grundlegendes geändert.


Von Christian Schneider

"Allahu-Akbar! Ungläubiger, du musst jetzt sterben." Jetzt, so war wohl die erste Reaktion vieler auf das Messerattentat von Grafing, ist es also soweit: Der islamistische Terror, der seine blutige Spur durch Europa zieht, ist bei uns angekommen.

Die Rufe des Attentäters sind indes kaum als Bekenntnis zum Islam oder Islamismus zu werten, sondern der perverse Ausdruck einer religiösen Obsession, die viele Deutsche ergriffen hat. Es war schon immer ein starkes Motiv, seinen Privatwahn religiös zu verbrämen und davon inspirierte Taten zur gottbefohlenen Glaubenshandlung zu stilisieren.

Tatsächlich sind die Übergänge zwischen Wahn und extremer Religionsausübung fließend. Was immer die Tatmotive des Verwirrten sein mögen, er hat die Wirkung seines mörderischen Auftritts - und damit sich selbst - dadurch vergrößert, dass er das gesteigerte Angstpotenzial aufgriff, das sich im Land ausgebreitet hat. Ein Potenzial, das erstmals seit 300 Jahren religiös konnotiert ist.

Angesichts der aktuellen Diskussion über die Rolle des Islam in Deutschland, die im Schatten der medial dauerpräsenten Gräueltaten von IS und Boko Haram stattfindet und propagandistisch mit der verstärkten Einwanderung aus islamischen Ländern verknüpft wird, verändern sich die Angstinhalte. Und nicht nur sie. "Religion", sagte der Philosoph und Psychologe William James vor mehr als 100 Jahren, "ist die Gesamtreaktion eines Menschen auf das Leben." Also nicht in erster Linie eine Sache des Verstandes, sondern des Gefühls, der durch Ängste, Hoffnungen und Leidenschaften geprägten Persönlichkeit jedes Einzelnen.

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SO  VERPRÜGELT  MAN  SEINE  FRAU  RICHTIG

 

Saudischer Familientherapeut gibt Muslimen verstörende Tipps für die Ehe

 

Es ist ein Video, das in den USA und Großbritannien traurige Berühmtheit erlangt hat. Das konservative Washingtoner Middle East Media Research Institute (MEMRI) hat den saudischen Beitrag mit englischen Untertiteln versehen und Ende Februar auf seiner Seite veröffentlicht.


Von Dr. Gunda Windmüller, The Huffington Post

Es zeigt einen saudi-arabischen Familientherapeuten. Der Mann sitzt in einem Wald und begrüßt die Zuschauer zu seiner Show. Thema des Tages: Wie man seine Ehefrau schlägt. Mittlerweile haben unter anderem die TV-Sender "CNN", die "Daily Mail" und der britische "Independent" über das Video berichtet.

Tipps und Tricks für Gewalt in der Ehe

Khaled Al-Sagaby, der Therapeut, stellt darin vorweg klar: Beim Prügeln von Frauen gehe es nicht darum, "seinen Ärger loszuwerden", sondern die Frau zu "disziplinieren".

Außerdem müssten die notwendigen islamischen Regeln dazu eingehalten werden. Er weist darauf hin, dass das Schlagen nicht mit einem scharfen Gegenstand erfolgen solle, sondern zum Beispiel mit einem Zweig, wie er in arabischen Gegenden zum Zähne Reinigen verwendet werde.

Dazu erläutert Al-Sagaby: "Denn es geht ja nur darum, der Frau klar zu machen, dass sie ihren Ehemann falsch behandelt hat." Zuvorderst sollte ein Ehemann die Frau allerdings an "ihre Rechte und Pflichten nach Allah erinnern."

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FRAUEN  ALS  DIAKONE?

 

Vier Gründe, warum der Papst-Plan sensationell ist

 

Papst Franziskus will die Zulassung von Frauen zum Amt des Ständigen Diakons prüfen. Das mag zunächst noch vage klingen. Aber es gibt gute Gründe, den Vorstoß schon jetzt für eine Sensation zu halten.

Von , Stellv. Ressortleiter Feuilleton

Als der Argentinier Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt wurde, hat einer der Kardinäle aus dem Konklave noch am Abend den wartenden Journalisten prophezeit: "Der ist für Überraschungen gut." Wie sehr er damit Recht behalten sollte, hat sich soeben ein weiteres Mal bestätigt.

Aus heiterem Himmel hat der Vatikan am Donnerstag bekannt gegeben, Papst Franziskus wolle die Zulassung von Frauen zum Amt des Ständigen Diakons prüfen . Der Vatikan wird eine Kommission mit Kirchenhistorikern einsetzen, um grundlegend zu untersuchen, welche Rolle Frauen in der Vergangenheit der Kirche gespielt haben. Daraus könnten sich dann Reformmöglichkeiten für die Zukunft ergeben, hieß es. Das mag zunächst noch vage klingen. Aber nach katholischen Maßstäben ist diese Nachricht schon jetzt eine Sensation – aus vier Gründen.

1. Die Teilhabe von Frauen in der katholischen Kirche ist immer noch marginal. Es gibt bis heute Gemeinden, in denen der Pfarrer nicht einmal Mädchen als Messdiener am Alter sehen will. Spitzenämter sind grundsätzlich Klerikern, also Männern vorbehalten. Papst Franziskus erwägt schon länger den Eindruck, die Position der Frauen in der Kirche grundlegend stärken zu wollen. In seinem Lehrschreiben "Evangelii Gaudium" schrieb er: "Tatsächlich ist eine Frau, Maria, bedeutender als die Bischöfe." Der Papst hat einige Posten in der Kurie, die mit Laien besetzt werden konnte, bereits an Frauen vergeben. Offenbar erwägt er nun einen weiteren Schritt.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 12. 05. 2016 zu Ende.

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BUCHTIPP

 

Von der Kunst loszulassen

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Verzeihen heißt dem Wort nach: Verzicht auf Vergeltung. Wer verzeiht, bezichtigt nicht länger andere für das eigene Leid, sinnt nicht auf Rache oder juristische Genugtuung, sondern lässt es gut sein. Aber wie ist ein derartiges Loslassen möglich, das weder gerecht noch ökonomisch noch logisch ist? Lässt sich das Böse verzeihen? Führt das Verzeihen zu Heilung, gar Versöhnung – oder ereignet es sich jenseits allen Zwecks? Ausgehend von eigenen Erfahrungen ergründet die Philosophin Svenja Flaßpöhler, unter welchen Bedingungen ein Schuldenschnitt im moralischen Sinne gelingen kann. Sie spricht mit Menschen, denen sich angesichts schwerster Schuld die Frage des Verzeihens in aller Dringlichkeit stellt, und sucht nach Antworten in der Philosophie.

: Verzeihen - Vom Umgang mit Schuld, DVA, München, 2016, gebunden, 17,99 Euro, ISBN: 978-3-421-04463-1

KIRCHE  HEUTE

 

111 US-Kleriker outen sich als homosexuell

 

Pastoren und Dekane der methodistischen Kirche, die auch Hillary Clinton und George W. Bush zu ihren Anhängern zählt, haben ein großes Tabu gebrochen. Die Geistlichen outeten sich jetzt – öffentlich.

Mehr als 100 Kleriker der methodistischen Kirche der USA haben sich als Homosexuelle oder Transsexuelle geoutet.

In einem offenen Brief zum Auftakt der Generalversammlung in Portland im US-Bundesstaat Oregon heißt es, die bestehenden Kirchenregeln bedeuteten, "dass wir nicht alle unsere Talente in den Dienst an der Kirche einbringen können und wir unsere sexuelle Orientierung und Geschlechter-Identitäten verstecken müssen".

Die Unterzeichner beschreiben in dem Brief die Schwierigkeiten, die das Verstecken ihrer Sexualität für die Betroffenen, deren Familien und die Gemeinden selbst mit sich bringe. "Sie erhalten nicht die Fülle der Gaben ihrer Pastoren, weil diese einen Teil zurückhalten müssen." Die Kleriker wollen erreichen, dass die 800 Delegierten des alle vier Jahre anberaumten Treffens, den Bann für lesbische, schwule und transsexuelle Pastoren aufheben.

Das "Book of Discipline" verbietet offiziell homosexuelle Praktiken

Ein Sprecher des "Reconciling Ministries Network", das den Brief organisiert hat, erklärte, rund 80 Prozent der Unterzeichner seien zum ersten Mal mit ihrer sexuellen Orientierung an die Öffentlichkeit getreten. Die Methodisten verurteilen in ihrem "Book of Discipline" offiziell homosexuelle Praktiken. Kleriker, die sich zu ihrer Sexualität öffentlich bekennen, können aus dem Amt abberufen werden.

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VISA-DEBATTE

 

Erdogan-Vertrauter droht Europa mit Flüchtlingen

 

Ein Abgeordneter der AKP droht unverhohlen, Flüchtlinge nach Europa "loszuschicken", falls die EU türkischen Staatsbürgern keine Visafreiheit einräumt. Er ist nicht der Einzige, der droht.

Von Türkei-Korrespondent

Im Streit über die Visafreiheit für türkische Staatsbürger verschärft sich der Ton aus Ankara in Richtung EU. "Morgen wird das Europäische Parlament über den Bericht beraten, der türkischen Staatsbürgern den visafreien Weg nach Europa öffnen wird. Wenn das Parlament eine falsche Entscheidung trifft, schicken wir Flüchtlinge los", schrieb am Dienstagabend der AKP-Abgeordnete Burhan Kuzu auf Twitter. Kuzu ist Professor für Verfassungsrecht und gilt als wichtigster Berater von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Im vergangenen Jahr fiel er mit der Behauptung auf, bei den meisten getöteten PKK-Kämpfern handle es sich um "Unbeschnittene" – und verschaffte dem Gerücht, dass die PKK voller christlicher beziehungsweise armenischer Söldner sei, eine quasi amtliche Bestätigung. Kuzus Äußerung ist die offenste Drohung an die EU. Allerdings nicht die einzige Kampfansage. Auch Europaminister Bekir Bozdag erklärte, für die Türkei komme eine Änderung der Antiterrorgesetze nicht infrage.

Streit über Terrorbegriff

Im Gegenzug zu einer Aufhebung der Visafreiheit hatte sich die Türkei dazu verpflichtet, 72 Forderungen der EU zu erfüllen. Dazu gehört die Rücknahme illegal auf die griechischen Inseln gereister Flüchtlinge, aber auch innenpolitische Verpflichtungen wie die praktische Gewährleistung der Pressefreiheit und die Anpassung der Antiterrorgesetze an europäische Normen.

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