header

Interviews

GEOSTRATEGE  ROBERT  D.  KAPLAN

"Acht Jahre Trump wären der Untergang des Abendlands"

 

Robert D. Kaplan ist einer der prominentesten Geostrategen. Er befürchtet, dass Donald Trump die Institutionen der USA permanent beschädigen könnte. Ein Gespräch über politische Kultur, Respekt und Anstand.

Von Andrea Seibel

DIE WELT: Innerhalb weniger Monate ist unter dem neuen amerikanischen Präsidenten vieles erodiert: Die Diplomatie, Höflichkeit, Respekt, die politische Kultur, Vertrauen in Institutionen, die Wahrheit. Oder ist das zu hysterisch gedacht?

Robert D. Kaplan: Die Präsidentschaft Donald Trumps ist einmalig in der amerikanischen Geschichte. Unter ihm hat das Amt seinen Sinn für das Majestätische und den Anstand verloren. Über dem Weißen Haus liegt eine Wolke cäsarenhafter Dekadenz. Die amerikanische Demokratie gedieh und war leuchtendes Vorbild im Zeitalter der Schreibmaschinen und Drucker. Trump zeigt, dass die digitale Ära womöglich dauerhaft die amerikanische Demokratie untergräbt.
Erinnern wir uns: Bis technologische Innovationen zu großen historischen Veränderungen führen, vergeht einige Zeit. Die industrielle Revolution war ein Produkt der Zeit Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts. Aber erst mit dem Weltkrieg 1914 sah man ihre Auswirkungen. Die digitale Revolution begann schon im späten 20. Jahrhundert. Und erst 2016 im November haben wir ihre Auswirkungen auf die Politik erlebt.

DIE WELT: Was heißt das nun? Wie schaut ein strategischer Kopf wie Sie, der seinen Thukydides oder Herodot parat hat und die großen historischen Linien gedanklich nachzuziehen vermag, auf diesen Mann? Wie dechiffrieren Sie sein Gebaren, das sich ja völlig dem traditionellen politischen Diskurs entzieht?

Kaplan: Trump ist ein Post-Gebildeter. Er ist gleich in die Internetwelt gesprungen, wo die Fakten weniger überprüft werden, oft der Kontext fehlt und Charaktermord an der Tagesordnung ist. Der liest keine Bücher. Daher weiß er auch wenig über die Geschichte Amerikas oder kennt die Hintergründe der moralischen und geschichtlichen Verpflichtungen gegenüber den Verbündeten.
Selten waren amerikanische Präsidenten Intellektuelle, aber sie alle haben ernsthaft gelesen. Daher sind auch die Vergleiche zwischen Nixon und Trump nur lachhaft. Nixon war ein intensiver Leser, ganz zu schweigen von seinem tiefgründigen Denken und seiner Selbstdisziplin. Trump kann man eigentlich nicht präzise analysieren, weil nichts, was er sagt, mit absichtsvollem Denken zu tun hat. Er ist ganz Eitelkeit.

DIE WELT: Noch einmal: Kann ein Einzelner ein so gewachsenes und stolzes Land, diesen Klangkörper, innerhalb kurzer Zeit so beschädigen?

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 18. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

WIRTSCHAFT

Die deutsche Elite leidet unter einem Russland-Komplex

 

Warum gibt es hierzulande so viele Russland-Versteher wie Gerhard Schröder? Oft wird zur Rechtfertigung auf Slogans wie „Wandel durch Annäherung“ verwiesen. Putin hat sich aber von uns entfernt.

Von Gerhard Gnauck

Endlich kommt Feuer in den Wahlkampf. Außenpolitik, Energiesicherheit, politische Ethik und gute Sitten: Über jedes dieser drei Themen allein lohnt es sich schon zu streiten. Alle drei kommen zusammen in der Debatte um die Causa Schröder-Putin.

Altkanzler Gerhard Schröder soll, das ist der aktuelle Anlass, in Russland einen neuen Posten bekommen: Er soll – als Kandidat der russischen Regierung – in den Direktorenrat des staatlichen Ölgiganten Rosneft einziehen. Die formelle Wahl soll, Medien zufolge, Ende September stattfinden. Perfektes Timing: gleich nach der Bundestagswahl .

Dieses Gremium ist mehr als ein Aufsichtsrat im deutschen Sinne. Vor allem geht es Rosneft und dem Kreml dabei um Nutzen aus Schröders internationaler Vernetzung, besonders Richtung Deutschland. Das hilft nicht nur Putin, sondern auch Rosneft-Chef Igor Setschin , der wie der Präsident aus den sowjetischen Geheimdiensten kommt und schon vor Jahren als „zweitmächtigster Mann Russlands“ tituliert wurde – vor Regierungschef Dmitri Medwedjew.

Mit welchen Bandagen diese Leute kämpfen, zeigte sich zum Beispiel 2006, als Litauen seine einzige Raffinerie nicht an Rosneft, sondern an den polnischen Konkurrenten Orlen verkaufte. Wenig später war die Ölleitung aus Russland zur Raffinerie trocken. Ein „Leitungsdefekt“, hieß es in Moskau. Zufällig brach in der Raffinerie auch noch ein Großbrand aus.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 17. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

DEBATTE  UM  US-RECHTSEXTREME

Der Teufelspakt der Republikaner

 

Donald Trumps Weigerung, rechtsextreme Gewalt bedingungslos zu verurteilen, stellt seine einst stolze Partei vor eine Gewissensfrage: Wofür steht sie eigentlich noch?

Von Marc Pitzke, New York

Es gab mal eine US-Partei, die hieß Free Soil Party. Sie war klein und existierte nicht lange: 1848 spaltete sie sich von den Demokraten ab, acht Jahre später verschmolz sie mit den ebenfalls noch jungen Republikanern.

Ihr Slogan aber lebte fort: "Freier Boden, freie Rede, freie Arbeit und freie Menschen." Er prägte das Gewissen der Grand Old Party, deren Präsident Abraham Lincoln später zu Felde zog, um Freiheit für alle zu erkämpfen.

Auch 152 Jahre nach dem US-Bürgerkrieg gehen diese Kämpfe um Amerikas Seele weiter, bitterer denn je. Mehr noch: Sie haben die Republikaner nun an einen historischen Scheideweg gebracht - dank des jetzigen Präsidenten.

Donald Trumps Weigerung, rechtsextreme, rassistische und antisemitische Gewalt bedingungslos zu verurteilen, zwingt die Partei, sich mit einer lange brodelnden, doch jetzt vollends aufgerissenen Existenzfrage auseinanderzusetzen: Steht sie noch für die Werte, die sie einst auf der richtigen Seite der Geschichte verankerten?

Wofür die Partei mal stand

"Es geht um Leben und Tod der Republikanischen Partei", sagt Rick Tyler, Ex-Sprecher des Präsidentschaftskandidaten, Trump-Rivalen und Senators Ted Cruz. "Das ist keine Überspitzung. Die Partei muss für etwas stehen."

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL Online vom 17. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des SPIEGEL Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.spiegel.de

US-PRÄSIDENT  ZU  CHARLOTTESVILLE

Trump führt nicht das Land, sondern eine "Bewegung"

 

Der US-Präsident relativiert die rechte Gewalt erneut. Es stimmt: Auch die linken Demonstranten waren brutal. Aber sie begingen keinen Mord. Trumps Verhalten ist Strategie – aber sie wird scheitern.

Von Ansgar Graw

Donald Trump hat in einem Detail recht – und könnte doch nicht falscher liegen mit seinen Äußerungen zum Aufmarsch weißer Rassisten in Charlottesville, die gegen die Demontage eines Denkmals des Konföderierten-Generals Robert E. Lee protestieren wollten.

Ja, auch vonseiten der hauptsächlich linken Gegendemonstranten gab es handgreifliche Gewalt, etliche führten Knüppel und Schlagwerkzeuge mit sich, und einige der White Supremacists fanden nach dem Ende der Veranstaltung die Reifen ihrer Autos aufgeschlitzt. Aber derartige Akte verblassen durch die brutale Wucht der Terrortat, die einer der Rechtsextremisten beging, als er seinen Dodge Challenger in die Menschenmenge jagte, die Bürgerrechtsaktivistin Heather D. Heyer tötete und 20 Personen verletzte.

Vor diesem faktischen Hintergrund hat der amerikanische Präsident gänzlich versagt mit seiner erneuten Relativierung, die Zusammenstöße seien von zwei Gruppen ausgeführt worden, von denen „eine böse“ und die „andere Seite auch sehr gewalttätig“ war. Dabei räumt selbst Trump ein, dass Heyer „ermordet wurde“.

Ideologie hat bei ihm keine Hautfarbe

Warum kehrte der Präsident, dem der Druck auch aus der eigenen Partei zwischendurch eine klare Distanzierung von Ku-Klux-Klan und Neonazis abgerungen hatte, letztlich zu seiner Formel der „Schuld auf beiden Seiten“ zurück? Die populäre Erklärung, Trump stimme mit den Rechtsradikalen und Rassisten insgeheim überein, ist falsch. Trump ist ein America-first-Nationalist, aber diese Ideologie hat bei ihm keine Hautfarbe.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 16. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

REAKTIONEN  AUF  DONALD  TRUMP

"Keiner kann mehr behaupten, nicht zu wissen, was er ist"

 

Donald Trump spricht auf einer Pressekonferenz zum Anschlag von Charlottesville – und provoziert damit die Kritik von Prominenten. „Harry Potter“-Autorin J. K. Rowling kann seinen Äußerungen sogar etwas Gutes abgewinnen.

Die Bemerkungen von US-Präsident Donald Trump zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen in Charlottesville („Haben die Linken keine Schuld?“) haben Kritik von Filmregisseur Michael Moore, Schriftstellerin J. K. Rowling und US-Basketball-Star LeBron James ausgelöst.

Nach einer Broadway-Aufführung in New York führte Moore eine Gruppe von Menschen zum Trump Tower, wie in einem Live-Video bei Facebook am Dienstagabend (Ortszeit) zu sehen war. Schauspieler Mark Ruffalo empfing die Gruppe dort, gemeinsam sangen sie: „Hey, hey, ho, ho, Donald Trump has to go.“ („… Donald Trump muss gehen.“)

Die „Harry Potter“-Autorin J. K. Rowling, die sich seit Monaten in den sozialen Netzwerken an Trump abarbeitet, betonte den entlarvenden Aspekt seiner Rede. Die 52-Jährige twitterte: „Ein Gutes hat diese Abscheulichkeit von einer Rede: Jetzt können die Trump-Anhänger nicht mehr behaupten, dass sie nicht wüssten, was er ist.“

NBA-Superstar LeBron James nannte Trump auf einer Bühne vor Studenten und Eltern abfällig den „sogenannten Präsidenten der Vereinigten Staaten“. Alle Menschen sollten in den Spiegel schauen und sich fragen, was sie besser machen könnten, um einen Wandel herbeizuführen. Der einzige Weg, wie die Gesellschaft besser werden könne, sei Liebe, sagte James und positionierte sich damit gegen Hass und Spaltung.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 16. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

RECHTSEXTREMISMUS

Auch in Deutschland hat der Ku-Klux-Klan eine Geschichte

 

Durch den Anschlag in Charlottesville gerät der Ku-Klux-Klan wieder in den Fokus. Anhänger hat er auch hierzulande. Seine Mitglieder griffen unter anderem schwarze und jüdische US-Soldaten an.

Von Tobias Heimbach

Der Ku-Klux-Klan (KKK) gehört zu den Organisationen, die am Samstag am Aufmarsch von Neonazis und anderen Rassisten in Charlottesville (US-Bundesstaat Virginia) teilgenommen haben. Nach dem offiziellen Ende der Demonstration raste ein Mann mit seinem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten und tötete eine 32-jährige Frau.

In Amerika ist nach dieser Tat die Debatte über Rassismus und Rechtsextremismus neu angefacht. Weniger bekannt ist, dass es auch in Deutschland Menschen gibt, die sich zum Ku-Klux-Klan bekennen. Immer wieder gibt es Gruppen, die rassistische und antisemitische Hetze betreiben und sich dabei den Symbolen der Organisation, weiße Kutten und brennendes Kreuz, bedienen.

Die Wurzeln des Ku-Klux-Klans hierzulande reichen zurück bis in die 1920er-Jahre. Damals soll ein Ableger bis zu 1000 Mitglieder gehabt haben. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurde dieser jedoch aufgelöst.

In Westdeutschland entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg neue Ableger des Klans, die aber organisatorisch nichts mit dem Vorbild aus Amerika zu tun hatten. Wohl Ende der 1970er-Jahre gründete ein Sergeant der US-Luftwaffe den „Ku Klux Klan West Germany“. In der Folge kam es zu Übergriffen gegen jüdische und schwarze US-Soldaten. Die Organisation hielt auch Versammlungen ab, bei denen Kreuze verbrannt wurden. Die Mitglieder des „Ku Klux Klan West Germany“ waren zunächst vor allem Angehörige der amerikanischen Streitkräfte, später traten auch deutsche Neonazis der Gruppe bei.

Von „dem“ Ku-Klux-Klan in Deutschland zu sprechen, ist nicht korrekt. Wie in den USA ist der Klan in Deutschland keine einheitliche Organisation. Es gibt regionale Ableger in unterschiedlichen Teilen des Landes, die mitunter auch in Kontakt stehen, aber meist unabhängig voneinander sind. In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren immer wieder neue Gruppen gegründet, die oft schnell wieder verschwanden.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 14. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

DISKRIMINIERUNG

Juden nehmen Anstieg von Antisemitismus in Deutschland wahr

 

Viele Juden in Deutschland gehen einer neuen Studie zufolge von wachsendem Antisemitismus in der Bundesrepublik aus.

Viele Juden in Deutschland gehen einer neuen Studie zufolge von wachsendem Antisemitismus in der Bundesrepublik aus. Drei Viertel der Befragten nehmen Judenfeindlichkeit als großes Problem wahr und bewerten die Entwicklung in den zurückliegenden Jahren sehr pessimistisch, wie aus der am Montag in Frankfurt am Main vorgestellten Studie „Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus in Deutschland“ hervorgeht.

Mehr als 500 Personen jüdischen Glaubens wurden über das Internet befragt. 62 Prozent gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten Antisemitismus in Form „versteckter Andeutungen“ erlebt zu haben. 29 Prozent sind demnach beleidigt oder belästigt und drei Prozent körperlich angegriffen worden.

60 Prozent betonten, bereits über ein Verlassen Deutschlands nachgedacht zu haben, weil sie sich als jüdische Person nicht mehr sicher fühlen würden. Gleichzeitig sagten drei Viertel, sich in Deutschland wohlzufühlen.

Sorge über Zuwanderung

Kritisch sieht mehr als die Hälfte der befragten Juden die aktuelle Zuwanderung. 70 Prozent befürchten laut Studie, dass der Antisemitismus in Deutschland zunehmen wird, weil viele Flüchtlinge antisemitisch eingestellt seien. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) befürchtet vermehrt körperliche Angriffe auf jüdische Personen oder Einrichtungen durch Flüchtlinge.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 14. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

DEUTSCHLAND

Die Kirchensteuer muss endlich abgeschafft werden

 

Es gibt viele gute Gründe für die Abschaffung der Kirchensteuer. Sie ist unzeitgemäß, eine verkappte Sozialabgabe und macht die Institutionen träge wie Beamte. Ein kleiner Bäng würde allen gut tun.

Von Ulrich Hemel

Die Kirchensteuer wurde im 19. Jahrhundert als Entschädigung für die Säkularisierung von Kirchengütern nach Napoleon eingeführt und hat derzeit ein jährliches Aufkommen in Höhe von etwa elf Milliarden Euro für beide großen Kirchen. Das ist viel Geld.

Ein großer Teil der Kirchensteuer wird für die sozialen Aufgaben der Kirchen verwendet: für Krankenhäuser, Pflegeheime, Kindergärten und dergleichen mehr. Soziale Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft erhalten in der Regel 85 Prozent staatliche Zuschüsse.

Der Rest kommt aus Kirchensteuermitteln. Damit hat die Kirchensteuer überwiegend den Charakter einer „Zwangs-Sozialsteuer“, die ausschließlich Katholiken und Protestanten trifft.

Der Begriff „Steuer“ erweckt zudem den Anschein einer staatlichen Abgabe, was die Kirchensteuer nicht ist: Denn Nutznießer sind die Kirchen, nicht der Staat. Dass sie über die Finanzverwaltung eingezogen wird, wirkt wie ein Privileg für die Kirchen, auch wenn diese dafür bezahlen. Ganz im Gegensatz dazu begünstigt die Erhebung der Kirchensteuer alle, die keiner Kirche angehören, und alle, die keine Einkommensteuer zahlen.

Nur 40 Prozent zahlen die Steuer

Nur: Wie gerecht ist eine Sozialsteuer, die von kaum der Hälfte der Steuerzahler gezahlt wird? Privilegiert sind nämlich in diesem Sinn alle, die aus einer der beiden großen Kirchen ausgetreten sind, und alle, die einer Religionsgemeinschaft angehören, die nicht „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ ist. Dazu gehören Muslime , aber auch Orthodoxe und Angehörige von Freikirchen.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 13. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

BIBEL-ARCHÄOLOGIE

Neuer Vorschlag für den Geburtsort von Petrus

 

Am See Genezareth haben Archäologen Reste eine Stadt entdeckt. Es soll sich um Iulia handeln, erbaut auf den Ruinen von Bethsaida, der Heimat von Petrus. Nur: Bethsaida gilt bereits als entdeckt.

Von Johannes Schidelko

Archäologische Funde sind in Israel immer für Schlagzeilen gut. Das gilt erst recht, wenn sie sich irgendwie mit König David – soeben wurde in Jerusalem ein angeblicher David-Pilgerweg entdeckt – oder mit den Anfängen des Christentums in Verbindung bringen lassen. So jetzt Bethsaida, nach der Bibel die Heimat der Apostel Petrus , Andreas und Philippus, die Jesus von ihren Fischernetzen weg berief und zu seinen Jüngern machte.

In Bethsaida soll Jesus zudem einen Blinden geheilt, 5000 Hungernde gespeist und über das Wasser des Sees Genezareth gegangen sein, berichten die Evangelisten Markus und Lukas . „Archäologen glauben, die verloren gegangene römische Stadt Iulias entdeckt zu haben, den Heimatort der drei Apostel“, titelt die israelische Tageszeitung „Haaretz“ .

Der israelische Archäologe Mordechai Aviam vom Kinneret College stieß demnach bei Ausgrabungen am Nordufer des Sees Genezareth , bei el-Aradsch, auf ein römisches Badehaus mit einem Komfort, der auf eine städtische Kultur hindeute. Aviam bringt seine Ausgrabung mit der Schilderung des jüdischen Schriftstellers Flavius Josephus in Verbindung. Demzufolge baute Herodes Philippos, ein Sohn des großen Königs Herodes, um 30 n. Chr. das Dorf Bethsaida zur Stadt aus und benannte diese nach Iulia Augusta, wie Livia, die Witwe des Kaisers Augustus, nach dessen Tod genannt wurde.

Die Nachricht von der angeblichen Entdeckung der Stadt Julias fand internationale Resonanz. Damit verbunden war zugleich auch die Perspektive, hier ein neues Ziel für Pilger und Touristen erschließen zu können.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 11. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

DER  KÖRPER  KANN  TUMORE  SELBST  BESIEGEN

Neue Immuntherapien gegen Krebs – wie sie wirken und wann sie zwecklos sind

 

Innovative Therapien setzen nicht am Krebs an, sondern machen die körpereigenen Immunkräfte scharf gegen Krebszellen. Neben Operation, Strahlen- und Chemotherapie werden sie in Zukunft eine starke Waffe gegen die gefürchtete Krankheit sein.

FOCUS-Online-Autorin Monika Preuk

Jedes Jahr sind rund eine halbe Million Menschen in Deutschland neu mit der Diagnose „Krebs“ konfrontiert. Fast jeder zweite von ihnen wird sterben, so die harte Realität. Denn Krebs ist in vielen Fällen immer noch nicht heilbar.

Das könnte sich jedoch in Zukunft ändern. Große Hoffnungen setzen Wissenschaftler auf Immuntherapien, Immunonkologie heißt dabei der Fachbegriff. Die verschiedenen, komplizierten Technologien auf einen Nenner gebracht: Statt wie bei bisherigen Krebsbehandlungen die bösartigen Zellen mit Strahlen oder Zytostatika zu zerstören, soll bei der Krebsimmuntherapie das eigene Immunsystem die Krebszellen abtöten oder sie zumindest in Schach halten.

Krebs verschwand nach starker Infektion

Dabei ist die Idee, Krebs mit dem eigenen Abwehrsystem zu besiegen, nicht neu. Vor mehr als 150 Jahren beobachtete der Bonner Chirurg Wilhelm Busch, dass sich der Tumor einer Patientin nach einer bakteriellen Infektion zurückbildete. Das durch die Krankheitserreger aktivierte Immunsystem hatte sozusagen in einem Rundumschlag auch die Krebszellen erfolgreich bekämpft.

Forschungen, wie sich das Immunsystem gezielt gegen Krebs abrichten lässt, brachten danach lange Zeit wenig Erfolg. Erst in den letzten Jahren wurde eine Reihe von neuen Immuntherapien entwickelt, die wirken könnten. Die zur Zeit vielversprechendsten sind:

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 10. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des FOCUS Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.focus.de

„FEUER  UND  ZORN“

Die geheimnisvolle Bibelstelle hinter Trumps Drohung

 

Was meint US-Präsident Donald Trump, wenn er Nordkorea mit „Feuer und Zorn“ droht? Der Schlüssel liegt versteckt bei einem Propheten des Alten Testament. Die Bibelstelle verheißt nichts Gutes.

Von Lucas Wiegelmann

Donald Trump kokettiert gern damit, kein besonderer Literaturfan zu sein. Aber das ist allenfalls die halbe Wahrheit: Trump hat vielleicht wenig Lust zum Lesen, und derzeit mag ihm als Commander in Chief vor lauter Drohungen gegen potenzielle Kriegsgegner auch schlicht die Zeit fehlen. Aber er verfügt über eine respektable Büchersammlung. Über eine Bibelsammlung, genauer gesagt.

Fromme Amerikaner aus dem ganzen Land haben Trump in den vergangenen Jahren Hunderte von Exemplaren geschickt, als Geschenke. Die heiligen Schriften sollen ihm bei seiner Mission helfen, Amerika wieder groß zu machen. Und spätestens jetzt weiß man: Trump benutzt die Bibeln ganz offensichtlich nicht nur als Türstopper.

Seit seinem Amtsantritt (und seinem Amtseid auf gleich zwei Bibeln ) gab es schon häufiger Hinweise darauf, dass sich Trump, der in seinen Zeiten als Geschäftsmann nie auffällig fromm gewesen sein soll, immer stärker konservativ-christlichen Einflüssen öffnet. Sein Berater Stephen Bannon versteht sich, ungeachtet seiner fremdenfeindlichen Äußerungen, als äußert überzeugter Katholik und unterhält beste Verbindungen in den Vatikan.

Der Prediger und frühere NBA-Basketballspieler Ralph Drollinger hält sogar wöchentliche Bibelkurse im Weißen Haus ab, die auch von Kabinettsmitgliedern regelmäßig besucht werden sollen. Aber nun, bei seinen jüngsten Verbalattacken auf Nordkorea, hantiert Trump erstmals in einer weltpolitischen Krisensituation mit offenen Anleihen bei der Bibel. Und diese Anleihen verheißen nichts Gutes.

„Power“, „Fury“, „Fire“

Wenn Nordkorea seine Drohungen fortsetze, werde diesen „begegnet mit Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat“, so Trump am Dienstag. Dass hier eine biblische, eine alttestamentarische Wortwahl vorliegt, hört wahrscheinlich sogar heraus, wer in seinem Leben so selten in der Bibel gelesen hat wie Kommunist Kim Jong-un.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 09. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

DONALD  TRUMP

Betriebsunfall der Geschichte

 

Chicago reicht Klage gegen die Einwanderungspolitik ein. Noch eindeutiger sind die Signale in der Klimapolitik: Städte und Staaten wenden sich vom Präsidenten ab. Wird ausgerechnet unter Trump die Macht des Präsidenten gestutzt?

Von Clemens Wergin

Thomas Jefferson war nicht nur der Autor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der dritte Präsident der Vereinigten Staaten. Er war auch einer der frühsten und vehementesten Vertreter starker Bundesstaaten und eines schwachen Zentralstaates.

Ein Jahr vor seinem Tod warnte er vor der Politik seines Nachfolgers John Quincy Adams, der ein extensives und aktivistisches Regierungsprogramm vorgeschlagen hatte. Er nannte die von Adams gewollte Ausdehnung der zentralstaatlichen Zuständigkeit eine „Regierung uneingeschränkter Macht“, die sich „direkte Verstöße“ gegen die Verfassung zuschulden kommen lasse.

Jefferson würde das heutige Amerika mit seinem starken Zentralstaat und einer ins imperiale gewachsenen Präsidentschaft kaum wiedererkennen. Es hat tatsächlich nicht mehr viel zu tun mit jenem losen Verbund von 13 Kolonien, die sich einst zusammengetan hatten, um ihre Unabhängigkeit von Großbritannien zu erklären. Es zieht sich ein roter Faden von einem immer mehr Macht anhäufenden Zentralstaat durch Amerikas Geschichte.

Der imperiale Staat der Moderne

In der Moderne reicht dieser Faden von Franklin Delano Roosevelts New Deal über die von den Anschlägen des 11. September geprägte Sicherheitspräsidentschaft George W. Bushs bis zum regulierungsfreudigen Präsidenten Barack Obama, der in seiner zweiten Amtszeit am liebsten per Präsidentenverfügung regierte.

Nun gibt es erste Anzeichen dafür, dass dieser Trend zum immer mächtigeren Zentralstaat unter Donald Trump umgekehrt werden könnte. Das liegt einerseits an Politikansätzen von Trump selbst, der auf Deregulierung setzt. Vor allem jedoch hat es mit seiner Unberechenbarkeit, seinem Populismus und seiner Radikalität zu tun.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 08. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

SCHOCK-STUDIE  MIT  BEWEISEN ?

Veganer erkranken eher an psychischem Leiden als Fleischesser

 

Vegane Ernährung mag einige Vorteile für die Gesundheit bringen - aber sie kann auch äußerst deprimierend sein. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Fleischverzicht mit einem größeren Risiko für depressive Symptome verbunden ist.

In den letzten Jahren hat der Lebensmittelmarkt einen regelrechten Boom veganer Produkte erfahren. Viele Menschen essen weder Fleisch, Fisch, Eier. Das mag einige Vorteile für die Gesundheit bringen – schließlich steigert eine allzu fleischlastige Ernährung das Risiko von Herzerkrankungen oder Fettleibigkeit. Der komplette Verzicht kann jedoch unglücklich machen. 

Wie aus einer Studie der Bristol University mit 10.000 männlichen Teilnehmern hervorgeht, leiden Veganer eher und öfter an Depressionen. Das liegt unter anderem daran, dass eine fleischlose Ernährung gewöhnlich zu einem Vitamin-B12-Mangel führt. Veganer greifen außerdem häufig zu Nüssen, die die Omega-6-Fettsäure-Werte erhöhen. Dieser Überschuss kann zu vermehrten Entzündungen im Körper führen und zusammen mit einem Vitamin-B12-Mangel die Produktion von Botenstoffen im Gehirn beeinflussen. Das wirkt sich auf das Wohlbefinden und unser Glücksgefühl aus.

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 08. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des FOCUS Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.focus.de

HEIMLICHER  UMBAU  DER  USA

Trump kriegt nichts geregelt? Von wegen!

 

Das Washingtoner Schlachtgetümmel überdeckt, wie sehr Donald Trump die USA wirklich verändert. Weil die meisten Medien sich auf die Russland-Affäre fokussieren, passiert der Umbau fast heimlich und im Stillen.

Seine Umfragewerte mögen im Keller sein, das Image in der Welt ruiniert, alle großen Vorhaben in der Sackgasse – und doch hat Donald Trump in den sechs Monaten seiner Präsidentschaft sehr viel erreicht. Zwar steht die historische Steuerreform in den Sternen, ist „Obamacare“ noch am Leben, macht die Russland-Affäre Trump weiter das Leben schwer. Aber ein Blick auf die Felder Umwelt, Energie oder Justiz zeigt, wie konsequent und womöglich langfristig seine Regierung Amerika umbaut. Die Skandal-Scheinwerfer verbrennen fast allen Sauerstoff der öffentlichen Aufmerksamkeit. Eine Zwischenbilanz aus einer Art Halbschatten.

Trump baut das Justizsystem um, er schreibt die Umwelt- und Einwanderungsgesetzgebung neu, er dereguliert, was immer möglich ist, bringt gewaltige Bauprojekte auf den Weg und befreit Wirtschaft und Unternehmen von dem, was er „Fesseln“ nennt. Diese Politik ist in allem das Gegenteil von Barack Obama, und viele sagen, genau darum gehe es ja. Seine Anhänger sind begeistert.

44 Prozent unter den Anhängern der Republikaner sagten dem Pew-Institut in einer Umfrage, ihr Leben sei heute besser als vor 50 Jahren. Vor einem Jahr lag der Wert in dieser Gruppe bei 18 Prozent.

Pittsburgh statt Paris – mit der Ankündigung des US-Rückzugs aus dem internationalen Klimaabkommen machte Trump ein weiteres Wahlversprechen wahr. Die EPA, eigentlich eine Behörde zum Schutz der Umwelt, will Stück für Stück Obamas „Clean Power Plan“ zerlegen, der die Emissionen von Kraftwerken regelt.

Weitere Beispiele? Bald soll es wieder möglich sein, auch in Arktis und Atlantik nach Öl zu bohren. Kleine Gewässer und Wasserwege sollen dem Schutz des Bundes entzogen werden. Die Regulierung von Methanemissionen soll zurückgebaut werden, ebenso CO2- und Effizienzvorschriften für Autos, Lastwagen und Treibstoff – sehr zum Wohlgefallen der Industrie im Autofahrerland der weiten Wege.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 07. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

PROGNOSE  FÜR  EUROPA

Forscher rechnen künftig mit 152.000 Wetter-Toten pro Jahr

 

Wissenschaftlern zufolge könnte extremes Wetter in Europa in der Zukunft zu 50 Mal mehr Todesopfern führen als heute. Kritiker bemängeln, die Studie lasse die Anpassungsfähigkeit des Menschen außer Acht.

Wegen extremer Wetterbedingungen könnten einer Studie zufolge gegen Ende des Jahrhunderts Zehntausende ums Leben kommen. Im Jahr 2100 drohten 152.000 Menschen an den Folgen von Hitzewellen, Überschwemmungen und Unwettern zu sterben, falls der Klimawandel ungebremst voranschreite, warnten Forscher der EU-Kommission in der Zeitschrift „The Lancet Planetary Health“ . Gegenwärtig sterben demnach in Europa jedes Jahr geschätzt 3000 Menschen an Extremwetterfolgen.

Besonders zu leiden hätten die Europäer im Jahr 2100 den Prognosen der Wissenschaftler zufolge unter außergewöhnlich heißen Temperaturen – 99 Prozent der Extremwetter-Todesfälle könnten dann auf Hitzewellen zurückzuführen sein. Verantwortlich für den massiven Anstieg der Todesfälle sei zu 90 Prozent der Klimawandel, schreiben die Forscher. Zudem spiele auch das Bevölkerungswachstum und der Zuzug von Menschen in küstennahe und deshalb risikoreiche Ballungsgebiete eine Rolle.

Wenn im Kampf gegen die globale Erwärmung nicht dringend Maßnahmen ergriffen würden, könnten bis Ende des Jahrhunderts jährlich „rund 350 Millionen Europäer schädlichen Klimaextremen“ ausgesetzt sein, schreiben die Forscher. Dies seien zwei Drittel der für das Jahr 2100 prognostizierten Gesamtbevölkerung des Kontinents. Im Referenzzeitraum der Jahre 1981 bis 2010 waren demnach pro Jahr rund 25 Millionen Europäer Extremwetterereignissen wie Hitzewellen, Kälteeinbrüchen, Waldbränden oder Überschwemmungen ausgesetzt – rund fünf Prozent der Bevölkerung.

Können Menschen sich anpassen?

Für ihre Prognose stützen sich die Wissenschaftler auf die pessimistische Annahme einer Temperaturerhöhung von drei Grad Celsius bis 2100. Gemäß den Vorgaben des Pariser Klimaabkommens von 2015 soll die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter beschränkt werden.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 05. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

TRAUM  VOM  KALIFAT

Erdogan will die Türkei zur Leuchte des Islam machen

 

Die osmanischen Sultane waren die politischen und als Kalifen zugleich die religiösen Führer der islamischen Welt. Der türkische Präsident Erdogan will daran anknüpfen – und hat bereits Maßnahmen ergriffen.

Von Boris Kálnoky

Kleine Brötchen backen ist die Sache des türkischen Präsidenten nicht. „Wir haben unsere derzeitigen Grenzen nicht freiwillig akzeptiert“, sagte Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Jahr in einer Rede – eine Kritik am Vertrag von Lausanne, in dem 1923 die heute gültigen Grenzen der Türkei festgelegt wurden und die weit entfernt sind von der Ausdehnung, die das Osmanische Reich  bis dahin besessen hatte. In den Staatsmedien tauchten immer wieder Landkarten mit den Grenzen des alten Reiches auf. Aus dem Gedankenspiel, der Türkei die Größe des Osmanischen Reiches zurückzugeben, wird jetzt sichtbare Politik.

Ihren Aufstieg in die Weltgeschichte begannen die Osmanen als Krieger, nicht als Frömmler. Die Religion hatte die Funktion, den Machtanspruch des Sultans zu zementieren. Auf dem Höhepunkt ihrer Stärke im 16. Jahrhundert begannen die Sultane, den Titel des Kalifen zu beanspruchen – des Nachfolgers des Propheten Mohammed als religiös-politischer Führer der islamischen Welt. Das blieb so, bis Mustafa Kemal Atatürk , der Gründer der modernen Türkei, das Kalifat 1924 abschaffte.

Sein historisch einflussreichster Nachfolger als Staatspräsident ist schon jetzt Recep Tayyip Erdogan . Dessen Politik ist von vielen Experten als ein Versuch beschrieben worden, zu den Traditionen der Osmanen zurückzukehren und auch nach deren einstiger internationaler Rolle als Weltmacht zu streben.

Erdogan arbeitet an der religiösen Führungsrolle

Innenpolitisch ist Erdogan fast am Ziel. Er errichtet ein auf ihn zugeschnittenes „exekutives Präsidialsystem“ – eine Art Sultanat, wenn man so will. Außenpolitisch ist die Türkei unter ihm erstmals seit dem Ersten Weltkrieg wieder aktiv geworden, mit klaren machtpolitischen Ambitionen und erheblichem Störpotenzial im Nahen Osten. Eine wirkliche Regional- oder gar Weltmacht ist sie noch nicht geworden, zu unberechenbar und kurzsichtig ist ihre Politik. Und zu gering ihr wirtschaftliches Gewicht.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 06. 08. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

Home | Impressum | Haftung