header

Interviews

ZEITGEIST :  LÜGEN  UND  TÄUSCHUNG

Warum dunkle Geheimnisse auf Dauer krank machen

 

Jeder hütet im Schnitt 13 Geheimnisse. Sie sind eine Last. Nicht nur, weil man sie vor anderen gut verstecken muss, sagen Forscher. Sondern auch, weil man ständig an sie denkt, ohne es zu wollen.

Von Fanny Jiménez

Im November 2004 ließ Frank Warren 3000 leere Postkarten drucken und adressierte sie alle an sich selbst. Dann verteilte er sie in den Straßen von Washington, D.C. „Haben Sie ein Geheimnis, von dem niemand weiß?“, fragte er die Leute, denen er die Karten in die Hand drückte. „Schicken Sie es mir, anonym.“ Es war ein Kunstprojekt.

Warren, ein schlanker, großer Mann mit angegrauten Haaren und Brille, hoffte, 365 Geheimnisse zusammenzubekommen. Eins für jeden Tag des Jahres, um sie auf seiner Webseite PostSecret.com zu posten. Es wurden weit mehr. Die Geheimnisse kamen aus Texas, Kanada, dann Belgien, dem Irak. Leute bastelten selbst Postkarten, schickten Fotos oder Videos. Gut eine Million Postkarten stapeln sich heute in Warrens Haus – und jeden Tag kommen neue dazu.

Die Geheimnisse darauf sind lustig („Unhöflichen Kunden serviere ich immer Kaffee ohne Koffein“), schräg („Ich liebe Tiere mehr als Menschen“) oder auch sehr traurig („Ich bringe es nicht übers Herz, meiner Familie von meinem Drogenrückfall zu erzählen“). Meist geht es um gesellschaftliche Tabus, um Seitensprünge, Betrug oder Diebstahl, Lügen, die eigene Leistungen betreffen. Es geht um Vertrauen, Verlangen, innere Kämpfe. Um den Versuch, seine Beziehungen zu schützen und gleichzeitig den eigenen guten Ruf.

13 Geheimnisse hat man im Schnitt, fünf davon hat man noch niemandem erzählt, ergab eine aktuelle US-Studie. Michael Slepian von der Columbia University wollte verstehen, warum Geheimnisse oft so belastend sind, warum sie unproduktiv machen oder depressiv. Was belastet, fand er heraus, ist nicht nur das Verheimlichen vor anderen, wie man bisher dachte. Sondern vor allem das Verheimlichen vor sich selbst.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT+ Online vom 23.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

BEGINN  DES  PAPSTTUMS  (GESCHICHTE)

Auf ein Grab gründeten die Nachfolger Petri ihre Macht

 

Wie wurde aus dem Jünger Jesu der Bischof von Rom und das Oberhaupt der größten Glaubensgemeinschaft? Die unwahrscheinliche Karriere verdankt sich einem Grab, wie jetzt in Mannheim zu sehen ist.

Von Sven Felix Kellerhoff

Der kleine Schacht ist nicht einmal einen halben Quadratmeter groß und kaum 50 Zentimeter tief. Dennoch ist die nicht ganz rechteckige Lücke das vielleicht „historisch bedeutendste Denkmal überhaupt“, urteilt Hugo Brandenburg, der Doyen der christlichen Archäologie , denn es wird durchgehend seit mindestens 1850 Jahren verehrt.

Eine originalgetreue Eins-zu-eins-Rekonstruktion dieser Nische ist der Auftakt zur großen Ausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ , die jetzt im Zeughaus der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen eröffnet. Denn bei der eher unscheinbaren Konstruktion, die um 160 n. Chr. am Rande des Mons Vaticanus oberhalb des westlichen Tiberufers in Rom errichtet wurde, handelt es sich um das Grabdenkmal für den Apostel Petrus. Also um den eigentlichen Ursprung des Papsttums und damit der christlichen Kirche.

Entsprechend wurde die schlichte Grabstätte in konstantinischer Zeit um 320 mit Marmorplatten und zwei Säulchen geschmückt und bald zum Mittelpunkt einer gewaltigen Basilika, des ersten Petersdoms. Noch heute existiert diese Struktur, allerdings verdeckt von einem Christus-Mosaik in dem unzugänglichen Tiefaltar, der Confessio, unter der Kuppel der wichtigsten katholischen Kirche. In Mannheim kann man den Zustand der beginnenden Spätantike erstmals als Ganzes sehen.

Alfried Wieczorek, der Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen, und der Heidelberger Mediävist Stefan Weinfurter haben sich mit ihrer gemeinsam verantworteten Ausstellung Großes vorgenommen: Im 500. Jahr der Reformation wollen sie, bewusst konzipiert als Kontrapunkt, die Entwicklung der christlichen Kirche anhand ihrer Spitze in der Zeit von Christus bis Luther erlebbar machen.

Auf gewaltigen 2500 Quadratmetern erzählen rund 330 hochkarätige Leihgaben, darunter viele aus den Sammlungen des Vatikans, die knapp anderthalb Jahrtausende der (mehr oder weniger) einheitlichen lateinischen Kirche. Das griechische Wort „katholikos“, latinisiert zu „catholicus“, bedeutet zwar „allgemein“ und „universal“. Doch das war immer mehr Anspruch als tatsächlich gelebte Wirklichkeit.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 20.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

GEISTIGE  BARBAREI

Soll so mittelalterlich unsere Zukunft aussehen?

 

Religiöse Eiferer hier, Neonationalisten dort, und nebenbei machen Fakenews die Menschen immer dümmer. Europa, das sich als Hort der Moderne sieht, steckt im Grunde noch im Mittelalter.

Von Dirk Schümer

Das Mittelalter ist eine Epoche, die um 1500 zu Ende ging. Und um 2000 wieder begann. Beruht diese – zugegeben unkonventionelle – Einteilung der Geschichte auf purer Polemik? Oder ist etwas dran an dem unguten Gefühl, dass mitten im Europa von heute Kulturtechniken auf dem Vormarsch sind, die wir seit den Kreuzzügen und Hexenverbrennungen in die Folianten der Geschichtsschreibung gebannt glaubten?

Ein Blick auf bunt bemalte Altartafeln zeigt uns diese untergegangene Welt des alten Europa vor Kolumbus und vor der Industrialisierung: Verheiratete Frauen gingen nicht ohne genau geregelte Schleier und Kopfputze auf die Gasse. Die Glaubenswelt der allpräsenten Geistlichkeit mit ihren peniblen Verboten und Geboten regelte den Alltag aller, der ablief im Takt der Glocken und heiligen Feste. Und wer nicht mitmachte, wurde gnadenlos verfolgt.

Wenn jetzt verunsicherte Zeitgenossen eine „Invasion aus dem Mittelalter“ beklagen, dann meinen sie wohl solch vormodernen Alltag: Burka und Ramadan, Stundengebet und Gotteskult. Angela Merkel hat den Kritikern von Zuwanderung und Islamisierung dringend einen genaueren Blick auf Altäre, Kirchenfenster und in die Bibel empfohlen. Was meinte sie damit? Dass wir uns vorsorglich wieder an die knallharte Frömmigkeit gewöhnen und mit ihren Tabus vertraut machen sollen? Oder dass Europa, das sich seit gar nicht so langer Zeit als Hort aufgeklärter Moderne und überzeitlicher Liberalität versteht, selber immer noch tief im Mittelalter steckt?

Denn auf der anderen Seite des Spektrums, bei den stolzesten Alteuropäern, ist das Mittelalter mindestens so in Mode wie bei denen, die sich zwischen Erotikshop und Schwulencafé nach dem strengen Ruf des Muezzins sehnen. Die Orbáns und Kaczynskis, die die derzeitige Völkerwanderung am lautesten beklagen, leben die Sehnsucht nach ihrem ganz eigenen Mittelalter ungeniert aus. Bei ihnen heißt das „christliches Abendland“ und erzählt uns von Männern und Frauen, die sich im Namen des Vaterlands eifrig vermehrten und notfalls noch jenseits ihrer Grenzen die grimmigen Werte Europas gegen Moslems und alle anderen Abweichler mit der Waffe in der Hand verteidigten.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT+ Online vom 18.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

MARTIN  LUTHER

Wie er den Apple erfand und den Islam reformierte

 

Mit den 95 Thesen begann in Wittenberg die Reformation: Eine große Ausstellung dort zeigt 95 Schätze aus der Welt Martin Luthers und 95 Menschen, die Luther schätzten. Einige sind sehr überraschend.

Von Matthias Heine

Steve Jobs ist ja schon von vielen beansprucht worden. Vor zwei Jahren, als die Flüchtlingskrise hochkochte, wiesen Apologeten offener Grenzen gerne darauf hin, dass der Apple-Gründer Sohn eines syrischen Einwanderers gewesen sei. Das wurde gekontert mit dem Hinweis, der biologische Vater sei in Jobs’ Leben nicht existent gewesen. Steve wuchs als Adoptivkind in einer lutherischen Mittelschichtfamilie auf.

Tetzel ist überall

Auch wenn er sich schon früh vom Christentum verabschiedete und zunächst mit dem Hinduismus liebäugelte, dann Buddhist wurde, habe der Macintosh-Mann doch aus seiner lutherischen Jugend einen quasispirituellen Begriff von „Arbeit“ mitgenommen, erfährt man nun in Wittenberg. Das schreibt der Jobs-Biograf Brent Schlender im Katalog zur dritten nationalen Luther-Ausstellung im Reformationsjahr . Und amüsiert nimmt man zur Kenntnis, dass der Co-Autor von Schlenders Buch den beziehungsreichen Nachnamen Tetzel(!)i trägt.

Während die Schau in Berlin die Weltwirkung der lutherischen Reformation darstellt (die weit hinter der des Calvinismus zurückbleibt, obwohl mittlerweile die Mehrzahl der Lutheraner nicht mehr in Europa lebt) und in Eisenach das Verhältnis der Deutschen zu ihrem spirituellen Reichsgründer beleuchtet wird, stellt man im Augusteum des Wittenberger Lutherhauses nun das Personale in den Mittelpunkt. Genauer gesagt: den Menschen Luther und sein Umfeld zu Beginn des 16. Jahrhunderts sowie die Persönlichkeiten, die von Luther inspiriert wurden – mag es noch so indirekt geschehen sein wie bei Steve Jobs.

Deutlich direkter war der Einfluss bei König Gustav II. Adolf, dessen Mantel aus Elchleder nun in einer Wittenberger Vitrine liegt. In der rechten Brustseite ist das Einschussloch zu sehen, das dem Leben des Löwen aus Mitternacht in der Schlacht von Lützen ein Ende setzte. Dieser frühe Tod ändert nichts daran, dass ohne das Eingreifen des Königs und seiner Schweden das Luthertum vielleicht eine knapp 100-jährige vorübergehende Epoche in der deutschen Geschichte geblieben wäre und man des Thesenanschlags kaum in der Breite gedächte, wie es nun geschieht.

Den Thesenanschlag gab es – aber ohne Hammer

Apropos Thesenanschlag: In Wittenberg geht man davon aus, dass Luthers 95 Thesen am 31. Oktober 1517 tatsächlich in der Stadt an Kirchentüren geheftet wurden. Zweifel an der Geschichtlichkeit dieser Handlung, wie sie seit den 60er-Jahren geäußert wurden, betrachtet man zwar nicht als widerlegt, doch als erschüttert. Zu Recht: In dem schon 2008 von der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt herausgegebenen Buch „Luthers Thesenanschlag – Faktum oder Fiktion?“ sind die Indizien zusammengefasst. Der Druck und die Veröffentlichung solcher Disputationsthesen entsprachen der Wittenberger Universitätspraxis. Man befestigte Aushänge üblicherweise an Kirchentüren. Es gibt mindesten einen Zeitgenossen, der den Anschlag bezeugt (die späteren Erinnerungen u.a. von Melanchthon, der 1517 noch gar nicht am Ort war, zählen nicht). Und besonders gewichtige Disputationseinladungen wurden gerne am Vorabend von Feiertagen veröffentlicht. Der Tag vor Allerheiligen wäre also sehr bewusst gewählt.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 16.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

PAPST  ZUM  TRUMP-BESUCH

"Es gibt immer Türen, die nicht geschlossen sind"

 

Am 24. Mai begegnet Papst Franziskus dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Vatikan. Jetzt hat das Oberhaupt der katholischen Kirche verraten, wie er an das Treffen herangehen will.

Wenn Donald Trump nächste Woche den Vatikan besucht, will ihm Papst Franziskus mit Offenheit entgegentreten: "In unserem Gespräch werden sich die Dinge ergeben und ich werde das sagen, was ich denke, er wird das sagen, was er denkt", sagte das katholische Kirchenoberhaupt bei einer Pressekonferenz im Flugzeug auf dem Rückweg von Portugal nach Rom. "Es gibt immer Türen, die nicht geschlossen sind."

Das Treffen im Vatikan ist Teil der ersten großen Auslandsreise von Donald Trump, der zudem noch Israel und Saudi-Arabien besuchen will. Der Pontifex sagte, man müsse Türen suchen, die zumindest ein bisschen geöffnet sind, hineingehen, über Gemeinsamkeiten sprechen und voranschreiten, "Schritt für Schritt." Eine Meinung über Trump abgeben wollte er nicht. "Ich fälle nie ein Urteil über eine Person, ohne sie anzuhören. Ich glaube, dass ich das nicht tun darf."

Lesen Sie hier den Beitrag aus SPIEGEL Online vom 13.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des SPIEGEL Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.spiegel.de

ANTISEMITISMUS

Die neuen Ängste der Hamburger Juden

 

Beleidigungen und Übergriffe – für Menschen jüdischen Glaubens ist das offene Ausleben ihrer Religion im liberalen Hamburg nicht selbstverständlich. In einigen Stadtteilen ist Vorsicht geboten.

Von Jakob Koch

Emsiges Treiben in der City. Menschen hetzen nahe der Mönkebergstraße mit vollen Einkaufstaschen von Geschäft zu Geschäft. Alltag in Hamburg. Dass sich mitten in diesem emsigen Treiben der Sitz einer jüdischen Gemeinde befindet, wissen wohl nur die wenigsten. Lediglich eine Abkürzung auf einem Klingelschild deutet daraufhin, dass sich hier die Liberale Jüdische Gemeinde trifft. „Die Adresse der Gemeinde haben wir aus Vorsicht abgekürzt“, sagt Galina Jarkova, die Vorsitzende der gut 300 Mitglieder zählenden liberalen Gemeinde. Vorsicht – dieses Wort verwendet Jarkova häufig.

„Es gibt in unserer Gemeinde sehr viele Mitglieder, die in der Öffentlichkeit nicht offen zu ihrem jüdischen Glauben stehen“, sagt die gebürtige Russin. Erst kürzlich hat ein Vorfall in Berlin für bundesweites Aufsehen gesorgt: Ein 14-jähriger jüdischer Schüler hatte eine Schule verlassen, nachdem ihn muslimische Mitschüler wegen seiner Religionszugehörigkeit mehrfach beleidigt und schließlich angegriffen haben sollen. So etwas sei nicht überraschend, sagt Jarkova. In ihrer Gemeinde sei offenes Praktizieren des Glaubens in allen Bereichen des öffentlichen Lebens kaum noch vorhanden. Religiöse Symbole würden in der Regel nicht in der Öffentlichkeit präsentiert. „Auch lassen sich zum Beispiel fast alle unserer Mitglieder ihre jüdischen Zeitungen in einem neutralen Briefumschlag liefern, weil sie nicht wollen, dass Postbote oder Nachbarn davon wissen“, erzählt Jarkova. Veranstaltungen ihrer Gemeinde werden nur mit kryptischen Hinweisen auf den Veranstaltungsort angekündigt. Polizeischutz bei den Gottesdiensten gehört zum längst gewohnten Standard.

„Wir sind stolz auf unsere Identität“

Sind solche Maßnahmen wirklich noch – oder wieder – nötig? Gerade Hamburg gilt doch als besonders liberal – religiöse und ethnische Minderheiten können hier uneingeschränkt leben. Dieser Eindruck täuscht allerdings, ist von Philipp Stricharz zu erfahren, dem zweiten Vorsitzenden der orthodoxen jüdischen Gemeinde, der größten Gemeinschaft der Stadt mit ihren 2500 Mitgliedern.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 12.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

TV-KRITIK  ZU  "MAISCHBERGER"

"Zeiten des reinen Christentums sind vorbei"

 

Multikulti ist gescheitert, sagt ein Minister. Wir essen Currywurst und Döner, hält ein Publizist dagegen. Bei "Maischberger" gab es eine hitzige Diskussion über Sinn und Unsinn einer deutschen Leitkultur.

"Wohin falsch verstandene Liberalität führen kann, zeigt Frankreich mit deutlich erstarkten Rechtsextremen einerseits und andererseits unhaltbaren Zuständen in sogenannten No-Go-Areas in Vororten von Paris", sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und unterstützt damit die Thesen der Leitkultur von Thomas de Maizière.

Auch der CSU-Spitzenkandidat für den Bundestag setzt auf eine starke Verpflichtung zur deutschen Leitkultur. Multikulti sei gescheitert, findet Herrmann. Nur mit den festen Leitplanken von de Maizières Thesen könne Integration in Deutschland dauerhaft funktionieren. „Wir müssen uns klar werden, worin der Kern unseres Zusammenlebens besteht“, so Herrmann. „Damit wir wissen, in was jemand integriert werden soll.“

Burka als Stimmungsmache

"Die 10 Thesen von Thomas de Maizière zur Leitkultur sind gefährliche Stimmungsmache gegen Muslime. Kein Wahlkampf rechtfertigt das. Die Leitkultur schließt Menschen aus. Deutschland ist für mich so viel weiter", hält Berlins Staatssekretärin Sawsan Chebli dagegen.

Die gebürtige Berlinerin mit palästinensischen Wurzeln ist gläubige Muslima und fordert: "Wir dürfen die Integrationsdebatte nicht mit der Diskussion über Muslime und Islam oder Religion insgesamt vermengen. Für mich und für die allermeisten Muslime gilt das Grundgesetz ohne Wenn und Aber. Ich werfe de Maizière vor, dass er mit dem Begriff Burka Stimmungsmache betreibt.“

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 11. 05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des FOCUS Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.focus.de

ORTHODOXE  TOLERANTER  GEGENÜBER  MUSLIMEN  ALS  KATHOLIKEN

Wie die Religion die Islam-Skepsis in Osteuropa lenkt

 

Knapp 30 Jahre nach dem Ende des Kommunismus spielt Religion in Osteuropa eine große Rolle. Orthodoxe sehen Homosexualität besonders kritisch – und auch der Blick auf Muslime ist sehr unterschiedlich.

Von Gerhard Gnauck

Trotz jahrzehntelanger Kirchenverfolgung und verordnetem Atheismus spielt Religion in Osteuropa und Russland eine große politische Rolle. Das zeigt eine Studie des amerikanischen Pew-Instituts, für die in 18 Ländern 25.000 Personen befragt wurden. Die Frage, ob die Mehrheit der Menschen orthodox oder katholisch sind, ist entscheidend für viele Fragen – unter anderem für die Haltung zum Islam , die Skepsis gegenüber der Demokratie und die Haltung zum Westen. So wünschen sich vor allem Weißrussen, Serben, Armenier, Bulgaren und Griechen ein stärkeres Russland als Gegengewicht zum Westen.

Die Zahl der Orthodoxen stieg in den meisten Ländern Osteuropas zuletzt stark. In Russland bekannten sich 1991 rund 37 Prozent zum orthodoxen Glauben, 2015 waren es 71 Prozent. Nur noch 15 Prozent der Befragten bezeichneten sich als religiös ungebunden (atheistisch oder religiös „unbestimmt“). Zehn Prozent gaben an, Muslime zu sein. In den übrigen Ländern dieser Gruppe waren die Anteile der Orthodoxen noch höher (Ukraine: 78, Rumänien: 86 Prozent).

Die Katholiken, die zweitgrößte Gruppe in Osteuropa, erlebten dagegen in diesem Zeitraum eine gegenläufige Entwicklung. In den mehrheitlich katholisch geprägten Ländern, die alle auch EU-Mitglieder sind, schrumpfte ihr Anteil. Das gilt für Polen (von 96 auf 87 Prozent), für Litauen und Ungarn im Mittelfeld und besonders deutlich für Tschechien (von 44 auf 21 Prozent). Dieses gehört mit dem ursprünglich lutherischen Estland (72 und 45 Prozent) zu den zwei Länder mit dem höchsten Anteil an religiös Ungebundenen.

Jene, die sich weiter als katholisch bezeichnen, praktizieren ihren Glauben dafür besonders stark. Nur sechs Prozent der russischen Orthodoxen gehen mindestens einmal in der Woche in die Kirche, dagegen 45 Prozent der polnischen Katholiken . Dennoch prägt gerade die Orthodoxie die Weltanschauung und politische Einstellungen sehr stark, oft stärker als der Katholizismus. Das beginnt mit Aussagen wie „Unser Volk ist nicht perfekt, aber unsere Kultur steht höher als die anderen“. Diese Aussage bejahten viele Griechen (89 Prozent), Russen (69 Prozent), aber „nur“ 55 Prozent der Polen und Tschechen.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 11.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

KIRCHE  TRIFFT  WISSENSCHAFT

Bei diesen Thesen ziehen sie im Vatikan die rote Linie

 

Der Vatikan diskutiert bald mit Top-Wissenschaftlern über den Urknall und Schwarze Löcher. Die Annäherung offenbart an einigen Stellen unvermutet Humor - doch sie ist äußerst kompliziert.

Galileo Galilei würde wohl seinen Augen nicht trauen. Vor rund 400 Jahren schickte der Vatikan den Astronomen in die Verbannung, weil er das katholische Weltbild („Alles dreht sich um die Erde“) kippte.

Mehr als 350 Jahre mussten vergehen, bis die Kirche mit Galilei ihren Frieden machte und die Verurteilung widerrief. Heutzutage ist die Situation eine andere: Von Dienstag bis Freitag veranstaltet der Vatikan eine Konferenz mit den angesehensten Kosmologen und Physikern zum Thema Urknall und Schwarze Löcher .

„Was passiert, wenn du in ein Schwarzes Loch fällst? Was passierte beim Urknall? Was ist die letztendliche Bestimmung des Universums?“ So lauten die Fragen, die der Kongress diskutieren will. Mit der Konferenz würdigt der Vatikan den belgischen Priester und Astrophysiker Georges Lemaître (1894–1966), der als Begründer der Urknall-Theorie gilt. Eingeladen sind dabei keineswegs Kirchenvertreter, sondern international renommierte Forscher wie der Physik-Nobelpreisträger Gerard ’t Hooft.

Ob der Vatikan im Universum wohl Aliens taufen will?

Symbolträchtiger Veranstaltungsort ist die vatikanische Sternwarte in Castel Gandolfo bei Rom, mit der Papst Leo XIII. im 19. Jahrhundert den Ruf der Kirche als wissenschaftsfeindlich widerlegen wollte. Daran liegt dem Vatikan auch heute. Der Direktor der päpstlichen Sternwarte, Guy Consolmagno, erklärt das Ziel der Tagung: „Den Mythos entzaubern, dass die Religion Angst vor der Wissenschaft hat.“

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 09.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

WUNDERHEILUNGEN  VON  FATIMA

Die Stimme in ihrem Kopf sprach "Steh auf und geh!"

 

Vor 100 Jahren hatten zwei Kinder in Fatima angeblich Marienvisionen. Nun spricht der Papst sie heilig, nach mysteriösen Wunderheilungen. Unser Autor traf die Nonne, die die geheimen Beweise verwahrt.

Von Lucas Wiegelmann

Als sich der Tod, auf den sich der kleine Francisco schon so gefreut hatte, nach langem Zögern endlich bequemte, die Tür zu dem ärmlichen Kinderzimmer aufzutun und langsam an das Bettchen zu treten, soll das Einzige, was Francisco wirklich schwerfiel, der Abschied von seinem Büßerstrick gewesen sein.

Monatelang hatte der Junge ihn getragen, heimlich unter dem Hemd, weil die Mutter es niemals erlaubt hätte. Er hatte sich den Strick so fest um die Taille gebunden, dass ihm jede Bewegung wehtat. Sich auf diese Weise Tag und Nacht zu quälen, war die geniale Idee seiner Schwester gewesen. Sie war in diesen Dingen einfach viel gewitzter als er, wie er wusste. Einmal war sie ja auch darauf gekommen, in der brüllenden Augusthitze neun Tage lang nichts zu trinken und schließlich den unerträglichen Durst nicht mit dem guten Wasser aus dem Brunnen zu stillen, sondern mit dem dreckigen aus der Viehtränke. Was war seine Schwester doch für eine versierte Leiderin.

Aber nun, da ihn die Spanische Grippe tief in die Kissen gedrückt hatte, unterernährt, schwindelnd, fiebernd, musste Francisco sich eingestehen, dass er den geliebten Strick nicht mehr aushielt, und legte ihn ab. „Ich möchte noch mehr leiden“, erklärte er, wie seine Familie später zu Protokoll gab, „aber ich kann nicht.“ Ein paar Tage später trugen vier weiß gekleidete Nachbarjungen das ausgemergelte Körperchen an der Spitze einer kleinen Prozession auf den Dorffriedhof von Fatima. Es war das Jahr 1919. Francisco wurde 10 Jahre alt.

„In Treue zur Gnade Gottes gelebt“

Francisco ist eines von zwei Kindern, die Papst Franziskus in wenigen Tagen im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima heilig sprechen wird. Das andere Kind ist Franciscos Schwester Jacinta. Sie hatte sich damals auch infiziert und war nur wenige Monate nach ihm gestorben, mit 9 Jahren. Die beiden werden die ersten Kinder überhaupt sein, die unabhängig von einem Martyrium, nur für ihr außergewöhnliches Leben heilig gesprochen werden. So etwas hat die Kirche bisher immerhin zweitausend Jahre lang vermieden.

Heiligsprechen bedeutet nach der Definition des Katechismus, ausgewählte Gläubige zu offiziellen Vorbildern zu erheben. Das heißt, die Kirche „erklärt feierlich, dass diese die Tugenden heldenhaft geübt und in Treue zur Gnade Gottes gelebt haben“. Katholiken sollen sich also künftig ein Beispiel nehmen an einem Mädchen, das dem Wasserglas der Mutter die Viehtränke vorzog, und an einem Jungen, der einmal auf die Frage, was er mal werden wolle, Soldat, Arzt oder Schreiner, geantwortet hat: „Ich möchte überhaupt nichts werden, ich möchte sterben und in den Himmel kommen.“

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 08.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

IRAN  DROHT  SAUDI-ARABIEN  MIT  ANGRIFF

Im Nahen Osten spitzt sich gerade der Machtkampf zu

 

Die Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien steigen weiter an. Nachdem der saudische Prinz Mohammed bin Salman von einem Angriff in der schiitischen Republik gesprochen hat, droht diese dem sunnitischen Königreich nun mit einem Gegenschlag.

Der Konflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien hat sich am Sonntag weiter verschärft. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, drohte der iranische Verteidigungsminister Hossein Dehghan dem sunnitischen Königreich mit einem Angriff, der "keinen Ort außer Mekka und Medina unberührt" lassen werde, sollte die Regierung in Riad "etwas Ignorantes unternehmen".

Diese Erklärung war eine Reaktion auf die deutlichen Worte des saudischen Prinzen Mohammed bin Salman. Dieser hatte dem Iran am Dienstag vorgeworfen, das Königreich ins Fadenkreuz zu nehmen. "Wir werden nicht warten, bis die Schlacht nach Saudi-Arabien kommt, sondern daran arbeiten, dass die Schlacht im Iran statt in Saudi-Arabien stattfindet."

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 08. 05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des FOCUS Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.focus.de

RAUMFAHRT-MISSION

Stephen Hawking rät zum Verlassen der Erde innerhalb von 100 Jahren

 

Die Entwicklungen auf der Erde treiben dem Physiker Stephen Hawking Sorgenfalten auf die Stirn: Der 75-Jährige fürchtet um die menschliche Existenz, man müsse rasch nach einem neuen Planeten Ausschau halten.

Dem Astrophysiker Stephen Hawking zufolge müssen die Menschen sehr bald schon fremde Himmelskörper besiedeln. In 100 Jahren könnte die Menschheit sonst in ihrer Existenz bedroht sein, warnt Hawking der BBC zufolge. Klimawandel, Asteroideneinschläge, Epidemien und Bevölkerungswachstum könnten die Erde demnach unbewohnbar machen.

Die britische Rundfunkanstalt widmet dem Thema eine Dokumentation mit dem Titel „Expedition New Earth“. Wissenschaftler um den berühmten Astrophysiker gehen darin der Frage nach, wie realistisch eine Besiedlung anderer Himmelskörper ist. Die Doku soll im Sommer ausgestrahlt werden.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 06.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

EINWANDERER

Warum Juden ausgerechnet in Deutschland leben wollen

 

Etwa 200.000 Juden leben in Deutschland, und die Zahl steigt. Vor allem für Israelis ist Berlin ein Sehnsuchtsort, die letzte Bastion der Liberalität. Doch es hält nicht immer, was es verspricht.

Von Freia Peters

Als die Großeltern von Nir Ivenizki erfuhren, dass Ihr Enkel ausgerechnet nach Deutschland auswandern wollte, sei ihnen die Kinnlade heruntergeklappt. „Machst du Witze?, fragte meine Oma“, erzählt Ivenizki, 24. Deutschland war für seine Großeltern das Land der Täter. Mittlerweile wohnt der Israeli schon seit zwei Jahren in Berlin und hat mit seinem Freund Doron Eisenberg ein Café mit integriertem Plattenladen eröffnet. Das erste hebräische Café in Neukölln. Ivenizki fühlt sich pudelwohl. Seine Oma ist inzwischen verstorben. „Aber ich höre noch ihre Stimme im Ohr, die ‚komm zurück!‘ flüstert“, sagt Ivenizki und lacht.

Für ihn ist Berlin vor allem die Stadt, in der man als zeitgenössischer Künstler leben muss. „Jeder in Israel erzählt dir, Berlin ist die offenste, toleranteste und coolste Stadt der Welt. Hier kannst du machen, was du willst, hier kannst du sein, wer du willst, alle akzeptieren dich.“

Rund 20.000 Israelis leben mittlerweile in Berlin. Es gibt den deutsch-hebräischen Radiosender „Kol Berlin“ und das Magazin „Spitz“, die erste hebräische Publikation in Deutschland seit den 30er-Jahren. Offenbar stellen sich mehr Israelis denn je die Frage, ob sie sich in Ihrer Heimat noch zu Hause fühlen. Im vergangenen Jahr lebten 280.000 Israelis im Ausland, rund 75 Prozent in den USA und in Kanada, die restlichen 25 Prozent in Europa. In Israel gibt es astronomisch hohe Mieten und politische Resignation.

Was bleibt von der israelischen Identität ohne Hebräisch?

„Deutschland scheint für mich heute die letzte Bastion der Liberalität“, sagt Ivenizki. „Schau dir die Erfolge der Rechtspopulisten in Frankreich und Polen an!“ Israelis seien nach humanistischen Werten auf der Suche. Doch Deutschland verspricht Dinge, die es nicht immer halten kann. Auch hier gibt es Rassismus.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT+ Online vom 05.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

REFORMATIONSJUBILÄUM

Nie war Luther so beliebt wie im 19. Jahrhundert

 

Martin Luther und die Deutschen: das war einmal eine große Liebesbeziehung. Kunst und Politik wetteiferten darin, den Reformator für sich zu reklamieren. Heute haben wir nur noch eine Playmobil-Figur.

Von Tilman Krause

Was wohl die lieben Kleinen dazu sagen werden? Kinder, denen man seit Beginn der „Lutherdekade“ gern eine kleine Playmobil-Figur in die Hand drückt. Sie zeigt einen lächelnden jungen Mann in komischen Klamotten. Erwachsene wissen: Es handelt sich um einen sogenannten Talar.

Eine lustige Kopfbedeckung trägt das Männlein auch. Die Eltern sprechen gern vom „Doktorhut“. Dann Schreibfeder und die Bibel auf Deutsch, übergroß. Das ist heute für nunmehr 750.000 Menschen, die inzwischen das Plastikpüppchen gekauft haben (und es werden zweifellos noch weit mehr werden) Martin Luther. Handlich, praktisch, freundlich, ungefährlich, hübsch.

Größer könnte der Kontrast nicht sein zu dem, wie sich vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert die Deutschen ihren wichtigsten Reformator vorstellten. Deshalb ist es zwar vielleicht nicht besonders zeitgemäß, aber doch ganz lehrreich, sich ein wenig ausführlicher damit zu befassen, welches Bild unsere Altvorderen von diesem Mann besaßen.

Sagengestalt aus grauer Vorzeit

Gültigkeit kann das überkommene Bild ohnedies nicht mehr beanspruchen. Der deutsche Glaubenskämpfer schlechthin ragt ja nur noch als eine Sagengestalt aus grauer Vorzeit in unsere Gegenwart mit ihren ganz anderen Sorgen hinein. Auch wenn die zahlenmäßig schrumpfende, in ihrer gesellschaftlichen Relevanz marginalisierte protestantische Amtskirche natürlich ein anderes Bild entwerfen möchte.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 04.05. 2017 zu Ende.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des WELT Online. Weitere interessante Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Religion unter www.welt.de

Home | Impressum | Haftung