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Interviews

REFORMATION

Die Wahrheit über den angeblich bösen "Ablasskrämer"

 

Unser Bild der Reformation sieht so aus: hier der gute Luther, dort der schlechte Ablassprediger Johannes Tetzel. Dabei wurden Tetzels angebliche Entgleisungen nie belegt. Ehrenrettung eines Feindbildes.

Von Alan Posener

In der Heiligenlegende der Reformation gibt es neben dem guten Martin Luther einen Bösewicht: den „Ablasskrämer“ Johann Tetzel. Tetzels unverschämtes Ablassgeschäft im nahen Jüterbog habe den Augustinermönch Luther derart erzürnt, dass er am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug und damit unbeabsichtigt die Reformation auslöste.

Wie der alternde Luther 1545 in einem biographischen Abriss erklärte, sei der „schreckliche Mensch und unerschütterliche Schreihals“ Tetzel der „eigentliche Urheber der ganzen Tragödie“ gewesen.

Das hatte der jüngere Luther noch ganz anders gesehen. 1519 schickte er an den sterbenden Tetzel einen Trostbrief und versicherte, er habe „die sach von seynet wegen nith angefangen“, vielmehr habe „das kind vil ein andern vater“. Die Tetzel-Legende hält sich dennoch hartnäckig bis heute. Ihr ist eine kleine, aber sehenswerte Doppelausstellung in dem Mönchenkloster und der Nikolaikirche von Jüterbog gewidmet.

Fakes schaffen Fakten

In der Nikolaikirche, wo Tetzel tatsächlich 1517 gepredigt, das Rote Kreuz zum Zeichen der Ablassgewährung aufgerichtet und den Petersablass – also einen Strafnachlass, mit dessen Erwerb der Neubau des Petersdoms finanziert werden sollte – angeboten hat, wird seit Jahrhunderten ein so genannter „Tetzelkasten“ gezeigt. In diesen Kasten sollten die Gläubigen ihr Geld werfen, gemäß dem Tetzel zugeschriebenen Spruch: „Sobald der Gülden im Kasten klingt / Die Seele in den Himmel springt.“ Dass der Kasten je für diesen Zweck genutzt wurde, ist so unsicher wie die Herkunft des Spruchs, den vermutlich Luther selbst dem Ablasskommissar in den Mund gelegt hat. Aber Fakes, das weiß man, sind stärker als Fakten – schaffen sogar Fakten.

Darum ging es auch bei der Tetzel-Legende. Die Reformation musste fürs Volk fasslich gemacht, zu einem Heldenroman um Luther und seine teuflischen Widersacher umgedichtet werden. Der Antichrist – der Papst in Rom – war wenig fasslich und weit weg. Seine Ablasskommissare kannte jeder. So wurde Tetzel zum archetypischen Übeltäter stilisiert. In seinem Pamphlet „Wider Hans Worst“ behauptete Luther, der „Predigermönch Johannes Detzel“ habe in Jüterbog „greulich schreckliche“ Reden gehalten, so zum Beispiel, dass er kraft der ihm vom Papst verliehenen Gnade selbst einem Vergewaltiger der Muttergottes die Sünde vergeben könnte; dass jede Münze im Ablasskasten eine Seele aus dem Fegefeuer errette, und dass man nicht nur keine Reue für begangene Sünden zu zeigen brauche, sondern sogar einen Ablass für künftige Sünden erwerben könne.

Aus der letzten Behauptung erwuchs eine Tetzel-Anekdote, die noch Theodor Fontane im 19. Jahrhundert wiedergab. Einmal habe in Berlin – wo sonst? – ein Ritter bei Tetzel einen teuren Ablass erworben, der ihn von einem zu begehenden Verbrechen freisprach. Anschließend habe er den Kommissar überfallen und ausgeraubt.

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PARTEIAUSTRITT

Jetzt verliert die AfD auch ihr christliches Gesicht

 

Der Exodus der Bürgerlichen geht weiter: Anette Schultner, Bundesvorsitzende der Christen in der Alternative für Deutschland, verlässt nach mehr als vier Jahren die Partei. Als Grund nennt sie „die Radikalisierung der AfD“.

Von Matthias Kamann

Nach dem Abgang der ehemaligen AfD-Chefin Frauke Petry sowie weiteren Partei- und Fraktionsaustritten mehrerer AfD-Politiker in verschiedenen Bundesländern verliert die Partei neuerlich ein prominentes Mitglied. Anette Schultner, Bundesvorsitzende der Christen in der AfD (ChrAfD), hat in einem Schreiben an die AfD-Bundesgeschäftsstelle die Kündigung ihrer Parteimitgliedschaft zum 16. Oktober erklärt. Abermals geht damit eine Person, die in bürgerlichen Kreisen Überzeugungskraft zu entwickeln vermochte.

„Der Grund für meinen Austritt liegt in der Radikalisierung der AfD“, heißt es in dem Brief, der der WELT vorliegt. Sie komme, so Schultner, „mit großem Bedauern zu der Einschätzung, dass der Punkt, an dem man auf eine Umkehr dieser Fehlentwicklung berechtigt hoffen konnte, längst überschritten ist“.

„Repräsentationslücke für bürgerlich konservative Wähler“

Die heute 44-Jährige war schon 2013 in der Gründungsphase der AfD mit dabei, „weil ich am Aufbau einer klar konservativen Volkspartei mitwirken wollte, einer Partei auch mit erkennbar christlichem Stempel“, wie Schultner schreibt. Ein solche Partei mit einiger Relevanz habe es damals nicht gegeben – aber: „Es gibt sie heute nicht.“ Auch mit der AfD sei „ein wirkliches Angebot für konservative Wähler eindeutig nicht vorhanden“.

Nach wie vor zwar halte sie es, so Schultner, „für demokratisch unerlässlich, dass die bestehende parteipolitische Repräsentationslücke für bürgerlich konservative Wähler endlich geschlossen“ werde. Doch mit der AfD werde diese Lücke „leider nicht“ geschlossen.

Lesen Sie hier den Beitrag aus WELT Online vom 16. 10. 2017 zu Ende.

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KIRCHENGESCHICHTE:  ZISTERZIENSER & CO

"Diese Mönchsorden lassen sich mit dem IS vergleichen"

 

Sie haben den Hass gepredigt und am Krieg gut verdient: Eine Bonner Ausstellung präsentiert „Die Zisterzienser“ als mittelalterlichen Konzern. Ein Fachmann vermisst ihren Hang zum Fundamentalismus.

Von Andreas Fasel

Als „Konzern der weißen Mönche“ porträtiert derzeit eine große Ausstellung in Bonn die Zisterzienser. Das LVR-Landesmuseum hat 200 kostbare Objekte aus ganz Europa zusammengetragen, um, wie es heißt, die Erfolgsgeschichte dieses außergewöhnlichen Ordens und seine Entwicklung zu einem der mächtigsten Verbände der Christenheit vorzustellen. Ob diese Schau gelungen ist? Das ist eine Frage für den in Bonn lebenden Theologen und pensionierten Gymnasiallehrer Hermann J. Roth, der selbst Zisterzienser war und sich mit der Geschichte der Mönchsorden bestens auskennt.

DIE WELT: Im Rheinischen Landesmuseum Bonn werden derzeit die Zisterzienser mit einer Ausstellung gefeiert – als ein Orden, der seit seiner Gründung im 12. Jahrhundert unsere Gesellschaft maßgeblich geprägt hat.

Hermann J. Roth: Der Untertitel der Ausstellung lautet sogar: „Das Europa der Klöster“. Doch wenn man sich die Karte mit den Zisterzienser-Klöstern in Europa und auch hier im Deutschland genauer anschaut, merkt man schnell, dass da sehr viele wichtige Klostergründungen aus derselben Zeit fehlen.

DIE WELT: Wie kommt das?

Roth: Die Zisterzienser waren nur ein Wellenkamm in einer großen Woge einer Jugendbewegung. Es gab neben den Zisterziensern noch viele andere, die im 11. und 12. Jahrhundert back to the roots strebten, wie wir heute sagen würden. Allesamt waren sie junge Leute, die sich wieder ganz auf den Wortlaut der Bibel beziehen wollten. Und auf die Mönchsregel des heiligen Benedikt. Diese Bewegung begann zunächst in Italien, später griff sie auf Frankreich über. Dort bildeten sich dann mehrere Kristallisationspunkte, wo Jugendliche zusammenfanden und miteinander diskutierten. Und nachdem sie sich heißgeredet hatten, schwärmten sie aus. Und jeder von ihnen versuchte, seine Vorstellungen zu realisieren. Denn sie waren sich zwar in ihrem Grundanliegen einig, doch die Wege, die sie einschlugen, unterschieden sich gewaltig voneinander.

DIE WELT: Welche verschiedenen Gruppierungen gab es denn?

Roth: Da sind einmal jene Benediktiner zu nennen, die innerhalb des herkömmlichen Mönchtums eine Reform versuchten. Eine andere Gruppe wählte den Weg des eremitischen Lebens, man kennt sie unter dem Namen Kartäuser. Die Zisterzienser stellten ein kommunitäres Miteinander in den Vordergrund, die Prämonstratenser hingegen die missionarisch-seelsorgerische Arbeit. Die Grammontenser verfolgten einen Ansatz, bei dem die Priester den Laien untergeordnet waren. Wenig bekannt ist, dass diese Grammontenser vieles vorwegnahmen, wofür heute die Zisterzienser stehen. Wieder eine andere Gruppe versuchte etwas, was wir heute Gender Mainstreaming nennen würden: Sie gründeten in Fontevrault ein gemischtes Kloster, bei dem interessanterweise eine Frau die Führung hatte. Und dann gab es noch die Templer, das war im Grunde genommen eine paramilitärische Gruppe.

DIE WELT: Paramilitärische Mönche?

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BUCHMESSE  2017   -  BUCHTIPP

Atlas der unbequemen Wahrheiten

9783426277461

"Zeit"-Redakteur Matthias Stolz und Grafiker Ole Häntzschel stellen eklatante Missstände unserer Zeit an den Pranger. In verblüffenden Infografiken illustrieren sie unbequeme Wahrheiten und lautlose Skandale zu Themen wie Wirtschaftskriminalität, soziale Ungleichheit, Korruption, Menschenrechte, Rassismus, Daten- und Tierschutz.

Wie viele Menschen tötete der Terrorismus in Europa, wie viele in der Welt? Wie viele Trump-Fans auf Twitter sind in Wahrheit Roboter? Welche Aktienunternehmen kaufen sich Lehrstühle an deutschen Unis? Welche Datenmengen speichert Facebook? Welche Nationen töten Wale? Wie viele Billionen Euro werden in internationalen Steueroasen versteckt? In welchen Ländern ist die Prügelstrafe für Kinder bis heute erlaubt? Und wo sterben die meisten Menschen durch die Todesstrafe?

Die Infografik-Cracks Ole Häntzschel und Matthias Stolz wollen nicht länger wegsehen: In 99 Infografiken zu Politik, Wirtschaft, Soziales, Umwelt und Sport veranschaulichen sie skandalöse Zustände in der Welt, die wir nicht immer auf unserem Radarschirm haben, die aber nach Verbesserung schreien.

Kompakt, klar und zeitgemäß präsentiert – 99 Schaubilder, die aufrütteln.

Ole Häntzschel, 1979 in München geboren, lebt und arbeitet als freier Grafikdesigner in Berlin. Zuletzt lehrte er illustrative Infografik an der Fachhochschule Potsdam. Von ihm erschienen zahlreiche "Deutschlandkarten" im ZEITmagazin und bei Knaur - gemeinsam mit Matthias Stolz - die Bücher "Die große Jahresschau", "Die Welt der Informationen" sowie "XX XY - Männer und Frauen". Seine Arbeit wurde u.a. mit dem dpa-Infografik-Award und dem Malofiej-Award in Gold, dem weltweit bedeutendsten Infografik-Preis, ausgezeichnet.

Matthias Stolz, im Saarland geboren, arbeitet als Redakteur beim ZEITmagazin. Er hat die Rubrik „Deutschlandkarte“ und den Begriff „Generation Praktikum“ erfunden. Seine Bücher "Deutschlandkarte" sowie "Sind Sie was Besonderes" (mit Christoph Amend), "Die große Jahresschau", "Die Welt der Informationen" und "XX XY - Männer und Frauen" (letztere drei Titel mit Ole Häntzschel) erschienen bei Knaur.

Atlas der unbequemen Wahrheiten, 16,99 Euro, Droemer-Knaur Verlag, München,ISBN: 978-3-426-27746-1

 

BUCHMESSE  2017   -  BUCHTIPP

Alternative für Christen?

 

Cover Alternative für Christen?

Die neue Partei am rechten Rand verursacht Streit. Sie meint, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Sie will Kinder schon ab 12 Jahren für strafmündig erklären. Sie will behinderte Kinder wieder stärker in Sonder- und Förderschulen stecken. Sie will das Recht auf individuelles Asyl abschaffen. Und sie will das Geld für den Klimaschutz streichen.

Die Kirchen sind früh auf Distanz zu diesen Kernforderungen gegangen. Sie kritisieren: Die AfD schlage nur aus den Ängsten der Menschen Kapital, habe aber keine Lösungen für die Probleme. Doch Christen stehen auch auf ihren Kandidatenlisten. Vertritt die AfD trotz der Kritik der Kirchen Themen, die Christen am Herzen liegen? Können Christen sie wählen? Darüber wird in diesem Buch eine engagierte Debatte ausgetragen.
Mit Beiträgen von: Liane Bednarz, Benjamin Lassiwe, Ulrich Kasparik, Sven Petry, Peter Jörgensen, Christina Aus der Au, Hartmut Beucker, Ilka Federschmidt, Jacob Joussen, Markus Dröge, Manfred Rekowski

Wolfgang Thielmann (Hg.), Alternative für Christen? - Die AfD und ihr gespaltenes Verhältnis zur Religion, € 17,00, 1. Auflage 2017, 192 Seiten, ISBN 978-3-7615-6439-4, Neukirchener Verlag

EU-KOMMISSION

"Wenn Schengen stirbt, wird Europa sterben"

 

Seit der Flüchtlingskrise 2015 haben sechs Länder Grenzkontrollen innerhalb des Schengenraums eingeführt. Nun will die EU die Maximaldauer der Kontrollen erhöhen. Der Kompromiss ruft auch sorgenvolle Töne hervor.

Deutschland verlängert seine Grenzkontrollen, Dänemark und Schweden ziehen aus Angst vor abgelehnten Asylbewerbern nach und Österreich intensiviert die Kontrollen am Brenner: Die EU-Kommission warnt beim Treffen der europäischen Innenminister vor dauerhaften Grenzkontrollen im Schengenraum. „Wenn Schengen stirbt, wird Europa sterben“, sagte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos am Freitag in Luxemburg.

Er verstehe zwar die Besorgnis einiger Mitgliedstaaten wegen der Sicherheitslage, es sei „aber unsere Pflicht, Schengen zu verteidigen und zu erhalten“. Avramopulos zufolge haben bis zu sechs Länder bereits die Verlängerung ihrer Grenzkontrollen um ein weiteres halbes Jahr angekündigt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verteidigte in Luxemburg die Entscheidung Deutschlands , wegen der Terrorgefahr vorerst weiter bis Mai 2018 die Grenzen zu kontrollieren. „Der Grund dafür ist die angespannte Sicherheitslage im europäischen Gefahrenraum im Blick auf den internationalen Terrorismus und der weiterhin mangelhafte Schutz der europäischen Außengrenzen“, sagte er. Die Kontrollen blieben aber „eine befristete Maßnahme“ und führten nicht zum Tod von Schengen.

Drei Jahre Höchstdauer - das stößt auf Kritik

Schon im September hatten Deutschland, Frankreich und andere Mitgliedstaaten gefordert, die Maximaldauer von Kontrollen wegen der Terrorgefahr von zwei auf vier Jahre zu erhöhen. Die EU-Kommission will nach einem Vorschlag von vergangener Woche höchstens drei Jahre erlauben und gleichzeitig die Hürden erhöhen.

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JÄHRLICHE  ERHEBUNG

Das sind die Ängste der Amerikaner

 

Eine Studie hat erhoben, wovor sich die Amerikaner am meisten fürchten. Unter den Top Ten der Ängste gibt es bemerkenswerte Neuzugänge. Besonders eine Trump-Entscheidung sorgt die Amerikaner.

Von Carla Baum

Die Trump-Regierung beeinflusst offenbar erheblich, wovor sich die Amerikaner am meisten fürchten. Das legt eine Studie der Chapman-Universität nahe, die die Ängste der US-amerikanischen Bevölkerung untersucht hat.

Im diesjährigen „Survey of American Fears“ fragten Wissenschaftler die US-amerikanische Bevölkerung nach 80 verschiedenen Ängsten - darunter die Angst vor Terrorismus, Naturkatastrophen und Korruption. Auch persönliche Ängste wie die Furcht vor Höhen, Spinnen oder Geistern wurden abgefragt.

Das überraschende Ergebnis: In den Top Ten der „American Fears“ sind einige Neuzugänge, die im engen Zusammenhang mit den Entwicklungen des vergangenen Jahres stehen. Gleich an Platz zwei steht die Angst vor der Gesundheitsreform, mit der US-Präsident Trump die gesetzliche Krankenversicherung Obamacare rückgängig machen will. Auf Platz sechs findet sich die Angst vor hohen Arzt- und Medikamentenrechnungen. Diese war in den vergangenen Jahren noch nicht in den Top Ten aufgetaucht.

Vor den negativen Auswirkungen des von Trump gewünschten Gesundheitssystems haben die Amerikaner mehr Angst als vor einem dritten Weltkrieg und den Nuklearwaffen Nordkoreas.

Unangefochten an der Spitze steht die Sorge vor Korruption in der Regierung. Diese besetzte auch schon unter der Obama-Regierung in den vergangenen beiden Jahren den obersten Platz, allerdings steigerte sie sich deutlich: Hatten 2016 noch 60,6 Prozent diese Angst angegeben, waren es dieses Jahr schon 74 Prozent.

Bemerkenswerter Anstieg von umweltbezogenen Ängsten

Unter den neuen Ängsten der Amerikaner sind auch viele, die sich auf Umweltverschmutzung beziehen: So fürchten sich 53 Prozent der Bevölkerung besonders vor der Verunreinigung von Flüssen, Seen und Ozeanen (Platz 3).

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ZUM NACHDENKEN

Das Gesetz ist nicht Gegenteil der Freiheit. Es garantiert Freiheit!

 

Sind Gesetze nicht etwas Einengendes, Zwingendes? Nein, sagen die Juden und begehen auf fröhliche Art und Weise gerade ihren „Tag der Gesetzesfreude“. Aber auch Nichtjuden haben guten Grund, dieses Fest mitzufeiern.

Von Hannes Stein

Das Judentum gilt als Religion eines strengen und unbarmherzigen, eines „alttestamentarischen“ Gottes. Und religiöse Juden, heißt es, seien so etwas wie Puritaner ohne Jesus: schwarz gekleidete Gestalten, denen ein unverständliches Gesetz, das in staubigen alten Folianten steht, alles verbietet, was irgendwie Spaß macht. Ansonsten seien Juden hauptsächlich damit beschäftigt, sich über den wachsenden Antisemitismus zu beklagen.

Wer diesen grotesken Unsinn glaubt, möge sich am Abend des 12. Oktober in eine beliebige Synagoge begeben. (Selbstverständlich dürfen Nichtjuden ein jüdisches Gotteshaus betreten; sie dürfen nur den Gottesdienst nicht stören. Aber das gilt ja auch für jede Kirche oder Moschee.) Was wird der neugierige Gast an diesem Abend zu sehen bekommen? Scharen von jüdischen Männern und Frauen, von Jungen und Mädchen, die ausgelassen tanzen. Sie tanzen mit den Thorarollen, die extra zu diesem Zweck aus dem Thoraschrein geholt werden. Sie lachen, sie singen, albern herum. Sie begehen ein Fest, für das es im christlichen Kalender keine Entsprechung gibt: Simchat Thora, den „Tag der Gesetzesfreude“ .

Woher Luther seine Überzeugung bezog

Wer zu viel in den Briefen des Apostels Paulus gelesen hat, muss dieses Fest ein bisschen merkwürdig finden. „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“, schrieb Paulus. Und setzte polemisch noch einen drauf: Das Gesetz richte „nur Zorn an“, behauptete er, „denn wo das Gesetz nicht ist, ist auch keine Übertretung“.

Aus solchen Stellen im Neuen Testament bezog Luther seine Überzeugung, dass es im Grunde gar keiner rituellen Handlungen mehr bedürfe, damit der Mensch selig werde. Der berühmte Rabbi aus Nazareth scheint da freilich etwas anderer Meinung gewesen zu sein. Er sei nicht gekommen, auch nur ein „Jud“ (das ist der winzigste Buchstabe im hebräischen Alphabet: ein Häkchen, das in der Luft hängt) aufzuheben, sagte er seinen Jüngern.

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ORTHODOXIE

Russlands neues "kriegerisches Christentum"

 

Unter Wladimir Putin erlebt das Land eine Renaissance der Religion – und des Fundamentalismus. Christen greifen zur Gewalt. Ein Phänomen, das seine Wurzeln schon in der Sowjetunion hat.

Von Pavel Lokshin, Moskau

„Einen wie Iwan den Schrecklichen könnten wir gut gebrauchen“, sagt Alexander Kalinin, 33, grimmiger Blick, stattlicher Vollbart. Dieben sollen Hände abgehackt, Fluchen in der Öffentlichkeit soll verboten werden. Nicht am Westen, sondern am Iran soll sich Russland ein Beispiel nehmen, sagte er vor drei Wochen in einem Interview des russischen Nachrichtenportals Meduza.io.

Kalinins bislang unbekannte Organisation heißt „Christlicher Staat“. Hunderte Gläubige will er im Internet vernetzt haben, Männer und Frauen, die das heutige Russland für gottlos halten. Seine Sympathisanten, prahlte Kalinin, steckten hinter der Welle von Bombendrohungen, die im September durch Russland rollte.

Seit zwei Wochen sitzt Kalinin, bereits wegen Mordes vorbestraft, in Untersuchungshaft. Ihm wird Nötigung vorgeworfen: Seit Anfang des Jahres sollen er und seine Mitstreiter Hunderte Drohungen an Kinobetreiber verschickt haben – wenn sie Alexej Utschitels Film „Matilda“ zeigen, würden sie brennen.

Christliche Fundamentalisten wie Kalinin protestieren seit mehr als einem Jahr gegen die Aufführung der Romanze, die Ende des Monats in den russischen Kinos anläuft. Sie handelt vom späteren russischen Zaren Nikolaus II. und seiner Affäre mit einer Primaballerina. Russlands letzter Monarch wird in der russisch-orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt. Für die orthodoxen Hardliner grenzt ein Film über seine Jugendliebe an Blasphemie.

Christlicher Fundamentalismus ist keine neue Entwicklung in Russland . Schon in der Sowjetunion der 80er-Jahre bildeten sich erste nationalistisch-religiöse Bewegungen wie Pamjat, die den Glauben an eine „zionistische Weltverschwörung“ mit aggressivem Christentum und Monarchismus verbanden.

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USA

Bannon zeigt Trump, wer eigentlich die Macht besitzt

 

Kaum aus dem Weißen Hauses verbannt, treibt der ehemalige Chefstratege den Präsidenten von außen vor sich her. Steve Bannon kämpft für seine radikale Agenda – und kennt auch mit seinem Ex-Chef kein Pardon.

Von Ansgar Graw

Er ist wieder da und dominiert stärker als je zuvor das Weiße Haus. Sein Name: Steve Bannon. Der Nationalrevolutionär kämpft für die Agenda des Donald Trump . Wohlgemerkt: für die Agenda – und allenfalls noch am Rande für den Präsidenten selbst.

Der republikanische Senator Bob Corker solle „unverzüglich zurücktreten“, fordert Bannon, der im August als Trumps Chefstratege entlassen wurde und jetzt wieder Breitbart.com leitet, das Internetportal der alternativen Rechten. Corker, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat, hatte Trumps Befähigung für das Präsidentenamt in Abrede gestellt und das Weiße Haus als „Betreuungszentrum für Erwachsene“ bezeichnet – in Adult Daycare Centers werden demente Amerikaner versorgt.

Der erfahrene Außenpolitiker Corker wird Bannons Aufforderung ignorieren. Aber er kandidiert im November 2018 auch nicht erneut für den Senat. Gegen den moderaten Konservativen wollten mehrere rechte Republikaner antreten. Mutmaßlich hätte Corker die parteiinternen Vorwahlen nicht überstanden. Der lang anhaltende Streit mit Trump kam hinzu

Dabei erscheint der Präsident aktuell nicht mehr wie der starke Führer, sondern wie ein von Bannon Getriebener. Bannon betrachtet Corker – neben Senatsmehrheitsführer Mitch McConnell und Repräsentantenhaussprecher Paul Ryan – als Bestandteil jenes Republikaner-Establishments, das Trumps (und damit Bannons!) Agenda „nullifizieren“ wolle.

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BEIHNAHE-CRASH

Was man über den Kometen 2012 TC4 wissen muss

 

Am Donnerstag rast ein Asteroid vergleichsweise nah an der Erde vorbei. Diesmal wird es noch gut gehen. Der Beinahe-Crash mahnt aber zu Vorsorgemaßnahmen für den Tag X. Die Forscher sind alarmiert.

Von Norbert Lossau

Asteroiden sind Felsbrocken, die hauptsächlich zwischen den Planeten Mars und Jupiter ihre Bahnen um die Sonne ziehen. Auch am Rande des Sonnensystems, im sogenannten Kuipergürtel, gibt es ein großes Reservoir von Asteroiden. Stoßen zwei Asteroiden miteinander zusammen – oder kommen sich zumindest sehr nahe –, dann können sie sich aus ihrer Bahn schupsen. Beispielsweise kann ein großer einen kleineren Asteroiden geradezu aus seiner ursprünglichen Bahn herauskatapultieren. Irgendwann wurde auf diese Weise auch das Objekt 2012 TC4 in eine elliptische Umlaufbahn gebracht, die es am kommenden Donnerstag sehr nahe an die Erde führen wird. Alles Wissenswerte über den Asteroiden lesen Sie hier:

Wann wurde der Asteroid 2012 TC4 entdeckt?

Die ersten vier Ziffern geben das Jahr der Entdeckung an. Erstmals gesichtet wurde dieser Asteroid am 4. Oktober 2012 mit dem von der Universität Hawaii betriebenen Großteleskopsystem Pan-Starrs . Er wurde anfangs als potenziell gefährlicher Asteroid eingestuft. Diese Einschätzung wurde nach weiteren Beobachtungen revidiert.

In welchem Abstand fliegt der Asteroid an der Erde vorbei?

2012 TC4 wird sich der Erde bis auf 44.000 Kilometer nähern. Zum Vergleich: Die geostationären Satelliten (also zum Beispiel alle TV-Satelliten) befinden sich in einer Höhe von 36.000 Kilometern über der Erde. Die Forscher geben den präzisen Annäherungswert ab Erdmittelpunkt an. Dann sind es 50.141 ± 373 Kilometer. Zum Vergleich: Der Abstand von Erde und Mond beträgt rund 384.400 Kilometer.

Wie groß ist der Asteroid 2012 TC4?

Die Experten der Nasa schätzen den Durchmesser auf zwölf bis 27 Kilometer.

Wie schnell ist der Asteroid?

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ROSENKRÄNZE  AN  DEN  GRENZEN

Zehntausende beten für "Rettung Polens"

 

Am Jahrestag einer Seeschlacht, die angeblich "Europa vor der Islamisierung" rettete, besinnen sich Zehntausende Polen auf ihr Christentum. Sie beten an den Grenzen, "damit Europa Europa bleibt".

Zehntausende polnische Katholiken haben an den Außengrenzen des Landes Menschenketten gebildet und Gott um die "Rettung Polens und der Welt" gebeten. Die Gläubigen folgten einem Aufruf der Stiftung Solo Dios Basta. Zu der Aktion "Rosenkranzgebet an den Grenzen" hatte auch die polnische Bischofskonferenz eingeladen. Gegner sprachen von einer "islamophoben Aktion".

Die Bischöfe bezeichneten die Kundgebungen an der gut 3500 Kilometer langen Landesgrenze als Massen-Gebet für den Weltfrieden. Die Kritiker sahen die Aktion hingegen als gegen Muslime gerichtet.

In einer live im ultrakatholischen Sender Radio Maryja übertragenen Messe erklärte Krakaus Erzbischof Marek Jedraszewski, er bete "für die anderen europäischen Nationen, damit sie die Notwendigkeit verstehen, zu den christlichen Wurzeln zurückzukehren, damit Europa Europa bleibt."

Mehr als tausend Menschen nahmen in der Kirche der Ortschaft Koden an der Grenze zu Weißrussland an einer Messe teil. Der 64-jährige Adam Hernik, der mit dem Reisebus aus seiner Diözese eintraf, sagte: "Ich kenne die Muslime nicht, aber wir dürfen sie nicht in unser Land lassen. Dann haben wir unsere Ruhe."

Die Aktion fand an dem am 7. Oktober begangenen Fest "Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz" statt, das seit der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 gefeiert wird. Damals besiegte die christliche Flotte die muslimische Übermacht und rettete damit "Europa vor der Islamisierung", wie die Stiftung in ihrem Aufruf erklärte. An der Aktion nahmen hunderte Kirchen aus 22 Diözesen in Grenznähe teil.

Lesen Sie hier den Beitrag aus n-tv Online vom 08. 10. 2017 zu Ende.

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"BÜRGERKRIEG  IM  UNTERGRUND"

Gegner von Papst Franziskus planen Zukunft ohne ihn

 

Vor zwei Jahren rief der Papst die Bischöfe der Welt zusammen und diskutierte über Themen wie Liebe und Familie. Seitdem tobt ein Richtungsstreit in der Kirche. Franziskus' Gegner werden immer lauter - und denken schon an eine Zukunft ohne ihn.

Dass einem Papst ketzerisches Verhalten vorgeworfen wird, ist schon ungewöhnlich. Dass dies mit einem offenen Brief geschieht, den mehr als 60 katholische Gelehrte unterschrieben haben, macht die Sache nicht besser. In dem Dokument mit dem lateinischen Namen „Correctio Filialis“ wird Franziskus Häresie vorgeworfen, also Abweichen von der Lehre. Auch wenn die Unterzeichner Traditionalisten und Hardliner sind und keine Kardinäle darunter sind, unterschätzt werden sollte das Ganze nicht. Es steht für die zunehmende Opposition gegen Franziskus. Im Kern geht es um die Frage, ob wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen dürfen oder eben nicht.

Begonnen hat die Eskalation vor zwei Jahren, als sich die Bischöfe der Welt vom 4. Oktober an im Vatikan versammelten, um über „heiße Eisen“ wie den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen zu reden. Bei der Familiensynode flogen die Fetzen, berichteten die, die dabei waren. Heraus kam eine wachsweiche Erklärung. Mittlerweile bringen sich die Gegner von Franziskus' Modernisierungskurs immer offener in Stellung.

Für viele Konservative sind Franziskus‘ Vorschläge ein Unding

Zielpunkt der Kritik ist das päpstliche Familien-Schreiben „Amoris Laetitia“, in dem Franziskus andeutet, dass wiederverheirateten Geschiedenen der Weg zu den Sakramenten nicht verwehrt werden darf. Für viele Konservative ist das ein Unding, ja ein Skandal, weil es den Lehren der Kirche widerspricht. Für viele Gläubige, vor allem in Ländern wie Deutschland, geht es dagegen nicht weit genug in Richtung Öffnung der Kirche. Zumindest die deutschen Bischöfe haben sich hinter das Schreiben gestellt.

Lesen Sie hier den Beitrag aus FOCUS Online vom 08. 10. 2017 zu Ende.

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NATUR

Lautloses Sterben der Falter und Wildbienen

 

Übernutzte und überdüngte Böden, Monokulturen ohne Blühpflanzen, intensive Forstbewirtschaftung engen Lebensräume für Insekten ein. Ein Ausweg aus dem ökologischen Desaster wäre eine naturnahe Landbewirtschaftung.

Von

Früher einmal schwirrten von Mai bis Oktober zahlreiche Falter der Goldenen Acht von Blüte zu Blüte. Auf naturnahen blütenreichen Wiesen fanden die Raupen ausreichend Nahrung: Luzerne und Klee - Pflanzen, die es auf heutigen Äckern kaum noch gibt. Mit der intensivierten Landwirtschaft schwindet ihr Lebensraum, weshalb der Falter in Nordrhein-Westfalen und einigen anderen Bundesländer bereits auf der Roten Liste steht.

Nicht nur die Goldene Acht, Insekten verschwinden quer durch alle Arten mit weit reichenden Folgen für Böden, Bestäubung sowie die gesamten Ökosysteme. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zu Insekten in Deutschland vom Juli 2017 hervor.

Der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) zu Folge sind weltweit rund 18.000 wirbellose Arten vom Aussterben bedroht. Von 7.802 der bearbeiteten Insektentaxa gelten 946 Arten als gefährdet, 792 als stark gefährdet, 552 sind vom Aussterben bedroht und 311 sind in unbekanntem Ausmaß gefährdet. Unterm Strich sind 358 Arten ausgestorben oder verschollen. Fast 38 Prozent der in den aktuellen Roten Listen betrachteten Insektenarten gelten als ausgestorben oder bestandsgefährdet.

Das Ergebnis von Langzeitstudien, die von 1982 bis 2017 an ausgewählten Versuchsstandorten durchgeführt wurden, lautet ganz ähnlich: Hier war die Insektenbiomasse um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Als Ursachen benennen Experten die Intensivierung der Landwirtschaft mit all ihren Monokulturen sowie die Veränderung der Lebensräume.

Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS Online vom 07. 10. 2017 zu Ende.

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ZEITGEIST

Die mysteriöse Flucht der Deutschen ins Gold

 

Die schlimmsten Turbulenzen der Euro-Krise sind längst vorbei – und dennoch horten die Deutschen Gold wie nie zuvor. Deutschland ist sogar die führende Gold-Nation weltweit geworden. Dahinter steckt eine alte Angst.

Von Holger Zschäpitz

Die niedrigen Zinsen und die stete Enteignung der deutschen Sparer - eines der Themen, das die Bundesbürger empfindlich trifft, tauchte im Wahlkampf so gut wie gar nicht auf. Es drängt sich der Eindruck auf, die Deutschen hätten sich mit der Situation abgefunden. Doch weit gefehlt. Eine neue Statistik offenbart, dass sie still und heimlich mit den Füßen abgestimmt haben. Sie haben aus Angst vor Inflation und Spekulationsblasen bei Aktien und Anleihen zuletzt so viel Gold gekauft wie noch nie.

Das zeigt eine Studie des World Gold Councils, einer Art Lobbyvereinigung der Edelmetallbranche: Danach haben die Deutschen allein im vergangenen Jahr knapp sieben Milliarden Euro in Goldfonds gepackt. Das entspricht einer Nachfrage nach dem Edelmetall von rund 80 Tonnen. Gleichzeitig kauften die Bundesbürger noch einmal Münzen und Barren im Volumen von 110 Tonnen. Die Gesamtnachfrage erreichte mit knapp 200 Tonnen einen historischen Höchststand.

Deutschland ist führende Gold -Nation

Deutschland ist damit zur führenden Gold-Nation weltweit geworden. Pro Kopf wurden hierzulande knapp 1,5 Gramm erworben. Das ist deutlich mehr als die Nachfrage in klassischen Gold-Ländern wie der Türkei, China oder Indien. Die im Ranking zweitplatzierten Türken kauften durchschnittlich lediglich 0,9 Gramm des Edelmetalls, die Inder sogar nur 0,5 Gramm.

Dabei sind in diesen Pro-Kopf-Zahlen noch nicht einmal die Investitionen in Goldfonds enthalten. Und da spielt sich ein wahrer Goldrausch ab. Das Anlagevolumen der Produkte erreichte Ende September mit 252 Tonnen ein Allzeithoch.

Hinter den Goldfonds verstecken sich Finanzvehikel wie Xetra Gold oder EUWAX Gold, bei denen das Geld der Kunden mit Edelmetall gedeckt sind. Sparer können ihr Geld direkt in die Produkte investieren so wie bei einem klassischen Investmentfonds. Die Anbieter wiederum stecken das Geld der Sparer direkt in Gold, das sie in riesigen Kellern lagern. Und es gibt noch eine spezielle Eigenheit. Die Sparer können sich ihr Geld später in Gold auszahlen lassen. Bei Xetra Gold wurden auf diese Weise seit dem Start im Jahr 2009 bereits 4,6 Tonnen an Anleger ausgeliefert.

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GESELLSCHAFT

Das richten Familientragödien in Kinder-Seelen an

 

Tötet ein Vater seine Frau, verlieren die Kinder oft beide Eltern. Wie verheerend das für sie ist, werde noch unterschätzt, sagen Experten. Vielfach wäre dringend psychologische Unterstützung nötig.

Von Nadja Wolf

Kinder eines vom Partner getöteten Elternteils haben mit weit mehr psychischen Problemen zu kämpfen als bisher vielfach angenommen. Zu diesem Schluss kommen Forscher in einer Studie in den Niederlanden, bei der solche Familiendramen zwischen 2003 und 2012 analysiert wurden.

Viele der hinterbliebenen Kinder hatten demnach vor der Tat selbst Gewalt erfahren, ein großer Teil erlebte die Tat direkt mit. Auch in Deutschland würden die Nachwirkungen auf betroffene Kinder zu wenig beachtet, sagt eine Expertin.

Für die zehn Jahre Studienzeitraum wurden 137 Fälle erfasst, in denen in Familien in den Niederlanden ein Elternteil durch den jeweiligen Partner getötet wurde. 256 Kinder blieben traumatisiert zurück, meist leiden sie unter starken Entwicklungsstörungen und psychischen Belastungen, wie die Forscher um Eva Alisic vom University Medical Centre Utrecht im Fachmagazin „Plos One“ berichten. Dennoch seien solche Extremfälle bisher kaum wissenschaftlich untersucht.

Mehr als ein Drittel der Kinder sahen die Tat oder fanden die Leiche

Da es keine offizielle Erfassung gibt, suchten die Forscher die Fälle aus verschiedenen Quellen zusammen. Sie bezogen Daten der Sozialbehörden, der Justiz und Zeitungsartikel ein und rekonstruierten so die Lebensumstände vor der Tat. Der Auswertung zufolge verloren die meisten Kinder (87 Prozent) durch den Mord ihre Mutter. Täter war vorwiegend das andere leibliche Elternteil, in einigen Fällen auch der Lebenspartner des Opfers.

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US-SÜDSTAATEN

Selbst Bischöfe zogen für die Sklaverei in den Krieg

 

Der Streit um Südstaaten-Generäle und ihre Denkmäler in den USA hat jetzt auch die Kirchen erreicht. So gab es Seelsorger, die sich als konföderierte Truppenführer einen Namen machten.

Von Florian Stark

Was haben George Washington, Franklin D. Roosevelt und George Bush gemein? Sie waren bzw. sind Angehörige der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika. Obwohl diesem Ableger der anglikanischen Gemeinschaft nicht einmal ein Prozent aller Amerikaner angehören, waren bislang ein Viertel aller US-Präsidenten sowie zahlreiche Familien der Elite wie die Vanderbilts oder Astors Gemeindemitglieder. Noch heute sind viele Episcopalians gebildet, vermögend und entsprechend einflussreich.

Das kann erklären, warum sich die 390 Mitglieder der Episkopalgemeinde von Lexington (Virginia) eine Kirche leisten können. Doch jetzt geht ein Riss durch die Gläubigen. Denn die Kirche hat lange den Namen ihres berühmtesten Mitglieds getragen: R. E. Lee Memorial Church, nach Robert E. Lee , dem berühmtesten General der Südstaaten im Bürgerkrieg und Oberkommandierenden seiner Armeen.

Nicht erst die blutigen Unruhen im 100 Kilometer entfernten Charlottesville im August, die sich an der Demontage eines Standbildes von General Lee entzündeten, haben den Streit in Lexington entfacht. Bereits nach dem Anschlag von Charleston (South Carolina) im Juni 2015, als ein weißer Rassist neun Schwarze in einer Methodistenkirche erschoss, wurde in einer Petition mit fast 6000 Unterschriften die Streichung des berühmten Namens gefordert.

Nun hat die landesweite Debatte über die „Sünde des Rassismus“ Lee’s Church erneut zur Disposition gestellt. Nach seiner Kapitulation 1865 hatte der General die Leitung der damals gerade 25 Jahre alten Grace Church übernommen und bis zu seinem Tod 1870 maßgeblich den Wiederaufbau des Gemeindelebens vorangetrieben. 1903 erhielt die Kirche ihren heutigen Namen. Vor wenigen Tagen entschied sich die Gemeinde, zum ursprünglichen Namen Grace Episcopal Church zurückzukehren .

Dieser lokale Streit konturiert die laufende Debatte in dem noch immer zutiefst christlich geprägten Amerika: Kann ein überzeugter Christ und verdienter Kirchenmann von dem Armeeführer getrennt werden, der die Sklaverei mit allen Mitteln verteidigte ? Zumal wenn er heute von vielen Rassisten geradezu als Symbol des südstaatlichen Sonderwegs verehrt wird?

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SPIELBALL  DER  WELTMÄCHTE

So wurde Katalonien Teil Spaniens

 

Aragón, Habsburger oder Bourbonen wiesen den Katalanen höchstens eine Nebenrolle zu und verschacherten ihr Land. Damit haben seine Bewohner erstaunlich gut gelebt. Ein historischer Hintergrund.

Von Berthold Seewald

Alles begann mit Wilfried dem Haarigen. Dieser umtriebige Adlige aus dem südfranzösischen Carcassonne wurde im Jahr 878 von dem westfränkischen König und Kaiser Karl dem Kahlen die Verwaltung der Spanischen Mark übertragen. Wilfried, der zugleich Graf von Barcelona war, übte sein Amt wie seine Vorgänger in Barcelona aus. Doch im Gegensatz zu jenen wagte er den großen Coup. Vom König erwarb sich der Graf das Recht, seine Titel und Ländereien an seine Nachkommen vererben zu dürfen. Die Familie blühte, die Karolinger verschwanden in der Geschichte.

So entstand Katalonien , sagen die Katalanen und verehren Guifré el Pilós heute als Begründer ihrer Staatlichkeit, deren Wiedererlangung sie sich soeben per Referendum zum Ziel gesetzt haben. Doch ebenso wie die Abstimmung, deren völkerrechtliche Geltung zumindest Zweifel offenlässt, ist auch die Rolle Wilfrieds des Haarigen unter Historikern nicht unumstritten. Er und seine Nachfolger begründeten zwar eine regionale Herrschaft, die einige Gebiete des heutigen Katalonien umfasste. Aber als Wegbereiter katalanischer Selbstständigkeit haben sich die Grafen sicherlich nicht gesehen, noch wurden sie als solche von den Nachbarn erkannt. Die katalanische Sprache des Mittelalters machte noch keinen Staat.

Historiker haben für diese Geschichtsanverwandlung den Begriff „intentionale Geschichte“ gefunden. In diesem Sinne wurden der Cherusker Hermann oder der Averner Vercingetorix beizeiten als „Deutscher“ oder „Franzose“ erkannt, um nationale Ansprüche mit möglichst vielen Jahrhunderten historisch zu untermauern. Katalonien macht da keine Ausnahme. So werden die karthagischen Kolonien des 3. Jahrhunderts v. Chr. oder das Westgotenreich des frühen Mittelalters gern als Argumente für eine gewissen Eigenständigkeit des Landes am Südwestabhang der Pyrenäen zitiert.

1. Die Spanische Mark der Karolinger

Auch die Spanische Mark, die Karl der Große um 800 zum Schutz seines Frankenreichs gegen die muslimischen Herrscher von al-Andalus einrichtete, hatte wenig mit Katalonien, aber viel mit Christentum zu tun. Die in die Enge getriebenen christlichen Fürsten im Norden und Osten der Iberischen Halbinsel verstanden sich vor allem anderen als Verteidiger ihres Glaubens, den es wieder in die verlorenen Gebiete zurückzutragen galt.

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DAS  ERSTE  HANDBUCH

Deutsche Evangelikale

 

Migranten, deutscher Bible Belt, verzweifelter Kampf um Gewicht im öffentlichen Leben - Ein Interview zum "Handbuch Evangelikalismus" mit Jens Schlamelcher und Martin Radermacher.

Von

Der Bielefelder Transcript Verlag hat ein Handbuch Evangelikalismus von Frederik Elwert, Martin Radermacher und Jens Schlamelcher veröffentlicht. Die drei Herausgeber arbeiten am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität Bochum. Die Autoren sind als Spezialisten an unterschiedlichen Stellen tätig.

Die Begriff "evangelikal" und "Evangelikalimus" werden in Wissenschaft und Religion unterschiedlich definiert: Gehören Pfingstler und Chrismatiker dazu? Und Fundamentalisten? Und wie ist es mit denjenigen, die sich selbst als solche bezeichnen? Dementsprechend bewegen sich die Schätzungen zur Anzahl der "Evangelikalen" in Deutschland - und damit ihrer gesellschaftlichen Bedeutung - zwischen 1,3 Millionen (Evangelische Allianz) und 2,7 Millionen (Gisa Bauer); die Herausgeber des Handbuchs folgen der Einschätzung des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdiensts REMID e.V., dem auch einer der Herausgeber angehört, von 1,7 Millionen, also etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Sie betrachten Evangelikalismus als "christliche Subkultur" und haben, eine gute Idee, die Autoren gebeten, ihren Aufsätzen die jeweils eigene Definition voranzustellen.

Der Verlag sieht das Handbuch als Gesamtüberblick über "eine der am schnellsten wachsenden religiösen Bewegungen weltweit", die "zunehmend auch im deutschsprachigen Raum an Bedeutung" gewinne. Selbst wenn man dies als Übertreibung betrachtet, bleibt ein äußerst seriöses Buch, das erste Handbuch in deutscher Sprache über die christlichen Gruppen, die im weitesten Sinne unter dem Begriff "Evangelikalismus" zusammengefasst werden können. Der Band will ein Gesamtbild bieten und einen systematischen Überblick über historische Entwicklungslinien, geographische Besonderheiten und zentrale Themen geben. Zwischen Einleitung und Ausblick erarbeiten Wissenschaftler unter den beiden Oberthemen "Evangelikalismus weltweit" sowie "Komparativ-Analytische Zugänge" die Geschichte und globale Ausbreitung evangelikaler Gruppen, stellen diese christlichen Glaubensformen dar und beleuchten Sozialformen sowie Verflechtungen mit gesellschaftlichen Funktionsbereichen wie Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

Welchen Platz haben Evangelikale in der öffenlichen Wahrnehmung?

Martin Radermacher: Evangelikale verlieren gegenüber dem Islam an Platz in der Berichterstattung. Und wenn doch berichtet wird, dann eher mit Konzentration auf Konflikte.
Jens Schlamelcher: Gelegentlich gibt es aber auch ein gewisses Wohlwollen in der Berichterstattung über den Islam, dann heißt es sinngemäß: Die Evangelikalen sind ja auch nicht besser.
Martin Radermacher: Es wird berichtet, wenn Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder die Schule besuchen.
Jens Schlamelcher: Im Augenblick scheint die Berichterstattung eher abzunehmen; man liest weniger als in den 1990ern und in der ersten Hälfte der 2010er. In Deutschland sind Evangelikale eher als "Parallelgesellschaften" präsent, mit Schulverweigerung als Beispiel. Aber es sind keine großen Themen.

Es sind ja auch nicht viele, obwohl diese Einschätzung natürlich eine Frage der Sichtweise ist: Zwischen 1,3 und 2,7 Millionen Evangelikale in Deutschland; Sie nennen die Zahl von 1,7 Millionen Menschen: Das sind immerhin zwei Prozent der Bevölkerung. Laut Verlag eine der am schnellsten wachsenden religiösen Bewegungen weltweit? Und in Deutschland?

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FORSCHER WARNEN

Die bisherigen Natur-Katastrophen sind erst der Anfang

 

Mega-Hurrikans in der Karibik, Waldbrände in Südeuropa, tagelange Regenfälle in Deutschland. Das sind erste Vorboten des Klimawandels, sagen die Forscher. Ihre Prognosen sind weit schlimmer.

Die jüngsten Massenmörder heißen „Harvey“, „Irma“ und „Maria“. Mit Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern ebneten die Monster-Hurrikans die Karibik-Inseln St. Martin und Barbuda wie ein gewaltiger Bulldozer ein und drängten Millionen Menschen zum Exodus aus dem US-Sonnenstaat Florida. Mindestens 40 Menschen starben unter umgestürzten Häusern oder in den meterhohen Fluten. Die materiellen Schäden gehen in die Milliarden.

Die Zerstörungen bringen selbst hartgesottene Klimawandel-Leugner ins Grübeln. US-Außenminister Rex Tillerson deutete in einem Interview an, dass die USA den von Trump angekündigten Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen möglicherweise doch noch rückgängig machen: „Wir möchten mit Partnern im Pariser Klimaabkommen zusammenarbeiten, wenn wir dafür Bedingungen festlegen können, die wir für fair und ausgewogen halten.“

Die Debatte um den Klimaschutz ist neu angefacht und dringender denn je. Forscher schlagen Alarm: Wenn wir nicht möglichst sofort das Ruder beim Ausstoß von Treibhausgasen herumreißen, könnten viele Teile der Welt bereits in wenigen Jahren oder Jahrzehnten unbewohnbar sein.

Anstieg der Erderwärmung um fünf Prozent

Denn das politische Hin und Her um die Senkung des CO2-Ausstoßes wird die Physik nicht aufhalten. Viele Wissenschaftler hoffen zwar noch, dass sich die Erwärmung der Erdatmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad oder weniger begrenzen lässt. Aber eine Studie der Universität Washington sieht diese Wahrscheinlichkeit bei lediglich fünf Prozent. Realistischer sei ein Anstieg um bis zu fünf Grad.

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ZEITGEIST

Warum die Ehe allmählich zu einem Privileg der Mittel- und Oberschicht wird

 

In einem Bericht warnen konservative US-Stiftungen vor einer zunehmenden "Klassenspaltung bei der Heirat und der Familienstruktur".

Von Florian Rötzer

Dass sich konservative US-Stiftungen wie das American Enterprise Institute und Opportunity America für Familien und die Ehe einsetzen, kann nicht verwundern, das sind Kernthemen einer konservativen Weltsicht. Aber dass sie nun von Klassenunterschieden beim Heiraten sprechen und monieren, dass die Heirat zu einem Privileg der Besserverdienenden geworden sei, ist doch überraschend. Gesprochen wird von einer "zunehmenden Ehekluft" zuungunsten der ärmeren Schichten. Der Trend ist interessant, aber auch die Interpretation aus konservativer Sicht.

In den 1970er Jahren war nicht nur die überwiegende Mehrheit der Amerikaner im Alter zwischen 18 und 55 Jahren verheiratet, es gab auch noch keine Unterschiede hinsichtlich der Einkommensschichten. Das hat sich bereits in den 1990er Jahren gewandelt. Zwar war noch mehr als die Hälfte der Erwachsenen verheiratet, aber die Unterschiede zwischen den Einkommensschichten wurden bereits bemerkbar. 65 Prozent der Mittel- und Oberschicht waren verheiratet, bei der Arbeiterklasse waren es 57 Prozent und bei den Armen bereits nur 51 Prozent.

2015 hat sich das Bild noch einmal weiter verschoben. Mit 26 Prozent ist nur noch ein Viertel der Unterschicht verheiratet, in der Arbeiterklasse sind es 39 Prozent, während mit 56 Prozent weiterhin die Mehrheit verheiratet ist. Allgemein geht die Zahl der Menschen, die überhaupt heiraten, weiter zurück, aber warum unterscheiden sich Unter- und Mittel- bzw. Oberschicht so stark?

Zur Arbeiterklasse werden Menschen gerechnet, die einen Highschool-Abschluss oder auch eine Zeitlang am College waren, aber keinen Hochschulabschluss besitzen oder deren Einkommen unterhalb des Median zwischen dem 20. und 50. Einkommensperzentil liegt. Das sind 21 Prozent der Altersgruppe. Als arm gelten Menschen, deren Familieneinkommen unter dem 20. Perzentil liegt oder die keinen Schulabschluss haben. Das sind etwa 22 Prozent der Menschen zwischen 18 und 55 Jahren. Zur Mittel- und Oberschicht, zu der 57 Prozent der Altersgruppe zählen, zählen die Menschen, deren Einkommen über dem Median liegt oder die einen Hochschulabschluss haben.

Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS Online vom 29. 09. 2017 zu Ende.

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HINTER  DEN  KULISSEN

Die Wirtschaft hat der Religion den Krieg erklärt

 

Wir befinden uns in keinem Religionskrieg, die Märkte stoßen sich an den Religionen, für die nicht alles Ware ist.

Von Diego Fusaro

Es wird wie ein Mantra wiederholt, dass wir inmitten eines "Religionskrieges" stecken. Wenn wir die Perspektive allerdings umkehren, dann behaupte ich (seit langem), dass wir inmitten eines "Krieges gegen die Religion" stecken: Der Wirtschaftsfanatismus hat den Religionen der Transzendenz den Krieg erklärt. Er macht dies, indem er sie als fanatisch, fundamentalistisch und terroristisch usw. delegitimiert.

Wie ist diese Feindschaft zwischen dem Monotheismus des Marktes und den Religionen der sowohl islamischen als auch christlichen Transzendenz zu erklären? Die Antwort findet sich, wie ich denke, in den Versen von Ezra Pound (Cantos, 97): "the temple is holy because it is not for sale" (Der Tempel ist heilig, weil er nicht zum Verkauf steht).

Die Religion der Transzendenz scheint heute mit der immanenten Religion des Marktes unvereinbar, weil sie Elemente enthält, die nicht wie Waren behandelt werden können, reale und symbolische Werte, die sich nicht auf den Austausch reduzieren lassen. Ganz zu schweigen vom nicht-konservativen Pathos, das im Namen des Himmelreiches danach strebt, den Thron der Mächtigen zu stürzen.

Es ist in dieser Hinsicht bezeichnend, dass der einzige Zornesausbruch Jesu, der uns durch die Heilige Schrift überliefert wird, die Vertreibung der Kaufleute aus dem Tempel ist.

Die weltlichen Guerillakämpfer wissen es natürlich nicht. Sie wissen auch nicht, dass sie im Dienste des wirtschaftlichen Integrationsprozesses stehen. Sie zeigen sich noch einmal als die treuesten Verbündeten seiner Majestät, Monsieur le Capital.

Letzterer strebt danach, die traditionellen Religionen auszulöschen, um die marktergebene Religion als die einzig mögliche Theologie vorzuschreiben und um gleichzeitig das religiöse symbolische Erbe als Bedeutungsdepot und als mobilisierende Ressource zu neutralisieren.

Lesen Sie hier den Beitrag aus TELEPOLIS Online vom 28. 09. 2017 zu Ende.

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